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Das Flüchtlingselend in Indochina hatte vor einiger Zeit die Scheinwerfer der Aktualität auf die Adoption in Luxemburg gerichtet. So, wenn nicht 100 vietnamesische Waisenkinder sollten von idealistisch gesinnten Luxemburger Familien adoptiert werden. Ob bei solch massiver Spontanreaktion nicht auch unvorbereitete Elternpaare sich meldeten, denen die auf sie zukommenden Schwierigkeiten gar nicht bewusst waren, bleibt dahingestellt. So mancher Sozialarbeiter atmete jedenfalls auf, als aus der ganzen Sache aus verschiedenen andern Gründen nichts wurde.

Gleich mehrere Fragen sind mit diesem Beispiel aufgeworfen, welche die Adoption in Luxemburg zu einem Problem machen.

Erstens steht fest, dass der allgemeine Geburtenrückgang auch die Zahl der adoptierbaren Kinder (schon lange vor der Legalisierung des Schwangerschaftsabbruches) zurückgehen lässt, so dass die Liste wartender Elternkandidaten immer länger wird. Viele entscheiden sich daher nach längerer Unschlüssigkeit für ein Kind aus der Dritten Welt (denn im nahen Ausland sind adoptierbare Kinder ebenfalls Mangelware). Aber auch dort wird es immer schwieriger noch Kinder herzubekommen.

Damit wird aber auch die Frage der Motivationen aufgeworfen. Bei unsern Gesprächen zur Vorbereitung dieses Dossiers fiel uns auf -und das sei ohne irgendwelche moralische Bewertung festgehalten-, dass öfter kinderlose Eltern sich ein Kind suchen, als dass sie elternlosen Kindern ein Elternhaus anbieten möchten. Diese u.E. doch völlig verschiedenen Motivationen wurden aber kaum von unsern Gesprächspartnern aufgegriffen. Auch möchten wir bemerken, selbst auf die Gefahr hin, dass es selbstverständlich klingt, dass die Adoption "exotischer" Kinder keineswegs auch nur „satzweise eine Lösung weder des Hungerproblems noch der vollwertigen Entwicklung Heraumschender in der Dritten Welt darstellt. Doch das Dilemma, nichts zu tun oder punktuell einzuwirken, soll hier nicht aufgeworfen werden. Im Gegenteil soll unser Respekt den Eltern gelten, die diese gewiss nicht leichte Bürde auf sich nehmen. Andererseits muss es nicht verwundern, wenn die Zahl der Länder zunimmt, welche ihre Grenzen für die Adoption schliessen. Welcher Staat der dritten Welt will mit jeder Adoption öffentlich eingestehen, dass er seine Probleme nicht meistern kann? Oder soll er das Fehlschlagen seiner Geburtenkontrollpolitik durch Export-adoption ausgleichen?

Drittens wirft das eingangs erwähnte Beispiel die Frage auf, wer darüber entscheidet, ob ein Elternpaar adoptionsfähig ist oder nicht. Bislang ist das einzig und allein die Sozialarbeiterin mit ihrem Gutachten für die kindervermittelnde Organisation. Eine dieser luxemburgischen Assistantes sociales will nun seit einiger Zeit keine Untersuchungen mehr durchführen, weil sie es für nicht angebracht hält, dass eine

einzige Person über die Adoptionsfähigkeit eines Paares zu entscheiden hat. Lehnt sie das Gesuch ab, wenden sich die Betroffenen in den meisten Fällen an eine andere Organisation, die ihnen dann ein Kind vermittelt. Ganz besonders gilt dies auch für einige Gynäkologen, welche die anonyme Entbindung praktizieren und diese Säuglinge nach ihrem Gutdünken an adoptionsbereite Eltern, ohne Gutachten irgendwelcher Sozialhelferin, weitergeben. Hier stellen sich ohne Zweifel ernste Fragen und eine Neufassung der entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen drängt sich auf. Diese sollen jedoch nicht nur restriktiver werden. Warum z.B. soll es einer in erster Ehe geschiedenen Frau prinzipiell verwehrt bleiben, in 2. Ehe Kinder zu adoptieren?

Neben solchen Problemstellungen wird unser Dossier aber auch eine Reihe von Informationen enthalten: Was tun, wenn man ein Kind adoptieren will? Welche Organisationen vermitteln Kinder? Was kostet eine Adoption? Und zu diesem Punkt sei sofort angemerkt, dass wir für die Vermittlung indischer Kinder (das sind fast die einzigen aus der Dritten Welt, die noch adoptiert werden können) riesige Preisunterschiede von einer Organisation zur andern feststellen konnten (vgl. S. 8/9). Mit unsern Mitteln war es aber leider nicht möglich alle Hintergründe dieser skandalösen Zustände aufzudecken. Auch was diese Frage anbelangt scheinen neue gesetzliche Bestimmungen sich aufzudrängen.

Schliesslich mussten wir auch erfahren, dass Adoptiveltern nicht bereit waren, uns ihre Erfahrungen schriftlich mitzuteilen, weil sie in der Angst lebten, sowohl ihrem Kind, das sie unter z.T. abenteuerlichen und illegalen Umständen etwa aus Südamerika mitgebracht haben, wie auch den Personen, die ihnen im Herkunftsland halfen, trotz formaljuristisch einwandfreier Adoption, schaden zu können. Hier wären vielleicht auch zwischenstaatliche Regelungen von Nutzen.

Bestrebungen zur Verbesserung der Gesetzgebung gibt es im übrigen schon und die einzelnen Organisationen sind alle in einer entsprechenden Kommission vertreten, deren Arbeiten aber nur langsam weiterkommen. Wir hoffen, dass vor allem für die Kinder, die oft schon Schweres mitgemacht haben und arge Enttäuschungen erlebt haben, die bestmöglichen Lösungen gefunden werden. Vielleicht ist auch dieses Dossier ein Beitrag dazu.

Wir bedanken uns jedenfalls für ihre Mitarbeit bei Madame Zimmer-Maroldt von der "Caritas", Herrn N. Peiffer von der "Amicale Internationale de l’aide à l’enfance meurtrie", den Herren R. Nothar und A. Vallender von der "Association Luxembourgeoise pour la propagation de l’adoption" (A.L.P.A.), Madame R. Estgen-Mertens und Herrn G. Braun von der "Oeuvre sociale de l’enfance de l’Inde" sowie den Eltern, die bereit waren, uns ihre Erfahrungen anonym mitzuteilen.

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