Weshalb sind die meisten Heimkinder nicht adoptierbar?

Stellungnahme des "Centre d'information et de placement" zur Frage der ALPA

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Stellungnahme des ‚Centre d’Information et de Placement‘
zur Frage der ALPA

Weshalb sind die meisten Heimkinder

nicht adoptierbar?

In Luxemburg leben zur Zeit etwa 950 Sozialwaisen in Kinderheimen.
(nicht mitgezählt wurden erwachsene Behinderte, die Schüler des
Centre de Logopédie, Schüler anderer Schulinternate der fortbildenden
Schulen sowie Jugendliche aus Jungarbeiterunterkünften).

Am Stichdatum 1.1.1978 waren 884 Sozialwaisen vom C.I.E.P. erfaßt.

Unsere Untersuchungen, die diese 884 Kinder betrafen, haben folgende
Ursachen ergeben, die dazu führen, daß ein Kind ein Ersatzzuhause
braucht.

465 53% dieser Kinder sind im Heim aus sogenannten sozialen Ursachen
(Arbeitslosigkeit, Geldmangel, Wohnungsmangel, Trunksucht,
Inhaftierung, grobe Vernachlässigung, Mißhandlung), davon 214
durch Jugendschutzmaßnahmen.

212 23% stammen aus zerrütteten Familienverhältnissen (Scheidung,
Trennung, Tod eines Elternteils).

43 5% sind im Heim weil ihre Eltern vorübergehend abwesend sind
(Krankenhausaufenthalt, Schiffer).

19 2% sind Vollwaisen (Tod beider Elternteile).

90 10% sind im Heim wegen ihrer eigenen schweren körperlichen und
geistigen Behinderung.

31 4% sind im Heim weil sie schwer erziehbar sind (Schulschwänzer,
Charakterschwierigkeiten, Umherstreunen).

24 3% sind in einem Erziehungsheim wegen Jugendkriminalität.

Vor: 34% dieser Kinder sind die natürlichen Eltern noch zusammen.

63,5% dieser Kinder sind die Eltern getrennt oder nur mehr ein
Elternteil am Leben.

2,5% sind beide Eltern tot.

60% der Kinder haben Geschwister im Heim und 82% haben Geschwister
zu Hause oder im Heim.

Das Durchschnittsalter der Heimkinder ist 9 Jahre 11 Monate.

Aus dieser Übersicht ergeben sich schon einige Schlußfolgerungen.

Berücksichtigen wir nun die Wünsche der großen Mehrheit der Adop-
tivfamilien, so schält sich heraus, daß die meisten sich ein Kind
wünschen,

  1. das in sehr jungem Alter ist, noch nicht schulpflichtig ist
  2. das keine natürlichen Geschwister hat
  3. dessen Eltern dem ‚Klischee‘ der ledigen Mutter entsprechen sollen
  4. dessen Eltern tot sind
  5. das keinen Kontakt mehr zu Familienangehörigen hat.

Betrachtet man einerseits die Wunschvorstellungen der
Adoptiveltern und andererseits die reelle Situation
der Heimkinder so ergibt sich eine grosse Diskrepanz
und es wird leicht ersichtlich warum die meisten
Heimkinder nicht adoptiert werden oder adoptiert werden
können.

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