Von den über 300 Wespenarten, die in Luxemburg vorkommen, sind die meisten solitär. Von den 15 soziallebenden Arten, die also Staaten bilden, gibt es nur bei zwei Arten Konfliktpotenzial in Kontakt mit Menschen. Allgemein sind Wespen nützliche Tiere: Sie bestäuben Blüten und jagen Insekten, was sie zu natürlichen Schädlingsbekämpfern macht. Man tut daher sich und der Natur einen großen Gefallen, wenn man Nester an unproblematischen Stellen toleriert. Bei richtigem Verhalten ist eine problemlose Koexistenz, sogar in Nestnähe, möglich. Zudem ist das grundlose Zerstören von Nestern, von denen keine direkte Gefahr ausgeht, laut Naturschutzgesetz verboten.
So vielfältig die Wespen sind, so vielfältig sind auch die Anfragen, die bei uns, bei natur&ëmwelt ankommen. Deshalb wurde auch 2019 das Wespenberaternetzwerk ins Leben gerufen. Mittlerweile helfen rund 25 Freiwillige im Sommer, der Hauptsaison der Wespenaktivität, Hilfesuchende zu beraten. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter erhalten von uns eine Ausbildung, die es ihnen erlaubt, eine Beratung fachgemäß durchzuführen.

Bei der Beratung wird erst mal zugehört, um die Situation einschätzen zu können und herauszufinden, um welche Art es sich handelt. Für einen Laien ist es meist nicht möglich, die verschiedenen Wespenarten zu unterscheiden. Zudem kommt es oft zu Verwechslungen, mit z. B. Bienen …
Die Frage ist dann: Geht von dem Nest eine direkte Gefahr aus? Gerade bei unproblematischen Arten wird das Nest oft erst entdeckt, wenn es sich bereits in der Absterbephase befindet. Was viele Leute auch nicht wissen, ist, dass ein Nest immer nur über eine Saison genutzt wird, bevor es abstirbt. Bei einer potenziellen Gefahr wird nach einer Lösung gesucht, um das Nest so abzusichern, dass es bis zum Schluss der Saison bleiben kann, ohne dass Menschen oder Tiere zu Schaden kommen. Ist das nicht möglich, kann in Ausnahmefällen ein Nest auch umgesiedelt werden, was allerdings nicht immer umsetzbar und mit einem großen Arbeitsaufwand verbunden ist. Stellt das Nest eine Bedrohung dar und ist weder eine Absicherung noch eine Umsiedlung möglich, bleibt der letzte Ausweg seine Zerstörung. Die hierfür spezialisierten Unternehmen setzen dabei handelsübliche, breitwirkende Pestizide ein, die alle Insekten töten und auf das Nervensystem von anderen Tieren (vor allem Katzen und aquatische Tiere) und Menschen wirken. Dies ist besonders gefährlich für Kinder, die sich noch im Wachstum befinden. Zudem bleiben die eingesetzten Produkte in der Regel über Monate wirksam. Man sollte also den Gebrauch von diesen Giften genau abwägen, bevor man sich entschließt, sie im Wohnbereich einzusetzen. Hier ist noch mal zu betonen, dass in den allermeisten Fällen der Erhalt des Nestes gefahrlos möglich ist.
Vielen Menschen ist die wichtige Rolle der Wespen im Ökosystem nicht bewusst, ebenso wie die Tatsache, dass es mehr als eine soziallebende Wespe gibt und diese unterschiedliche Verhalten aufweisen.
Ziel unseres Beraternetzwerks ist es, den Einsatz von Pestiziden im Privathaushalt zu reduzieren sowie den Erhalt von nicht-problematischen Nestern und somit den Schutz der Biodiversität zu garantieren.
Vielen Menschen ist die wichtige Rolle der Wespen im Ökosystem nicht bewusst, ebenso wie die Tatsache, dass es mehr als eine soziallebende Wespe gibt und diese unterschiedliche Verhalten aufweisen. Oft wird davon ausgegangen, dass von jedem Wespennest automatisch eine Gefahr ausgeht und dass diese unbedingt zerstört werden müssen. Diese Meinung ändert sich glücklicherweise zunehmend bei der Bevölkerung. Fingen früher Anfragen oft an mit: „Wer zerstört das Wespennest in/an meinem Haus?“, wird heute eher gefragt: „Ich habe ein Wespennest, was kann ich tun?“ Das ist unserer Meinung nach schon ein großer Fortschritt!
Möchte man Problemen mit Wespennestern aus dem Weg gehen, sollte man ihre Ansiedlung an ungünstigen Stellen vermeiden. Im April und Mai bis Anfang Juni sind die meisten Nester noch im Anfangsstadium. Ihre Bewohner sind noch störanfällig und lassen sich vertreiben: Man sollte dunkle Schuppen, Unterstände und Spielhäuser regelmäßig kontrollieren und die Königin frühzeitig beim Bau stören. Auch alte Mauslöcher sollte man im Auge behalten. Rollläden, insbesondere an Terrassen, Balkonen und Schlafzimmern, sollte man täglich bewegen sowie an besonders schwierigen Standorten, wie unter Terrassendielen, mit ätherischen Ölen präventiv nachhelfen. Hier bieten sich z. B. Nelken, Eukalyptus, Teebaum, Zeder, Zitrone, Nussbaum, einzeln oder als Mischung, auf einem Wattebausch oder zum Einsprühen (1 Teil Öl auf 10 Teile Alkohol) an.
Meist stören uns Wespen erst im Hochsommer, wenn sie uns unser Essen auf der Terrasse streitig machen. Nur zwei von 15 staatenbildenden Wespenarten neigen dazu, uns am Esstisch zu belästigen. Diese erreichen im Hochsommer den Höhepunkt ihrer Völkerentwicklung. Der natürliche Jahresrhythmus der Vegetation und die Trockenheit führen immer mehr dazu, dass adulte Wespen in der Natur nur noch wenig kohlenhydrathaltige Säfte wie Nektar oder Honigtau zur Energiegewinnung finden. Bis Ende August/Anfang September müssen sie zudem die Larven der Jungköniginnen und Drohnen mit proteinreicher tierischer Kost versorgen. Für diese Ansprüche bieten unsere Grillteller hervorragende Nahrungsquellen.
Fliegen die Wespen einem aufdringlich um die Ohren oder vor den Augen umher, ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und hektische Bewegungen zu vermeiden. Auch wegpusten sollte man die Wespen nicht, da das CO2 in der Atemluft ein Alarmsignal für die Insekten ist. Das nervöse Umherschwirren ist kein Ausdruck von Aggressivität, sondern dient ihrer Wahrnehmung. Wespen können nur bei hohen Fluggeschwindigkeiten scharf sehen, schließlich sind sie darauf spezialisiert, fliegende Beute zu fangen. Die Tiere sollten am besten ruhig mit der Hand weggeleitet werden.

Um die Wespen gar nicht erst an den Esstisch zu locken, sollte man Nahrungsmittel im Freien abdecken und Reste wegräumen. Haben sie nämlich erst einmal erfolgreich Beute gemacht, geben sie diese Information an andere Arbeiterinnen im Nest weiter. Um sich vor Stichen zu schützen, sollte man zudem nicht direkt aus Dosen oder Flaschen trinken und vor allem Kindern nach dem Essen Mund und Hände feucht abwischen. Da das Interesse der Wespen in erster Linie dem gedeckten Tisch und nicht uns Menschen gilt, zählt bei dem ungebetenen Besuch auch hier vor allem eins: Ruhe bewahren!
Leider häufen sich seit 1-2 Jahren, auch bei uns, bestätigte Meldungen der asiatischen Hornisse (Vespa velutina). Asiatische Hornissen und vor allem ihre Nester sollten bei der Administration de la nature et de la forêt (ANF) gemeldet werden. Es handelt sich hierbei um eine invasive Art, die aus Südostasien nach Südeuropa eingeführt wurde und sich seitdem nach Norden ausbreitet. Als invasiv gelten die Arten, die sich etablieren, ein großes Vermehrungspotential haben und eine Gefahr für den Menschen und das einheimische Ökosystem darstellen. Durch die asiatische Hornisse besteht für den Menschen keine direkte Gefahr. Ihr Stich ist vergleichbar mit dem einheimischer Hornissen und somit zwar sehr schmerzhaft, prinzipiell jedoch ungefährlich, wenn man nicht auf das Gift von Wespen allergisch ist. Vor allem für Imker stellen asiatische Hornissen ein großes Problem dar, weil sie in kürzester Zeit ein ganzes Bienenvolk zerstören und so großen wirtschaftlichen Schaden anrichten können. Auch auf das hiesige Ökosystem haben diese Exoten einen noch nicht abzuschätzenden Impakt, da sich ihre ökologische Nische stark von der der Europäischen Wespenarten überschneidet. Um genauere Aussagen zu treffen, fehlen jedoch bislang ausreichende wissenschaftliche Vergleichsdaten. Es sei zudem noch darauf hingewiesen, dass es sich nicht um die Vespa mandarina handelt. Bei der Internetsuche nach asiatischen Hornissen werden oft dramatische Beiträge aus den USA zu dieser Art angezeigt. Es handelt sich hierbei auch um eine aus Asien stammende Wespenart, die allerdings bedeutend größer und gefährlicher ist. Aber auch in den USA wurde diese Art seit 2022 nicht mehr gesichtet.
Lieke Mevis hat in England und Holland studiert (Cambridge, Utrecht und Sussex) und hat 2013 ihren Doktortitel in Biologie erhalten. Ihr Schwerpunkt lag auf der Verhaltensforschung von Straußen, Affen und Mardern. Seit 2020 arbeitet sie bei natur&ëmwelt, wo sie verschiedene Projekte, u. a. das Wespenberaternetzwerk, betreut.
Kontakt zur Beratungsstelle von natur&ëmwelt
E-Mail:
berodung@naturemwelt.lu
Tel.: 29 04 04 344
Verhaltensregeln für ein problemloses Zusammenleben mit Wespen: https://www.naturemwelt.lu/de/wir-bieten/naturschutzberatung/
1 ANF-Broschüre zur Asiatischen Hornisse: https://gouvernement.lu/dam-assets/documents/actualites/2024/09/10-frelons/dpliant-de-die-asiatische-hornisse.pdf
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