„Wir tragen die Bürde des weißen Mannes…“
aus: Publik-Forum, 21/1979
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y a p / e u r / w i v / h o n
„Wir tragen die Bürde des weißen Mannes …“
In den Abiturklassen an den Oberschulen der Elfenbeinküste (Republique de Cote-D’Ivoire) hieß kürzlich das Aufsatzthema: „Hat sich das Leben des einzelnen Bürgers in der Elfenbeinküste seit der Unabhängigkeit vor nunmehr 18 Jahren positiv geändert?“ Die Frage ging an alle deutschlernenden Schüler der Oberstufen, Schüler, die schon seit mehr als drei Jahren die deutsche Sprache erlernen und in diesem Jahr ihr Abitur — mit Deutsch als zweiter Fremdsprache — machen werden.
Die Antworten waren erstaunlich und sie geben wieder, was die gebildete einheimische Jugend, die in einigen Jahren als Lehrer und höhere Verwaltungsbeamte, als Ärzte und Universitätsprofessoren, die Geschicke ihres Landes mitbestimmen wird, denkt und wie sie fühlt. Yaya Traore, der einmal Dolmetscher werden will: „Die wirtschaftliche Umgestaltung Europas nach dem zweiten Weltkrieg hat bewirkt, daß der Kapitalismus auch in unser Land gedrungen ist, und schon vor der Unabhängigkeit gab es viele Reiche und noch mehr Arme in unserem Land. Die Einfuhr europäischer Erzeugnisse in unser Land, Erzeugnisse, die wir selbst nicht produzieren können, haben aber ein Konsumdenken bei uns ausgelöst, das erst aus Europa auf uns zugekommen ist und eigentlich gar nicht zu unserem Wesen paßt. Europa nimmt uns die Rohstoffe ab und schickt uns fertige Erzeugnisse. Erzeugnisse, die wir eigentlich gar nicht nötig haben und die wir früher auch nicht gehabt haben. Was Europa zuviel an Gütern produziert, kommt nach Afrika und soll unseren Lebensstandard erhöhen. Ich sehe aber darin eher die Bürde des weißen Mannes, die wir nunmehr auf unseren schwarzen, freien Schultern tragen.“
Kaffi Konan, er will Deutschlehrer werden, schreibt: „Nein, ich glaube nicht, daß schon von einer positiven Veränderung gesprochen werden kann, wie ich auch die Eingliederung der afrikanischen Länder, die unabhängig geworden sind, auf den (in) Weltmarkt für nicht positiv, weil verfrüht, halte. Die Systeme, die aus Europa zu uns gekommen sind, taugen nichts für eine eigene Entwicklung und selbständige Produktion. Wir werden, wenn wir keine Wege zu einer eigenen unabhängigen Industrie finden, unverändert „abhängig“ sein von Europa, womit unsere Unabhängigkeit lediglich eine rein formalvölkerrechtliche ist und nicht mehr.“
Yvonne Baulole, sie will nach dem Abitur Medizin studieren: „Ja, ich glaube schon, daß es positive Veränderungen in unserem Land gibt. Aber nicht für jeden.
Mein Vater hat eine Palmölpflanzung und beschäftigt viele Arbeiter, aber sie verdienen alle viel weniger als mein Vater, und das finde ich ungerecht und eben nicht positiv. Auch ist es uns noch nicht gelungen, genügend eigene Industriewerke aufzubauen, damit wir unser Rohmaterial selbst verarbeiten. Wir sind auch nicht in der Lage, solche Werke selber zu bauen, und das ist negativ. Die Palmölmühle, wo mein Vater seine Öl-
früchte abliefern kann, hat eine Firma aus Luxemburg gebaut. Mein Bruder hat in Frankreich Maschinenbau studiert, aber bis heute hat er noch keine Werke gebaut, weil alle Anlagen aus Europa von uns eingekauft werden. Jetzt arbeitet er in einer großen Palmölmühle als Chefingenieur, aber das Werk haben die Franzosen gebaut und wir haben es bezahlt. Michael Hagemann in: Publik-Forum Nr. 24/79
Food First (Teil 7)
DIE DARGEBOTENE HAND
WORIN WIR SEHEN, DASS DIE HILFE DER WESTLICHEN REGIERUNGEN DER ARMEN WELT NICHT VIEL NOTZT, UND DASS DIE WIRKUNG DER WHILTATIGKEITSORGANISATIONEN SEHR UNTERSCHIEDLICH IST.
ZWISCHEN 4367 UND 1972 HABEN SICH DIE SCHULDEN DER 16 ARMISTEN LÄNDER VERDOPPELT.
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