Wort – Bild – Ton

oder Bild - Wort - Ton oder Ton - Bild - Wort

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oder Bild – Wort – Ton
oder Ton – Bild – Wort

Meine sehr verehrten Damen und Herren!

Wort – Bild – Ton
oder Bild – Wort – Ton
oder Ton – Bild – Wort
im Geiste von Frank Hoffmann verzichte ich auf eine
Rangfolge. Es gibt bei ihm keine Dominanz des einen
über das andere und doch kann es passieren, daß er
mit geschlossenen Augen dem Klang eines Wortes
lauscht, als sei in diesen wenigen Silben alles Theater
dieser Welt zu Hause und alle Töne und alle Bilder
eingeschlossen.

Und es kann auch passieren, daß er das Wort und den
Ton in die Stille verbannt und alles einem einzigen
Bild anvertraut: Der Augenblick im Stillstand eines
Bildes in seiner atemlosen Stille. Diesem einen Bild
überläßt er für Sekunden alles, was er über die Magie
des Theaters weiß und Wort und Ton wären wie
Grabbeigaben eines Lebenden.

Es kann auch passieren, daß er das Wort und das Bild
verbankt und alle Tragik und Schönheit eines Augen-
blicks einem einzigen Ton anvertraut. Aber gäbe es
mehr Sinne, als es gibt, um damit Theater zu machen,
Frank Hoffmann hätte sie! Die Intuition für ein Stück

  • wo findet er sie?

War es das Geräusch eines vorbeifahrenden Zuges
oder ein beiläufiger Versprecher oder die flüchtig
hingehuschte Skizze eines Malers, der Schmerz einer
Erinnerung oder ein Geruch, den das Gehirn nicht
entziffert?

Ich glaube, für Frank wäre kein Anlaß zu gering, um
nicht daraus eine dramatische Idee zu entwickeln.

Sicher ist er Handwerker genug, als daß er nicht wüß-
te, daß bedeutende Stücke der Literatur auch große
Inhalte mit sich herumschleppen wie Kohlensäcke in
der Nacht.

Es geht nie kleinlich mit den großen Dingen um, aber
groß mit den kleinen. Er trägt auch nie die Inhalte der
Stücke wie Trophäen vor sich her, und er will nicht
belehren. Er will erlebbar machen. Er will sozusagen
über den beiläufigen Schnitt in den Finger, über die-
sen Schmerz, vorbereiten für den größeren Schmerz
eines tragischen Geschehens.

Er holt es aus der Magengrube, immer aus der Un-
mittelbarkeit, niemals aus dem Bildungsgut.

Er, ein ‚homme de lettre‘, der Prototyp des verfeiner-
ten Intellektuellen, verläßt sich ganz auf die unmit-

telbare, naive Erlebnisfähigkeit, die, wie er meint,
noch in jedem stecke. Er verläßt sich auf die Kraft
seiner emotionalen Unfälle. Nach seiner Vorstellung
kann ein Stück auf vielen Ebenen verstanden werden
und ich füge hinzu: es gibt wohl niemanden, der die
Komplexität und synchronen Abläufe in einer Hoff-
mann’schen Inszenierung entwirrt.

Mitgerissen vom Strom des Geschehens, fragt man
nicht nach der Uferbefestigung.

Er will Theater machen aus der Leidenschaft für das
Leben … und seine Figuren sind allesamt verzweifel-
te an ihrer eigenen Liebe zum Leben, kleine verhin-
derte Götter, aber Menschen allesamt, denen der
Glaube an irgend etwas ganz Starkes nicht abhanden
gekommen ist.

Verzweifelte also nicht im Sinne Becketts, Verzwei-
felte, eher im Sinne von Lebensberauschten, die es
nicht fassen können, daß alles keine Dauer hat.

Ein (Telefon) Anruf Franks ist charakteristisch: bei
der Vorbereitung von OTHELLO meinte er ‚Shake-
speare ist so groß, du kannst machen, was du willst,
du kriegst ihn nicht kaputt‘. Was wir brauchen, ist
eine kühne Behauptung!

Hinter seiner Respektlosigkeit verbirgt sich tiefe
Verehrung. Und so meine ich, er möchte sich den
Größen des Theaters nicht durch Zelebrierung ihrer
Größe und Demonstrierung der Bedeutungsschwere
ihrer Inhalte nähern, sondern möchte Unmittelbarkeit
des spielerischen Zugangs erzeugen, als ginge es um
etwas ganz Alltägliches.

Bar jeder Schulmeisterei führt er den Zuschauer an
eine andere Art von Erhabenheit heran.

Ja, er macht ein Theater um des Theater Willens!

Er transportiert keine Ideologien, er demonstriert kei-
ne Theorien und schielt nicht auf den Beifall der
Weltverbesserer, ebenso wenig wie auf den Beifall
herrschender Alleswisser und dennoch beeinflußt
und verändert er das Bewußtsein von Menschen. Das
trennt ihn vom Ästhetizismus des l’art pour l’art. Er
macht Theater für das Theater im Sinne eines Thea-
ters für das Leben.

Ben Willikens
Professor an der Akademie
der Bildenden Künste München

Verzweifelte
also nicht im
Sinne
Becketts,
Verzweifelte,
eher im Sinne
von Lebens-
berauschten,
die es nicht
fassen
können, daß
alles keine
Dauer hat.

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