Zahlenspiele
oder der vergebliche Versuch einer Kinostatistik
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Das Jammern und Wehklagen über schwindende Zuschauerzahlen hält in unserm Land seit nunmehr 15 Jahren ungemindert an. Sogar in der Hauptstadt, wo
sich Kinobesitzer über mangelndes Interesse kaum beklagen können, hat man das Gefühl, daß der eine oder andere dem Hungertod nahe ist. Meckern und
photo: jpt
klagen ist wohl einfacher als Initiative zu ergreifen, der Zuschauer kommt wahrscheinlich doch, auch wenn es im Kino regnet, auch wenn Bild und Ton an die Zeiten der Gebrüder Lumière erinnern, auch wenn das Personal (falls überhaupt vorhanden) mit ihm umspringt wie mit Vich im Schlachthof. Und wenn der Zuschauer nicht mehr kommt, dann meckert und klagt man eben etwas lauter oder man verhökert den Kahn an die erstbeste Bank.
Was ich nicht weiß…
Statistisch ist das Ganze oft nur schwer zu belegen respektiv zu widerlegen, denn in punkto Kinostatistik weiß man nur etwas hierzulande ganz genau – nämlich daß man so gut wie gar nichts weiß. Ein Gesetz über die Veröffentlichung von Besucherzahlen gibt es nicht und die Kinobesitzer haben bisher bei Anfragen immer gemauert – selbst dem weltweit gelesenen Showbusinessmagazin ‚Variety‘ wollte man keine genauen Zahlen mitteilen. Wer herausfinden möchte, wieviele Zuschauer sich während einer gegebenen Kinosaaion in dieses oder jenes Kino bequemten, muß sich selbst zum ‚Office Social‘ der Stadt Luxembourg bequemen, wo – taxe d’amusement oblige – sämtliche Kinofäden zum gesalzenen Preis von 10% des Eintrittsscherfieins zusammentreffen. Dort wird man erfahren, daß (im Jahr 1987, als Europe und Eldorado noch nicht in die ewigen
Jagdgründe eingegangen waren) etwa 640.000 Zuschauer (349.000 in den 6 Sälen der Cinélux, 218.000 in den 4 Sälen der Luxfilm und 73.000 in den beiden Utopias) den Weg in die hauptstädtischen Kinos fanden, landesweit kamen rund 20.000 Zuschauer hinzu. Im gleichen Zeitraum brachte die Cinémathèque Municipale es auf 11.000 Kinogänger. Welcher Film wieviele Tickets verkauft hat, wer Saison-Champion im Biosoffice wurde, welche Streifen flopten, kann man nur vermuten – mit genauen Zahlen wollte und will niemand dienen…
macht mich nicht heiß
1967 gab es landesweit 48 Kinos mit 2.052.200 Zuschauern, 1977 waren es deren noch 16, die 745.000 Tickets verkauften, wiederum 10 Jahre später war die Zahl der Kinos mit 17 Sälen um eine Einheit gestiegen, die Zuschauerzahl lag mit 660.000 um etwa 11,5% tiefer als 10 Jahre zuvor. Daß im gleichen Zeitraum von 10 Jahren im benachbarten Ausland die Besucherzahlen um 30 bis 40 Prozent gefallen waren, ist der einzige Lichtblick bei einer Zahl, die potentielle ausländische Kinoinvestoren bis dahin kaum motivieren konnte, ihre Zelte in Luxemburg aufzuschlagen. Und die alteingesessenen Luxemburger Kinoherren ruhten sich selbstherrlich auf ihren längst verwelkten Lorbeeren aus, ließen das leckgeschlagene Boot sorg- und initiativlos dahintuckern und schrien mit erschreckender Regelmäßigkeit nach der öffentlichen Hand, um ihre morschen Karren aus dem Dreck zu ziehen.
L’Arrivée d’un train en gare
Luxemburgs Kinofuhrpark war bis vor kurzem hoffnungslos veraltet – auch das ’splitting‘ von Cité, Europe und Eldorado in mehrere Säle brachte keine nennenswerte Erneuerung, da manche Säle zu Fernsehzimmern degradiert wurden, in denen vom eigentlichen ‚Kinospektakel‘ so gut wie nichts übrigbleib. Die beiden Utopia-Kinos, die angesichts der katastrophalen Situation 1983 respektiv 1985 ihre Pforten öffneten, konnten zwar das Filmangebot der Hauptstadt quasi verdoppeln, doch wegen Platzmangels war auch dort nicht an ‚Spektakel‘ (im positiven Sinn) zu denken. Zwar mauserten sich die Limpertsberger ‚Garagen‘ im Lauf der Jahre zum kulturellen Kinotreffpunkt schlechthin – mit Besucherzahlen die in 4 Jahren von 30.000 (1984) auf 80.000 (1988) (mit knapp 220 Kinosesseln) anstiegen – doch damit war die Kapazitätsgrenze bereits überschritten. Als im Mai 1988 die Kunde von der bevorstehenden Schließung des ‚Ciné Center Gare‘ kam, wurden auf Limpertsberg die ersten Weichen für Luxemburgs Kinozukunft gestellt – der ‚Jhangeli‘ soll das Zeitliche segnen, am 15. Dezember 1989 kommt der ‚T.G.V.‘.
Von der Nachfrage zum Angebot…
Was das Filmangebot in den wenigen Kinos betrifft, die uns erhalten blieben, ist Luxemburg fast wie ein Schlaraffenland. Weil wir unsere Filme aus Belgien beziehen, laufen bei uns fast ausschließlich Originalfassungen mit Untertiteln. Das Angebot selbst wird zwar nach wie vor vom amerikanischen Kino domi-
Fréquentations des salles d’après les statistiques du Comité d’Aide au Cinéma source: Le cinéma et la télévision au Luxembourg,
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1967 pour 48 cinémas : 2 052 631 entrées
1968 pour 47 cinémas : 1 910 880 entrées
1969 pour 37 cinémas : 1 474 680 entrées
1970 pour 31 cinémas : 1 310 777 entrées
1971 pour 28 cinémas : 1 121 574 entrées
1972 pour 27 cinémas : 1 127 456 entrées
1973 pour 25 cinémas : 1 024 233 entrées
1974 pour 23 cinémas : 1 040 006 entrées
1975 pour 22 cinémas : 989 160 entrées
1976 pour 20 cinémas : 816 500 entrées
1977 pour 16 cinémas : 745 270 entrées
Le public
(source: Le cinéma et la télévision au Luxembourg, p.13)
Un sondage récent de l’ILRES (*8), portant entre autres sur la fréquentation du cinéma au Luxembourg, a révélé quelques chiffres inquiétants. A la question «En général, allez-vous souvent au cinéma?», 58 % des personnes (86 % des retraités) interrogées ont répondu moins d’une fois par an, 16 % moins d’une fois par mois, 13 % au moins une fois par mois (29 % des 15 à 24 ans) et seulement 6 % (23 % des élèves et étudiants) vont au cinéma au moins deux fois par mois. Sur le «pourquoi?» de ce désintérêt, 37 % regardent «assez la télé» (54 % des 65 ans et plus), 12 % estiment qu’il faudrait plus de cinémas régionaux, 13 % (34 % des élèves/étudiants) aimeraient plus de cinémas locaux et 33 % des interrogés n’ont pas le temps d’aller au cinéma.
niert, doch kann man (spätestens seit es das Utopia gibt) feststellen, daß auch Kinomatographien aus kleineren Ländern auf immer größeres Interesse beim Publikum stoßen. Daß ein kleiner indischer Film wie "Salaam Bombay" sechs Wochen auf dem Spielplan bleibt, ist mindestens genau so erfreulich wie die bombastischen Besucherzahlen eines "Batman". Das Verschwinden der Bahnhofskinos, wo das amerikanische Kino mehr als 80 % des Gesamtangebots ausmachte, ist in dieser Optik kaum tragisch, nur müssen diese Filme nun anderswo unterkommen, wo sie dann eventuell die qualitativ anspruchsvolleren Werke unterdrücken könnten. Dies könnte eine große Gefahr für den neuen Utopia-Komplex bedeuten – man wird dort unbedingt einen Mittelweg zwischen Kunst und Kommerz finden müssen. Das Jahr 1990 wird ohne Zweifel faszinierende Erkenntnisse zur Neustrukturierung unserer Kinoszene bringen – zum späteren Vergleich hier die Zahlen der letzten vier Jahre:
Nackte Zahlen…
Eine zwischen dem 1.9.1985 und 1.9.1989 per Computer durchgeführte Berechnung ergab folgendes Filmangebot in den kommerziellen Kinos von Luxemburg-Stadt:
Erstaufführungen: 973 (ca. 243 pro Jahr)
Reprisen: 363 (ca. 91 pro Jahr)
Gesamtangebot: 1336 (ca. 334 pro Jahr)
Dieses Angebot teilte sich folgendermaßen auf die verschiedenen Kinokomplexe auf:
| | Cinélux (6 Kinos) | Luxfilm (4 Kinos) | Utopia (2 Kinos) |
| — | — | — | — |
| Erstaufführungen: | 411 | 173 | 389 |
| Reprisen: | 78 | 50 | 235 |
| Gesamtangebot: | 489 | 223 | 624 |
Erstaufführungen nach Produktionsland
| USA: | 244/59.3% | 140/80.9% | 81/20.8% |
| — | — | — | — |
| Frankreich: | 79/19.2% | 15/8.6% | 96/24.8% |
| England: | 20/4.8% | 6/3.4% | 47/12.2% |
| Italien: | 21/5.1% | 7/4.1% | 14/3.7% |
| Deutschland: | 17/4.1% | 2/1.2% | 24/6.3% |
| Sonstige Länder:^{(1)} | 30/7.5% | 3/1.8% | 127/32.2% |
(1) Sonstige Länder: Australien (9), Argentinien (5), Belgien (18), Brasilien (3), Burkina Faso (1), CSSR (9), Dänemark (6), DDR (1), Finland (2), Griechenland (5), Hongkong (2), Indien (3), Indonesien (1), Irland (1), Japan (13), Jugoslawien (2), Kanada (14), Kuba (6), Libanon (1), Luxemburg (5), Mali (1), Mexiko (1), Neuseeland (2), Nicaragua (2), Niederlande (3), Oesterreich (1), Peru (1), Philippinen (1), Polen (4), Portugal (1), Schweden (5), Schweiz (4), Spanien (5), Südafrika (2), Thailand (1), UdSSR (8), Ungarn (6), Venezuela (1), Volkrepublik China (4)
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