Luxemburgs Bildungslandschaft
Zwischen individueller Förderung und sozialer Zersplitterung
Am 25. März 2026 lud die ErwuesseBildung (EwB), in Kooperation mit forum, der UpFoundation und dem Ministerium für Bildung, zu einer Diskussionsrunde über das luxemburgische Schulsystem ein. Unter der Moderation von Nora Schleich stand eine zentrale Frage im Mittelpunkt: Fördert die Vielfalt an Bildungswegen Chancengleichheit – oder führt sie zu einer zunehmenden sozialen Trennung und Zersplitterung des Systems? Gemeinsam mit Vera Dockendorf, Lehrerin und Vertreterin der Gewerkschaft SEW/OGBL, sowie Antoine Fischbach vom Observatoire national de l’enfance, de la jeunesse et de la qualité scolaire wurden unterschiedliche Perspektiven aus Praxis und Forschung in die Debatte eingebracht.
Stillstand im sozialen Aufstieg
In ihrer Einführung betonte Moderatorin Nora Schleich die zunehmende Individualisierung des luxemburgischen Schulsystems, in dem jedes Kind seinen eigenen Bildungsweg einschlagen soll – im Namen des schulischen Erfolgs. Gleichzeitig gilt das System als „hyperkomplex“ und steht im Kontext einer Gesellschaft, die von wachsender Hyperdiversität geprägt ist: sprachlich, kulturell und vor allem sozioökonomisch. Die Bildungsberichte zeigen, dass Kinder aus sozial schwächeren Verhältnissen und ohne Luxemburgisch als Familiensprache mit einem deutlich „schwereren Schulranzen“ starten. Schule erscheint damit zunehmend als Spiegel gesellschaftlicher Ungleichheiten.
Antoine Fischbach machte deutlich, dass es sich dabei keineswegs um ein neues Problem handelt. Schon in den 1960er-Jahren – in einer weitaus homogeneren Gesellschaft – habe der „soziale Lift“ nicht wie erhofft funktioniert. Trotz vorhandener kognitiver Voraussetzungen vieler Schüler*innen sei es schon damals nicht gelungen, diese Potenziale im Schulsystem auszuschöpfen.
Vera Dockendorf hob hingegen hervor, dass sich die Situation in den letzten Jahren spürbar verändert habe. Das allgemeine Niveau sei gesunken, nicht zuletzt als Folge der Covid-Pandemie. Während früher das Luxemburgische noch stärker als gemeinsame Sprache fungierte, führe die zunehmende Ausdifferenzierung – etwa durch europäische Schulmodelle oder internationale Abschlüsse wie das International Cambridge Curriculum – zu einer stärkeren Zersplitterung des Systems. Es entstünden regelrechte „Bubbles“, in denen sich Schüler*innen und auch Lehrpersonal zunehmend voneinander entfernten. Selbst im Kollegium seien nicht mehr immer alle Sprachkompetenzen gleichermaßen vertreten, was die Fragmentierung zusätzlich verstärke.
In einem Punkt herrschte weitgehend Einigkeit: Der sozioökonomische Hintergrund bleibt der entscheidende Faktor. Vera Dockendorf brachte es auf den Punkt: „Es ist eigentlich gar nicht unbedingt der sprachliche Hintergrund der Kinder, der entscheidend ist, sondern wie mit Bildung umgegangen wird.“ Auch Antoine Fischbach betont, dass primär der sozioökonomische Status und erst an zweiter Stelle die Erstsprache über den Bildungserfolg entscheidet. Das traditionelle luxemburgische Schulsystem sei auf diesem Punkt den Anforderungen einer hyperdiversen Gesellschaft, in der etwa die Hälfte der Schülerschaft einen Migrationshintergrund hat, nicht mehr gewachsen. Ein zentrales Problem liegt in der Sprachdidaktik: Das System setzt voraus, dass alle Kinder bei der Einschulung Luxemburgisch beherrschen. Da dies jedoch nur auf eine Minderheit zutrifft, verlieren viele Kinder bereits in der Grundschule den Anschluss.
Viele Schüler müssen eine Klasse wiederholen, da sie eine Teilschwäche aufweisen, die in den meisten Fällen den Sprachunterricht betrifft.
Sehr oft kommt es zum Allongement de cycle wegen Teilschwächen in den Sprachen. Nach einer solchen Maßnahme hat man statistisch gesehen kaum noch eine Chance, später eine Orientierung für den Classique zu erhalten. Übrig bleibt der Enseignement secondaire général, der oft mit Vorurteilen zu kämpfen hat. „Der Ruf des Général ist schlechter, als er eigentlich ist“, so Vera Dockendorf, die in diesem Zusammenhang auf das hohe Niveau in den jeweiligen Spezialisierungsfächern hinweist.
Antoine Fischbach betont, dass der Général deutlich unterschätzt wird und verweist dabei auf das Schweizer Modell. Dort genießt die Berufsausbildung durch das duale Bildungssystem einen ebenso hohen Stellenwert wie der akademische Weg. In Luxemburg hingegen hält man laut Fischbach an veralteten Strukturen fest, die er als „luxemburgische Reliquien“ bezeichnet. Dazu zählt er „eigenartige“ Hürden wie den abrupten Wechsel der Unterrichtssprache in Mathematik auf Französisch, was er als eine Form von „Snobismus“ kritisiert.
An welchen Schrauben drehen?
Um die tieferliegende Problematik des sozioökonomischen Hintergrunds anzugehen, sieht er den entscheidenden Lösungsansatz in der frühkindlichen Bildung. In diesen Bereich wurde in den letzten Jahren bereits massiv investiert. Ein weiterer wichtiger Ansatzpunkt sind zudem Ganztagsschulen, um die Bildungsbiografien von der Herkunft der Eltern zu entkoppeln.
Vera Dockendorf befürwortet eher Herangehensweisen, die direkt bei der familiären Situation ansetzen. Ein zentrales Problem sieht sie in der häuslichen Umgebung bildungsferner Milieus, in denen Kinder oft zu früh und unkontrolliert Bildschirmen ausgesetzt sind.
Zudem kritisiert sie die ökonomischen Zwänge dieser Familien: Viele Eltern können es sich schlicht nicht leisten, ihre Arbeitszeit zu reduzieren, weshalb sie eine grundlegende Reform des Elternurlaubs (congé parental) fordert. Den Ausbau der Ganztagsbetreuung betrachtet sie skeptisch: Sowohl die Maisons relais als auch das luxemburgische Modell der Ganztagsschule weisen Defizite auf, da zu viele Kinder auf engstem Raum von zu wenig Personal betreut werden.
In der Debatte um digitale Hilfsmittel gehen die Meinungen auseinander. Antoine Fischbach sieht in der Digitalisierung eine Chance, insbesondere um die Sprachbarrieren bei Hausaufgaben zu überbrücken. Wenn Eltern die Unterrichtssprache nicht beherrschen, könnten Lern-Apps durch gezielte Repetition in den ersten Schuljahren eine wertvolle Unterstützung bieten. Vera Dockendorf äußert sich hingegen skeptisch zum Ausmaß der Technisierung. Der flächendeckende Einsatz von iPads im Lycée trage ihrer Ansicht nach nicht zu einer gesunden Screen-Life-Balance bei. Sie plädiert stattdessen für eine gezieltere Ressourcenverteilung. Ein Problem sieht sie bei der Vorschule, dem Précoce: Während Kinder aus privilegierten Haushalten dieses Angebot häufig nutzen, bleiben genau jene Kinder, die diese frühe Förderung am dringendsten bräuchten, dem System oft fern.
Was die gezielte Förderung sozioökonomisch schwächer gestellter Familien angeht, wirft die Moderatorin die Frage nach einer stärkeren Orientierung am skandinavischen Modell auf, in dem genau diese Unterstützung im Vordergrund steht. Damit verbunden bleibt die kritische Überlegung, ob das aktuelle System – bewusst oder unbewusst – vor allem jene Talente fördert, die lediglich dem hiesigen Wirtschaftsmodell entsprechen.
In Bezug auf die berufliche Ausbildung fordert Vera Dockendorf eine echte Aufwertung des Handwerks. Ein zentraler Hebel wäre hierbei, den Meisterbrief auf Niveau 6 anzusiedeln, was einem Bachelor-Abschluss entspräche. Bisher werde das Handwerk oft noch als bloße Verlegenheitslösung (choix par défaut) betrachtet, obwohl es heute hervorragende Perspektiven bietet, auch in finanzieller Hinsicht.
Die Zersplitterung der Schullandschaft
Kritik übt Dockendorf zudem an der wachsenden Zersplitterung der Schullandschaft, die sie als ein „großes soziales Experiment“ bezeichnet. ADEM-Zahlen würden zeigen, dass Arbeitslosigkeit längst auch Absolventen mit einem Abitur (Première) treffe, die kein Studium absolviert haben. Eine Mitschuld sieht sie bei den Europaschulen: Durch sehr weit gefasste Kriterien und die Wahl von Englisch als erste Sprache (L1) fehle oft das nötige Niveau in den anderen Landessprachen. Dies führe dazu, dass Absolventen der Zugang zu bestimmten Berufen verwehrt bleibt oder sie sogar von der Universität Luxemburg abgelehnt werden. Letztlich warne diese Entwicklung vor der Entstehung isolierter „Bubbles“, was langfristig die soziale Kohäsion im Land gefährden könnte.
Antoine Fischbach hält dagegen, dass eine frühe Selektion mit acht oder neun Jahren eher den gesellschaftlichen Zusammenhalt schwäche. Am Ende zähle vor allem der Diplomabschluss. In einem System, in dem die Mehrsprachigkeit gleichzeitig eine Stärke und eine Hürde darstellt, sei jede weitere Sprache ein Pluspunkt.
Der Umgang mit Lernrückständen
In der Diskussion um den Umgang mit Lernrückständen gehen die Meinungen über das Sitzenbleiben ebenfalls auseinander. Vera Dockendorf sieht eine gefährliche Tendenz zur Leistungserosion. Sie beanstandet Reformen im Général, die ein Sitzenbleiben zwischen der 7e und 5e fast unmöglich machen. Die Schule gerate immer mehr in die Rolle eines bloßen „Serviceleisters“, bei dem alles „Spaß machen“ müsse. Diese Haltung spiegle sich in den Erfolgsquoten der Première wider, die teilweise unter 70 % gesunken seien. Laut Dockendorf werde das Niveau kontinuierlich gesenkt, um die Kinder „glücklich zu machen“, wobei jedoch Basics wie Autonomie und Leistungsbereitschaft verloren gingen – Kompetenzen, die spätestens an der Universität zwingend erforderlich seien.
Antoine Fischbach vertritt hierzu eine klare Position: „Sitzenbleiben bringt nichts.“ Er verweist auf Daten, wonach Kinder, die etwa einen Zyklus verlängern (rallongement de cycle), oft auch im Folgejahr unter den Mindestanforderungen (socles de compétences) bleiben. Luxemburg habe im internationalen Vergleich extrem hohe Quoten beim Sitzenbleiben, was dazu führe, dass Schüler in Fächern, in denen sie eigentlich gut sind, unnötig ausgebremst werden. Das System funktioniere in dieser Form schlicht nicht mehr.
Dockendorf schlägt als Vision „eine gemeinsame Schule“ vor. Deutsch soll konsequent als Fremdsprache unterrichtet werden. Ein weiteres Element dieser Vision ist die Einführung eines Modul-Systems, orientiert an der Voie de préparation, um flexiblere Lernwege zu ermöglichen.
Antoine Fischbach zieht eine kritische Bilanz: „Wir haben den demografischen Wandel verschlafen.“ Er verknüpft dies mit dem Referendum über das Ausländerwahlrecht; mit dessen Scheitern seien Türen zugeschlagen worden. Mangels politischen Mitspracherechts eines Teils der Bevölkerung konnte sich primär eine ökonomische Lobby durchsetzen; der Ausbau der Europaschulen sei in diesem Kontext als „politischer Konsens“ zu verstehen.
Den Ruf nach Auswertungen – etwa bei der Alphabetisierung auf Französisch – lässt Fischbach nur bedingt gelten. Die Wissenschaft könne nicht alles leisten und die Datenlage werde nie so eindeutig sein, dass ein einziges System für alle funktioniere. Dockendorf hingegen ist der Meinung, man hätte besser abwarten sollen. Sie beanstandet eine teils „unehrliche Kommunikation“ seitens des Ministeriums.
Entre soutien individuel et fragmentation sociale
Le 25 mars 2026, l’ErwuesseBildung (EwB), en collaboration avec forum, l’UpFoundation et le ministère de l’Éducation nationale, a organisé une table ronde sur le système scolaire luxembourgeois. Animée par Nora Schleich, la discussion s’est articulée autour d’une question centrale : la diversité des parcours éducatifs favorise-t-elle l’égalité des chances – ou conduit-elle à une ségrégation sociale croissante et à une fragmentation du système ? Avec Vera Dockendorf, enseignante et représentante du syndicat SEW/OGBL, ainsi que d’Antoine Fischbach de l’Observatoire national de l’enfance, de la jeunesse et de la qualité scolaire, différentes perspectives issues de la pratique et de la recherche ont été apportées au débat.
Stagnation de l’ascenseur social
Dans son introduction, la modératrice Nora Schleich a souligné l’individualisation croissante du système scolaire luxembourgeois, dans lequel chaque enfant est censé suivre son propre parcours éducatif – au nom de la réussite scolaire. En même temps, le système est considéré comme « hypercomplexe » et s’inscrit dans le contexte d’une société marquée par une hyperdiversité croissante : linguistique, culturelle et surtout socio-économique. Les rapports sur l’éducation nationale montrent que les enfants issus de milieux socialement défavorisés et dont le luxembourgeois n’est pas la langue familiale commencent leur parcours scolaire avec un « bagage plus lourd ». L’école apparaît ainsi de plus en plus comme le reflet des inégalités sociales.
Antoine Fischbach a clairement indiqué qu’il ne s’agissait en aucun cas d’un problème nouveau. Dès les années 1960 – dans une société bien plus homogène –, « l’ascenseur social » n’avait pas fonctionné comme on l’espérait. Malgré les aptitudes cognitives dont disposaient de nombreux élèves, le système scolaire n’avait pas réussi, même à l’époque, à exploiter pleinement ce potentiel.
Vera Dockendorf a quant à elle souligné que la situation avait sensiblement changé ces dernières années. Le niveau général aurait baissé, notamment en raison de la pandémie de Covid. Alors qu’autrefois, le luxembourgeois jouait un rôle encore plus important en tant que langue commune, la différenciation croissante – due notamment aux modèles scolaires européens ou aux diplômes internationaux tels que l’International Cambridge Curriculum – conduirait à une fragmentation accrue du système. Il en résulte de véritables « bulles » dans lesquelles les élèves et le personnel enseignant s’éloignent de plus en plus les uns des autres. Même au sein du corps enseignant, toutes les compétences linguistiques ne sont plus toujours représentées de manière égale, ce qui renforce encore davantage cette fragmentation.
Sur un point, le consensus était large : le milieu socio-économique reste le facteur déterminant. Vera Dockendorf a résumé la situation en ces termes : « Ce n’est en réalité pas nécessairement le milieu linguistique des enfants qui est déterminant, mais la manière dont l’éducation est abordée. » Antoine Fischbach souligne lui aussi que c’est avant tout le statut socio-économique, et seulement en second lieu la langue maternelle, qui détermine la réussite scolaire. Le système scolaire luxembourgeois traditionnel ne serait plus à la hauteur des exigences d’une société hyperdiversifiée, dans laquelle environ la moitié des élèves sont issus de l’immigration. Un problème central réside dans la didactique des langues : le système part du principe que tous les enfants maîtrisent le luxembourgeois dès leur entrée à l’école. Or, comme cela ne concerne qu’une minorité, de nombreux enfants prennent du retard dès l’école fondamentale.
De nombreux élèves doivent redoubler une classe car ils présentent des lacunes, qui concernent dans la plupart des cas l’enseignement des langues.
Très souvent, on assiste à un allongement de cycle en raison de lacunes dans les langues. Statistiquement, après une telle mesure, on n’a pratiquement plus aucune chance d’obtenir par la suite une orientation vers l’enseignement secondaire classique. Il ne reste alors que l’enseignement secondaire général, qui doit souvent faire face à des préjugés. « La réputation du général est pire qu’il ne l’est en réalité », explique Vera Dockendorf, qui souligne à cet égard le niveau élevé des matières de spécialisation respectives.
Antoine Fischbach insiste sur le fait que le général est nettement sous-estimé et renvoie au modèle suisse. Dans ce pays, la formation professionnelle bénéficie, grâce au système de formation en alternance, d’une importance tout aussi grande que la voie académique. Au Luxembourg, en revanche, on s’en tient, selon Fischbach, à des structures obsolètes qu’il qualifie de « reliques luxembourgeoises ». Il cite notamment des obstacles « singuliers » tels que le changement abrupt de la langue d’enseignement en mathématiques vers le français, qu’il critique comme une forme de « snobisme ».
Sur quels leviers agir ?
Pour s’attaquer aux problèmes sous-jacents liés au contexte socio-économique, il estime que la solution passe avant tout par la petite enfance. Des investissements massifs ont déjà été réalisés dans ce domaine ces dernières années. Les écoles à temps plein constituent également un autre levier important pour dissocier le parcours scolaire des enfants de l’origine de leurs parents.
Vera Dockendorf privilégie plutôt les approches qui s’attaquent directement à la situation familiale. Elle considère que l’environnement domestique des milieux défavorisés sur le plan éducatif, où les enfants sont souvent exposés trop tôt et de manière incontrôlée aux écrans, constitue un problème central.
Elle dénonce par ailleurs les contraintes économiques auxquelles sont confrontées ces familles : de nombreux parents n’ont tout simplement pas les moyens de réduire leur temps de travail, raison pour laquelle elle réclame une réforme en profondeur du congé parental. Elle considère avec scepticisme le développement de l’accueil à temps plein : les maisons relais actuelles ainsi que le modèle luxembourgeois d’école présentent des lacunes, car trop d’enfants sont pris en charge par un personnel insuffisant dans des locaux exigus.
Les avis divergent sur les outils numériques. Antoine Fischbach voit dans la numérisation une opportunité, notamment pour surmonter les barrières linguistiques lors des devoirs. Lorsque les parents ne maîtrisent pas la langue d’enseignement, les applications d’apprentissage pourraient offrir un soutien précieux grâce à une répétition ciblée pendant les premières années scolaires. Vera Dockendorf se montre en revanche sceptique quant à l’ampleur de la technicisation. Selon elle, l’utilisation généralisée d’iPads au lycée ne contribue pas à un équilibre sain entre la vie numérique et la vie réelle. Elle plaide plutôt pour une répartition plus ciblée des ressources. Elle voit un problème au niveau du précoce : alors que les enfants issus de milieux privilégiés profitent souvent de cette offre, ce sont précisément les enfants qui auraient le plus besoin de ce soutien qui restent souvent en marge du système.
En ce qui concerne le soutien ciblé aux familles défavorisées, la modératrice soulève la question d’une orientation plus marquée vers le modèle scandinave, qui met précisément l’accent sur ce type d’aide. A cela s’ajoute une réflexion critique : le système actuel favorise-t-il – consciemment ou inconsciemment – avant tout les talents qui correspondent uniquement au modèle économique local ?
En matière de formation professionnelle, Vera Dockendorf réclame une véritable revalorisation de l’artisanat. Un levier central serait ici de situer le brevet de maîtrise au niveau 6, ce qui correspondrait à un diplôme de licence (bachelor). Jusqu’à présent, l’artisanat est souvent encore considéré comme un choix par défaut, alors qu’il offre aujourd’hui d’excellentes perspectives, y compris sur le plan financier.
La fragmentation du paysage scolaire
Dockendorf critique également la fragmentation croissante du paysage scolaire, qu’elle qualifie de « grande expérience sociale ». Les chiffres de l’ADEM montreraient que le chômage touche depuis longtemps déjà les détenteurs d’un diplôme de fin d’études secondaires qui n’ont pas poursuivi d’études supérieures. Elle estime que les écoles européennes ont leur part de responsabilité : en raison de critères très larges et du choix de l’anglais comme première langue (L1), le niveau requis dans les autres langues nationales fait souvent défaut. Cela a pour conséquence que les diplômés se voient refuser l’accès à certaines professions, voire sont rejetés par l’université du Luxembourg. En fin de compte, cette évolution fait craindre l’émergence de « bulles » isolées, ce qui pourrait, à long terme, mettre en péril la cohésion sociale dans le pays.
Antoine Fischbach objecte que c’est plutôt une sélection précoce à huit ou neuf ans qui affaiblit la cohésion sociale. Au final, c’est surtout le diplôme qui compte. Dans un système où le multilinguisme est à la fois une force et un obstacle, chaque langue supplémentaire est un atout.
La gestion des lacunes scolaires
Dans le débat sur la gestion des lacunes scolaires, les avis divergent également sur le redoublement. Vera Dockendorf voit une tendance dangereuse à la baisse du niveau scolaire. Elle critique les réformes du général qui rendent le redoublement entre la 7e et la 5e quasiment impossible. L’école se retrouve de plus en plus cantonnée au rôle d’un simple « prestataire de service », où tout doit « être amusant ». Cette attitude se reflète dans les taux de réussite au bac, qui sont parfois tombés en dessous de 70 %. Selon Dockendorf, le niveau serait continuellement abaissé pour « rendre les enfants heureux », au détriment toutefois de compétences fondamentales telles que l’autonomie et la motivation – des compétences qui s’avèrent indispensables au plus tard à l’université.
Antoine Fischbach adopte une position claire à ce sujet : « Redoubler ne sert à rien. » Il s’appuie sur des données selon lesquelles les enfants qui prolongent leur cycle (allongement de cycle) n’atteignent pas les socles de compétences l’année suivante. Le Luxembourg affiche des taux de redoublement très élevés en comparaison internationale, ce qui a pour conséquence de freiner inutilement les élèves dans des matières où ils sont pourtant bons. Le système, sous cette forme, ne fonctionne tout simplement plus.
Dockendorf propose comme vision « une école commune ». L’allemand doit être systématiquement enseigné comme langue étrangère. Un autre élément de cette vision est l’introduction d’un système modulaire, inspiré de la voie de préparation, afin de permettre des parcours d’apprentissage plus flexibles.
Antoine Fischbach dresse un bilan critique : « Nous avons manqué le coche face à l’évolution démographique. » Il établit un lien avec le référendum sur le droit de vote des étrangers ; selon lui, son échec a refermé certaines portes. Faute de participation politique d’une partie de la population, c’est principalement un lobby économique qui a réussi à s’imposer ; dans ce contexte, le développement des écoles européennes doit être compris comme un « consensus politique ».
Fischbach n’adhère que partiellement à la demande d’évaluations – par exemple concernant l’alphabétisation en français. La science ne peut pas tout faire et les données ne seront jamais suffisamment claires pour qu’un système unique fonctionne pour tous. Dockendorf, en revanche, estime qu’il aurait mieux valu attendre. Elle dénonce une « communication malhonnête » de la part du ministère.
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