Dieser Inhalt wurde anhand eines gescannten Dokuments mithilfe von optischer Zeichenerkennung (OCR) und künstlicher Intelligenz (KI) digitalisiert. Er kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten.

‚Ich fordere Sie auf, dies öffentlich zu widerrufen, anderenfalls geben Sie der Welt kund, dass Sie weder Ehre noch Respekt vor der Wahrheit haben,‘ hatte der von Habsburg verunglimpfte Bischof Donal Lamont in seinem offenen Brief geschrieben (cf. forum Nr.18/77).

Nun, Herr Habsburg hat geantwortet, betont sachlich. Seine unbestechliche Sachlichkeit stellen wir schon in seiner ersten Entgegnung fest. Er hatte Bischof Lamont als

‚ Führer der systematischen Opposition‘ (1) in Rhodesien bezeichnet. Er begründet dies nun mit dem Hinweis auf ‚zahlreiche Presse-Erklärungen und Interviews‘. Überzeugend!

Dass Herr von Habsburg nicht mit der Haltung des Vatikans oder der rhodesischen ‚Justitia et Pax‘-Kommission einverstanden sein kann, dürfte klar sein – er hat schliesslich die besseren Informanten. U.a. zitiert er als Kronzeugen für die unwahrscheinliche Geschichte von Chipinga Dr. Hans Germani. Dieser ist, laut ‚Publik-Forum‘ Nr.21/77 ‚Afrika-Korrespondent von Axel Springers Tageszeitung ‚Welt‘. Informationen aus der Feder Germanis gaben schon oft Anlass zu aussenpolitischen Äusserungen und Aktionen der Mannschaft Strauss, Habsburg, Huyn und Todenhöfer … er nahm als Arzt am Feldzug der Söldner des ehemaligen Katanga-Präsidenten Tschombe am Kongo-Krieg teil . . . Seine moralische Rechtfertigung für seine Beteiligung an solchen Kreuzzügen sieht er in der Eindämmung des Kommunismus. So wundert es auch niemanden, dass er den Südafrika-Premier Vorster als einen Verfechter einer schwarz-weissen ‚Entspannungspolitik‘ rühmt …‘. Der Hl. Vater hingegen ist laut Kaisersohn von Habsburg leider ‚auf Personen angewiesen, die nicht unbedingt als unfehlbar anzusehen sind‘.

Herr Habsburg hatte behauptet: ‚Die Mehrzahl (1) der Katholiken von Umtali legten sogar grössten Wert darauf zu betonen, sie seien mit der politischen Tätigkeit ihres Bischofs keineswegs einverstanden‘. Und das belegt er nun, mit mathematisch-peinlicher Genauigkeit: ‚…Ich habe dort nur Katholiken getroffen, die betonten… Diese Katholiken haben auch erklärt, dass diese Auffassung von allen ihren Bekannten geteilt wird‘. Das macht unter dem Strich ‚die Mehrzahl der Katholiken‘. Das ist kaiserliche Logik und journalistische Sorgfalt in höchster Potenz. Wer’s nachrechnen kann, mit Methoden eines gewöhnlichen Sterblichen, bekommt einen (Europa-)taler! Soll doch Bischof Lamont beweisen, ‚dass die Katholiken mit seiner Politik einverstanden seien‘. Ätsch!

Dass die besondere Milde und rechtliche Orientierung der rhodesischen Justiz‘ nicht jeder ‚bewundert‘, versteht Afrika-Experte Habsburg nicht. Wahrscheinlich hätte sie Lamont auch nicht anders behandelt, wenn er nicht ein weltweit angesehener Kirchenmann wäre … Diesem könnte der Ehrenmann von Habsburg ja auch nicht vorwerfen, er dulde Mord. Mitnichten! Er hatte, laut ‚Publik-Forum‘, nur geschrieben, ‚offenbar werde von dem Bischof Mord als Tat unterschiedlich verurteilt, weil je nach den Motiven der Mörder von ihm Mord anders und auch entschuldigend beurteilt wird‘. Ein gewaltiger Unterschied! Nun, nicht jeder schätzt alle Nuancen dieses hochadligen Stils. Nur Banausen würden jedenfalls sachliche Bemerkungen wie ‚Ebenso habe ich nicht gesagt, er vernachlässige seine Herde, auch wenn ich das gedacht habe‘ als dummdreist bezeichnen.

Man bewundere weiter: Die Legitimität einer Regierung hängt nämlich von der inneren Situation und nicht von der äusseren Anerkennung ab‘. Komprimiert heisst das: Macht legitimiert. Und schon ist jede menschenverachtende Machtpolitik faktisch in den moralischen Adelsstand erhoben. Mögen Idi Amin und Pinochet ihre Völker noch lange mit ihrer rechten Macht beglücken!

Trotz all dem offensichtlichen erzherzoglichen Scharfsinn hatte Bischof Lamont zu behaupten gewagt: ‚Ich hoffe, dass diese Beispiele Ihrer abgrundtiefen Unkenntnis der Tatsachen keinen Zweifel darüber lassen werden, dass von Ihrer Seite aus keine sachliche Information über die gegenwärtige Situation Rhodesiens zu erwarten ist‘. Die Leser der grössten Zeitung Luxemburgs z.B. werden dagegen ohne Zweifel einmütig belegen können, wie abgrundtief Universalgenie Otto von Habsburg nicht nur über Rhodesien, sondern über die meisten Weltprobleme informiert ist, wie er komplizierte Zusammenhänge mit messerscharfer Logik entwirrt und obskure Verschwörungen dem einfachen Leser offenlegt. Warum lesen westliche Geheimdienste und Staatsmänner nicht die Analysen des grossen Kaisersohnes? Vieles wäre so einfach! Man überzeuge sich an Hand von einigen Zitaten aus rezenten Arbeiten:

‚Ein sehr prominenter schwarzer Staatsmann aus Afrika hat mir gegenüber mit Recht betont, dass die Apartheid-Politik Pretorias die beste Garantie für die angrenzenden Staaten sei. Denn ein Land, in dem sich eine Minderheit mit Mühe an der Macht hält, wird nicht ausgerechnet versucht sein, noch mehr Elemente, die nicht der regierenden Rasse angehören, in sein Gebiet aufzunehmen. Darum auch die Politik der Bantustans, die die UNO nicht etwa darum bekämpft, weil sie ungerecht ist, sondern weil sie die schliessliche Eroberung ganz Südafrikas verhindern könnte‘ (L.W., 3.9.77). Ehrlich – hätten Sie das gedacht?

‚Die Sowjetunion ist die einzige ernstzunehmende Bedrohung des Weltfriedens‘ (L.W., 3.9.77). Dieser Kernsatz habsburgischer Intelligenz entpuppt alle Diskussionen über Nord-Süd-Gegensätze und Welthungerprobleme als das, was sie wirklich sind: ein ideologisches Nichts!

‚In Paris fuhren (1968) viele jugendliche Revolutionäre mit ihren Bentleys und Jaguars zu den Strassenschlachten‘ (L.W., 10.9.77). Na, also!

‚… der Marxismus … wird auch in den Augen seiner Gläubigen nicht dadurch widerlegt, dass seine wirtschaftlichen Analysen und Prognosen sich immer als falsch erwiesen haben‘ (L.W., 10.9.77). Marxisten aller Länder, schämt euch!

‚Wie im Falle einer schwächeren Ausgabe der gleichen Irrlehre, dem Nationalsozialismus, kann man auch beim Kommunismus feststellen …‘ (L.W., 10.9.77). Es musste einmal offen gesagt werden!

‚Dazu kommt die wahrscheinlich noch mehr ins Gewicht fallende Tatsache, dass die Terroristen direkt oder indirekt die Unterstützung einer Supermacht, der Sowjetunion, geniessen. (…) In fast allen Fällen aber führen die Spuren zur letzten Kommandozentrale der KGB, zumindest durch die finanziellen Zuwendungen, ohne die die äusserst kostspieligen Operationen undenkbar wären‘ (L.W., 16.9.77). Wenn das keine Enthüllung ist! (Leider hat ihre Veröffentlichung im L.W. nichts gefruchtet. Hoffentlich liest das BKA ‚forum‘.)

Im selben Atemzug schreibt O.v.Habsburg dann, dass es ‚wahrscheinlich wirkungsvoller‘ sei, nachdem man die Terroristen als ‚Kriegsführende‘ anerkannt hätte, u.a. den ‚Belagerungszustand für Handlungen im Zusammenhang mit dem Krieg, eine beschleunigte Sonderjustiz und Internierung von Sympathisanten …‘ einzuführen, um die innere Sicherheit zu gewährleisten und die ‚Legitimität‘ der Regierungen nicht in Frage zu stellen. Dies erinnert unwillkürlich an das leuchtende Beispiel der legitimen Regierung Rhodesiens. Konsequenz und allumfassender politischer Weitblick! Welch beruhigendes Gefühl, zu wissen, dass dieser überlegene Denker, Ehrenmann und weitgeistige Politiker wohl auch in Zukunft ohne Unterlass dem kleinen Luxemburg als Starkommentator der Zeitung ‚für Wahrheit und Recht‘ zur Seite stehen wird, um es auch weiterhin im logischen Denken zu bestärken. csst

L’actualité en Afrique du Sud

Als partizipative Debattenzeitschrift und Diskussionsplattform, treten wir für den freien Zugang zu unseren Veröffentlichungen ein, sind jedoch als Verein ohne Gewinnzweck (ASBL) auf Unterstützung angewiesen.

Sie können uns auf direktem Wege eine kleine Spende über folgenden Code zukommen lassen, für größere Unterstützung, schauen Sie doch gerne in der passenden Rubrik vorbei. Wir freuen uns über Ihre Spende!

Spenden QR Code