JOC: Soll der Prophet zum Berg…?

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Die JOC ist in der Hauptsache keine gewerkschaftliche und keine politische Organisation, sondern eine Erziehungsbewegung. Ihr Ziel ist es, durch ihre erzieherische Tätigkeit im Arbeitermilieu

die jungen Arbeiter dazu zu erziehen, daß sie sich und ihr Leben selbst bestimmen, es selbst in die Hand nehmen. Daß sie ihre Lebensbedingungen analysieren, durchschauen und gemeinsam ändern können.

Versteht man Erziehung nicht eng auf die Arbeitswelt (z.B.) beschränkt, sondern umfassend, so gehört hierzu auch die Frage nach dem Sinn des Lebens, die Frage der Motivation für das Handeln dieser jungen Arbeiter, kurz eine Organisation wie die JOC braucht eine Grundausrichtung, etwas das sie also auch den ihr Anvertrauten vermitteln kann. ‚Die JOC als Bewegung hat sich radikal für Jesus Christus entschieden, und orientiert sich in all ihrem Suchen, Streben und Handeln an seiner guten Nachricht, die sie auch in die Tat umzusetzen versucht‘, wie es in den neuen Statuten von 1981 heisst. Dies ist wohl auch der typisch christliche Aspekt an einer Tätigkeit, die sonst sicher auch von andern so angestrebt wird. Genau das ist aber auch das Einmalige an der JOC und macht ihre Stärke aus. Und genau deswegen braucht es eine JOC.

Die grössten Schwierigkeiten beim Vermitteln dieses Aspektes liegen darin begründet, dass für die meisten Menschen diese beiden Dinge voneinander getrennt zu sehen sind. ‚Gebt dem Kaiser was des Kaisers ist, und Gott was ihm zukommt!‘ Für uns hängt beides untrennbar zusammen. Vermitteln wir gerade dann am besten etwas von unserm Glauben, wenn wir uns des Lebens der Jungarbeiter annehmen und genauso ist es für uns auch undenkbar, von ‚Glauben‘ zu reden, und das konkrete Leben der Jungarbeiter nicht zu sehen, zu hinterfragen und zu ändern. Warum ist das so schwer zu begreifen!? Oder ist es nur zu gefährlich?

Wenn wir im Arbeitermilieu nun mit dem grossen ‚C‘ auf die Jungarbeiter zugehen würden, so würden wir auf eine Mauer von Ablehnung stossen, geboren aus einer jahrhundertalten Tradition: die Kirche, und besonders Organisationen der Kirche mit einem ‚C‘ im Namen haben nie etwas für den kleinen Mann übrig gehabt. Umgekehrt aber, wenn man sich zuerst um den kleinen Mann kümmert, und dann bei der Frage, warum man das alles tut auf seinen Glauben verweist, so sind die Schwierigkeiten, sich zu begegnen, auf jeden Fall geringer.

Was nun die Kirche bei uns als Institution anbelangt, so können wir feststellen:

  • die meisten Jungarbeiter halten nicht viel von ihr, suchen aber nach etwas, das ihrem Leben Sinn und Halt gibt

  • die meisten Jungarbeiter besuchen keine Sonntagsmesse, mit uns aber feiern sie gerne Eucharistie

  • die meisten Jungarbeiter haben nach der Schulzeit die Kirche nicht positiv erfahren: sie kümmert sich nicht um die Sorgen des kleinen Mannes, spricht nicht seine Sprache, nicht von seinen Problemen …

  • für den Religionsunterricht in der Schule werden Milliardenbeträge und Legionen von Personal freigemacht, für den Arbeiterbereich aber ist weder Geld noch Personal da

  • In einem Bistumsdokument vom Januar 1981 werden als prioritär genannt: ‚la pastorale familiale, la pastorale des jeunes, la pastorale des vocations‘! Die Arbeiterpastoral also sekundär?

Wir können zwar feststellen, dass die Kirche als Institution uns (wieder) wohlwollend gegenübersteht, auch wenn noch manche Priester die Veröffentlichung des ‚Manifest für die Luxemburger JOC‘ nicht verdaut haben, dass sie uns auch einen (nicht freigestellten, sondern neben- und ehrenamtlichen)Aumönier zur Verfügung stellt, dass wir auch in den letzten beiden Jahren etwa drei Prozent unseres Budgets durch Subsidien von der Kirche finanzieren konnten, aber reicht dieser Tropfen auf den heissen Stein? Fehlt nicht vielmehr weitgehend in der Kirche die Fähigkeit und der Wille, sich der Frage der Arbeiterschaft voll und ehrlich zu stellen? Werden nicht Erfolge an falschen Maßstäben gemessen, z.B. massenhafte Teilnahme an der Schlussprozession der Oktave? Wo sind denn dann z.B. die Erfolge des oben angesprochenen massiven Religionsunterricht in unserm auch so christlichen Land? Solange die Kirche versucht die Arbeiter für sich zu gewinnen, verlangt sie von ihnen, dass sie so werden, wie sie es will. Anstatt sich selbst von der Existenz und den Fragen der Arbeiter in Frage stellen zu lassen: die Kirche muss sich auf die Arbeiter zubewegen, nicht umgekehrt.

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