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Der Markt setzt die Preise für Kunstprodukte fest. Der Galerist ist der personifizierte Markt, aufgrund seiner Marktkenntnisse ordnet er den Künstler einer Kategorie zu. Ob das gut ist für die Kunst, weiß ich nicht. Wie bei allen Waren setzt der Handelswert sich zusammen aus einer Akkumulation von Faktoren: Material, Lohn, Galerie, Steuern, usw. Der Künstler selbst ist dabei, je nach den Bedingungen, der "Kleinverdiener". Friedländer sagte, daß er sich seine eignen Aquarelle nicht leisten kann.

Der Leidtragende bei diesem System ist wohl der Kunstliebhaber, d. h. derjenige der dem Künstler am nächsten steht, weil er die Kunstwerke der Kunst wegen mag und nicht wegen ihres Anlagewerts oder gar ihres Spekulationswerts.

Ich glaube nicht, daß der Kunstschaffende in der Optik des Marktes schafft, wenn er nach seinen künstlerischen Maßstäben, die seinen Ansprüchen genügen, arbeitet. Ein Punkt muß in diesem Zusammenhang noch erwähnt werden. Durch das Marktsystem werden modische Tendenzen oder "Schulen" geschaffen. Extravagante Kunstrichtungen sind plötzlich in, und es finden sich auch die "Kunstfürsprecher". Daß sich bei solchem Boom Mitläufer an-

schließen, bleibt nicht aus. Die Individualisten werden da ins Abseits gedrängt. Dabei finden wir bei diesen Leuten die Werte. Außerhalb dieses Vertriebs- und Vermarktungssystem kann man natürlich auch arbeiten, aber dann kommt man nie in größere, ausländische Vertriebsnetze. Der Liebhaberkreis ist enger, beschränkt sich oft auf Freunde und Bekannte. Zur Konfrontation in der internationalen Szene kommt es selten.

Roger BERTEMES

Man kann schon für 4000 Franken einen Siebdruck von mir kaufen und sich daran erfreuen. Es muß nicht sofort das Original von 30000 Franken sein, von dem aus der Siebdruck hergestellt wurde. Meine ersten Ölbilder habe ich für 6000 Franken verkaufen wollen und fand trotzdem keinen Abnehmer.

Natürlich spielt die Nachfrage eine große Rolle bei der Preisgestaltung. Aber auch die Galerie redet ein gewichtiges Wort mit. Sie weiß besser, den Preis zu rechtfertigen. Sie berücksichtigt das Alter des Künstlers, sein bisheriges Schaffen, vergleicht seine Produktion mit derjenigen gleichwertiger Künstler. Manchmal sprechen sie sich auch international ein bißchen ab, z. B. zwischen Luxemburg und Brüssel. Gerade bei Kunstmessen ist das ja sehr einfach. Doch es gibt auch Unterschiede: in Deutschland sind die Bilder viel teurer als in Paris. Viele junge Luxemburger Künstler haben allerdings überhöhte Vorstellungen. Ich war immer der Meinung, auch ein Student müßte sich ein Kunstwerk leisten können. Viele Galerien ermöglichen auch die Zahlung auf Raten. Die Galerie erhält 50% des Verkaufspreises.

Brandy

Es gibt keinen Gestehungspreis in der Kunst. Man kann zwar den Materialpreis ausrechnen, aber er sagt nichts aus. Man verkauft ja nicht nur Material. Man verkauft vorrangig eine Idee. Ein Kunstwerk ist eine Auseinandersetzung, sowohl technisch wie philosophisch, vielleicht sowieso unbezahlbar. – Ich frage mich, ob Kunst nicht immer etwas Elitäres bleiben wird. Man ißt und trinkt sie nicht, man benötigt sie nicht zum Schlafen. Sie hat also nichts mit einem unserer Grundbedürfnisse zu tun. Josée BOURG

Ech stieche seit Joere méi a méng Aarbecht wi ech erauskréien. D’Material as deier. Et brauch een en Auto, ‚t muss ee vill kucke goen, vill Ausdauer a Gedold hun. D’Galerie freet hir Prozenter (am Ausland get et dacks onméiglech Konditiounen). A wann ech méng Aarbechtszäit vun der Skizz bis zum fäerdege Bild kucken, dann hun ech dacks d’Flemm. Et get keng Secherheet an deem Beruf. Ech probéieren de Moment méng Aarbecht su belleg wi méiglech ze halen. Vun 10 Uelegbiller stellen ech der eent oder zwee aus, vun 30 Zeechnungen och. Aner Leit schaffe vläicht anescht. Ech schaffen esou. Ech fanne net, daß méng Biller de Moment deier sin.

Jean-Marie BIWER

Ein Kunstwerk besteht aus Material. Das ist an und für sich schon mal teuer. Es wird auch nicht alles, was man herstellt, verkauft. Einzelne Werke schmeißt man von sich aus weg. Nicht alles gelingt. Die Hälfte des Verkaufspreises eines ausgestellten Bildes fällt zudem an die Galerie. Es kommen auch die Transportkosten hinzu, die je nach Format ganz erheblich sein können. Da muß man dann schon sehr viele Bilder verkaufen, um davon leben zu können. Doch abgesehen von dieser materiellen Seite: Kunst ist ja auch etwas Einzigartiges. Die Originalität bestimmt auch den Preis mit. Etwas Einzigartiges ordentlich hinkriegen, verlangt enorm viel Zeit. Ich produziere ja nicht massenweise das mehr oder weniger selbe Bild, um so die Gestehungskosten und den Verkaufspreis zu drücken.

Andererseits ist der Preis auch eine Frage des Marktes. Es heißt hier die Bereitschaft der potentiellen Käufer richtig einschätzen. Wurde ein Bild nicht verkauft, bedeutet das nicht unbedingt, daß es zu teuer war. Es war vielleicht auch einfach schlecht, oder zufällig hat niemand darauf reagiert. anonym

Wenn ich einen Teppich webe, verbrauche ich Material für mindestens 6000 Franken. Die Arbeitsstunden kann ich gar nicht zählen. Es sind Hunderte. Ich könnte nie den errechneten Preis verlangen, wenn ich mir die Arbeitszeit bezahlen lassen wollte. An einem großen Teppich arbeite ich 4 Monate lang wenigstens 4-5 Stunden am Tag. Ich verkaufe ihn nachher für 60 bis 90000 Franken. Aber nicht jeden Teppich, den ich herstelle, kann ich verkaufen. Doch Kunst und Verkaufen empfinde ich sowieso als Paradox.

Françoise MAAS-MEEUS

Meine keramische Arbeit erlaubt mir nicht, davon zu leben. Sie ermöglicht mir nicht einmal, Ofen und Brennkosten zu bezahlen. Meine Keramik ist einerseits zu teuer für den eventuell interessierten Käufer, und andererseits nicht teuer genug, wenn man die Zeit, den materiellen Aufwand und das persönliche Engagement rechnet.

Natürlich kann man auch von der Keramik leben. Aber ist das nun die Frage? Ist die Frage überhaupt von Wichtigkeit? Für den Künstler selbst oder für das Publikum? Ausländische Kollegen funktionieren auf ähnliche Art und Weise. Konzessionen sind irgendwie immer fällig (z. B. durch die Herstellung von Nutzkeramik, die Red.). Plastik ist im allgemeinen schwerer verkäuflich als Malerei. Ein Bild aufhän-

gen ist weniger problematisch als eine zerbrechliche Keramik aufstellen. Pit NICOLAS

Es ist ganz erstaunlich, was bestimmte Hobbymaler für ihre Landschaftsbilder verlangen. Bestimmte Galerien sind darauf spezialisiert und machen keine schlechten Geschäfte. Aber ich habe eigentlich keinen Kontakt zu solchen Malern. anonym

Das Künstlerdasein als Beruf

"Kunst schreit nach Brot," hat es immer geheißen. Für die Außenseiter gilt das auch heute noch. Gerade bei diesen sind sehr wertvolle Menschen zu finden. Nur stehen sie abseits vom Markt, und ihr Schaffen wird eingeengt schon allein im Beschaffen von Werkmaterial und Werkstoff. Der freischaffende Künstler will und muß von seiner Kunst leben und ist somit einer ganzen Reihe von Zwängen unterworfen: z. B. Unterhalt der Familie. Aufträge unterliegen allzuoft den Richtlinien und Wünschen des Auftraggebers. Die "künstlerische Freiheit" kommt in eine Zwangsjacke. Goyas bedeutendste Bilder sind diejenigen, die nicht auf Bestellung gemalt wurden. Aufträge müssen sein, aber die großen menschlichen Werte liegen in den anderen Werken. Das hat sich auch heutzutage nicht geändert. Heute findet sich die Lösung oft im Beruf des Partners. Selbst Verträge mit Galerien sind allzuoft Zwangssituationen.

Man wird vor die Wahl gestellt: Brotberuf einerseits und freies künstlerisches Schaffen oder sogenannter freischaffender Künstler mit all den Folgen und Zwängen.

Unsere heutige Konjunktur erlaubt einer Reihe von Liebhabern, sich Kunstwerke anzueignen. Dies ist begrüßenswert für unsere jungen Künstler. Die Kunst wird in den Vordergrund gestellt bei den Medien. Alles Faktoren, die zum Kunstverständnis und Kunsterlebnis führen. Der Künstler befindet sich heute also in einem andern Umfeld als vor Jahren. Weiter

Kunst und Verkaufen empfinde ich als Paradox.

sind auch Lösungen gefunden worden, was die soziale Absicherung anbetrifft. Manches ist also schon geschehen. Roger BERTEMES

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