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"Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr", meint ein bekanntes Sprichwort, das wohl auf Anhieb jedem einleuchtet. Auch ich ging bei der Geburt meiner ersten Tochter davon aus, daß ich bei der Geburt eher eine Statistenrolle zu spielen hätte, und vor allem für moralische Unterstützung zuständig sein sollte.
Inzwischen habe ich die Geburt von drei Töchtern (Anja, Tina und Lena) und einem strammen Max miterlebt und bin zu einer ganz anderen Ueberzeugung gelangt.
Auch Vater werden will gelernt sein. Wenn der Vater nämlich eine wichtige Rolle bei der Geburt spielen will, dann gibt’s für ihn Arbeit genug.
Wenn ich an die einzelnen Geburten zurückdenke, dann muß ich zugeben, daß ich bei der ersten eher eine Zuschauerrolle gespielt habe, mit Kamera ausgerüstet, versteht sich von selbst!
Nicht etwa, daß nicht der gute Wille zum Helfen vorhanden war, nein, es war vielmehr die eigene Unsicherheit und die Tatsache, daß ich so von der Atmosphäre, die im Kreißsaal herrschte, beeindruckt war, die mich davon abhielt eine aktivere Rolle zu spielen. Zwar hatte ich auch an einer Informationssitzung für werdende Väter teilgenommen, doch hatte dies wohl nicht genügt. Hinzu kam, daß die Geburt eingeleitet wurde und ich davon ausging, daß der Arzt alles im Griff hatte und alles nach Plan verlaufen müßte.
Ich erinnere mich noch sehr deutlich, daß ich fast aus den Socken kippte als der Arzt die Periduralspritze setzte.
In Erinnerung geblieben ist mir weiter der Hechtsprung unserer Tochter Anja ins Leben hinein. Schließlich war ich stark beeindruckt davon, daß eine Geburt doch mit Schmerz, Blut und Nähen verbunden ist.
Die Geburt der zweiten Tochter, Tina, verlief ähnlich.
Fazit: Weil ich viel zu wenig auf das vorbereitet war, was bei der Geburt auf mich zukommen würde, ging es mir wohl wie den meisten werdenden Väter. Ich nahm an der Geburt teil, weil Väter dies eben heute so tun, nicht aber, weil ich der Ueberzeugung war, dabei unentbehrlich zu sein.
Vor der Geburt Nummer drei schleppte mich Jutta, meine Frau, zu den Geburtsvorbereitungskursen zu Corinne mit. Ich glaube, ich war bei fast allen Kursen mit dabei und übte fleißig mit. Atmen, Pressen, schaute mir Filme über Geburten mit an, ließ mir sagen, wie der Mann die Frau bei der Geburt wirksam unterstützen, wie er sich nach der Geburt um das Baby kümmern kann.
Ich glaube also, daß ich besser vorbereitet war, was auf mich zukommen sollte.
Als wir in der Nacht zur Düdelinger Entbindungsklinik fuhren, wußten wir noch nicht, daß es eine schwere Geburt werden sollte. Die einladende Atmosphäre der kleinen Düdelinger Maternité fiel mir sofort positiv auf. Alles begann auch gut. Jutta schlug sich tapfer, bis plötzlich extrem starke Schmerzen einsetzten. Als die Hebamme meiner Frau sagte, es könnte trotzdem noch bis zu zehn Stunden dauern, rief sie nach der Peridural-Spritze. Ich fühlte mich überfordert und mischte mich nicht ein. Der Arzt setzte die Spritze wenig später, und schon zwei Stunden danach war Lenchen da. Mein Verdienst: ich hatte unerbittlich zum Pressen angefeuert und ihr dabei geholfen.
Lena durfte ich baden, dabei helfen wie sie gewogen wurde, konnte sie streicheln und durfte auch beim Anziehen helfen.
Bei Maxens Geburt schließlich lief alles bilderbuchähnlich. Ich hatte vor der Geburt, sporadisch, wieder an den Geburtsvorbereitungskursen teilgenommen, und wir pilgerten wie gehabt nachts in Richtung Spital. Als die ersten wirklich starken Wehen einsetzten, stützte ich Jutta, massierte ihr den Rücken. Dann ging alles ganz schnell. Die Oeffnung wurde schnell größer, und Max war da, ehe der Arzt hatte eintreffen können.
Ich hatte kaum die Zeit gehabt, die Kamera, die ich vorher auf einem Stativ angebracht hatte, in Gang zu setzen.
Ich hielt nicht darauf, die Nabelschnur durchzutrennen, wollte aber unbedingt beim Baden, Wiegen, Ankleiden mitmachen. Ich war davon überzeugt, daß dies nützlicher und auch schöner ist, als dem Arzt beim Nähen der Rißwunde, die Jutta bei der Geburt mitbekommen hatte, über die Schulter zu sehen oder auf die Nachgeburt zu warten.
Der rein zuschauende Vater ist bei der Geburt keinem sehr nützlich.
Weil ich ja nach vier Geburten so manches hinzugelernt habe, möchte ich zukünftigen Vätern gerne etwas von meinen Erfahrungen mit auf den Weg geben:
- der rein zuschauende Vater ist bei der Geburt keinem sehr nützlich;
- weil noch kein Meister vom Himmel gefallen ist, rate ich allen werdenden Vätern, sich sorgfältig auf die Geburt vorzubereiten, eventuell Geburtsvorbereitungskurse gemeinsam mit der Partnerin zu besuchen;
- während der Geburt sich in die Dienste der werdenden Mutter zu stellen, sie abzuschirmen, ihr zu helfen, wenn sie dies wünscht, und auf jeden Fall
nicht aufdringlich zu sein;
- der Vater sollte sich vordergründig um das kümmern was im Kopf der Mutter vorgeht und nicht unbedingt dem Arzt ins Geschäft pfuschen. Besonders wenn man etwas zart besaitet ist, sollte man die Nase nicht zu weit vorstrecken. Eine Geburt ist und bleibt trotz aller Hilfe eine blutige Geschichte;
- Wichtig ist, daß der Vater sich nach der Geburt auch um den Nachwuchs kümmert. Er sollte es sich nicht nehmen lassen, das Baby selbst zu baden oder zumindest dabei zu helfen.
- das Sprichwort vergessen, das behauptet, Vater werden sei so leicht!
Mars di Bartolomeo
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