Grüne Wochenzeitung

Grénge Spoun erscheint jetzt wöchentlich

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Kaum war die Nachricht, daß die vom "Luxemburger Wort" gesponsorte Wochenzeitung für Europäer ihr Erscheinen mangels Absatz eingestellt hatte, verklungen, da wagte der "Grénge Spoun" den Sprung ins kalte Wasser und stellte seinen Erscheinungsrhythmus um: statt alle zwei Wochen erscheint er ab 1. März jeden Freitag.

Diese Umstellung wurde nicht etwa ob der Schreibwut der Autoren und Autorinnen oder der Unausgelastetheit der Redaktion beschlossen. Auch zunehmende Umwelt- und sonstige Probleme, über die es zu berichten gilt, waren nicht der Anlaß. Ausschlaggebend waren die Bestimmungen des Gesetzes zur Förderung der Presse. Will eine Zeitschrift in den Genuß dieser Hilfe gelangen, so muß sie unter anderem mindestens wöchentlich erscheinen. Erste Gelder gibt es, wenn die Zeitschrift ein Jahr lang aus eigener Kraft diese Bedingung erfüllt hat. Die kleine "Grénge Spoun" Redaktion ist angetreten, um diese Durststrecke zu Durchwandern, an deren Ende die staatlichen Subsidientöpfe – die Staatsknete, wie man in der BRD-Szene sagen würde – locken. Die nach einem Jahr zu erwartenden Gelder werden dann die Einstellung weiterer Journalisten und ein professionelleres Arbeiten ermöglichen.

Voraussetzung für die Anerkennung ist auch eine "geordnete" Rechtsform der Trägergesellschaft. Es wurde die Form der "Genossenschaft" gewählt und über 100 Personen haben Anteilscheine in dieser Genossenschaft gezeichnet, so daß nicht nur die formaljuristische Voraussetzung geschaffen wurde, sondern auch ein Startkapital von 800.000 Franken zusammengekommen ist, das vornehmlich in neue technische Geräte investiert wurde. Mit dem wöchentlichen Erscheinen wurde auch das Druckverfahren gewechselt und auf Rotationsdruck umgestellt, der eine kürzere Herstellungszeit als das Bogen-Offset-Verfahren erlaubt. Von allen Druckereien hat man Angebote eingeholt und die COPE, die Druckerei der Kommunistischen Partei, machte das günstigste Angebot. Ausschlaggebend bei der Auswahl der Druckerei war auch deren Fähigkeit oder Bereitschaft auf Umweltpapier zu drucken. Das von der COPE eigens für den "Spoun" angeschaffte Umweltpapier ist so weiß, daß manche Leser schon protestiert haben und glaubten, die Redaktion sei ihren Prinzipien untreu geworden. Doch Umweltpapier muß nicht grau sein und hinter manchem grauen Papier verbirgt sich bloß eingefärbtes normales Papier.

Für das wöchentliche Erscheinen spricht jedoch nicht nur die damit verknüpfte staatliche Anerkennung und Förderung, sondern sie ist auch eine Voraussetzung für eine erhöhte Aktualität, die es erlaubt das Tagesgeschehen zu kommentieren, und vor allem auch die politischen Aktivitäten der Grünen innerhalb und au-

außerhalb des Parlamentes publizistisch zu unterstützen. Als Beispiel sei nur auf den Artikel zum Gesetz über die Getränkeverpackungen verwiesen. Im "Grénge Spoun" 58 wurde es beschrieben als "ein edles Vorhaben, das sich bei der Lektüre der Texte als ein verfrühter Aprilscherz entpuppt." Dank der wöchentlichen Erscheinungsweise war der Artikel rechtzeitig vor den Debatten veröffentlicht, so daß er in der Kammer kritisch-wütend gewürdigt werden konnte.

Doch wenn der "Grénge Spoun" in der "öffentlichen Meinung" eine Rolle spielen soll, ist er auf die Anerkennung der anderen Medien angewiesen. Daß der "forum"-Schreiber sich als einziger "Presse"-Vertreter zur Vorstellung der ersten Nummer des wöchentlichen "Spouns" im "Lenzen Eck" eingefunden hatte, ist wahrlich kein gutes Omen. Und es ist sicher eine

porNO

"In der Männersprache hat der Begriff Pornographie keine feste Bedeutung. Der Progressive befürwortet sie mit der Begründung, für die Befreiung der Sexualität einzutreten. Der Konservative ist eigentlich gegen diese Befreiung und hauptsächlich besorgt um die öffentliche Moral. Der liberaldenkende Intellektuelle verteidigt im Zusammenhang mit der Pornographie vehement die Freiheit der Meinungsäußerung. Der Konservative bezweifelt, daß diese Freiheit das Richtige ist und bemüht sich um Regelungen. Nichts als Ablenkungsmanöver, sagen die Feministinnen und belegen, daß Pornographie Frauen demütigt, erniedrigt und ausbeutet."

Soweit ein Zitat aus einer Broschüre zur Pornographie, die soeben von den "Gréng Fraen (GAP)" herausgegeben wurde. In dieser Broschüre wird nachgewiesen, daß Pornographie frauenverachtend ist und deshalb eine gesetzliche Basis geschaffen werden muß, die es den Frauen erlaubt sich zu wehren. Dies ist das zentrale Anliegen eines Gesetzesvorschlages, den die Grünen im Parlament eingebracht haben und der in der Broschüre mit dem Titel "porNOgraphie" erläutert wird. Beides, Gesetz und Broschüre, sind der "Emma"-Kampagne PorNO nachempfunden.

Romain Hilgert schreibt zu dieser Veröffentlichung im "Grénge Spoun" Nr. 57: "Pornos werden gekauft gleichzeitig als industriell produzierte Phantasmen und als Ersatzfrauen auf Glanzpapier oder Videokasetten. Damit sind Pornos als ‚gesellschaftliches Problem‘ auch Ausdruck einer mehrfach und nicht zuletzt durch Machtverhältnisse entfremdeten Sexualität. Einleuchtend gelingt es der Broschüre, die gängigen und oft von rechten und linken politischen Positionen unabhängigen Rechtfertigungsversuche zugunsten der, nicht selten als Errungschaft der sexuellen Revolution dargestellten Handelsfreiheit mit Pornographie in Frage zu stellen. Vor allem den Zensureinwand, also die Behauptung, das Geschäft mit der entwürdigenden Darstellung von Frauen, sei eine freie Meinungsäußerung, die schützenswerter als sämtliche Rechte der Frauen sei."

Bestellung der Broschüre zum Preis von 60 F im GAP-Sekretariat

BP 454, L-2014 Luxemburg, Tel.: 46 37 40

Illusion zu glauben, daß die Medien, die bisher ihre mangelnde Berücksichtigung dieser Zeitung mit dem Argument, die Bedingungen für die Anerkennung als förderungswürdiges und somit "richtiges" Presseorgan seien nicht erfüllt, begründet haben, ihre Haltung ändern werden. Sie werden lediglich einen anderen Vorwand suchen. So wird der "Grénge Spoun" auch weiterhin nicht in der Presserevue von UKW 92,5 erwähnt. Die "Grünen", die der Meinung sind, daß dies dem Lastenheft der CLT, das dieser eine strikte Neutralität auferlegt, widerspricht, haben den Regierungskomissar bei der CLT eingeschaltet. Affaire à suivre.

Doch letztlich wird die Bedeutung der neuen Wochenzeitung von ihrer Verbreitung, also von der Zahl ihrer Abonnenten abhängen. Nach Angaben der Macher sind es heuer ca. 700. Um kostendeckend,

ohne staatliche Hilfe arbeiten zu können, müßten es 1000 sein. In einer ersten Testphase nach der Umstellung auf den wöchentlichen Rhythmus gehen 600 Exemplare an die Kioske der Messagerie Paul Kraus. Diese Zahl soll im Laufe der Zeit dem realen Absatz angepaßt werden.

Wenn Sie, liebe "forum"-Leserin, lieber "forum"-Leser, den "Grénge Spoun" noch nicht kennen, dann nehmen Sie die Möglichkeit des sogenannten Schnupper-Abos wahr und überweisen Sie 100 Franken auf das Postscheckkonto 24495-51. Sie erhalten 4 Ausgaben zum Kennenlernen.

Die "forum"-Redaktion wünscht ihren mutigen Kollegen vom "Spoun" alles Gute.

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