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Zwischen den Modalitäten für die Kammerwahl und denjenigen für die Europawahl gibt es zwei Unterschiede: bei der Europawahl gibt es nur einen einzigen Wahlbezirk und die Kandidaten dürfen nur eine Stimme bekommen. Trotzdem ist das Panaschieren innerhalb der Listen möglich, da die Listen aus doppelt soviel Kandidaten bestehen, als Sitze zu vergeben sind. Das Panaschieren zwischen den Listen ist eh erlaubt.
Elections européennes 1994:
différence des pourcentages obtenus par J.-Cl. Juncker et J. Santer
Santer en tête ]-0.67:0]
]0:0.5]
]0.5:1]
]1:1.5]
]1.5:2]
Es ist müßig einen großen Unterschied zwischen den Ergebnissen der Europawahlen und den Ergebnissen der Kammerwahlen zu suchen. Es gab keinen spezifischen Europawahlkampf. Die Parteien schickten ihre Zugpferde auf Stimmenfang, auch wenn von vornherein klar war, daß diese nie im Europaparlament sitzen würden. Dies liegt in der Logik des Wahlsystems, und es gibt nur einige Puristen, die sich daran stören. Genauso, wie es nur wenige gibt, die die Teilnahme an der Europawahl verweigern, obwohl sie für die Parlamentswahlen antreten. Ein solcher Fall ist administrativ nicht vorgesehen, da es nur eine gemeinsame Präsenzliste für beide Wahlen gibt. In einem Fall, der mir bekannt wurde, hat der Vorsteher des Wahlbüros versucht den betreffenden Bürger zu überzeugen, bei den Eurowahlen entweder weiß oder ungültig zu stimmen. Da der Bürger trotzdem auf seinem zivilem Ungehorsam der Wahlverweigerung bestand, wurde nach längerem Telefonieren ein pragmatischer Weg gefunden, um die Ausübung einer halbierten Wahlpflicht zu Protokoll zu nehmen.
Bei den Kammerwahlen muß eine Partei 60 Kandidaten aufstellen, wenn sie flächendeckend mit kompletten Listen vertreten sein will. Bei der Europawahl sind nur 12 Kandidaten für eine vollständige Liste erforderlich. Die rein "lokalen" Kandidaten, die ihre Stimmen über persönliches Bekanntsein bekommen, sind also ausgeschlossen und deshalb fallen lokale Besonderheiten hier nicht so stark ins Gewicht.
Wegen der von vielen als wenig bedeutsam empfundene Wahl herrscht weniger Druck das geringere Übel zu wählen (voter utile), man kann also seinem Herzen oder, besser, seiner politischen Überzeugung freien Lauf lassen.
Aus all diesen Gründen wollen wir die paradoxe These aufstellen, daß die Europawahl in höherem Maße eine nationale politische Wahl darstellt als die Kam-
merwahl. Mit anderen Worten, aus den Ergebnissen der Europawahl ist es eher möglich, die Strukturen der politischen Kräfteverhältnisse zu erkennen als aus denjenigen der mit einer gewissen Willkür geviertelten Bezirken der Kammerwahlen.
Das Elefantenrennen
Da es nur einen Wahlkreis gibt, in dem sich sämtliche Spitzenkandidaten des ganzen Landes gegenübertreten, kommt es bei der Europawahl zu einem innerparteilichen Konkurrenzkampf zwischen Kandidaten, die sich sonst nicht ins Gehege kommen, da sie in unterschiedlichen Wahlbezirken antreten. Dieser Wettkampf ist umso brisanter, da im Luxemburger politischen System viele Posten, und dies nicht nur in der Regierung, gemäß dem persönlichen Wahlerfolg des einzelnen Politikers vergeben werden. Besonders bei der CSV steht diese Tradition hoch im Kurs. Der beliebteste oder zumindest am häufigsten gewählte Politiker ist Jean-Claude Juncker mit 21.929 Stimmen, gefolgt von Jacques Santer mit 19.702 und Lydie Polfer mit 18.093 Stimmen. Weit abgeschlagen folgen Astrid Lulling (14.102), knapp vor Jacques F. Poos (14.090). Jup Weber klassiert sich mit beachtlichen 11.621 Stimmen an der 10. Stelle des Gesamtklassements. Mit dieser Stimmenzahl wäre er zweiter auf der LSAP-Liste und dritter auf der DP-Liste. Bei CSV, LSAP und GLEI-GAP landen die ausländischen Kandidaten auf dem letzten Platz. Daß dem nicht so sein muß, zeigt das Beispiel von Adri van Westerop auf Platz fünf der Grünen-Liste. Ausländer haben ihre Chance, wenn sie in die Luxemburger Gesellschaft integriert sind und in der Öffentlichkeit und den nationalen Medien regelmäßig in Erscheinung treten.
Regionale Streuung
Carlo Schneider
Der Rest dieses Beitrags soll der Untersuchung von regionalen Unterschieden im Wahlverhalten gewidmet sein. "forum"-Leser kennen unsere Methode¹ und unsere Grundannahme, daß die regionale Verteilung nicht eine rein geographische Verteilung sondern gleichzeitig eine soziale ist, da die Struktur der Gesellschaft sowohl in den geographischen Raum als auch in die administrativen Aufteilungen eingeschrieben ist. Stichworte wie Minette, Ösling, Pfaffenthal, Belair mögen an dieser Stelle als Beispiele für geographische Bezeichnungen genügen, die bei jedem, der unser Land und seine Geschichte kennt, sofort Konnotationen von Unterschieden in der sozialen Lage hervorrufen. Dieses subjektive Empfinden müßte natürlich durch die Untersuchung von sta-
5 Parteien bei der Europawahl Streuung der prozentualen Ergebnisse auf Gemeindeebene
Elections européennes
10 partis, 118 communes + 4 votes corres.
CRP-CU
tistischen Daten objektiviert werden, nur ist hier nicht Ort für ein solchen Unterfangen.
Zur Verfügung für unsere Untersuchung stehen uns die Ergebnisse der 210 Kandidaten und der 10 Parteien für die 222 Wahleinheiten, das sind die 118 Gemeinden des Landes und die 4 Büros für die Briefwahl. Das ergibt eine Tabelle von 210 Zeilen mal 222 Spalten für die Kandidaten und von 10 mal 222 für die Parteien, die es zu lesen gilt. Der einfachste Ansatz würde darin bestehen, für die Parteien und für die Kandidaten Mittelwerte zu bilden, doch dadurch ginge die ganze Information über die Verteilung verloren.
Das Boxplot (siehe Abbildung), boîte de dispersion in der Sprache von Minister Toubon, ermöglicht eine anschauliche Darstellung einer Verteilung, hier der prozentualen Ergebnisse der 5 Parteien für die 122 Wahleinheiten. Eine Verteilung beschreiben, heißt erst einmal einen Zentralwert anzugeben, zum Beispiel den Mittelwert. In der Boxplotdarstellung wählt man jedoch den Medianwert, die Zahl die genau die Mitte der Verteilung angibt, d.h. 50% der Wahleinheiten liegen über dem Wert und 50% darunter. Dies wird symbolisiert durch den weißen Strich in den schwarzen Kästen. Aus der Abbildung geht hervor, daß die LSAP in 50% der Wahleinheiten ein Ergebnis von weniger als 18,5% der Stimmen erzielt hat, in 25% der Gemeinden (markiert durch die untere Kante des schwarzen Kastens) ein Ergebnis von weniger als 16% der Stimmen und in 75% der Gemeinden (markiert durch die obere Kante des Kastens) ein Ergebnis von weniger als 24,6%. Zwischen den beiden
Werten, also in einem Streubereich, der durch die Höhe des Kastens symbolisiert wird, befinden sich 50% der Gemeinden. Die zwei nächsten horizontalen Linien, die durch eine vertikale gestrichelte Linie mit dem Kasten verbunden sind, sind ein weiteres Maß für die Streuung und so gewählt, daß die meisten Fälle zwischen diesen Linien liegen. Alle Wahleinheiten, die außerhalb liegen, werden durch einen einzelnen Strich gekennzeichnet, es handelt sich um Extremwerte (‚outliers‘) und wir erkennen, daß die DP mit fünf die meisten Extremwerte hat. Mit etwas Übung kann man in dieser Darstellung nicht nur den Medianwert und die Streuung sondern auch noch die Form der Verteilung erkennen. Die Verteilung für die Grünen erscheint am symmetrischsten. Während für die LSAP die Werte stärker nach oben streuen, streuen sie für die DP stärker nach unten.
Damit noch nicht genug, auch die Breite der Kästen enthält noch eine Information: sie ist proportional zur Wurzel der Gesamtstimmenzahl der jeweiligen Parteien. So werden z.B. in unserem Boxplot LSAP und CSV als die großen Parteien ausgewiesen.
Der Raum der Parteien und der Gemeinden
Die Methode der Korrespondenzanalyse erlaubt es, die Tabelle mit den Ergebnissen räumlich darzustellen. Die Grafik oben stellt die erste Ebene des Faktorraums dar (zur Methode vgl. Kasten S. 37). Dabei werden die einzelnen Zeilen mit einer Durschnittszeile und die einzelnen Spalten mit einer Durch-
schnittsspalte verglichen. Diese Durchschnittswerte erscheinen im Nullpunkt der Darstellung, je weiter eine Spalte oder Zeile sich von diesem Durchschnitt entfernt, desto weiter wird sie sich auch in der Darstellung vom Zentrum entfernen. (Je weiter der Punkt nach außen wandert, desto atypischer wurde die Partei, die er darstellt, gewählt, desto atypischer haben die Wähler der Gemeinde, die er darstellt, gewählt.)
1. Der Hauptgegensatz: DP-LSAP oder "rechts"-links
Das Hauptunterschiedungsmerkmal, das allen regionalen Wahlergebnissen zu Grunde liegt, ist der Gegensatz zwischen Gemeinden, in denen vorwiegend LSAP und jenen, in denen vorwiegend DP gewählt wird. Dieser Gegensatz, die horizontale Achse in der Darstellung, erklärt 64% der in der Gesamttabelle enthaltenen Information. Bei den Europawahlen erscheinen Differdange, Pétange, Bascharge und Kayl als typische LSAP-Ortschaften, während Luxemburg und Strassen als DP-Ortschaften erscheinen, in Mamer und Bertrange hat die DP Hochburgen, während die LSAP in Rümelingen eine Hochburg hat. Auf dieser ersten Achse, der rechts-links Achse, erscheint auch das ganze Ösling auf der Seite der DP, dort wird eher DP als LSAP gewählt. Aber diese Ortschaften unterscheiden sich von den eigentlichen DP-Ortschaften dadurch, daß in ihnen der ADR mehr Stimmen bekommt. Und dadurch entsteht ein zweiter Gegensatz: die Unterscheidung zwischen ADR- und DP-Gemeinden. Diese zweite vertikale Achse erklärt 15% der Information.
2. Der ADR ist eine vollwertige Partei oder das politische Dreiecksverhältnis
Der Raum der Parteien wird durch ein Dreieck abgesteckt, in dem sich die Gemeinden zwischen DP, LSAP und ADR einordnen. Selbst wenn der ADR nur 7% der Stimmen erhält, so sind diese doch so typisch verteilt, daß dadurch die zweite Achse bestimmt wird. Wir wollen diese die "Achse des ländlichen Protestes" nennen. Mit den beiden ersten Achsen und den drei Parteien ergibt sich das Grundmuster des politischen Raumes für das ganze Land und,
Will man einen Fisch photographieren, so wird man dies nicht von vorne oder von oben tun, denn sonst erscheint immer nur ein dünner Strich auf dem Bild. Man kann es von der Seite tun und erhält somit sein Profil, das keine Auskunft über seine Dicke gibt. Wenn man ihn aber unter dem richtigen Winkel erwischt, hat man einen guten Eindruck sowohl von seinem Profil als auch von seiner Dicke. Einen Fisch photographieren heißt einen drei-dimensionalen Gegenstand auf einem zweidimensionalen Photo abbilden. Die Methode, die wir hier anwenden, versucht dasselbe mit den Wahlergebnissen zu machen. Man kann sich eine Partei oder einen Kandidaten als Punkt in einem vieldimensionalen Raum vorstellen. Dadurch, daß man den richtigen Standort wählt, bildet man die Punkte des Wahlergebnisses in einem Raum mit weniger Dimensionen ab, ohne allzuviele Informationen zu verlieren.
Im folgenden Beitrag wollen wir die Wahlergebnisse mit der statistischen Methode der Korrespondenzanalyse beschreiben. Es handelt sich dabei um ein Verfahren, das die Informationen, die im Gesamtergebnis enthalten sind, so reduziert, daß sie leicht interpretiert werden können. Dies ist besonders anschaulich möglich, wenn die Ergebnisse in eine Ebene projiziert werden, wo die Entfernungen der einzelnen Parteien zu einander unmittelbar sichtbar werden.
"forum"-Nr. 113
was erstaunlicher anmutet, in fünf Korrespondenzanalysen, die wir für die Ergebnisse der Kammerwahlen durchgeführt haben, wiederholt es sich sowohl für die vier Wahlbezirke wie für die Stadt Luxemburg. Und in dieses Dreieck schreiben sich die einzelnen Ortschaften und Parteien ein.
Die Grafik S.38 zeigt eine klare Dreiteilung der Gemeinden. Die LSAP-Hochburgen sind klar im Süden, die ADR-Hochburgen klar im Norden verortet. Die DP hat ihre Hochburgen im Zentrum in der Stadt Luxemburg und in den sich anschließenden Gemeinden: Strassen, Bertrange.
Die Besonderheit unserer Darstellung besteht darin, daß alle Punkte, die schlecht in der Ebene der zwei Achsen dargestellt werden, kleiner gedruckt werden und so perspektivisch in einer dritten Dimension verschwinden. Die erste Ebene der Korrespondenzanalyse zeigt also eine Dreiteilung des Landes: ein ländlicher Raum, der vom ADR "beherrscht" wird, ein industrieller Raum, der von der LSAP "beherrscht" wird und ein urbaner Raum, mit den Hochburgen der DP. Zu letzterem gehört nicht nur die Hauptstadt son-
Carlo Schmitz
dern auch die Schlafstädte, besser Schlafdörfer, in denen die Beschäftigten der Banken und anderen Dienstleistungsunternehmen der Hauptstadt wohnen. Die CSV erscheint nicht in dieser Dreiteilung, weil sie in den drei Bereichen präsent ist und damit den ganzen Raum förmlich durchdringt.
3. Volkspartei CSV
Die CSV ist die Partei, die im ganzen Lande am gleichmäßigsten vertreten ist. Sicher gibt es Streuungen zwischen dem besten Ergebnis in Eschweiler mit 50,8% und dem schlechtesten in Garnich mit 22,2%, aber diese sind wesentlich geringer als bei anderen Parteien. So liegt das prozentuale Ergebnis der CSV zum Beispiel in 50% der Gemeinden zwischen 31% und 37%. Bei der Faktoranalyse manifestiert sich derselbe Sachverhalt durch die Stellung des Punktes in der Mitte des Faktorraumes. Die Grünen sind auch stark zentral verortet. Es wäre aber falsch sie vorschnell als Volkspartei zu bezeichnen. Wir wissen sehr wohl, daß die grüne Wählerschaft ein spezifisches soziales Profil hat. Nur daß dieses auf der Ebene der administrativen Unterteilung, die wir hier untersuchen, nicht zum Tragen kommt. Und damit sind wir auch bei den Grenzen unserer Methode angelangt, die man an einem fiktiven Beispiel sehr gut verdeutlichen kann. Man stelle sich vor, es gebe eine Frauenpartei, die nur von Frauen und eine Männerpartei, die nur von Männern gewählt wird. In unserer Darstellung würden beide in der Mitte des Diagramms zu finden sein, da Frauen und Männer ziemlich gleichmäßig über alle Gemeinden verteilt sind.
4. Der ADR gewinnt auf Kosten der CSV
Die hohen Verluste der CSV im Norden seit zwei Wahlen, die einhergehen mit den Gewinnen des ADR (siehe Grafik 4 S.19) und das Abdriften im Faktorraum von Ortschaften mit hohem CSV-Wahlergebnissen² hin zum ADR-Pol, bestätigen die These, die wir vor fünf Jahren aufgestellt haben, daß der ADR eine ländliche Protestpartei für unzufriedene CSV-Wähler ist.
5. Die "linken" und die "rechten" Nationalisten
Es gibt eine klare Unterscheidung zwischen der regionalen Implantation der National Bewegung auf der einen und GLS, NOMP und ADR auf der anderen Seite. In der Grafik für die Europawahl, genau wie in allen anderen Untersuchungen, die wir angestellt haben, ist die National Bewegung dort stark, wo die LSAP und die KP stark sind. NOMP und GLS sind jedoch auf der anderen Seite der Achse, Richtung DP, angesiedelt. Die NOMP liegt auf der horizontalen Achse ungefähr gleich mit dem ADR, nur auf der vertikalen Achse ist sie in Richtung DP und urbanem Raum verschoben. Sie erscheint in der graphischen Darstellung der Ergebnisse als das, was sie ist: die urbane Abspaltung der ländlichen Protestpartei. Festgemacht hatte Hilda Rau-Scholtus dies an der Koffergeschichte, die ihr allzusehr nach Bauernposse aussah.
6. KPL und Linke Liste, die feindlichen Brüder
KPL und Nei Lénk stehen nah beieinander, ein Hinweis darauf, daß sie sich dieselben Wählerreservoirs
Elections européennes: 120 candidats, 118 communes + 4 votes corres.
teilen. Nur daß die KPL weiter links steht, ein Hinweis dafür, daß die Nei Lénk in "bürgerlichen" Gemeinden besser abschneidet. So wie die zweite Achse eine Differenzierung der Gemeinden auf der DP-Seite darstellte, so bringt die dritte Achse, die wir nicht darstellen, eine Differenzierung in die LSAP-Gemeinden. Und hier ist das Unterscheidungskriterium das mehr oder weniger gute Resultat von KPL bzw. Lénks Lëscht. Und auch auf dieser dritten Achse liegen diese beiden Gruppierungen nahe beieinander. Am besten schneiden sie ab in Esch-Alzette, gefolgt von Sanem, Differdange, Kayl usw. um in Dudelange und Bettembourg ihr schlechtestes Ergebnis zu erzielen.
Die Kandidaten
Wir haben eine Korrespondenzanalyse für die persönlichen Stimmen der 210 Kandidaten durchgeführt. Die Gemeinden sind praktisch identisch verteilt, wie bei der Rechnung für die Parteiengesamtstimmen. Wir erhalten dasselbe Dreieck, in dem sich die Kandidaten positionieren. Der Erklärungsanteil ist erwartungsmäßig auf 27% gefallen. Bei der zweiten Achse, die diesmal 17% Erklärungsgehalt hat, treten neben den typischen Zentrumsgemeinden auch einige Ortschaften des Ostens in den Vordergrund. Wir haben alle Kandidaten mit der Abkürzung für ihre Partei aufgetragen. Nur die Kandidaten der LSAP mit ihrem Namen, um an einer Partei eine exemplarische Diskussion durchführen zu können. Auch hier gilt wieder die Regel, daß die Kandidaten im Zentrum der Abbildung überall gleich gut, wie Goebbels oder Fayot, oder gleich schlecht, wie Cassaignau, gewählt wurden. Wobei dieser letzte Kan-
didat, ebenso wie Fayot, schon leicht in Richtung Zentrum/Osten tendiert. Kollwelter und Delvaux-Stehres erhalten ihre Stimmen im Zentrum, Wohlfart im Norden, während die anderen Kandidaten sich auf der Achse der Südgemeinden positionieren.
Der Leser, der sich in der politischen Szene auskennt, kann die Kandidaten, die sich hinter den einzelnen Positionen verbergen, leicht erraten. Das interaktive, dynamische Instrument zur graphischen Darstellung der Korrespondenzanalyse, das am CRP-CU entwickelt wurde, erlaubt es z.B. durch einen Mausklick die Parteienabkürzungen in Kandidatennamen umzuwandeln, genauso wie es erlaubt, den Faktorraum beliebig zu drehen. Erst so werden Feinanalysen möglich, die an dieser Stelle nicht darstellbar sind.
Abschließend wollen wir lediglich die folgenden Achsen kurz identifizieren. Die dritte Achse mit 8,7% Erklärungsanteil stellt eine Differenzierung der Ostgemeinden dar, Wagner Carlo(DP) steht in Opposition zu Mehlen, Schlechter und Boden. Die 4. Achse mit 6% stellt eine Unterscheidung im Norden dar, hier werden die Hochburgen von Emile Calmes (Bettborn, Redange, Ell) von den Gemeinden, in denen Jacobs, Goerens, Wohlfart und Koepp besser abschneiden, unterschieden. Die 5. Achse mit 5% zeigt die lokale Implantation der KP, besonders im Süden (Differdingen). Mit diesen 6 von insgesamt 109 möglichen Dimensionen des Faktorraumes sind bereits über 63% der in der Ausgangstabelle enthaltenen Information beschrieben.
ff
Anmerkungen: 1) Vgl. "forum" Nr. 99, 113,114,147
- Auf die chronologische Darstellung der Wahlergebnisse im Faktorraum können wir an dieser Stelle nicht eingehen.
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