Die Debatte um die Cité judiciaire
Verspätet, aber nicht zu spät
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Verspätet, aber nicht zu spät:
Die Debatte um die Cité judiciaire
In der Größenordnung sind die beiden Projekte durchaus vergleichbar: das Museum für moderne Kunst (das zunächst ehrgeiziger Zentrum für zeitgenössische Kunst betitelt war) und die Cité judiciaire. Doch es fällt auf, wie unterschiedlich die Öffentlichkeit mit beiden Vorhaben umgeht. Aus den Debatten um das sogenannte Pei-Museum kristallisierte sich eine engagierte Bürgerinitiative heraus, die entscheidend dazu beitrug, daß der ursprüngliche Entwurf am Ende gehörig zurechtgestutzt und sogar ein Festungsmuseum bewilligt wurde. Dagegen nehmen die Bürger die Cité judiciaire als gottgegeben hin, obwohl deutliches Murren aus den städtischen und staatlichen Verwaltungen dringt und zahlreiche Architekten mehr oder weniger diskret ihre Köpfe schütteln. Der Austausch von Argumenten und Gegenargumenten blieb bislang seltsamerweise aus.
Eine Pressekonferenz im Juli in Anwesenheit der zuständigen Minister Robert Goebbels (LSAP) und Luc Frieden (CSV) und eines der Architektenbrüder Krier besiegelte das Projekt. Die Medien berichteten brav, ohne eine Diskussion auszulösen. Vielleicht ist es inzwischen zu spät (immerhin gehen die ersten Entwürfe auf das Jahr 1991 zurück), um noch sinnvoll über Pro und Contra zu streiten, weil das Projekt allenfalls in Details korrigiert werden kann. Die
allgemeine Ausrichtung ist nicht mehr zu ändern, ohne eine zeitlich unbestimmte Verschiebung des gesamten Neubaus in Kauf zu nehmen.
Vor der parlamentarischen Abstimmung, die nach dem Willen der Regierung möglichst noch in diesem Jahr erfolgen soll, möchte forum die bislang versäumte Debatte zumindest im Ansatz nachholen. In den folgenden Beiträgen kommen Befürworter und Kritiker aus den Reihen der Politiker wie der Architekten erstmals ausführlich zu Wort. Léon Krier, der theoretische Kopf hinter den Planungsarbeiten, erläutert das Konzept der Cité judiciaire, die er mit seinem Bruder Rob Krier entworfen hat. Außerdem nimmt er Stellung zu den Einwänden, die Romain Kohn an dieser Stelle gegen die Cité judiciaire erhoben hatte. Demgegenüber stehen die Überlegungen des Luxemburger Architekten Jean Petit, der auf die Unzeitgemäßheit der Krierschen Vorstellungen hinweist.
Zu den Interviews: Bautenminister Robert Goebbels sieht in erster Linie den räumlichen Bedarf der Gerichte; auf die Architektur kommt es ihm als Politiker weniger an. Als Bürgermeisterin trägt Lydie Polfer die urbanistische Verantwortung für das Vorhaben; deshalb dringt sie auf ästhetische Abänderungen. Generalstaatsanwalt Roger Everling ist kraft seines Amtes zuständig für die Infrastrukturen der Gerichte; ihm liegt vor allem eine Verbesserung der jetzigen Arbeitsbedingungen innerhalb der Justizorgane am Herzen. Nur in einem Punkt sind sich alle drei Befragten einig: einen Tour des vents benötigt die Justiz nicht.
«Tour du Parquet et Tribunal d’arrondissement faisant front sur l’entrée du tunnel sous la vielle ville par une arcade couverte.»
Léon Krier
JST
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