„Nein, aber…“ – „Ja, aber…“
Parteien und Biotechnologie
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forum befragte die Parteien Luxemburgs nach ihrer Position in der Gentechnik-Debatte. Wie steht man zum Klonen von Menschen, der Forschung am Embryo, zur Keimbahntherapie und Chimärenerzeugung, zur Präimplantationsdiagnostik, Eugenetik und zum Freisetzen gentechnisch manipulierter Pflanzen? Auch erkundigten wir uns nach der Haltung zur Biopatentrichtlinie der EU und danach, ob und wie die Parteien sich mit Gefahren der Biotechnologie auseinandersetzen. Die vollständigen Antworten sind im Internet unter www.forum-online.lu veröffentlicht.
Einhellig lehnen die Parteien das Klonen von Menschen ab und zu verschiedenen Graden die Biopatentrichtlinie, die man zumindest nachbessern möchte. Ansonsten fielen die Antworten recht unterschiedlich aus, wobei nicht alle Parteien in gleichem Maße zu einer Entscheidung fanden.
Die große Regierungspartei CSV begründet ihr Ablehnen des Klonens von Mensch und Embryo damit, jeder Mensch sei „ein Individuum, ein einmaliges Geschöpf und kein Produkt.“ Auch gegen die Chimärenerzeugung sprechen sich die Christlich-Sozialen als „Spielereien mit lebendigen Wesen“ kategorisch aus. Ansonsten war von der CSV, für die Generalsekretär Jean-Louis Schiltz antwortete, nicht viel zu erfahren. Die Partei weiß noch nicht, ob Forschung an embryonalen Stammzellen erlaubt sein soll und hält es für „vermessen“, die Diskussion darüber „im Nu abzuschließen.“ Auch über die Keimbahntherapie, Präimplantationsdiagnostik, Eugenetik zur Verbesserung des Menschen und genetisch manipulierte Pflanzen wird noch im „Reflektionskreis“ und Arbeitsgruppen nachgedacht, weshalb es bei den Christlich-Sozialen keine definitiven Positionen gibt.
Klarer sind die Standpunkte beim kleineren Koalitionspartner. Die Demokratische Partei (DP) wendet sich gegen das Klonen von Menschen und das „reproduktive“ Klonen von Embryonen. Wäre das sogenannte therapeutische Klonen, über das sie schweigt, damit erlaubt? Forschung an vorhandenen Embryonen
will die DP bedingt zulassen. Die Präimplantations-Diagnostik als Selektionsmittel zur Verbesserung des Menschen wird wegen „seiner historischen Pervertierung“ und weil „die Eigenschaften des Menschen nicht ausschließlich genetisch bestimmt sind, sondern auch von seinem sozialen Umfeld geprägt“, strikt abgelehnt. PID könnte jedoch, um Krankheiten zu verhindern, „wich-
Arbeitskreis zur Bioethik und kann auf die verschiedenen Fragen deutliche Antworten geben. Mady Delvaux-Stehres schränkt jedoch ein, dass diese nicht für alle Mitglieder gelten. Die Sozialisten wollen das reproduktive Klonen verboten wissen, stehen aber dem therapeutischen Klonen und einem Verwenden vorhandener Embryonen zu Forschungszwecken offen gegenüber. Klar wendet sich die LSAP gegen jede Modifikation menschlichen Erbgutes in der Keimbahntherapie. In der Erzeugung von Chimären zu Forschungszwecken kann sie kein wissenschaftliches Interesse erkennen, sondern eher die „gefährlichen Phantasmen gewisser Forscher.“ Präimplantationsdiagnostik soll gestattet sein, wenn es im konkreten Fall um eine Erbkrankheit geht, jedoch wird jeder Versuch einer eugenetischen Nachbesserung der Menschheit oder der Selektion von Embryonen nach Geschlecht, Rasse oder Haarfarbe zurückgewiesen.
Das ADR wendet sich gegen das Klonen von Menschen, da „dies gravierende Folgen auf die zwischenmenschlichen Beziehungen und das menschliche Selbstbild haben.“ könnte. Die Partei hält aber unter gewissen Bedingungen das Klonen von Embryonen und ihren Gebrauch zu Forschungszwecken für zulässig. Überhaupt zeigt sich das ADR am offensten für die Gentechnologie, die für „die Menschheit ungeahnte Chancen, gleichzeitig aber auch Risiken bietet.“ Es befürwortet die Keimbahntherapie, um „Missbildungen oder
Die CSV weiß noch nicht, ob Forschung an embryonalen Stammzellen erlaubt sein soll und hält es für „vermessen“, die Diskussion darüber „im Nu abzuschließen.“
tig sein“. In Bezug auf die Biopatentrichtlinie der EU lehnt die DP „eine private Inbesitznahme des Lebens ab“ und will den Text diesbezüglich geändert wissen. In anderen Bereichen regiert das „Nein, aber …“. Einerseits „prinzipiell gegen die Erzeugung von Chimären“, will die DP von diesem Prinzip doch wieder abrücken, wenn diese zum Beispiel Material für die „Transplantation zu Gunsten eines schwer verbrannten Patienten“ liefern. Auch die Ablehnung der Keimbahntherapie wird mit dem Vorbehalt versehen, diese gelte „beim aktuellen Stand der Wissenschaft“.
Die größte Oppositionspartei LSAP unterhält seit Frühjahr 2001 einen
Defekten vorbeugend“ entgegenzutreten, lehnt aber eine Verwendung der Methode zur Erzeugung von erbgutveränderten Wunschkindern ab. Auch die Erzeugung von Chimären kann das ADR befürworten, wenn die Forschungsziele dem Wohl der Menschheit dienten. Ebenso bejaht es die Präimplantationsdiagnostik und Erzeugung gentechnisch veränderter Tiere und Pflanzen unter bestimmten Vorbehalten. Insgesamt weist ADR-Nationalpräsident Robert Mehlen darauf hin, der Meinungsbildungsprozess in seiner Partei sei noch nicht abgeschlossen, weshalb seine Stellungnahme „vorbehaltlichen Charakter“ hätte.
Für „déi Lénk“ lieferte der Deputierte Aloyse Bisdorff die Auskünfte. „Solange das Privateigentum und seine grenzenlose Nutzung und Vermehrung das größte Heiligtum ist, birgt die Gentechnik große Gefahren und muss einer strengen Kontrolle unterworfen werden.“ Da es im Sozialismus also nicht mehr gar so gefährlich scheint, zeigt sich die Ablehnung des Klonens von Menschen bei „déi Lénk“ als keine kategorische. Man ist derzeit primär dagegen „weil diejenigen Menschen, welche die materielle Möglichkeit besitzen, sich klonen zu lassen, nicht zu den Wertvollsten zählen, welche die
Spezies Mensch hervorgebracht hat.“ „déi Lénk“ führt auch gegen das Klonen menschlicher Embryonen keine prinzipiellen Gründe an, sondern jenen, „dass dies zur Vervielfältigung der Fortpflanzung“ diene, „was beim aktuellen
Das „unmissverständliche Nein“ der Grünen bedarf noch einiger Klärung, um nicht missverständlich zu bleiben.
Bevölkerungswachstum unsinnig ist.“ Soll man also bei sinkender Geburtenrate systematisch klonen? Auf jeden Fall spricht sich „déi Lénk“ schon einmal für die Forschung an vorhandenen Embryonen aus, solange dies „ohne Gewinnzweck“ geschieht. „Déi Lénk“ gesteht zu, dass sie sich „bis jetzt noch nicht“ mit den Gefahren der Gentechnik beschäftigt habe, dies „soll aber in Zukunft geschehen.“
Am Klarsten scheint auf den ersten Blick die Position bei „Déi Greng“, für die der Deputierte Robert Garcia sämtliche Fragen nach einem Anwenden der Gentechnik „unmissverständlich mit NEIN“ beantwortete. Die Grünen sehen in der Gentechnik keine „Lösungsan-
sätze für eine nachhaltige Politik in den Bereichen Gesundheit, Hungerbekämpfung und Umweltbewahrung.“ Die Partei verweist auf Parallelen zur Atomenergie, die durch Sparmaßnahmen und alternative Energien überflüssig würde. Ebenso ließen sich Zivilisationskrankheiten durch umweltmedizinische Vorsorge und präventive Gesundheitspolitik „nachhaltiger“ bekämpfen als „durch Eingriffe in die gewachsenen Strukturen der Natur.“ Doch ist das „unmissverständliche Nein“ der Grünen nicht ohne Hintertür. Sie wollen sich nicht „punktuellen Anwendungsgebieten“ verschließen, was „besonders bestimmte Arzneimittel, die ohne Gentechnik nicht oder nur schwierig herzustellen wären“ betrifft. Dass hierzu allerlei Experimente nötig werden könnten, die man doch kategorisch ablehnt, scheinen die Grünen zu wissen, denn sie fordern eine „öffentliche oder zumindest öffentlich kontrollierte Forschung“ zur Verhinderung kommerzieller Auswüchse. So bedarf auch das „unmissverständliche NEIN“ noch einiger Klärung, um nicht missverständlich zu bleiben.
Die Stellungnahmen der Parteien lassen sich vollständig im Wortlaut auf unserer Internet-Site www.forum-online.lu nachlesen.
VZ
Zeichnung: Mester, aus: Publik-Forum
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