Evolution statt Urknall

Universität Luxemburg

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Die Vereinigung der Hochschulprofessoren in Luxemburg (A.E.C.S.) warnt vor einer übereilten inhaltlichen Festlegung.

Nachdem die Regierung ihren Gesetzentwurf zur Schaffung der Universität Luxemburg auf den Instanzenweg gebracht hat, wird im Ministerium hektisch an der inhaltlichen Ausrichtung gearbeitet. Die "Association des Enseignants et Chercheurs des Etablissements de l’Enseignement Supérieur au Luxembourg (A.E.C.S.)" hat sich von Anfang an positiv zur Universitätsgründung geäußert und sorgt sich derzeit über die Art und Geschwindigkeit der Definition der inhaltlichen Schwerpunkte dieser neuen Universität.

Richtig ist, dass zur Zeit ein ziemliches Durcheinander zwischen allen Akteuren über die künftige Ausrichtung und über die Schwerpunkte herrscht.

Klassische vs. „besondere“ Universität

Die eine Gruppe wünscht sich eine „normale“ Universität mit Studenten vom ersten bis zum letzten Zyklus, deren Anzahl ganz natürlich von unten nach oben abnimmt. Die Forschung findet vor allem durch Doktoranden statt, d.h. den Studenten im letzten Abschnitt und sie steht gleichberechtigt neben der Lehre. Die wichtigsten organisatorischen Einheiten sind die Fakultäten oder Fachbereiche.

Dieses Modell erscheint der zweiten Gruppe zu langweilig und überlebt. Hier wird häufig von einer Forschungsuniversität geredet mit Vorrang für die dritten Studienzyklen, wo man geschickt Nischen „à la luxembourgeoise“ ausnutzt, denn normale Universitäten gibt es schließlich genug. Nur bei der konkreten Frage, wo denn diese Nischen sind

und wie man sie ausfüllen soll, wird es dann deutlich diffuser. Neben den Fakultäten spielen sogenannte „interdisziplinäre Zentren“ eine wichtige Rolle, die in einer Art Matrixstruktur mit den Fakultäten verwoben sein sollen. Ein echtes Vorbild gibt es nicht, sondern man hört immer nur einzelne Namen von Universitäten, die bei Lichte bestehen doch wiederum nicht genau passen.

Nach dem vorliegenden Gesetzentwurf haben weder die Fakultäten noch die

interdisziplinären Zentren Entscheidungs- und kaum Beratungsbefugnisse, so dass praktisch alle Macht beim Regierungsvertreter und beim Rektor liegt, wobei letzterer faktisch auch vom Ministerium bestimmt wird.

Bitte keinen Fehlstart

Nach Meinung des AECS wird die Diskussion falsch geführt, denn es geht in Luxemburg keineswegs darum, eine Universität ex nihilo zu gründen, da

es mit dem Centre Universitaire (CU), dem Institut Supérieur de Technologie (IST), dem Institut Supérieur d’Études et Recherche Pédagogique (ISERP) und dem Institut d’Études Éducatives et Sociales (IEES) bestehende Einheiten gibt, die integriert und ausgebaut werden sollen. Die verfrühte Gründung des Luxembourg International Advanced Studies in Information Technologies (LIAISIT) und der Luxembourg School of Finance (LSF) waren daher keineswegs nützlich, denn diese müssen jetzt auch noch mit eingebaut werden.

Zum Teil haben diese Einheiten eine lange Tradition und dieser Fusions- und Umbauprozess hat gerade erst begonnen. Dies ist eine schwieriges Unterfangen, weshalb sich die AECS auch stets für einen gemeinsamen Campus ausgesprochen hat. Neue Regeln für die Verteilung der Haushaltsmittel werden für heftige Diskussionen sorgen. Neue Studiengänge mit zu starker Anbindung an das Ausland (Stichwort: mobilité obligatoire) müssen mit den neuen Studienordnungen erst einmal ausgearbeitet und umgesetzt werden, wobei viele alte Zöpfe abzuschneiden sind. Die inhaltliche Umorientierung bedarf einer ebenso sorgfältigen Vorbereitung und Durchführung und sollte nicht übers Knie gebrochen werden.

Daneben bleibt noch das Verhältnis der Universität zu den CRPs zu klären, so dass die Universitätsgründung an sich bereits eine Herausforderung ist, die nur mit Augenmaß und Sachkenntnis gemeistert werden kann. Zu übertriebener Eile bei der inhaltlichen Festlegung besteht kein Grund: Dies ist kein mangelnder Ehrgeiz seitens der Professoren, sondern schlichter Realitätssinn angesichts des status quo ante. Ein Früh- oder Fehlstart wäre verheerend, und das Projekt würde es wahrscheinlich nicht überleben.

Des weiteren muss man sich die Frage stellen, weshalb man nicht Schritt für Schritt mit dem vorhandenen beginnen soll und die jeweils erfolgreichen Teile ausbaut, was auch sicher ökonomisch gesehen sinnvoll erscheint. Es gibt sowohl in der Forschung wie auch in der Lehre relativ klare Erfolgskriterien, so dass man bald sehen wird, wo es gut und wo es weniger gut vorangeht.

Dieser Weg würde auch bei der existierenden Professorenschaft eher akzeptiert, als eine willkürliche Weichenstellung zum momentanen Zeitpunkt. Für die Schwerpunkte kursieren derzeit die allgemein üblichen Modeworte, die man täglich den Medien entnehmen kann, wobei der spezielle Bezug zu

Luxemburg objektiv nicht immer nachvollziehbar ist. Wie schnell sich hochgesteckte Ziele als Luftnummern erweisen, erleben wir täglich in der Wirtschaft und vor allem an den Börsen. Wer will, kann und wird denn die Verantwortung für einen falsch gewählten Forschungsschwerpunkt oder Studienzweig übernehmen? Die tatsächlich Leidtragenden in der Ökonomie sind immer die Beschäftigten, während das Management häufig eine Abfindung kassiert. Im Falle der Universität sind erstere wohl die Studenten und die Professoren.

Bei der Ausrichtung der Uni ist die ganze Gesellschaft im Grunde gefragt, denn es soll ja eine Universität des Landes Luxemburg werden, so dass diesem Meinungsbildungsprozess ein angemessener Raum zusteht. Achsen und Schwerpunkte werden ausschließlich definiert über die Berufung von Personal, denn man kann unmöglich gute Lehr- und Forschungsergebnisse von Leuten verlangen in Bereichen, wo sie wenig Ahnung haben. Einen ausgemusterten Naturwissenschaftler oder Ingenieur kann man beispielsweise kaum an der Spitze der Sprachforschung gebrauchen oder umgekehrt, so dass diese Diskussion derzeit bei den Betroffenen für Unruhe sorgt. Es bleibt sowieso ein merkwürdiger Widerspruch zwischen den exzellenten Resultaten, die man einerseits von diesen Leuten erwartet, ohne dass sie andererseits in irgendeiner Form mitbestimmen können. Wir sind gespannt, ob mit dem jetzt auf dem Tisch liegenden Professorenstatut und diesem Gesetz ohne Extrawürste hervorragende Leute angezogen werden können.

Folglich muss man nur bei Neuberufungen genau überlegen, wo und mit welchem Profil und welcher Person eine Stelle besetzt wird, da diese Wahl in der Regel sehr lange nachwirkt. Daher muss man hier wirklich vorsichtig sein, was auch wirtschaftlich Sinn macht. Als treffendes Motto am Schluss könnte man sagen: „Evolution statt Urknall“.

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