Ein spiritueller Versuch im Dickicht der Modernität
Zu Jean Leyders Werk "Ich lebe um zu leben, sagt das Leben"
Dieser Inhalt wurde anhand eines gescannten Dokuments mithilfe von optischer Zeichenerkennung (OCR) und künstlicher Intelligenz (KI) digitalisiert. Er kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten.
Zu Jean Leyders Werk „Ich lebe um zu leben, sagt das Leben“
Colette Mart
Der Platz der Spiritualität, die eine Suche nach Gott, eine Suche nach dem Sinn des Lebens oder auch nach sich selbst darstellen kann, riskiert, in unserer schnelllebigen Gesellschaft zurückgedrängt zu werden.
Jean Leyder, der vor kurzem ein Buch mit dem Titel „Ich lebe um zu leben, sagt das Leben“ veröffentlichte, wirft darin die grundsätzlichen Fragen nach dem Sinn des Lebens, jedoch auch nach den traditionellen christlichen Werten der Nächstenliebe, der Liebe allgemein, der Mitmenschlichkeit auf, und weist darauf hin, dass sich der Platz dieser Werte in unserer Gesellschaft verringert hat, was nach Ansicht des Autors auch ein Grund für zahlreiche soziale Probleme ist.
Jean Leyder kommt dabei zur Schlussfolgerung, dass die Spiritualität auch ein Teil der Lösung gesellschaftlicher Probleme sein kann, und zwar, weil sie die Menschen von egozentrischen und ausschließlich materiellen Zielsetzungen wegebewegen kann und Platz schafft für Nachdenken und Zwischenmenschlichkeit.
Der Autor erweist sich als sozial engagiert, macht sich Gedanken über die Verteilung von Reichtümern und über den Status und die Ausgrenzung von Menschen, die ihr Land verlassen, ihr Glück anderswo suchen und dann doch nicht bleiben können. Er plädiert angesichts der bestehenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Probleme für eine Berücksichtigung der Bedürfnisse der ärmeren Länder und deren Teil-
nahme am wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt.
Darüber hinaus geht er davon aus, dass Menschen in allen Alterskategorien mit der großen Frage konfrontiert sind, nämlich jener nach dem Sinn des Lebens, ihrer eigenen Herkunft, dem Sinn der Schöpfung, und dass die Literatur, die Philosophie, aber auch Kinderbücher immer wieder versucht haben, auf diese Frage zu antworten.
Die Vorgehensweise des Autors, der ein Spezialist von Meister Eckhart ist, besteht darin, zahlreiche bekannte Autoren zu zitieren, die sich über das Thema der Spiritualität Gedanken gemacht haben, und aus diesen Zitaten eigene Überlegungen abzuleiten.
Allgemein werden hier dem Leser Wege aufgezeichnet, zu sich selbst zu finden, eingefahrene Lebensschemen zu überdenken. Der Leser wird dazu ermutigt, die große Frage anzugehen, sie auch mit seinen Kindern zu besprechen, Momente der Besinnlichkeit, oder auch des Nachdenkens über Gott oder das was er sein könnte, in seinem Leben einzuräumen.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Platz, der in der modernen Gesellschaft der Kirche zukommt. Während die Kirche ohne Zweifel an Zulauf verliert, während sich Menschen immer schwerer tun, noch einen Sinn in der gemeinsamen Messe zu finden, stellt Jean Leyder fest, dass viele Menschen allein und tagsüber in eine Kirche gehen.
Eine Diskussionsrunde im Info-Video-Center über das Buch bestätigte, dass Menschen oft in der Kirche ihre eigene innere Ruhe suchen, ihre Einrespektiv Gemeinsamkeit mit sich selbst, um festzustellen, wo sie in ihrem Leben stehen und wo sie hingehen wollen.
Jean Leyder fordert dazu auf, die Schönheit der Welt, des Lebens, des anderen zu erkennen, wahrzunehmen, bei ihr stehen zu bleiben, und sich nicht beständig durch den Alltag vom Wesentlichen ablenken zu lassen. Das Buch mündet in verschiedene, auch auf Zitaten basierende Interpretationen, wer oder was Gott sein könnte.
„Ich lebe um zu leben, sagt das Leben“ erweist sich als ein durchaus interessanter Ansatz und zwar auch für Leser, die nicht religiös sind. Das mit dem Buch verbundene Rundtischgespräch im Info-Video-Center führte zu einer Öffnung von Menschen, die über sich selber, ihre Zweifel an sich selbst, ihre Ängste sprachen, und denen Jean Leyders Buch weiter geholfen hat, den Faden nach dem Sinn ihres eigenen Lebens besser zu finden.
Dadurch bekommt das Buch einen konkreten Sinn und Nutzen, auch wenn es gerade eben die Nützlichkeit nicht primär anstrebt, und uns eher mit anderen, nachdenklicheren Dimensionen des Lebens in Verbindung bringen will.
Ich lebe, um zu leben, sagt das Leben. Ein Versuch über spirituelle Sensibilität. Jean Leyder, Publications Nationales 2004
Als partizipative Debattenzeitschrift und Diskussionsplattform, treten wir für den freien Zugang zu unseren Veröffentlichungen ein, sind jedoch als Verein ohne Gewinnzweck (ASBL) auf Unterstützung angewiesen.
Sie können uns auf direktem Wege eine kleine Spende über folgenden Code zukommen lassen, für größere Unterstützung, schauen Sie doch gerne in der passenden Rubrik vorbei. Wir freuen uns über Ihre Spende!