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Aus deutschen Universitäten kommt die Nachricht, dass Luxemburger Studenten dort massenhaft vom Studiengang „Lehramt an Gymnasien“ auf den Studiengang „Magisterprüfung“ überwechseln. Universitätsangehörige, denen dieser Wechsel aufgefallen war, erhielten zur Antwort, die Luxemburger Eingangsbestimmungen für das Lehramt seinen abgeändert worden. Während sie bislang vorschrieben, der Student, der das Lehramt an Luxemburger Sekundarschulen anstrebe, müsse den Studiengang wählen, der auch im Land seines Studiums zum Lehramt berechtigte, sei nunmehr auch der Magisterstudiengang als Abschluss erlaubt, der zur Aufnahmeprüfung für das pädagogische Praktikum (stage pédagogique) in Luxemburg berechtigte. Diese Änderung hat aber schwerwiegende Folgen: An der Universität Trier etwa ist das Magisterstudium, das vorrangig auf eine Forscherkarriere vorbereitet, viel
stärker auf bestimmte Studienschwerpunkte konzentriert als das Studium im Hinblick auf das Lehramt. In Germanistik kann ein Magisterstudent im Hauptstudium (nach der Zwischenprüfung) z. B. von den drei Fachteilen Neuere deutsche Literaturwissenschaft, Germanistische Linguistik und Ältere deutsche Philologie eins ganz weglassen. In Geschichte kann er im Hauptstudium zwischen zwei von folgenden Fächern wählen: Alte Geschichte, Mittelalterliche Geschichte, Neuere und Neueste Geschichte, Geschichtliche Landeskunde, Historische Hilfswissenschaften, während die Studienordnung für das Lehramt drei mit einem qualifizierten (benoteten) Leistungsnachweis abgeschlossene Seminare, davon je eines in Alter oder Mittelalterlicher, eines in Neuerer und eines in Neuester Geschichte vorschreibt. In andern Worten: ein Magisterstudent kann sich auf Altertum und Mittelalter beschränken und sich in Luxemburg für das Lehramt bewerben, ohne ein Hauptseminar weder in Früher Neuzeit noch in Zeitgeschichte belegt zu haben. Und ein Ger-
manistikstudent kann sich als Deutschlehrer bewerben, ohne ein Hauptseminar in deutscher Literatur oder in deutscher Sprachlehre erfolgreich bestanden zu haben. Außerdem ist im Magisterstudium kein benoteter Leistungsnachweis in einer fachdidaktischen Lehrveranstaltung vorgeschrieben. Sowohl in Germanistik als auch in Geschichte sieht die Prüfungsordnung für das Lehramt auch die Teilnahme an einer interdisziplinären Veranstaltung oder an einer Lehrveranstaltung aus einem anderen Fach vor, die eine sinnvolle Ergänzung des Geschichts- bzw. Germanistikstudiums darstellt, was im Hinblick auf die kommenden Herausforderungen für Lehrer ganz sicher nicht sinnlos ist. Magisterstudenten sind von solchen Pflichtveranstaltungen hingegen entbunden.
Diese Änderung der Zugangsbestimmungen für das Lehramt an Luxemburgs Sekundarschulen, die hierzulande sang- und klanglos über die Bühne gegangen ist, könnte allein darauf zurückzuführen sein, dass ein Ministerialbeamter den an den deutschen Universitäten üblichen Magisterabschluss mit dem im Bologna-Prozess als Master betitelten Studienabschluss verwechselte. Für die Qualität der zukünftigen Lehrer an Luxemburgs klassischen und technischen Lyzeen wird die Änderung katastrophale Folgen haben.
m.p.
Esch-Belval, als die Hochöfen A, B und C noch in Betrieb waren. Die Ausgabe forum 182 (1998) beschäftigte sich in einem Dossier mit dem Thema La Terre rouge sans mémoire ni projet ? (Foto: ARBED)
Nationalarchiv muss weiter warten
Obschon der Luxemburger Architekt Paul Bretz mit seinen Plänen den Wettbewerb zum Bau eines neuen Archivgebäudes auf den Industriebrachen von Esch-Belval schon 2003 gewonnen hat (http://de.agora.lu/de/project_belval/projects/archives_etat.html; www.paulbretz.com/deutsch/projejt9/index.html), ist der erste Spatenstich noch immer nicht in Sicht. Obschon ursprünglich der Baubeginn für 2005 geplant war, ist das diesbezügliche Gesetzesprojekt – vom Staatsrat sehr positiv begutachtet – noch nicht einmal in der Abgeordnetenkammer deponiert worden.
Dabei besteht höchste Dringlichkeit. Die Magazine unter dem Hl.-Geist-Parking mussten wegen des Baues einer
„Cité judiciaire“ schon zweimal umgebettet werden und es dringt Staub und Wasser von allen Seiten in diese Räume. Wenn ein Dossier aus diesen Lagerräumen gebraucht wird, muss der Archivar z.T. über die Baustelle waten, um sie in den Lesesaal zu bringen. Das Magazin im Postgebäude am Hauptbahnhof muss ebenfalls in naher Zukunft geräumt werden, denn nach dem Umzug der Sortierabteilung der Post nach Bettemburg soll das ganze Gebäude umstrukturiert werden. Für den Untermieter Nationalarchiv wird dann kein Platz bleiben. Und endlich soll Luxemburg auch ein Archivgesetz bekommen, das die Verwaltungen verpflichtet, ihre Archivbestände regelmäßig ans Nationalarchiv abzugeben. Das ist für Historiker zwar eine gute Nachricht, aber das Nationalarchiv weiß nicht, wohin mit den Dossiers, die da auf es zukommen. Der Justizapparat hat schon angekündigt, dass er sich beim Umzug in seine neuen Gebäude seines eigenen Archivs entledigen will: da werden kurzfristig Hunderte Regalmeter gebraucht.
Doch den längst beschlossenen Neubau in Esch-Belval zögert die Regierung immer noch hinaus. Ein Beamter des Bautenministeriums hatte die glorreiche Frage gestellt, wieso man denn ein Gebäude bauen wolle, das überwiegend leer stehen soll. In der Tat ist es nach internationalen Normen zur Aufnahme der anfallenden Archivbestände in den nächsten 40 Jahren bestimmt. Jede Verkleinerung würde eine Verkürzung seiner Nutzbarkeitsdauer bedeuten. Dasselbe Ministerium hatte dann gemeint, man könnte ja „provisorisch“ die Bibliothek der daneben zu erbauenden Universität in den vorläufig leeren Magazinsälen unterbringen, womit er nicht nur seine Unkenntnis in Bezug auf Archivbauten und deren Bedürfnisse zeigte, sondern auch die an eine Universitätsbibliothek zu richtenden Erfordernisse ignoriert: Wie in forum Nr. 253/Februar 2006 dargestellt, muss eine Universitätsbibliothek von den Seminarräumen aus erreichbar sein, damit ein direkter Zugriff auf Nachschlagewerke und Fachliteratur während der Lehrveranstaltungen gewährleistet ist, ohne dass eine Entwendung möglich bzw. zeitaufwendige Ausleihprozeduren nötig sind. In einer diesbezüglichen parlamentarischen Anfrage der DP-Abgeordneten Anne Brasseur (Nr. 896 vom 2.2.2006), haben Bautenminister Claude Wiseler und Kulturstaatssekretärin Octavie Modert dieses Vorhaben zwar nicht dementiert, unseren Informationen zufolge soll das abstruse Projekt dennoch vom Tisch sein. Eine schnelle Lösung haben die beiden Regierungsmitglieder aber nicht in Aussicht gestellt. Das Kulturministerium will dafür Sorge tragen, dass das Nationalarchiv « puisse (…) continuer à assumer leurs missions dans les immeubles actuellement occupés ». Denn « au vu des contraintes budgétaires actuelles, le Gouvernement a retenu de redéfinir partiellement le projet de construction de nouvelles archives ». Das kann aber noch lange dauern, denn das Projekt von Paul Bretz lässt sich nicht ohne weiteres in ein paar Phasen bauen.
m.p.
goosch.lu zeigt Beständigkeit
Die in letzter Zeit viel diskutierte Pressefreiheit hat in Luxemburg eine feste Adresse: www.goosch.lu konnte am 31. März die hundertste Ausgabe feiern. Seit dem 27. Juni 2003 erscheint (fast) im Wochenrhythmus Luxemburgs einzige elektronische Wochenzeitung mit Kommentaren und Nachrichten, insbesondere zur Luxemburger Innen- und Sozialpolitik. goosch.lu hat mit seinem 100. Geburtstag den Beweis für die Beständigkeit der im (weiteren) Umfeld von déi Lénk angesiedelten Initiative erbracht. Unseren eigenen Lesern können wir diesen zusätzlichen und auch vom Stil her sehr erfrischenden Informationsanbieter nur empfehlen.
JST
forum
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Herausgeber: forum a.s.b.l.
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Ständige Mitarbeiter
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Koordination Lynn Herr
Sekretariat Tanja Schnitzler
Autoren dieser Ausgabe
Lex Folscheid, Michel Heintz, Lynn Herr, Nils Hodyas, Raymond Klein, Mike Mathias, Olaf Münichsdorfer, Michel Pauly, Klaus Pöhle, Jürgen Stoldt, Viviane Thill, Adrien Thomas, David Wagner
Interviewpartner dieser Ausgabe
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