Dieser Inhalt wurde anhand eines gescannten Dokuments mithilfe von optischer Zeichenerkennung (OCR) und künstlicher Intelligenz (KI) digitalisiert. Er kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten.

Verraten, verspottet, gefoltert, verhöhnt, verleugnet und hingerichtet. Verlassen von Gott und Mensch. Es hat lange gedauert, bis die christlichen Maler (und deren Auftraggeber) es wagten, ihren Messias nicht mehr wie einen erleuchteten Schönling, sondern wie einen gefolterten und gequälten, heil- und hilflos am gekreuzten Marterpfahl verreckenden Menschen darzustellen.

Die Überwindung des verklärenden Blicks durch Matthias Grünewald, der vor fünf Jahrhunderten den Isenheimer Altar geschaffen hat (die vermutete Entstehungszeit wird auf die Jahre 1506 bis 1515 datiert), auf dem ein sichtbar gemarterter Körper mit eitrigen Wunden, herabfließendem Blut und blau angelaufenen Lippen die völlige Zerstörung und Erniedrigung des Menschen Jesus von Nazareth dokumentiert, hat gleichsam die theologische Botschaft von Karfreitag und Ostersonntag erneuert.

Michel Pauly beschreibt diese Ohnmacht des allmächtigen Gottes als entscheidendes Element der christlichen Theologie. Es ist in seinen Augen gerade nicht das vorbildhafte Wirken, sondern die Überwindung des Scheiterns, die den theologischen Kern des Osterfests ausmacht. Daraus abgeleitet entsteht Hoffnung auf die Überwindung der Ungerechtigkeit und der Unvollkommenheit der Welt, nährt sich die Motivation zu Erkenntnis, Selbstkritik und vor allem Überwindung des Status quo.

Hans Küng, streitbarer Theologe, römisch-katholischer Priester und einer der bekanntesten und umstrittensten katholischen Kirchenkritiker, greift in seinem Beitrag ebenfalls das Ärgernis des im Leben gescheiterten Gottes auf, der zu liberal, zu wenig politisch korrekt, zu sehr den Menschen und zu wenig den Hierarchien seiner Welt zugewandt schien, so dass sein gesellschaftliches Scheitern

nicht zu verhindern war. Sein Blick richtet sich deshalb auf die Überwindung der rein gesellschaftlichen Perspektive dieses Todes und leitet über zur Frage nach der persönlichen und allgemeinen Bedeutung und Anwendung dieses Lebensmodells.

Isenheimer Altar (© gmancgn 2008 · flickr.com)

Ein Lebensmodell mit Auswirkungen von höchster gesellschaftspolitischer Relevanz, das Patrick Kränipi Godar schildert, wenn er aus der Innensicht über die Bedeutung von Ostern in der lateinamerikanischen Befreiungstheologie berichtet. Mit seiner Beschreibung des Glaubens und Lebens brasilianischer Landloser und Tagelöhner erinnert er nicht nur an Padre Josimo, Oscar Romero oder Chico Mendez, sondern beschreibt das Leben der Betroffenen, ihren Glauben und die gesellschaftliche Veränderung, die von der Bevölkerung durch die Befreiungstheologie erkämpft wurde.

Patrick Dondelinger hingegen befasst sich nicht mit gesellschaftlichen Utopien und deren Umsetzung, sondern geht mit seiner Analyse der Frage nach, ob die überlieferten Berichte von Begegnungen mit dem Auferstandenen der faktischen Realität entspringen oder ob sie ihrem Wesen nach eher den historischen Muttergottesvisionen in Lourdes und den in der jüngeren Geschichte kolportierten Marpinger Marienerscheinungen gleichen.

Der Grundsatzartikel von Georges Hellinghausen beschreibt die kultur- und entstehungsgeschichtlichen Ursprünge unseres Osterfests von den jüdischen Wurzeln bis hin zu den Ostereiern und Schokoladenhasen.

Volker Bebas Beitrag Karfreitag – Leidenstag oder Putztag stellt die Frage nach den Unterschieden zwischen katholischer und protestantischer Osterinterpretation. Gianna Thommes beleuchtet die Methodik heutiger Brauchtumsforschung sowie die Motive der Autoren, die sich mit luxemburgischen Bräuchen rund um das Osterfest auseinandergesetzt haben, während Joss Scheer und André Humbert sich in ihrem Text mit der Philosophie und den unterschiedlichen Formen des Fastens beschäftigen.

Schließlich resümiert Henri Wagener, Bäckermeister und Präsident der nationalen und europäischen Bäckervereinigung im forum-Interview die kommerzielle Entwicklung des Osterfestes in Luxemburg und teilt mit Ihnen seine Freude über den Brezelsonntag.

Die forum-Redaktion wünscht ihren Lesern ein gesegnetes Osterfest! ♦

Thomas Köhl

Als partizipative Debattenzeitschrift und Diskussionsplattform, treten wir für den freien Zugang zu unseren Veröffentlichungen ein, sind jedoch als Verein ohne Gewinnzweck (ASBL) auf Unterstützung angewiesen.

Sie können uns auf direktem Wege eine kleine Spende über folgenden Code zukommen lassen, für größere Unterstützung, schauen Sie doch gerne in der passenden Rubrik vorbei. Wir freuen uns über Ihre Spende!

Spenden QR Code