Adoption ausländischer Kinder

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Die Chancen sind gering, ein ausländisches Kind aufnehmen zu können und dies trotz Armut, Hunger und Krieg in der Welt.

Einige Ursachen seien hier aufgezählt:

  • Viele Kinder aus Indien, Kolumbien, Vietnam usw. sind nicht zur Adoption freigegeben, obwohl sie in Heimen leben. Die Situation ist die gleiche wie in unserm Lande: Die Kinder haben meistens noch ein Elternteil, der wohl nicht für sie aufkommen kann oder sich nicht um sie kümmern kann, aber der sein Pflegerecht – und dies ist ja auch richtig und in den meisten Fällen empfehlenswert – voll und ganz ausüben darf.

  • Viele Kinder sind schwer gesundheitsschädigt und könnten nur von entsprechend vorbereiteten Familien adoptiert werden.

  • Die Abtreibungskampagnen haben (wenigstens was die Städte Indiens betrifft) einen sichtbaren Rückgang der Geburten zur Folge.

  • Länder wie Kanada und Skandinavien verhandeln mit Hilfe von offiziellen Vertretern und nehmen die Kinder in ihren Ländern auf, bevor sie in Privatheimen unterkommen, während Luxemburg nur mit indischen Privathäusern zusammenarbeitet.

  • Die sogenannten unterentwickelten Ländern (hauptsächlich trifft dies auf die südamerikanischen Länder zu) haben einen gewissen Stolz und das versteht

sich. Sie behaupten keine armen, verlassenen Kinder zu haben, und könnten deshalb keine zur Adoption freigegeben.

  • Die Kinder sind auf der einen Seite eine gute Arbeitskraft, auf der anderen Seite ein Segen Gottes. Sie werden in Großfamilien integriert, und nicht zur Adoption freigegeben.

Die Vermittlung ausländischer Kinder

In Luxemburg gibt es mehrere Organisationen, die ausländische Kinder -in erster Linie solche aus der Dritten Welt- zur Adoption vermitteln. Fast alle haben allerdings aus den oben genannten Gründen Schwierigkeiten, um Kinder herbeizuschaffen.

Sehr aktiv war z.B. lange Zeit ‚Texte des Hommes‘, eine Organisation, die vor allem kolumbianische Waisen nach Luxemburg vermittelte, weil sie den Vorteil hatte, mit einer luxemburgischen Assistante sociale, die im Lande selbst wohnte, in Kontakt zu stehen. Seit diese Person nicht mehr in Kolumbien ist, müssen die Eltern selbst dorthin reisen und mit Hilfe eines dortigen Rechtsanwaltes den Marsch durch die Behörden antreten. Eine solche Adoption kommt -ohne die luxemburgischen Formalitäten- bis zu 120 000 F zu stehen.

Andere Organisationen helfen adoptionswilligen Eltern ein Kind aus Indien aufzunehmen.

Wenn ein indisches Kind adoptiert werden soll, verlangt der indische Staat eine Äusserst seriöse Untersuchung durch eine von ihm anerkannte, diplomierte Sozialhelferin.

Diese Untersuchung sieht u.a. ein Gespräch mit beiden Ehepartnern gemeinsam vor, dann ein getrenntes Gespräch mit jedem der beiden Partner.

Indien will durch die Adoption dem Kinde die grösstmöglichsten Chancen bieten. Ein Kind, das schon

Schlimmes erlebt hat, soll einen neuen Start nehmen können, mit allen Sicherheiten die nur möglich sind, um einen zweiten Misserfolg zu vermeiden. Es geht nicht in erster Linie darum, luxemburgischen Eltern ein Kind zu verschaffen, sondern verlassenen Kindern zu helfen. Deshalb legt man auch so einen grossen Wert auf die Motivation der Eltern und trifft ein Maximum an Vorsichtsmassnahmen.

Die Sozialhelferin braucht die Aussagen mehrerer Personen (Nachbarn, Freunde, Bürgermeister, Pfarrer, z. B.) über die adoptionswilligen Eltern. Diese Aussagen sind schriftlich zu machen. Hinzu kommen eine Heiratsurkunde, eine ärztliche Bescheinigung, ein Auszug aus dem Strafregister, eine Gehaltserklärung und ähnliches mehr. Das Paar füllt einen Fragebogen aus über sich selbst, über seine Familie und hauptsächlich über die Ursachen und die Motivationen der Adoption.

Die indische Regierung fordert, wie schon gesagt, eine sehr ernste Untersuchung und erkennt nur solche Organisationen an, die diese Ermittlung gewissenhaft durchführen und eine Vertrauensperson an Ort und Stelle haben, um die schwierigen Kontakte durchzuführen. Man kann normalerweise mit einer Wartezeit von 6 Monaten rechnen, bis ein indisches Waisenhaus seinen ersten Vorschlag macht. Die Eltern erfahren nun alles über das Kind, das sie eventuell annehmen wollen: seinen Namen, seine Herkunft, sein Geburtsdatum (wenn möglich), ein ausführliches, medizinisches Gutachten usw.

Wenn nun das Kind vom Herkunftsland freigegeben ist, stellt die Luxemburger Einwanderungsbehörde ein Visum aus. Einer legalen Adoption steht nun kein juristisches Hindernis mehr im Wege. Da normalerweise ein Rechtsanwalt die entsprechenden gesetzlichen Formalitäten erledigt, die die gleichen sind, wenn es sich um ein luxemburgisches Kind handelt, muss man mit einem Kostenpunkt von 10-12 000 F (max) rechnen. Die indische Regierung fordert nun noch bis zum 21. Lebensjahr des Kindes eine Berichterstattung, in der mitgeteilt wird wie es dem Kinde geht, wie es sich

entwickelt, sich integriert usw. Der Vater eines indischen Kindes sagte uns, dass in der Praxis dieser Bericht kaum vom Herkunftsland reklamiert wird.

Eine dieser Organisationen ist die ‚Amicale Internationale d’aide à l’enfance meurtrie‘ die augenblicklich noch mit Indien in Verbindung steht. Sie vermittelt mit Hilfe eines belgischen Paters indischen Waisenkindern eine neue Heimat in Luxemburg oder Belgien. Die ‚Amicale‘ vermittelte vor einigen Jahren noch Adoptionskinder aus Vietnam oder Süd-Korea z.B., aber wie wohl bekannt ist, unterbindet Vietnam seit Regierungswechsel jede Adoption, und Süd-Korea verringert die Zahl der Adoptionen ständig und will bis 1985 ganz damit abschliessen. Die ‚Amicale‘ verlangt neben den obengenannten Untersuchungen noch, dass die Eltern einen Psychologen aufsuchen und sein Gutachten wird dem Dossier hinzugefügt. Schliesslich kommt noch ein Gespräch mit dem belgischen Pater hinzu, der das ganze Dossier dann, nachdem es von einem vereidigten Übersetzer ins Englische übertragen wurde, nach Indien weiterleitet.

Die ‚Amicale Internationale d’aide à l’enfance meurtrie‘

rechnet ungefähr mit 50 000 F für eine solche Adoption: 30 000 sind für die Berichterstattung der Sozialhelferin, die Berichte des Psychologen, die Übersetzungen, die gerichtlichen Verfahren in Indien und die Kosten für das Kinderheim. (Die Adoptiveltern übernehmen, sofort nachdem sie sich bereit erklärt haben, ein bestimmtes Kind zu adoptieren, die Vormundschaft und kommen für die Kosten auf.) 20 000 zahlt man für die Reise des Kindes.

Auch die in Indien anerkannte Assistante sociale der Caritas hat bis vor kurzem luxemburgischen Paaren verholfen, ein Kind in ihrer Familie aufzunehmen. Die Assistante führte die Untersuchung durch und leitete sie nach Indien weiter, so wie es von der indischen Regierung gewünscht wird. Die adoptionswilligen Eltern erledigten alle anderen Formalitäten allein und nahmen selbst Kontakt auf mit einem indischen Heim in Bombay. Verschiedene Eltern haben sich zusammengesetzt und die ‚Oeuvre sociale de l’enfance de l’Inde‘ gegründet. Sie unterstützt interessierte Eltern bei den vielen Formalitäten und hilft ihnen die Papiere in Ordnung zu bringen.

Dieser Weg steht noch immer offen, wenn eine Assistante sociale gefunden wird, die von Indien anerkannt ist und die Untersuchungen vornimmt.
Die Ausgaben für Formalitäten in Indien belaufen sich auf etwa 5000 F. Hinzu kommen ungefähr 12 000 F für die Reisekosten. Das Kind, das unterwegs von einer Stewardess betreut wird, bezahlt den halben Flugpreis. Das Heim fordert keine Beteiligung an den Kosten.
Viele Adoptiveltern lassen ihm jedoch auf freiwilliger Basis eine Spende zukommen.
Hier haben wir es ohne Zweifel mit den billigsten Wege zu tun. Wo wohl die Unterschiede herkommen?

Motivationen

Warum ein ausländisches und nicht ein luxemburgisches Kind adoptieren? Spielen da nicht emotionale Gründe eine Rolle oder eine Vorliebe für exotische Dinge? Ein kleines indisches oder afrikanisches Kind ist doch so niedlich, jeder merkt wie idealistisch man gesinnt ist …

Die Gründe sind meistens weitaus einfacher: 1. Viele Eltern wünschen sich unbedingt ein Kind. In Luxemburg sind die Adoptionschancen sehr klein, eine künstliche Befruchtung ist nicht möglich, also wendet man sich ans Ausland. 2. Verschiedene Eltern haben lange Zeit keine Mühen gescheut, um eigene Kinder zu bekommen. Nun sind sie nicht mehr sehr jung. In Luxemburg sind die Wartezeiten aber schrecklich lang, also entschliessen sie sich ein ausländisches Kind anzunehmen. 3. Familien mit 2 Kindern wünschen sich oft ein drittes, aber kein eigenes mehr. Viel zu viele Kinder gibt es auf der Welt, die Hunger leiden, die in Heimen leben und auf Geborgenheit in einer Familie warten. In Luxemburg haben Eltern mit eigenen Kindern jedoch wirklich keine Chance jemals an die Spitze der Warteliste zu gelangen.

Integrationsschwierigkeiten?

Es bleibt natürlich die Frage: wie integriert ein solches Kind sich in Luxemburg. Schaffen wir keine neuen zusätzlichen Probleme für das Kind, obwohl wir ihm doch helfen wollten?

Aus Gesprächen mit Adoptiveltern konnten wir folgendes entnehmen:

Es wird sicher Probleme geben, besonders wenn die Kinder größer werden. Wie sie diese Probleme meistern werden, hängt sehr viel vom persönlichen Charakter des Kindes ab. Schon die ganz kleinen reagieren entweder gereizt, gelangweilt oder spöttisch auf Bemerkungen der Leute auf der Straße.

Die Schwierigkeiten werden aber sicher nicht so groß sein wie die der Gastarbeiterkinder, z.B. der kleinen Cap Verdianer. Adoptierte ausländische Kinder haben die luxemburgische Nationalität, haben keine Sprachschwierigkeiten und befinden sich oft durch ihre Eltern in einer guten finanziellen Lage und gehobener sozialen Stellung. Außerdem leben sie von klein- auf mit anderen Kindern zusammen, was die Integration ungemein erleichtert. In den meisten Fällen haben die Kinder kein Bedürfnis, in ihr Herkunftsland zurückzukehren. Sie wissen von der Arbeitslosigkeit dort, von den mangelnden Ausbildungsmöglichkeiten, von den schwarzen Zukunftsaussichten. Sie wollen meistens ihre Heimatsprache nicht erlernen, sind aber interessiert am Geschehen in ihrem Lande. Mit diesem Land verbindet sie im Grunde nichts, zumal nicht wenn sie es als Baby von 6-8 Monaten verlassen haben.

Ein Vater erzählte, daß er für seine 2 indischen Adoptivkinder stets Material aus ihrem Lande sammelt, Musik, Dias, Kinderbücher, Kleider usw. und mit ihnen gelegentliche Gespräche über Indien führt. Dies interessiert zwar die Kinder, aber wohl mehr weil sie spüren, daß es ja auch die Interessen ihrer Eltern sind. Bis zu einem gewissen Alter übernehmen sie die Interessen ihrer Eltern wie das sich in jeder normalen Familie abspielt.

Und das soll ja auch der Zweck der Ausländeradoption sein: Kindern, ganz gleich welcher Hautfarbe, denen es aus politischen und historischen Ursachen schlecht geht, ein Zuhause verschaffen wie den eigenen Kindern, denen es trotz aller Kinderfeindlichkeit in unserer Gesellschaft, in Luxemburg immer noch besser geht als jenen in der Dritten Welt.

(DESTIN DE KORK.)

FAMILIEN-TEMPICHABES

Wir haben zwei eigene Kinder. Alle wir uns entschlossen, ein Kind zu adoptieren, gingen wir von der Feststellung aus, dass in Indien Kinder in Not und Elend leben und oft von ihren Familien ausgesetzt werden. Wir wollten einem solchen Kind eine Familie geben.

Dass dieses Kind sich so problemlos in unsere Familie eingegliedert hat, erstaunt uns immer wieder. Susi kam mit zehn Monaten nach Luxemburg, nachdem wir über ein Jahr lang Papiere über Papiere bei allen möglichen und unmöglichen Aemtern eingereicht hatten. Diese Mühe mit den Aemtern und die lange Wartezeit erwiesen sich schlussendlich als äusserst nützlich. So konnten wir selbst und unsere Kinder uns gebührend auf Susis Ankunft vorbereiten.

Ich kann nur immer staunen über die vielen Fragen, die man uns über Susi stellt. Ob sie sich gut eingelebt hat? Ob unsere Kinder Paul und Marthe sie als ihre Schwester angenommen haben? Ob ihre Umwelt hier in Luxemburg sie akzeptiert hat? Wir empfinden uns als eine ganz normale Familie mit drei Kindern. Wir haben nicht mehr Schwierigkeiten als jede Familie mit drei Kindern, die heranwachsen. Nur eine Tatsache bedrückt mich, dass dieses fröhliche Wesen, das wir unser Kind nennen, zu unserer Freude aufwächst, für uns ganz unverdient, während seine leiblichen Eltern, sicher ohne eigene Schuld, auf dieses Glück verzichten müssen.

Renée Estgen-Mertens

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