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Ein Wagen mit luxemburgischem Kennzeichen ist oft das erste, was man bei der Ankunft im Urlaubsort oder auf dem Hotelparkplatz sieht. Luxemburger scheint es im Ausland überall zu geben: "forum" wollte daher einiges über die Urlaubsgewohnheiten der Luxemburger erfahren. Es war leider nicht möglich, während einer Touristensaison am Flughafen, am Bahnhof, an den Grenzübergängen alle Ferienreisenden zu befragen. Interessante Informationen gaben uns statt dessen Herr Reicherts, Inhaber einer Reiseagentur in Luxemburg und Vorsitzender der Vereinigung der luxemburgischen Reiseagenturen, und Herr Bob Goerens, der das Reisebüro "sotour" leitet.

Fast alle Urlauber suchen ein Reisebüro auf, um sich über den Reiseweg und den Urlaubsort informieren zu lassen, selbst wenn sie dann auf eigene Faust mit dem Privatwagen in Urlaub fahren. Dieses Bedürfnis nach Informationen lässt sich vielleicht durch die Nähe der Grenzen erklären: schon nach wenigen Kilometern ist man im mehr oder weniger fremden Ausland.

Vor allem Jugendliche, aber auch viele Lehrer buchen ihre Reisen – meistens Individualreisen – bei "sotour", wo früher nur Reisen an Studenten verkauft wurden, heute jedoch auch zu "sozialen" Preisen an andere Interessenten. Noch immer sind es hier jedoch die Studenten, die den grössten Teil der Kundschaft ausmachen, v.a. um Fahrkarten zum Studienort zu kaufen. In den andern Reisebüros wo hauptsächlich Pauschalreisen verkauft werden, entspricht die Kundschaft der Bevölkerung Luxemburgs, wobei der Anteil der Eurokraten besonders gross ist.

Bei "sotour"-Kunden ist das beliebteste Verkehrsmittel die Eisenbahn, ansonsten ist es selbstverständlich das Flugzeug, das es den Touristen ermöglicht, in den Gebieten Urlaub zu machen, wo sich die Sonne öfters zeigt als in Luxemburg. Das Bedürfnis nach Sonne, Strand und Meer (in England spricht man von den 4 "s": sun, sea, sand and sex) scheint jedenfalls das wichtigste Urlaubsmotiv der Luxemburger zu sein. Der Reisekatalog der "Luxair" belegt dies sehr anschaulich. Bei Fernreisen ist seit Jahren Bangkok Spitzenreiter unter den Urlaubszielen.

Gute Hotels werden von den Luxemburgern bevorzugt. Die einheimischen Reiseagenturen haben daher, im Gegensatz zu denen im Ausland, kaum Hotels der unteren Preiskategorien in ihrem Angebot. Reklamationen oder gar Prozesse nach der Rückkehr aus dem Urlaub sind daher höchst selten. Nur Geschäftsleute sind am häufigsten unzufrieden mit der Leistung der Reisebüros. Ängern tun sich auch öfters die sogenannten Singles, die am Urlaubsort nicht selten Zuschläge bezahlen müssen.

Die durchschnittliche Dauer der Urlaubsreisen schwankt zwischen 14 (Reicherts) und 17 Tagen (Goerens). Die Wirtschaftskrise der letzten Jahre hat allerdings als Folge, dass die Nachfrage nach Kurzreisen spürbar zurückgegangen ist. Auf kurze Reisen in eine europäische Grossstadt oder ein Wochenendurlaub an einem Mittelmeerstrand wird eher verzichtet als auf eine längere Urlaubsreise in den Sommerferien.

In: Les Dossiers du Canard 7 juin 1943

VORSCHLÄGE ZU EINEM BESSEREN TOURISMUS

Robert Jungk

Hartes Reisen

Sanftes Reisen

Massentourismus

Einzel-, Familien- und Freundesreisen

Wenig Zeit

Viel Zeit

Schnelle Verkehrsmittel

Angemessene, auch langsame Verkehrsmittel

Festes Programm

Spontane Entscheidungen

Aussengelenkt

Innengelenkt

Importierter Lebensstil

Landesüblicher Lebensstil

Sehenswürdigkeiten

Erlebnisse

Bequem, passiv

Anstrengend, aktiv

Wenig oder keine geistige Vorbereitung

Vorhergehende Beschäftigung mit dem Besuchsland

Keine Fremdsprache

Sprachenlernen

Ueberlegenheitsgefühl

Lernfreude

Einkaufen

Geschenke bringen

Souvenirs

Erinnerungen, Aufzeichnungen, neue Erkenntnisse

Knipsen

Fotografieren, Malen

Neugier

Takt

Laut

Leise

21 Reiseagenturen teilen sich den Markt: in Luxemburg werden, bezogen auf die Einwohnerzahl, die meisten Pauschalreisen verkauft. Die Gewinnspanne der Reisebüros liegt bei 9 %, egal ob ein Flugticket nach Paris oder eine sechswöchige Pauschalreise durch Australien verkauft wird. Diese z.Z. gültige Regelung sollte auf Wunsch der Reiseagenturen revidiert werden. g.h.

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