De-Fragmentierungen

Zum Konzept des Theaterstücks "Die Terroristen"

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Marc Baum und Sven Rücker

De-Fragmentierungen

Zum Konzept des Theaterstücks Die Terroristen

Die Terroristen benutzt Friedrich Schillers Erstlingswerk Die Räuber als Grundraster, um aufgrund dieser Vorlage, ein neuartiges Stück zu erschaffen, das Motive und Stoffe aus Schillers Drama aufnimmt, zuspitzt und so versucht sie in die Gegenwart zu übertragen.

Die Terroristen handelt von der Macht der Bilder und von der Macht, die sich ins Bild setzt. Wer die Sendehoheit hat, wer die Übertragung der Bilder steuert, der hat die Macht. Welchen Bildern dürfen wir trauen, können wir überhaupt noch zwischen Manipulation und Wahrheit,

zwischen Wirklichkeit und Inszenierung unterscheiden? Und welche Strategien können dem Zeichenregime der Medien entgegengesetzt werden?

Die Terroristen handelt vom Kampf um den Sender, vom Kampf um die Deutungshoheit und damit um die Wahrnehmung von Wirklichkeit. Wer ist ein Terrorist und wer erklärt wen zum Terroristen?

Kein Bild ist so wirkungsvoll wie das Bild der Gewalt. Wo Gewalt ist, da sind die Kameras. Wem dient die Inszenierung der Gewalt? Und welche Gewalt üben die Bilder selbst aus? Die Terroristen versucht, hinter die glatte Oberfläche der medial aufbereiteten Wirklichkeit zu gelangen, um die Produktionsverhältnisse der Bilder ebenso sichtbar zu machen wie die unbewussten Codes und Muster, die unser Verhalten und unsere Wahrnehmung steuern. Zwischen Punk-Oper und barockem Allegoriespiel läuft das Geschehen ab als moderner Mythos von Revolte und Vereinnahmung. „Vater Staat“ und „Mutter Natur“ treffen auf TonSteineScherben und Che Guevara; Mythos, Gegen-Mythos und Anti-Mythos kämpfen um die besten Sendeplätze.

Die Terroristen thematisiert die Übertragung von Macht. Das Stück übernimmt die Grundsituation aus Schillers Die Räuber: die feindlichen Brüder und den Ausnahmezustand, das Machtvakuum, in dem nicht klar ist, wem die Macht übertragen wird. Wird nur der Regent ausgetauscht oder wird der Thron selbst zerstört? Triumphiert der Terror des Immergleichen oder wird das Prinzip

der Macht und ihrer Übertragung selbst außer Kraft gesetzt?

Die Terroristen handelt aber auch von der Kraft der Liebe, und von den Projektionen, Grenzen und Entgrenzungen, die damit verbunden sind. Gilt der erste innige Kuss dem Menschen oder dem Bild, das man sich von ihm gemacht hat? Und wenn der Mensch diesem Bild nicht entspricht, handelt es sich dann um Verrat oder doch nur um Selbstbetrug? Und was passiert, wenn man auf all diese Fragen keine zufriedenstellenden Antworten mehr weiß, aber feststellen muss, dass sie trotz alledem wirkt und somit auch wirklich ist – diese Kraft der Liebe?

Die Terroristen verfolgt eine Spur, die vor über 225 Jahren gelegt wurde und deren Aktualität, Brisanz und Wirkungsmacht augenscheinlich bis ins Heute reicht.

Die Terroristen spielt mit der Übertragung. Jeder, der ein Stück besucht, das einen solchen Namen trägt, hat eine bestimmte Erwartung, hat bereits ein Bild dessen, was ein Terrorist ist. Die Terroristen versucht nicht, diese Bilder zu erfüllen, sondern zu zeigen, wie diese Bilder entstehen und welchen Interessen sie dienen. Die Terroristen will die Übertragung stören. Zugleich ist das Stück selbst ein Übertragungsgeschehen, ein Mythos, eine Inszenierung, die Bilder versendet. Die Terroristen spielt mit dieser Ambivalenz von Bilderproduktion und Bilderzerstörung. Es kann sich seiner Handlung nicht entziehen, es ist selbst Teil des Kampfes, den es darstellt. Der Sender ist überall, wir alle waten durch dasselbe Moor, und wenn die Inszenierung vorüber ist, geht die Übertragung weiter.

Die Terroristen

Text: Sven Rücker, Marc Baum

Regie: Marc Baum

Assistenz: Jérôme Sevindik

Kostüme: Katharina Pohlheim

Licht: Karim Saoudi

Schauspieler: Pitt Simon, Nora König, Julie Michaelis, Horst Schily, Sebastian Wendelin, Nickel Boesenberg u. a.

Produktion: Fabienne Lentz, Max Lamesch

Grafik: Doro

Reservierung: +352 54 03 87

ILL – Independent Little Lies a.s.b.l.

« Wat wëlle mer eigentlech? »

Depuis plus de dix ans, chaque membre du comité a dû se poser cette question.

Comme il n’y a pas de réponse claire, mettons que ILL se définit par ses projets. Ses projets, ce sont avant tout des créations théâtrales avec des extensions fréquentes vers la danse et la musique. Actuellement, ILL est une bande de terroristes désireuse de secouer une société luxembourgeoise qui semble somnoler en se laissant mettre à l’étroit chaque jour un peu plus, ne se réveillant que pour revendiquer un drapeau moyenâgeux. Demain, ILL sera cette paumée qui, tous les jours, invente un nouveau monde au fond de son canapé (Mammuthus Exilis); hier, ILL était autant le pas-si-fou-que-ca-Jerry que le bien-pensant Peter (Zoo Story). ILL, c’est tout cela, ce sont tous ces personnages qui ne trouvent pas toujours leur voie, qui se perdent dans un monde de la consommation à gogo, dont ils sont souvent pourtant les premiers consommateurs. Les moments de création sont des réveils violents de cette somnolence.

« Muss man sich das wirklich antun? », Anne Schroeder, d’Lëtzebuerger Land, 20.4.2007

Oui, il le faut. Le théâtre proposé par l’association n’a pas vocation à mettre du baume au cœur. Il est violent, dérangeant, il veut que les spectateurs rentrent chez eux ébahis, pour repenser le lendemain à ce qui leur est arrivé, pour remettre en cause, un court instant, la société dans laquelle ils vivent. Car si les pièces montrées sont violentes, c’est que cette violence est bien réelle dans la vie de tous les jours, peut-être pas pour tout le monde, mais elle est là.

« L’art pour l’art et rien pour vivre », Ro Hilger, ancien président de Independent Little Lies

Depuis sa création en 1995, ILL a eu de tels moments, des moments où, faute de subventions, des projets très low cost ont dû être réalisés, mais ont été réalisés quand même. Quelque part, l’envie créatrice l’emporte toujours sur les difficultés financières ou matérielles qui peuvent miner un projet. Une des constantes d’ILL est le jonglage entre productions aux budgets disons sérieux et productions où sans la bonne volonté de tous les impliqués, le travail créatif ne pourrait pas se faire.

« Les activistes d’ILL », Eric Netgen, Le Jeudi, 8.2.2007

Le travail créatif, ce ne sont pas seulement les répétitions. A l’approche des premières, les illiens semblent en effet muter en activistes prêts à toutes les folies pour se faire remarquer. Tantôt peut-on ainsi voir dans les rues d’Esch-sur-Alzette des inscriptions bizarres (Far away), flotter des drapeaux qui ne font pas de publicité pour un zoo (Zoo Story) ou des affiches représentant divers personnages flanqués de l’adjectif « dreck » (Dreck). C’est que le théâtre ne peut se confiner dans les salles construites exprès pour lui. Il faut sortir, il faut pouvoir toucher ceux qui, pour des raisons diverses, ne vont pas au théâtre.

Contact

ILL – Independent Little Lies a.s.b.l.

B.P. 13

L-4001 Esch-sur-Alzette

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