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Im Rahmen meiner Ausbildung als "éducatrice" am IFEM, Fentange, habe ich dieses Thema als Abschlußarbeit gewählt. Die Motivation zu dieser Arbeit entwuchs meiner praktischen Erfahrung; ich habe während fast 6 Jahren im Foyer Paula Bové gearbeitet und war daher sehr eng mit der Problematik des "abwesenden Vaters", also der alleinerziehenden Mutter konfrontiert.
Ziel der Abschlußarbeit war herauszufinden, welche Anforderungen und Erwartungen diese alleinerziehenden Mütter an den Vater ihrer Kinder haben; ich erwartete mir auf diese Weise heraus-
herauszufinden, wo die Hauptprobleme dieser alleinerziehenden Mütter liegen, um ihnen in meiner praktischen Arbeit besser weiterhelfen zu können. Zur Erfassung der Informationen wandte ich die Methodik der narrativen Interviews an. 13 betroffene Frauen, die ich im Foyer Paula Bové kennengelernt hatte, erzählten frei über ihre Erfahrungen und Probleme, ohne daß ich ihnen Fragen stellte.. Die Resultate dieser Arbeit können sich demnach nur auf diese bestimmte Population beziehen.
Ich möchte nun hier von der Gelegenheit Ge-
brauch machen und diesen Müttern nochmals sehr herzlich für ihre Hilfe und Zusammenarbeit danken und werde versuchen meine Feststellungen und Schlußfolgerungen zusammenzufassen.
Basis meiner Befragung war die Unterscheidung zwischen biologischem, rechtlichem und sozialem Vater, wobei der soziale Vater derjenige ist, welcher sich um das Kind kümmert und Verantwortung für es übernimmt. Meine Arbeit habe ich auf den sozialen Vater beschränkt. In diesem Kontext erscheint mir die Benennung wichtig: ein Mann wird zum sozialen Vater eines Kindes benannt(durch das Kind, seine Mutter, die Gesellschaft),er kann dann diese Benennung annehmen oder zurückweisen. Dies würde bedeuten, daß ein Mann nur sozialer Vater eines Kindes sein kann, wenn er als solcher von Mutter und Kind benannt wurde, also ihrer Vorstellung als Vater entspricht. Je nach den Umständen wird ein Mann zum sozialen Vater eines Kindes benannt weil er sich um das Kind kümmert, oder er kümmert sich um das Kind, weil er zu seinem sozialen Vater benannt wurde. Wenn ein Mann die Benennung zum sozialen Vater angenommen hat, kann sie nicht mehr gelöscht werden; im Fall einer Trennung wird er weiter eine Rolle im Leben des Kindes spielen. Sogar in totaler Abwesenheit wird das Kind ihn nie ganz vergessen und so immer von ihm beeinflußt sein. Die Benennung kann also nicht aufgehoben, sondern eher durch andere Benennungen erweitert werden. Ein Kind kann also mehrere soziale Väter haben, welche alle einen unterschiedlichen Einfluß auf das Verhalten von Mutter und Kind haben.
Eines der bedeutendsten Probleme der alleinerziehenden Mütter ist ohne Zweifel die finanzielle Notsituation. Fast alle Mütter gingen arbeiten, einige bezogen das gesetzliche Mindesteinkommen, verfügten jedoch mit 2 Ausnahmen über geringe finanzielle Mittel. Luxus, wie z.B Ferien können sie sich und ihren Kindern nicht leisten, sondern sind froh, wenn sie am Ende des Monats über die Runden gekommen sind. Bei alltäglichen Din-
– Service "Krank Kanner doheem"
Telefondienst von montags bis freitags 7-9 Uhr
Tel.: 49 00 51
Die Dienststelle "Krank Kanner doheem" organisiert vom CFFM wendet sich an berufstätige Eltern, für welche die Betreuung ihres kranken Kindes ein Problem darstellt. Eine Betreuerin kommt nach Hause zu dem Kind. Dies setzt den Besuch eines Arztes voraus: Der Arzt bescheinigt, daß das Kind zuhause bleiben soll und gibt die notwendigen Anweisungen betreffend die Behandlung. Es ist die Aufgabe der Betreuerin, diesen Anweisungen Folge zu leisten sowie sich um die normale Versorgung des Kindes zu kümmern. Sie verrichtet ihre Arbeit im Respekt für die Personen, die Güter und im Sinne einer guten Zusammenarbeit mit den Eltern. Die Eltern zahlen einen Unkostenbeitrag, proportional zum Einkommen.
Seit dem 11.Januar dieses Jahres funktioniert dieser vom CFFM gegründete Service, doch seine Existenz ist infolge finanzieller Probleme in Frage gestellt: denn bis jetzt wird dieser dringend notwendige Service staatlich weder offiziell anerkannt noch unterstützt!!
gen wie z.B der Wohnung fängt ihre finanzielle Notlage an; die meisten wohnen in ziemlich engen (Studio) Verhältnissen und haben wenig Aussicht, je eine größere Wohnung zu bekommen. Doch dies ist nicht nur ein Problem finanzieller Art; viele Wohnungsinhaber sind nicht bereit, eine Wohnung an eine alleinerziehende Mutter zu vermieten, da ihnen die materielle Lage der Mutter als unsicher erscheint; außerdem argumentieren sie, daß Frauen öfters wegen kleinen Reparaturarbeiten gleich einen Handwerker brauchen und sie deshalb einen Mann im Haus vorziehen.
Alle Mütter, welche ich interviewt habe, erzählten mir in diesem Kontext von ihren negativen Erfahrungen; sie fühlen sich diskriminiert und haben das Gefühl, daß auch noch in unserer Gesellschaft eine Familie erst durch den Familienvater existenzberechtigt wird. Ein-Elternteil-Familien gelten als unvollständig. Hinzu kommt noch das Problem, daß manche Wohnungsinhaber nicht einmal bereit sind, vollständige Familien mit Kindern aufzunehmen. Alleinerziehende Mütter sind also hier mehrfach benachteiligt oder belastet.
Was nun die Arbeit dieser Mütter betrifft, sagten alle mir, daß sie eigentlich lieber zu Hause bei den Kindern bleiben würden. Sie finden es schade, daß sie so wenig Zeit für ihr Kind haben, am Abend noch die Haushaltsarbeiten erledigen müssen, und daß dann das Kind zu kurz kommt. Außerdem denken sie, daß sie an manchen Tagen durch die Mehrfachbelastung (Arbeit,Mutter,Haushalt) nervöser sind und vielleicht eher die Nerven verlieren, mit den Kindern schreien. Eine Mutter sprach mir davon, daß sie ihr Kind eigentlich wenig kennt, weil sie nur am Abend oder am Wochenende bei ihm ist. Hinzu kommt dann noch, daß das Kind jedes zweite Wochenende bei seinem Vater verbringt und so diese Zeit für ihre Beziehung auch fehlt. Für Mutter und Kind sei es besser, wenn ein Partner da wäre; die Mutter könnte die Haushaltsarbeiten in Ruhe ohne schlechtes Gewissen erledigen, und die Kinder könnten während dieser Zeit vom Partner versorgt werden (Arbeitsteilung). Außerdem hätten sie die Möglichkeit, zu Hause nicht nur einen Ansprechpartner zu haben, sondern könnten sich aussuchen, mit wem sie über was reden wollen. Diese Mutter sprach von ihrer Angst, daß ihr Kind später vielleicht nicht alle seine Probleme mit ihr besprechen will, sie ihm aber keinen anderen Gesprächspartner anbieten kann.
Tagsüber werden die Kinder der arbeitenden Mütter im Kinderhort versorgt; für die Kinder bietet dies den Vorteil, daß sie hier eine zweite Bezugsperson finden können. Auf der anderen Seite fanden einige Mütter es schade, daß sie durch ihre Situation die Erziehung ihres Kindes an andere Leute abgeben müssen. Sie haben sicherlich ein Mitspracherecht, doch die meiste Zeit lebt das Kind mit den Betreuern im Kinderhort zusammen. Am Abend versteht die Mutter dann nicht immer die Reaktionen ihres Kindes, da sie nur bruchstückweise über die Erlebnisse des Kindes informiert ist.
Ein nicht minderes Problem ist für alle alleinerziehenden Mütter die Isolation und deren Konsequenzen. Wenn das Kind krank wird und nicht in den Hort kann, braucht die Mutter jemanden, der das Kind versorgen kann. Im besten Fall kann sie sich von der Arbeit beurlauben lassen, doch die wenigsten Arbeitgeber können sich eine Mitarbeiterin leisten, welche des öfteren kurzfristig ausfällt. Hier besteht nun seit kurzem die Möglichkeit über das CFFM eine Hilfe zu bekommen.
Ein anderes Problem besteht darin, daß die Mütter gezwungen sind Abend für Abend zu Hause zu bleiben, wenn die Kinder schlafen; einen Baby-Sitter können sie sich nicht leisten. Alle haben Schwierigkeiten mit der Isolation am Abend und versuchen dies Problem auf verschiedene Weisen zu lösen. Meistens ist es allerdings so, daß sie sich innerhalb ihrer Wohnung nur schlecht beschäftigen oder bewegen können, da das Kind sonst, wegen der engen Wohnverhältnisse, aufwacht. Einige berichteten mir, daß sie oft am Abend allein weinen, weil sie keinen Ausweg wissen und sie daneben noch die Frage quält, was mit ihren Kindern geschieht, wenn sie krank werden oder ihnen etwas zustößt.
Die Isolation zeigt sich allerdings nicht nur am Abend, sondern auch tagsüber beim Einkaufen, am Wochenende, in den Ferien; viele Mütter haben mir berichtet, daß ihnen vor allem während der Schwangerschaft eine Unterstützung gefehlt hat. Sie hatten alle das Bedürfnis die Schwangerschaft mit dem Vater des Kindes zu teilen; unsere Hilfe im Foyer konnte dies nicht ersetzen. Wie schon erwähnt, sind die Mütter der Meinung, daß ihre Kinder nicht nur dadurch benachteiligt sind, daß die Mutter arbeiten gehen muß, sondern auch weil ein zweiter Partner fehlt. Die Beziehung Mutter-Kind kann sehr eng, sogar hemmend werden, weil die beiden Partner sich aufeinander konzentrieren. Wichtig für Alleinerziehende scheint der Ausgleich, welcher eine dritte Person in die enge Beziehung Mutter-Kind bringen kann. In der Triade Mutter-Vater-Kind wird jeder versuchen, die beiden anderen Partner im Gleichgewicht zu halten; er kann Abstand zu ihrer Beziehung bekommen und sie kritisch betrachten, dies ist innerhalb einer Diade nicht immer möglich.
Einige Mütter empfinden die Diade mit ihrem Kind sehr positiv, sie brauchen das Kind mit niemandem "zu teilen" und müssen sich auch nicht wegen der Erziehung mit einem Partner streiten. Andere Mütter wiederum waren der Meinung, daß es für sie besser ist, wenn sie sich mit einem Partner vergleichen können, an ihm die Fehlverhalten feststellen und so versuchen können, sie nicht selber zu wiederholen.
Wichtig erscheint mir die Tatsache, daß alle Mütter sich einig waren, daß es für das Kind von Vorteil ist, wenn es nicht nur eine zweite Bezugsperson hat, sondern diese Person andersgeschlechtlich ist wie der anwesende Elternteil. Sie erklärten dies durch die Ergänzung von zwei Partnern und unterschieden zusätzlich eine andersgeschlechtliche
Komplementarität. Vater kann das, was Mutter z.B. nicht kann (handwerkliche Fähigkeiten, Ausdauer, konsequentes Handeln u.a.) Dies stimmt mit den Theorien überein welche aussagen, daß der Vater eher für die kognitive und die Mutter eher für die affektive Entwicklung des Kindes zuständig ist. Andere Theorien besagen, daß sowohl Mutter wie Vater die gleichen Aufgaben haben, sich aber hierbei ergänzen sollen, um dem Kind eine Vielfalt an Entwicklungsmöglichkeiten anzubieten. Bei Alleinerziehenden würde diese Ergänzung fehlen; dies bedeutet für den alleinerziehenden Elternteil eine Mehrfachbelastung und/oder für das betroffene Kind eine Benachteiligung wegen Mangel an Vielfalt des Entwicklungsangebots. Dies ist jeweils vom idealen Standpunkt her betrachtet, wo beide Elternteile sich gut verstehen und versuchen sich in der Erziehung des Kindes zu ergänzen. Alle alleinerziehenden Mütter waren sich einig, daß es in einem weniger idealen Fall für das Kind besser ist, bei nur einem Elternteil aufzuwachsen: besser kein Vater als ein schlechter. Ein Kind, welches in einem Klima von Streit und Unverständnis der Eltern aufwächst, ist auch benachteiligt und leidet unter dieser Situation.
Einige haben mir berichtet, daß ihr Kind nach seinem Vater gefragt hat: wo er sei, was er tue. Eine Mutter hat mir erzählt, daß sie ihrem Kind Fotos von seinem Vater gezeigt hat und ihm erklärt hat, daß der Vater an einem anderen Ort lebt und sie nicht besuchen will. Das Kind hat seither nicht mehr weiter nach seinem Vater gefragt, den anderen Kindern im Hort konnte es sagen, daß es auch einen Vater hat und das hat ihm bis jetzt genügt. Alle Mütter waren der Meinung, daß das Kind früher oder später nach seinem Vater fragen wird, und sie waren sich alle einig dem Kind die Situation zu erklären.
Mit einer Ausnahme lebten alle Mütter, welche ich besuchte mit ihrem Kind allein, also ohne Partner.
"Wieso alleinstehend? Du hast doch mich!" rororo 7373
Als Erklärung hierfür gaben sie ihre negativen Erfahrungen, aber auch die Angst vor der Reaktion des Kindes an. Sie waren der Ansicht, daß es für das Kind schwer sein wird, einen anderen Partner der Mutter anzunehmen, entweder weil es ihn nicht als "Vaterersatz" akzeptieren will oder weil es Angst hat, die Mutter nun mit dem neuen Partner teilen zu müssen. Die meisten Mütter meinten einen neuen Partner nur akzeptieren zu können, wenn er sich des Kindes annimmt, sie wollen also nur einen Partner, wenn er auch Vater für das Kind sein kann. Einige wenige wollten dies trennen und meinten ein neuer Partner für sie wäre nicht unbedingt ein neuer Vater für das Kind. Sie wollten eine neue Partnerschaft nicht gleich mit dem Kind, und das Kind nicht mit jeder neuen Partnerschaft belasten.
Zusammenfassend kann man sagen, daß für eine vielfältige Entwicklung des Kindes mehrere Bezugspersonen notwendig sind. Im Idealfall kann das Kind sich den Gesprächspartner zwischen beiden Geschlechtern aussuchen. Alleinerziehenden könnte man daher raten, dem Kind die Möglichkeit zu geben, außer dem alleinerziehenden Elternteil wenigstens noch andere erwachsene Bezugspersonen zu haben. Was nun den alleinerziehenden Elternteil betrifft, hilft es ihm sicher viel, wenn er einen festen Familien/Freundeskreis hat, auf den er immer wieder zurückgreifen kann, wo er ein offenes Ohr und Rat findet.
Claudine COLBACH
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