Der Friede ist nicht nur Gabe Gottes, sondern auch Aufgabe des Menschen
Gespräch mit Bischof Jean Hengen über die Friedens- und Abrüstungsproblematik
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forum: Zu Beginn, Herr Bischof, darf ich Ihnen im Namen der "forum"-Redaktion zum 70.Geburtstag gratulieren.
Bischof: Vielen Dank.
forum: Zahlreiche Bischöfe im Ausland, auch der Papst haben in letzter Zeit zum Thema Frieden und Abrüstung Stellung genommen. Welche Kompetenz hat die Kirche überhaupt in dieser Frage?
Bischof: Zuerst möchte ich betonen, dass die Kompetenz der Kirche nicht mit meiner eigenen Kompetenz identisch ist. – Das Wort "Frieden" hat mehrere Bedeutungen, u.a. auch eine religiöse. Wer eine Bibelkonkordanz aufschlägt, findet mindestens zwei Kolonnen mit Stellenverweisen auf das Wort Frieden, aber nicht immer in derselben Bedeutung, sowohl im Alten wie im Neuen Testament. – Meistens geht es um das Wort "Shalom": Friede als Geschenk Gottes an den Menschen, um ihn zu seiner Vollendung zu führen. In dieser Richtung hat die Kirche selbstverständlich Kompetenz, über den Frieden zu reden. Aber auch wenn man vom politischen Frieden spricht, vom Verhältnis zwischen Nationen, auch dann hat die Kirche eine gewisse Kompetenz, denn dieses Verhältnis trägt zum religiösen Frieden in einem umfassenden Sinne bei. Also muss auch dazu die Kirche ein Wort sagen.
forum: Besteht diese Kompetenz der Kirche nun darin, Vorschläge zur Friedenssicherung zu machen? Oder beschränkt sie sich eher auf moralische Appelle?
Bischof: Die Kirche muss immer der einzelnen Person, dem Christen in Erinnerung rufen, dass das Evangelium eine Norm für ihn ist bei seiner ganzen Aktivität. Das gilt auch für den Menschen, der politische Verantwortung trägt. Auch er muss sich nach dem Evangelium ausrichten.
forum: Herr Bischof, Sie meinten vor kurzem in einem Interview, erste Aufgabe eines Bischofs sei die Verkündigung des Glaubens. Wir dürfen Sie also fragen: Wie verstehen Sie die Friedensaufgabe der Bergpredigt? Dort preist Jesus ja nicht nur ganz allgemein die Friedensstifter, sondern gibt weit konkretere Anweisungen: Wenn dich einer auf die rechte Backeschlägt, dann halte ihm auch die linke hin. (Mt. 5.9, 38-48)
Bischof: Die Interpretation war unter den Exegeten immer ein bisschen umstritten. Mit der Friedensdiskussion im Hintergrund hat sie natürlich eine aktuellere Bedeutung bekommen. Die Bergpredigt will eine Orientierung geben. Eigentlich spricht sie zu Leuten, die schon im Heil stehen, auch wenn dieses Heil noch nicht umfassend verwirklicht ist, denn das definitive Heil ist eine eschatologische Grösse (= für die Endzeit bestimmt, d. Red.). Doch soweit es in den vorläufigen Verhältnissen dieser Welt möglich ist, muss man sich bemühen, Heil zu verwirklichen. Dazu hat Christus seinen Jüngern eine Orientierung gegeben, wie sie sich verhalten sollen, um schon hier in Seinem Geist zu leben. Er greift einige Beispiele heraus, aus dem all-
täglichen Leben, und zeigt, wie man im Geiste des Reiches Gottes anders reagieren muss als üblich: So heisst es, dass wenn einer dich fragt, einen Kilometer weit mit ihm zu gehen, dann geh doppelt so weit mit ihm. Es war anscheinend ein Brauch der Römer, Leute so zur Begleitung eines andern zu zwingen (vgl. Simon von Cyrene, der Je-
Freuen dürfen sich alle, die Frieden schaffen; denn sie werden Gottes Kinder sein.
Ihr wisst, dass es heisst: ‚Auge um Auge, Zahn um Zahn‘. Ich aber sage euch: Ihr sollt euch überhaupt nicht gegen das Böse wehren. Wenn dich einer auf die rechte Backe schlägt, dann halte ihm auch die linke hin. Wenn jemand mit dir um dein Hemd prozessieren will, dann gib ihm noch die Jakke dazu. Und wenn einer dich zwingt, ein Stück weit mit ihm zu gehen, dann geh mit ihm doppelt so weit. Wenn einer dich um etwas bittet, dann gib es ihm; wenn einer etwas von dir borgen möchte, dann leih es ihm.
Ihr wisst auch, dass es heisst: ‚Liebe alle, die dir nahestehen, und hasse alle, die dir als Feinde gegenüberstehen‘. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen. So erweist ihr euch als Kinder eures Vaters im Himmel. Denn er lässt die Sonne scheinen auf böse wie auf gute Menschen, und er lässt es regnen auf alle, ob sie ihn ehren oder verachten. Wie könnt ihr von Gott eine Belohnung erwarten, wenn ihr nur die liebt, die euch auch lieben? Sogar Betrüger lieben ihresgleichen. Was ist denn schon Besonderes daran, wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid? Das tun auch die, die Gott nicht kennen. Nein, ihr sollt vollkommen sein, weil euer Vater im Himmel vollkommen ist.
Mt. 5.9, 38-48
sus helfen muss, das Kreuz zu tragen). Das Beispiel soll zeigen, dass der Geist des Evangeliums ein anderer ist als der Geist dieser Welt. Und das gilt nicht nur für jene, die schon im Reich Gottes stehen. Es muss auch Orientierung sein z.B. für Politiker. Jeder Christ ist aufgerufen, zum Aufbau des Reiches Gottes beizutragen.
forum: Sie wären also nicht einverstanden mit der Interpretation, der einzelne sei wohl aufgefordert, auch seine linke Backe hinzuhalten, der Politiker aber, der Verantwortung trägt für alle, könne die andern nicht zwingen, ihre linke Backe hinzuhalten, also sei er zur Rüstung verpflichtet.
Bischof: Christus wendet sich zuerst an das Gewissen des einzelnen. Wenn einer eine bestimmte Verantwortung trägt, muss er natürlich in seinem Gewissen entscheiden, wie er mit dem Konflikt fertig wird zwischen dem Anspruch des Evangeliums und den Gesetzen dieser Welt. Dieses Problem ist manchmal sehr kruzial.
forum: Müsste die Kirche denn nicht in der aktuellen Situation versuchen, konkretere Anleitungen zu geben? Es ist nämlich auch eine andere Interpretation möglich: Der Politiker, der Verantwortung für andere trägt, darf gerade niemanden zwingen, die linke Backe hinzuhalten, auch nicht die Soldaten z.B.!
Bischof: Man darf nie das Gewissen eines andern vergewaltigen. Man darf keinen zwingen die linke Backe hinzuhalten.
forum: Müsste die Kirche diese Argumentation nicht konkreter auf die aktuelle Rüstungsproblematik beziehen? So besteht die Gefahr, dass man sich herausredet und sagt, der Friede sei Gabe Gottes und fürs ewige Heil bestimmt, der Beitrag des Menschen sei also nur sehr beschränkt möglich…
Bischof: Auf keinen Fall: Das 2. Vatikanische Konzil hat sehr deutlich betont, dass der Friede nicht nur Gabe sondern auch Aufgabe ist.
forum: Dann stellt sich aber sehr konkret die Frage: Kann ich von der Bergpredigt her argumentieren, dass ich darauf verzichte, als erster Gewalt zu gebrauchen? oder dass ich eine Abrüstungsvorleistung bringe, auch wenn der Gegner nicht gleichzeitig mitzieht?
Bischof: Ich weiss nicht, ob man hier die Bergpredigt bemühen kann. Aber ich kann
Wer im Ernstfall freiwillig in die Sklaverei gehen möchte und, aus welchen Gründen auch immer, nie und immer zum Schwert greifen will, der soll es tun, aber er hat keinerlei Recht, seinen Mitbürgern solches Harakiri aufzuzwingen oder als einzig vernünftige, wenn nicht gar einzig christliche "Lösung" einzureden. Wir Jedenfalls werden ihm nicht freiwillig in die Sklaverei folgen- und wissen uns dabei weder vom Evangelium noch von der "Mutter und Lehrmeisterin" Kirche im Stich gelassen. Wir fragen uns vielmehr, ob, unbeschadet der demokratischen Meinungs- und Redefreiheit, diese Pazifisten "à tout prix" den Bogen nicht überspannen, wenn sie immerfort jene schulmeistern und aufs Korn nehmen, die für Sicherheit und gegebenenfalls Verteidigung unserer Gesellschaft vor der Geschichte (für gläubige Menschen: und vor Gott!) eine nicht kleine und nicht leichte Verantwortung tragen.
Hd., in: LW, 18.9.1982
mir eine solche Forderung auf eine Vorleistung für den Frieden sehr wohl vorstellen. Doch nicht unbedingt von jedem verlangen. Man muss eben auch das Gewissen des andern achten. Wenn einer nun die "prudentia", die Vor-sicht mitspielen lässt, darf man sein Gewissen in der heutigen Situation nicht vergewaltigen.
forum: Eine ähnliche Argumentation wurde der Kirche in der Abtreibungsdiskussion entgegengehalten: Die moralische Haltung der Kirche sei ohne Zweifel zu respektieren, aber sie könne sie nicht allen aufzwingen, die aus Gewissensgründen Ausnahmen im Abtreibungsverbot gesetzlich erlauben wollen. Es stellt sich die Frage der Absolutheit des moralischen Anspruchs. Muss die Kirche nicht auch in der Friedensfrage diese Absolutheit stärker betonen?
Bischof: Nun muss man aber auch sagen, dass das Leben einen höheren Wert hat als der Friede. Der Friede hat sicher einen hohen Wert innerhalb der christlichen Wertlehre, aber es ist nicht der letzte, absolute Wert. Und er ist nur zu sehen im inneren Zusammenhang mit den andern Werten. Wenn kein Leben mehr da ist, gibt es auch keinen Frieden mehr.
Der Friede ist in christlichem Verständnis, gleichgültig, ob wir die Frage von der Exegese, der Theologie oder der theologischen Ethik her betrachten, an erster Stelle und vor allem eine Gabe Gottes. Erst dadurch dass Gott den Frieden überhaupt möglich macht, kann er zur Aufgabe des Menschen werden. Daraus ergibt sich, dass der Friede, wo er noch nicht ist, weniger erarbeitet als erbetet werden muss. Er ist das Werk Gottes, der die Menschen dafür in Dienst nimmt. Auch die Gabe des Friedens gehört zur Frohbotschaft, zum "Evangelium."
Und damit kämen wir zu einem letzten Punkt. Der Friede ist vor allem eine endzeitliche, eschatologische Gabe Gottes in Jesus Christus als Mittelpunkt. Der eigentliche Friede ist der verheissene Friede des Herrn am Ende der Tage. Er wurzelt in der Glaubenserfahrung von Vergebung und Verzeihung durch Gott. An der Wurzel jedes christlichen Friedensdienstes ist nicht der Verzicht auf Gewalt, sondern die Bereitschaft zu verzeihen.(…)
Da der Friede keineswegs die blosse Abwesenheit von Krieg ist, sondern ein Wert, der sich aus andern Werten ergibt, weil zudem der Friede theologisch vor allem als Verheissung und endzeitliche Gabe Gottes zu verstehen ist, da aus eben diesen Gründen die neutestamentlichen, vor allem in der Bergpredigt enthaltenen Hinweise auf die Gewaltlosigkeit keineswegs als Anleitungen zu einem Verhalten in der konkreten historischen Situation verstanden werden dürfen, können die Selbstverteidigung und als deren Konsequenz die Aufrüstung und auch sogar die sich aus dem Recht auf Selbstverteidigung ergebende Notwendigkeit der Gewaltanwendung von Grund auf christliche Verhaltensweise sein. Es darf aus der Offenbarung auf keinen Fall abgeleitet werden, dass zur Grundhaltung des Christen der Verzicht auf jede Gewaltanwendung, der radikale und bedingungslose Pazifismus gehöre.
Fernand Hoffmann (LW – Die Warte, 10.6.82)
forum: Nicht-Friede bedeutet ja der den Wert Leben bedrohen. Denn wenn eine Atombombe explodiert, wird doch millionenfach mehr Leben zerstört.
Bischof: Das 2. Vatikanische Konzil und auch spätere Dokumente haben ja recht eindeutig den Gebrauch von Atomwaffen verurteilt. Auch Bischöfe. Es bleibt z.B. abzuwarten, wie sich die amerikanischen Bischöfe dazu ausdrücken werden.
Der Friede besteht nicht darin, dass kein Krieg ist; er lässt sich auch nicht bloss durch das Gleichgewicht entgegengesetzter Kräfte sichern; er entspringt ferner nicht dem Machtgebot eines Starken; er heisst vielmehr mit Recht und eigentlich ein "Werk der Gerechtigkeit" (Is. 32,17).(…)
Zwar wird das Gemeinwohl des Menschengeschlechts grundlegend vom ewigen Gesetz Gottes bestimmt, aber in seinen konkreten Anforderungen unterliegt es dem ständigen Wandel der Zeiten; darum ist der Friede niemals endgültiger Besitz, sondern immer wieder neu zu erfüllende Aufgabe.(…)
Dieser Friede kann auf Erden nicht erreicht werden ohne Sicherheit für das Wohl der Person und ohne dass die Menschen frei und vertrauensvoll die Reichtümer ihres Geistes und Herzens miteinander teilen. Der feste Wille, andere Menschen und Völker und ihre Würde zu achten, gepaart mit einsatzbereiter und tätiger Brüderlichkeit – das sind unerlässliche Voraussetzungen für den Aufbau des Friedens. So ist der Friede auch die Frucht der Liebe, die über das hinausgeht, was die Gerechtigkeit zu leisten vermag.
Der irdische Friede, der seinen Ursprung in der Liebe zum Nächsten hat, ist aber auch Abbild und Wirkung des Friedens, den Christus uns gebracht hat und der von Gott dem Vater ausgeht.
"Gaudium et Spes" 78
2. Vatikanisches Konzil
forum: In ihrem Vorentwurf, der ja vor kurzem publik wurde, sagen sie jedenfalls recht deutlich, dass ein Atomkrieg für sie durch kein rationales politisches Ziel zu rechtfertigen ist. Also auch nicht mit dem bei uns immer angeführten Argument der Sicherheit: Wenn die bösen Russen kommen, müssen wir ihnen etwas entgegensetzen können. Dazu sagen die US-Bischöfe, der angerichtete Schaden sei auf alle Fälle weit grösser als der mögliche Gewinn eines Atomwaffeninsatzes.
Bischof: Ja, aber man wird immer einräumen müssen, dass andere Menschen anderer Meinung sind.
forum: Kann die Kirche nicht wenigstens eine Meinung äussern, ohne sie jemanden aufzuzwingen?
Bischof: Sie ist ja auf diesem Weg.
forum: Impliziert das nicht auch ein Verbot der Herstellung und Stationierung von Atomwaffen?
Bischof: Das wäre eine logische Konsequenz. Auch in dieser Frage sagt das 2. Vatikanische Konzil, dass die Drohung mit Atomwaffen christlich nicht zu rechtfertigen ist. Die Abschreckungsdoktrin wird dort abgelehnt. Schon Johannes XXIII. schrieb das in seiner Enzyklika "Pacem in terris".
forum: In Zwischenzeit haben kirchliche Institutionen diese allgemeinen Grundsätze ja auch konkretisiert und aktualisiert. "Pax Christi" hat z.B. auf internationaler Ebene z.J. recht fortschrittliche Stellungnahmen genommen, u.a. auch einseitige Vorleistungen in der Abrüstung begrüsst, da sie zur Schaffung eines Vertrauensklimas notwendig seien. Gestern erhielt unsere Redaktion die Schlussklärung einer Tagung der "Académie Pontificale des Sciences" (23-24.9.1982), in der 64 katholische Wissenschaftler aus Ost und West, die Staatsmänner auffordern, nie als erste Atomwaffen einzusetzen. In der NATO-Strategie ist aber wenn nötig ein solcher Ersteinsatz offiziell vor gesehen, auch wenn der Ostblock nur mit konventionellen Waffen angreift.
Bischof: Wir berühren hier wieder das Problem von vorhin. Als Christ müsste man selbstverständlich der Aufforderung der päpst-
Mit der Fortentwicklung wissenschaftlicher Waffen wachsen der Schrecken und die Verwerflichkeit des Krieges ins Unermessliche. Die Anwendung solcher Waffen im Krieg vermag ungeheure und unkontrollierbare Zerstörungen auszulösen, die die Grenzen einer gerechten Verteidigung weit überschreiten. Ja wenn man alle Mittel, die sich schon in den Waffenlagern der Grossmächte befinden, voll einsetzen würde, würde sich daraus eine fast totale und gegenseitige Vernichtung des einen Gegners durch den anderen ergeben, abgesehen von den zahllosen Verwüstungen in der Welt, die dem Gebrauch solcher Waffen als verhängnisvolle Nachwirkungen folgen.
Jede Kriegshandlung, die auf die Vernichtung ganzer Städte oder weiter Gebiete und ihrer Bevölkerung unterschiedslos abstellt, ist ein Verbrechen gegen Gott und gegen den Menschen, das fest und entschieden zu verwerfen ist.
"Gaudium et Spes" 80
Wie immer man auch zu dieser Methode der Abschreckung stehen mag – die Menschen sollten überzeugt sein, dass der Rüstungswettlauf, zu dem nicht wenige Nationen ihre Zuflucht nehmen, kein sicherer Weg ist, den Frieden zu sichern, und dass das daraus sich ergebende sogenannte Gleichgewicht kein sicherer und wirklicher Friede ist. Statt dass dieser die Ursachen des Krieges beseitigt, drohen diese dadurch sogar eher weiter zuzunehmen.
"Gaudium et Spes" 81
2. Vatikanisches Konzil
Sur cette route vers le désarmement, il faut accueillir positivement des mesures unilatérales en tant qu’initiatives que nous estimons susceptibles de diminuer les tensions et de faire face à des situations apparemment gelées, surtout dans des régions où des conflits prennent de l’extension et à une époque où l’allure de la course aux armements s’accroît.
Le désarmement devrait d’abord toucher les armes qui menacent le plus la sécurité globale et qui sont, en tant que telles, inversement proportionnelles à la sécurité. C’est pourquoi il convient d’accorder la priorité à ces armes de destruction massive là où des innovations technologiques récentes pourraient donner la fausse impression que ces armes peuvent être employées pour combattre l’ennemi et gagner la guerre: armes nucléaires, biologiques et chimiques, et toutes les armes non-sélectives.
Pax Christi International
Manifeste sur le Désarmement (19-23/5/1982)
lichen Akademie zustimmen, nicht als erste Atomwaffen einzusetzen. Es wäre natürlich besser, wenn beide Seiten solche Erklärungen abgeben.
forum: Die Russen haben es ja gesagt!
Bischof: Ja, hier stellt sich wieder, wie angedeutet, die Frage der Qualität
Devant ces dangers écrasants auxquels nous sommes tous confrontés, c’est le devoir de chaque homme de bonne volonté de faire face à cette menace. Tous les autres différends qui nous préoccupent chaque jour, économiques, idéologiques, politiques et religieux sont peu de chose en comparaison des dangers de la guerre nucléaire. Réduire la méfiance, accroître l’espérance et la confiance par étapes successives est un impérieux devoir pour réduire le développement, les essais, la production et le déploiement des systèmes d’engins nucléaires et pour les réduire à des niveaux substantiellement plus bas avec l’espoir ultime de leur élimination complète.
"Déclaration sur la prévention de la guerre nucléaire" présenté à SS Jean-Paul II par 64 scientifiques venus de l’Est et de l’Ouest, réunis par l’Académie Pontificale des Sciences (24/9/1982)
der beiden Partner… Gewisse Leute fragen nicht zu Unrecht immer wieder: Was leisten denn die andern? Wir können ja die Verzichthaltung nicht andern vorschreiben und aufzwingen. Wenn der andere mich mit Atomwaffen angreift, muss ich dann nicht bereit sein, mit denselben Mitteln zu antworten? Auch wenn dies nicht losig dem evangelischen Geist entspricht.
forum: Ist diese Angst, die Kirche könnte jemanden im Gewissen vergewaltigen nicht etwas übertrieben? Ist nicht eher zu befürchten, dass die Stimme der Kirche nicht ernsthaft berücksichtigt wird?
Bischof: Zumindest ein christlicher Politiker müsste sich doch dadurch interpellieren lassen.
forum: Das schon zitierte Dokument der päpstlichen Akademie geht noch einen Schritt weiter und fordert die Nationen auf, nicht mit derselben Münze heimzuzahlen: "S’efforcer de mettre fin immédiatement aux hostilités dans le cas tragique où l’arme nucléaire aurait été employée." Ein solcher atomarer Zweitschlag wäre ja ein reiner Racheakt. Denn wenn die mit Kernwaffen bestückten Raketen auf mich zufliegen, bleiben mir wohl noch zwei Minuten Zeit, meinerseits den Atomknopf zu drücken, aber bei mir ist sowieso nichts mehr zu retten. Daher schreiben auch die US-Bischöfe sehr deutlich, dass ein Zweitschlag keinen militärischen Wert mehr hat, meine Atomwaffen haben nur noch ein Racheziel. Ist das nun moraltheologisch noch zu rechtfertigen? Soll ich dann nicht dem militärischen Sieger die Chance lassen, sein Leben zu retten, statt ihn mit mir in den Tod zu ziehen?
Bischof: Ist das wirklich nur ein Racheakt? Wir bleiben so jedenfalls in den bisherigen Konfliktkategorien gefangen, indem wir Konflikt mit Gewalt austragen wollen. Dann heisst es Atomsprengköpfe zählen usw. Aber müsste es nicht unser Ziel sein, die Probleme vor dem Konfliktausbruch vom Tisch zu haben. Das sagen doch auch alle vaticanischen Dokumente. Wir sollten nicht immer aus einer Abschreckungshaltung heraus die Friedensproblematik angehen, sondern positiver das Ziel des Friedens, der Verständigung anstreben. Wir müssen uns aus der Angst lösen, die positive Initiativen zum Frieden zur Zeit noch hemmt.
forum: Uns scheint in der Tat, dass die Angst vor einem Angriff aus dem Osten in der luxemburgischen Kirche stärker verbreitet ist als die Angst vor einer möglichen Nuklearkatastrophe. – Das sieht man z.B. auch in der Art und Weise, wie die katholische Presse bei uns die Friedensbewegung behandelt, d.h. sie verteufert und ihr unlautere Motive unterstellt. Wird mit solcher Stimmungsmache nicht auch das Gewissen mancher Christen vergewaltigt?
Bischof: In der Friedensdiskussion sind ohne Zweifel verschiedene Meinungen zulässig. Hauptsache ist m.E. sie stehen im Dialog miteinander, als Beispiel einer echten Friedenshaltung. Der Geist der diesen Dialog beseelen muss, müsste auch den Umgang in grossen Konflikten beseelen.
forum: Um zum Friedensgespräch – auch auf der Weltebene – zu kommen, wird zuallererst die Schaffung einer Vertrauensbasis nötig sein. Vorher wird keine Abrüstung möglich sein. Ist es aber nun nicht so, dass der primitive Antikommunismus, der bei uns ja sehr verbreitet ist, ein grosses Handikap darstellt in dieser Richtung?
Bischof: Ein Handikap sicher. Aber ist es nicht normal, auch vom kommunistischen Lager eine reale Vorleistung zu erwarten? Bislang hat der Kommunismus sich ja – wie wohl jeder zugeben muss – als aggressiver Faktor erwiesen.
Es ist für viele, um ihr linkes Image besorgte Zeitgenossen im Westen beguemer, auf die Anhäufung von Massenvernichtungswaffen zu starren, weil es diesen Haufen auf beiden Seiten gibt, und zwar in annähernd gleichem Umfang: hie NATO, dort Warschauer Pakt. Also lässt sich die Theorie von der gleich hohen "Schuld" beider Seiten an der Unsicherheit vor der Öffentlichkeit leicht verkaufen.
Es kann deshalb nicht genug darauf hingewiesen werden, dass sich wohl die Waage zwischen Ost und West hält, was das Waffenpotential angeht, dass aber erstens die eigentlichen Konfliktursachen (die Lunten am Pulverfass) in der östlichen Waagschale viel, viel schwerer wiegen und dass zweitens dem aggressiven Charakter der Warschauer-Pakt-Armeen (nachweisbar von der marxistischen Theorie bis hin zu Afghanistan und Polen) die in ihrer Absicht friedliche, weil rein defensive Bestimmung der NATO-Kräfte gegenübersteht.
Iz, in: LW, 2.2.1982
forum: ..aber er nicht allein!
Bischof: Nein, sicher nicht, aber das ist eine andere Frage. Feststeht, dass er bislang nie einen Schritt zurück gemacht hat. Würde er mal endlich einen solchen Schritt zeigen, etwa in Afghanistan, oder würde er in den baltischen Staaten Wahlen zulassen, dann wäre auch der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses viel leichter. Daran stossen sich viele Menschen. Aber für mich ist es wichtig, dass wir aus der negativen Friedensbestimmung zu einer positiven Friedenssuche übergehen, positive Werte aufbauen, die Nationen verbinden können. In den USA sind ja jetzt Ansätze dazu, etwa in den Initiativen der katholischen Bischöfe zu erkennen. Ich denke, ähnliches gibt es auch auf der andern Seite. Aber kommt es auch dort zum Tragen? Aber als Christen müssen wir uns immer dafür einsetzen, und ich gebe gerne zu, dass diese Bewegung auch von der Kirche einen stärkeren Impuls erfahren müsste. Sie selbst muss sich verstärkt konkret und praktisch mit dem Thema auseinandersetzen.
forum: Wie steht es denn damit in der Kirche Luxemburgs? Als unsere Redaktion vor einem Jahr ein "forum"-Dossier (Nr. 51-52) zum Thema Friede und Abrüstung erarbeitete, fiel uns schon auf, dass auf der Ebene päpstlicher oder Konzilsverlautbarungen eine Reihe von eindeutigen Stellungnahmen vorliegen, dass sie aber in den Lokalkirchen kaum bekannt sind, geschweige denn Beachtung finden. Gerade auch in Luxemburg, wo doch Christen als solche politisch engagiert sind und Verantwortung tragen. Ja, auch in der katholischen Presse werden diese Dokumente kaum mit dem nötigen Nachdruck verbreitet.
Bischof: Vielleicht mag es manchen so scheinen, aber die Texte sind klar! Sicher müssen sie noch stärker in die Diskussion einbezogen werden.
forum: Wäre es denn nicht jetzt an der Zeit, wenn der Bischof hier eingreifen würde. Oder wie muss man verstehen, dass Sie bezw. die Luxemburger Kirche in der sicher rezenten, aber inzwischen erstaunlich breit geführten Friedensdiskussion sich noch nicht zu Wort gemeldet haben? Im Ausland hat es ja schon mehrere kirchliche Stellungnahmen dazu gegeben.
Bischof: Wir feiern aber immerhin seit nunmehr 17 Jahren den Weltfriedenstag (1.1.). Dabei hat auch die Luxemburger Kirche jeweils versucht, die Friedensaufgabe in Erinnerung zu rufen. Ich habe dabei immer betont, dass auch unser Land den Frieden braucht und will. Und ich bin überzeugt, dass dies die Einstellung der grossen Mehrheit der Luxemburger ist, auch wenn sie nicht jeden Tag davon reden. Es gibt ausserdem die Diözesankommission "Gerechtigkeit und Frieden." Sie hat ihr Hauptgewicht bis jetzt etwas stärker auf die Gerechtigkeit gelegt, aber der Friede muss auch ihr Anliegen bleiben. Zur aktuellen Friedensdiskussion haben wir allerdings noch nicht Stellung genommen. Das könnte aber geschehen, zum Beispiel in Zusammenarbeit mit "Pax Christi," deren Aufgabe das eigentlich ist.
forum: Es wäre jedenfalls schade, wenn die Stimme der Kirche ganz fehlte in der aktuellen Diskussion. Wohl hat auch "forum" von einem christlichen Standpunkt aus schon Stellung genommen, aber der Stimme einzelner Christen kommt doch nicht dasselbe Gewicht zu wie Ihrer Stimme oder jener eines offiziellen Organs der Kirche.
Bischof: Sicher, aber mir scheint, dass vorher zuerst mit andern Lokalkirchen Kontakt aufgenommen werden sollte, wie das z.B. 1978 mit Metz und Trier geschehen war zu Fragen der Oekologie, der Atomenergie, auch der Arbeitslosigkeit. (vgl. "forum", Nr. 28/9.12.1978) Die Frage muss noch studiert werden.
Raymund Hunthausen, katholischer Erzbischof von Seattle (USA), der sich scharf für eine nukleare Abrüstung ausgesprochen hatte, trifft bei den Katholiken seiner Diözese auf zunehmende Unterstützung, die sich auch in erhöhter Spendenfreudigkeit niederschlägt. Die Katholiken seiner Erzdiözese haben bei der letzten zentralen Kirchensammlung um 27 Prozent mehr gespendet als im Vorjahr. Die Finanzverantwortlichen der Diözese hatten nach dem Engagement ihres Bischofs einen Rückgang der Zahlungen befürchtet. Daß die Einstellung des Erzbischofs zur Frage der Abrüstung mehr Anhänger als Gegner gefunden hat, belegen auch die eingegangenen Briefe: Auf jeden Kritiker kommen acht Briefschreiber, die den Erzbischof in seiner Haltung unterstützen.
Publik-Forum 22/1982
Dieses Bild entnehmen wir dem 6. Rundbrief des Komitees "Christenrechte in der Kirche" (c/o Anne Jensen, Charlottenstr. 21, D-7400-Tübingen). Es stellt die "Friedensfahne" dar, welche die Frankfurter Gruppe zur Friedensdemonstration beim Düsseldorfer Katholikentag von unten entworfen hatte. Das Vorbild der Madonna von Kevelaer ist bekanntlich die Luxemburger Marienstatue. Vielleicht könnte das Bild auch bei uns zum Symbol der Christen in der Friedensbewegung werden.
forum: Eine so spektakuläre Initiative wie jene von Bischof Hunthausen (Seattle, USA), der sich weigert 50% seiner Steuern zu zahlen, um gegen die Rüstungspolitik der US-Regierung zu protestieren, wird ja kaum von Ihnen erwartet.
Bischof: Das muss man dem einzelnen überlassen, wieweit der prophetische Geist einen zu einer solchen Geste führt.
forum: Sie sprachen vorhin "Pax Christi" an. Es fiel mir auf, dass in Heft 6 der "Faits & Commentaires" von Pax Christi International alle nationalen Sektionen über ihre Aktivität zum Abrüstungsthema berichteten. Nur von der luxemburgischen Sektion war kein Bericht zu lesen.
Bischof: Soviel ich weiss, hatten sie einen Bericht erarbeitet..
forum: Muss man nicht sagen, dass die Verantwortlichen von "Pax Christi" in Luxemburg, genau wie die Kommission "Justitia et Pax" eine
ziemliche NATO-gebundene Sehweise haben? Kann man -bei aller Anerkennung der Verdienste dieser Personen – erwarten, dass sie ihre Richtung (siehe Interview in "forum" Nr.51-52) ändern?
Bischof: Im Dialog mit andern Gruppen kann eine Entwicklung möglich sein. Im Gespräch z.B. auch mit eurer Gruppe wird sicher die Konfrontation verschiedener Elemente fruchtbare Ergebnisse bringen.
forum: Das wäre sicher begrüssenswert. Von "forum" aus, aber sicher auch von der "Aktion für de Fridden" aus, an der Christen, sogar Priester mitverantwortlich beteiligt sind, steht einem Gespräch mit "Pax Christi" und der Kommission "Gerechtigkeit und Frieden" sicher nichts im Wege.
Herr Bischof, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
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