Der Papst auf den Philippinen

Marcos kann zufrieden sein (aus: Publik-Forum 5/1981)

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Ausgesprochen zufrieden über die päpstliche Visite auf den Philippinen kann vorerst nur das Präsidentenpaar Marcos sein. Die gleichgeschalteten Medien zeigten eine demonstrative Geste: der Papst legt fast freundschaftlich die Hand auf die Schulter des sichtbar gerührten Diktators, während die First Lady des Landes, Imelda Marcos, in die Kniee sinkt und ehrfürchtig den päpstlichen Ring küßt. Und sie zeigten auch diese Szene: Auf dem offiziellen Empfang der Regierung im Malacanang-Palast weist der Papst auf die „hohe Mission“ hin, die jenen Menschen auferlegt sei, „denen das Volk die Führung der Nation übertragen hat“. Sollte er wirklich den philippinischen Präsidenten gemeint haben, der immerhin seit über acht Jahren die Nation führt mit Hilfe des (inzwischen offiziell aufgehobenen) Kriegsrechtes — und nicht auf Grund demokratischer Wahlen?!

Gewichtige Stimmen aus fast allen christlichen Kirchen der Philippinen hatten den Papst vor seinem Besuch darauf hingewiesen, daß sich auch nach der formellen Aufhebung des Kriegsrechtes an der diktatorischen Alleinerenschaft des Präsidenten nichts geändert habe. Marcos könne weiterhin durch Erlasse regieren, das Parlament auflösen, die Kontrolle über die Massenmedien ausüben, Streiks untersagen, Demonstrationen und Versammlungen verbieten, Zivilisten verhaften und auf unbestimmte Zeit verschwinden lassen. Marcos habe sich als Präsident, Premierminister und Oberster Befehlshaber der Armee die alleinige Entscheidung vorbehalten. Johannes Paul II. werde daher gebeten, sich nicht von diesem Regime täuschen und mißbrauchen zu lassen. Die Christen befürchteten, daß „Ihre Pastoralreise unweigerlich eine im Grund ungerechte und unmenschliche Situation, deren Opfer wir sind, mit dem päpstlichen Segen versehen würde“.

Erwartungsgemäß äußerte sich der Papst

nach einem für ihn inzwischen typischen Schema: die Arbeiter werden eindringlich vor der Anwendung von Gewalt und Klassenkampf gewarnt; ausgerechnet die Armen aus dem Slumviertel Tondo (Manila) ermahnt er, sich nicht von Ideologien, die nur materielle Werte oder rein irdische Ideale verkünden, in Versuchung führen zu lassen; den Vertretern der im Überfluß lebenden Minderheit redet er — unter Hinweis auf das biblische Gleichnis vom reichen Jüngling — ins Gewissen; den eher oppositionell gestimmten Studenten von Manila ruft er zu: „Ihr dürft nicht nur an euch denken!“. Und den Klerus schließlich belehrt er, die ihm einzig zustehende religiös-moralische Mission nicht mit sozialreformerischen oder politischen Aktivitäten zu vermischen.

Fernando Marcos kann das alles nur recht sein — es traf jedenfalls nicht den Präsidenten, die Regierung, das Regime. Der Kritik des Papstes am Lebensstil der reichen Minderheit angesichts der vorherrschenden Armut kam er selbst geschickt zuvor, indem er den Papst am Flughafen mit den Worten begrüßte, er bedauere zutiefst die Verletzung der Würde der Armen durch die Ausbeutung der Reichen. Und die Ermahnung an den Klerus, offenkundig nur an den linken Flügel der philippinischen Kirche adressiert, bestätigte ja nur die bisherige Propaganda und Praxis der Regierung, wonach Priester, Schwestern und engagierte Laien allein aus politischen Gründen — wegen „subversiver Tätigkeit“, „Aufwiegelung des Volkes“ etc. — verhaftet, gefangengehalten und gefoltert oder sogar getötet wurden.

Mag sein, daß der Papst dem Präsidenten wegen dessen fortgesetzter Verletzung der Menschenrechte die Leviten gelesen hat — allerdings unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Genau dies hatten die Opfer der Marcos-Diktatur befürchtet.

Hans-H. Hücking
in: Politik-Forum Nr. 5/1981

Christen aus Manila (Philippinen):
Jesus weinte bitterlich

Und es begab sich, dass Jesus aus dem Schiff stieg und seinen Fuss auf den Strand von Mindanao setzte.

Und er wanderte über die Bergketten der B’laams und von Manobos, und da sah er, wie multinationale Konzerne Acker um Acker an sich rissen. Und Jesus weinte.

Und er kam zum Flusse Rio Grande im Pikitland, und er sah, wie die Herrschenden im Lande auf ihre muslimischen Brüder und Schwestern schossen wie auf Vögel. Und Jesus weinte.

Und er kam zu Besuch in die Slums von Cotabato, wo ein Bulldozer die behelfsmässigen Hütten islamischer und christlicher Zugezogener demolierte und das Militär dabei 13 Menschen verhaftete, die mutig Widerstand leisteten; und diese kamen hinter Schloss und Riegel. Und Jesus weinte.

Und er ging über die Reisterrassen. Da spürte er den Geruch des Schweisses der Hörigen, die für die Grundherren fronten, indes diese sich dem süssen Leben in der Stadt hingaben. Und Jesus weinte.

Und beim Eintritt durch das Tor einer hohen Schule begegnete er Studenten in olivgrünen Uniformen, die marschierten aus, das Gewehr geschultet, sie wurden ausgebildet für den Krieg und nicht für den Frieden. Und Jesus weinte.

Aber vor allem: Jesus erkannte, wie seine Nachfolger ihre Zeit mit Gebetsformeln verbrachten, anstatt Gott gegenüber den Mitmenschen in Taten sichtbar zu machen; da weinte Jesus bitterlich.

Text aus einer Zeitschrift der
Bischöflichen Kommission für die
Ureinwohner der Philippinen

"Die unbequemste Art der
Fortbewegung ist
das Insichgehen."

Karl Rahner

„Ich möchte
auch mal
mein Stellvertreter
sein!

Text und Spruch aus
Pastenkalender der Schweizer Katholiken

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