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UNSER TÄGLICHER KONTAKT MIT DER DRITTEN WELT
Tagtäglich erreichen uns Nachrichten und Bilder aus den verschiedensten Teilen der Erde, auch aus der sogenannten Dritten Welt. Aber nicht nur durch die Medien sind wir in stetem Kontakt mit der südlichen Hälfte unseres Erdballs.
Jeder von uns kommt tagtäglich in den Genuß von Waren aus der Dritten Welt: Kaffee, Kakao, Bananen und andere Früchte, Kleider, usw.
Für die Fütterung des Viehbestandes in den europäischen Ländern werden u.a. Maniok und Soja importiert.
Auch für die Herstellung von Gebrauchsmitteln werden Rohstoffe aus Ländern der Dritten Welt benötigt.
Durch die Verlagerung von Produktionsstätten in die südlichen Teile der Erde – wo die Löhne weit billiger sind als bei uns und wo es kaum gesetzlichen Schutz für die Arbeiter gibt – werden heute auch Fertigwaren nördlichen Musters aus der Dritten Welt direkt importiert.
Andererseits werden bei uns hergestellte Produkte regelmäßig in die Dritte Welt exportiert.
Desweiteren sind Firmen mit Sitz in Luxemburg bzw. multinationale Gesellschaften die auch in Luxemburg eine Produktionsstätte haben, ebenfalls in der Dritten Welt tätig.
In Luxemburg angesiedelte Banken beteiligen sich an Kreditgeschäften mit Ländern der Dritten Welt. Viele Holdinggesellschaften mit Sitz in Luxemburg haben Beteiligungen in Entwicklungsländern. Hinzu kommen noch viele andere Dienstleistungsbereiche, in denen sich Geschäfte (u.a. Import-Export) von Luxemburg aus mit der Dritten Welt entwickeln.
Direkt oder indirekt stehen wir also mit vielen Menschen dieser Erde in mannigfaltiger Beziehung; das Schicksal dieser Menschen wird an uns herangetragen und darf uns daher nicht (mehr) gleichgültig lassen.
ZUSAMMENHAENGE ERKENNEN
Wenn wir Waren aus anderen Ländern kaufen, so dürften die Arbeitsbedingungen und die Lebenslage der an der Produktion beteiligten Menschen uns nicht gleichgültig sein.
Wir müßten uns fragen:
Welche Nahrungsmittel, welche Rohstoffe werden bei uns eingeführt? Arbeit und Schweiß haftet an ihnen: unter welchen Bedingungen wurden sie erarbeitet? Welche Folgen hat die Ausfuhr dieser Produkte für den Aufbau des respektiven Landes, für das Wohlergehen der dort lebenden Menschen?
Desweiteren kann durch den Austausch, den Handel mit der Dritten Welt dort ein Entwicklungsmodell gefördert werden, welches den Bedürfnissen der Mehrheit der Bevölkerung nicht direkt entspricht.
Zu oft wird nämlich versucht, in der Dritten Welt das Konsummuster der industrialisierten Länder
abzusetzen. (Beispiel: Die Fernsehserie Dallas wird bis in die Dörfer der Obervolta ausgestrahlt).
UMDENKEN, ANDERS HANDELN
Beim Verbrauch von Produkten aus der Dritten Welt und beim Austausch von Waren mit den Ländern der Dritten Welt können Zusammenhänge und Hintergründe dieser Zusammenhänge ans Tageslicht gebracht werden – jedoch genauso gut verschleiert werden.
Dies hat zur Folge, daß wir politische und wirtschaftliche Entscheidungen in Europa und in Luxemburg nicht mehr rechtfertigen können, wenn hierdurch anderen Menschen direkt oder indirekt Schaden zukommen kann.
Andererseits bedeutet dies, daß die Verbesserung der Lage der Menschen in der Dritten Welt eine Änderung des Produktions- und Konsummodells in der industrialisierten Welt voraussetzt. Das heißt im Klartext, daß an uns der Aufruf geht, eventuell Verzicht als politischen Akt der Gerechtigkeit und Solidarität in die Wirklichkeit umzusetzen. Auch diesen Schritt müssen wir zu gehen bereit sein, wenn wir wirklich um das Schicksal der bedrohten Menschen besorgt sind.
EIGENER ENTWICKLUNGSWEG
Die Nachahmung unseres Industrie- und Wachstumsmodells hat in den meisten Ländern nicht der Mehrheit der Bevölkerung gedient: die Zahl der Hungernden steigt jährlich und nimmt beängstigende Ausmaßen an; Landflucht, Überbevölkerung der Städte (Elendsviertel), Rückgang der landwirtschaftlichen Erzeugung usw. als Folgen irrsinnigen Wachstumsstrebens haben Millionen von Familien ins Elend getrieben, in den täglichen Kampf um Leben und Tod.
Ein anderer Entwicklungsweg, orientiert an den echten Bedürfnissen und Gegebenheiten der Völker und Gegenden drängt sich auf; dieser Weg ist von Land zu Land verschieden, doch beruht er immer
Gulliver
in: Le banquet amer
auf einer zusammenhängenden Entwicklung von Stadt und Land bzw. von Industrie und Landwirtschaft.
SCHRITTE IN DIE RICHTUNG EINER NEUEN ENTWICKLUNG HIER UND DORT
- Sich informieren über die Zusammenhänge
- Kritisch einkaufen
- In Parteien, Gewerkschaften, Vereinigungen über Zusammenhänge diskutieren
- Politiker durch Fragen und Diskussionen zu anderer Entwicklung und Solidarität anregen
- Sich aktiv und/oder durch finanziellen Beitrag an der Arbeit von Dritte-Welt-Organisationen (welche Projekte in Ländern der Dritten Welt unterstützen und hierzulande Bewußtseinsbildung fördern) beteiligen.
- An Politiker die Forderung richten,
- damit in den Schulen die Aufklärung über die Zusammenhänge mit der Dritten Welt gefördert wird
- damit auf Regierungsebene eine kohärente Entwicklungspolitik entworfen und durchgesetzt wird
- damit wirtschaftliche Aktivitäten, welche einer autonomen Entwicklung der Mehrheit der Menschen in der Dritten Welt widerstreben, eingestellt werden.
AFC-Solidarité Tiers Monde
23, av. G. Diderich, Luxemburg
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