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Claude Turmes

Luxemburg muss seine Energieabhängigkeit drosseln und seinen Energiebedarf längerfristig auf umweltfreundliche Weise sichern. Ein Energiekonzept muss grenzüberschreitend gedacht und soll eine konkrete Antwort auf die schwache Energieproduktivität Luxemburgs und die nahenden Versorgungsprozesse bei Erdöl und Erdgas liefern. Es muss finanzierbar bleiben und muss den notwendigen strukturellen Wandel in Luxemburg selbst anstoßen. Energieeinsparung ist immer noch die beste Energiequelle.

Folgende Punkte sind in einem solchen „Masterplan Energie“ entscheidend:

1) Die nationalen Hausaufgaben zuerst

Das EU-Ziel im Bereich der erneuerbaren Energien für Luxemburg ist fair, realistisch und erreichbar: Voraussetzung für seine Erfüllung sind jedoch deutliche Anstrengungen im Bereich der Energieeffizienz, eine schrittweise Reduzierung des Tanktourismus und ein klarer nationaler Aktionsplan im Bereich Energieeffizienz und Erneuerbare Energie, der alle Akteure einbindet.

2) „Green Benelux“: Sinnvolle Kooperation statt Kopf in den Sand

Die Nordsee wird derzeit von einem Öl- und Gas-See zum „Green Power House“ von West-Europa umgestaltet. An den Küsten und Meeren der Nordsee-Anrainerstaaten sprießen 2,5 MW oder 5MW Windkraftanlagen. Nicht weniger als 65 000 MW – das Äquivalent von 40 Kernkraftwerken – sind bereits in Planung. Dieses Potential sollte auch für Luxemburgs Bedarf genutzt werden. Für eine solche Kooperation sprechen mehrere Gründe:

  • Eine verstärkte Zusammenarbeit mit Belgien und den Niederlanden würde Luxemburg ermöglichen, am Windenergie-Boom in der Nordsee teilzuhaben und sich so von den französischen und

deutschen Energiekonzernen und deren Kohle- und Atompolitik zu emanzipieren.

  • Durch einen Mix aus Beteiligungen an Großwindkraftanlagen und Wasserkraftanlagen besteht hier eine Möglichkeit, der Luxemburger Groß-Industrie eine auf Jahre hinaus stabile und kostengünstige Stromversorgung zu garantieren.

  • In Luxemburg ansässige Firmen können sich an den Projekten beteiligen: Arcelor-Mittal als Stahlproduzent; der Bankplatz Luxemburg kann als Projekt- und Finanzpartner wirken.

  • Die in Vianden bestehenden 1 100 MW Stromkapazitäten des Speicherkraftwerks (demnächst 1 300 MW) könnte als Beitrag von Luxemburg in gewissen Momenten zur Stabilisierung des belgischen und niederländischen Stromnetzes eingesetzt werden und Luxemburgs Energiewirtschaft zusätzliche Einnahmen bringen.

3) „Greening Finance“: den Finanzplatz Luxemburg neu positionieren

Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen sind sicher und nachhaltig. Daher sind sie im Rahmen eines EU-Konjunkturprogrammes sinnvoll und sollten primär gefördert werden, damit die EU den energiepolitischen Herausforderungen begegnen kann. Sie bieten auch für den Finanzplatz neue sichere Anlagemöglichkeiten.

Das neue EU-Gesetz zur Förderung Erneuerbarer Energien wird Investitionen in Milliardenhöhe nach sich ziehen. Der Bankenplatz Luxemburg mit dem Sitz der weltgrößten öffentlichen Bank (Europäische Investitionsbank), des weltgrößten öffentlich-privaten Risikofonds (Europäischer Investmentfonds) und mit der weltgrößten Fonds-Industrie könnte ideal aufgestellt werden, um an der Finanzierung der grünen Energierevolution mitzuarbeiten.

Claude Turmes ist Mitglied des Europäischen Parlaments und Berichterstatter der Direktive zur Förderung der Erneuerbaren Energien.

Das EU-Ziel im Bereich der erneuerbaren Energien für Luxemburg ist fair, realistisch und erreichbar […].

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