„Ennert de Steiler“ als nächster Dominostein
Dieser Inhalt wurde anhand eines gescannten Dokuments mithilfe von optischer Zeichenerkennung (OCR) und künstlicher Intelligenz (KI) digitalisiert. Er kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten.
als nächster Dominostein
Seit Fastnachtsonntag ist die bestbekannte Gastwirtschaft "Ennert de Steiler" im Herzen der Altstadt geschlossen. Sie wird umgebaut zu einem zweistöckigen Lokal, das vornehmlich Jugendliche anziehen soll. Vom denkmalschützerischen Standpunkt ist an dieser Tatsache an sich nichts auszusetzen. Wenn man aber hört, daß zu diesem Zweck die Treppe ins Obergeschoß verbreitert und ein Aufzug eingebaut werden soll, klingelt wieder die Alarmglocke: Nach dem Komplex "Hôtel de Luxembourg – Ciné de la Cour", nach dem Ilôt Clairefontaine, nach dem Ilôt du Rost, die in den letzten 15 Jahren abgerissen und in pseudohistorischer Bauweise wiedererrichtet wurden, soll es nun auch einem der ältesten Wohnhäuser in Luxemburgs Altstadt (das zweitälteste dürfte das Haus Nr. 20 auf dem Krautmarkt sein) an den Kragen gehen.
Was zu befürchten war, wird also schneller bestätigt als man ahnen konnte: Die Einschreibung der Altstadt Luxemburgs ins Inventar des ‚patrimoine mondial‘ der UNESCO erweist sich als Farce: Kein Stein ist dadurch besser geschützt als vorher. Das staatliche Denkmalschutzamt und die Stadtbürgermeisterin geben weiterhin Abriß- und Umbaugenehmigun-
gen, die der historischen Bausubstanz in Luxemburg nicht im geringsten Rechnung tragen. Unter Denkmalschutz stehen dann betongetragene Neubauten mit historischem Allerweltstouch. Und der nächste Skandal steht schon ins Haus: Mit dem Argument, die wichtigsten Teile würden ja wieder aufgebaut, hat die "Commission nationale des sites et monuments" dem Vernehmen nach die Zerstörung des Fort Lambert zum Bau eines unterirdischen Parkhauses in der Avenue Monterey positiv begutachtet. Als ob eine in Scherben gegangene, aber wieder zusammengeklebte alte Vase denselben Wert hätte wie vor der Zerstörung!
Man darf gespannt sein auf das Rundtischgespräch, das "Jeunes et Patrimoine" für Donnerstag, den 23. März 1995 im "Haus der Natur" auf Kockelscheier ankündigen. Kulturministerin Erna Hennicot-Schoepges, Bautenminister Goebbels, Stadtbürgermeisterin Lydie Polfer werden hier mit den Experten und Verantwortlichen des ‚Fonds pour la rénovation de la vieille ville‘ diskutieren. Deren Pläne für die Altstadtsanierung des Stadtviertels nördlich der Fleschiergasse zeigen jedenfalls, daß es auch anders geht.
Fischmarkt um 1903
in: Luxembourg, Forteresse &
Belle Epoque
Als partizipative Debattenzeitschrift und Diskussionsplattform, treten wir für den freien Zugang zu unseren Veröffentlichungen ein, sind jedoch als Verein ohne Gewinnzweck (ASBL) auf Unterstützung angewiesen.
Sie können uns auf direktem Wege eine kleine Spende über folgenden Code zukommen lassen, für größere Unterstützung, schauen Sie doch gerne in der passenden Rubrik vorbei. Wir freuen uns über Ihre Spende!