Dieser Inhalt wurde anhand eines gescannten Dokuments mithilfe von optischer Zeichenerkennung (OCR) und künstlicher Intelligenz (KI) digitalisiert. Er kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten.

Falls Sie Filmfreund sind, also ins Kino gehen, nicht nur um sich unterhalten zu lassen und Sie demnach die Filme, die Sie sich anschauen, kritisch auswählen wollen, haben Sie bestimmt schon auf unsere Zeitungen geschimpft. Denn in allen Luxemburger Tages- und Wochenzeitungen zusammengenommen werden Sie kaum die gesuchten Informationen finden. Dazu müssen Sie schon ausländische Zeitungen oder Fachzeitschriften konsultieren.

Dieser Misstand hat verschiedene Ursachen: Zum einen geben sich die belgischen Vertriebsfirmen der Filme immer weniger Mühe, den Kinobesitzern ausführliche Informationen über die vermieteten Filme zu liefern. Im besten Fall liefern sie ein hektographiertes Blatt mit technischen Daten, Interpreten und Szenarios. Das ist dann auch das einzige, was die Kinobesitzer an die Presse weitergeben.

Aber bei unserer Presse ist die Lage nicht viel besser. Welche Luxemburger Zeitung ist schon nicht redaktionell unterbesetzt? Einen vollbezahlten Filmspezialisten kann sich unter diesen Umständen keine von ihnen leisten. Eine Filmrubrik, die diesen Namen verdient, kann natürlich nur von einem Journalisten geführt werden, der 1. die nötigen Vorkenntnisse über Filmgeschichte besitzt, 2. eine umfassende Dokumentation zur Verfügung hat und 3. Gelegenheit und Zeit hat, sich die meisten Filme auch selbst anzusehen.

Am besten gestellt ist noch das ‚Luxemburger Wort‘, dessen Filmspezialist auf eigene Karteien zurückgreifen kann und also dem Leser etwas mehr bieten kann als Angabe der Rollenverteilung und Zusammenfassung des Szenarios, mit abschliessender Gesamtwertung in einem Satz… Doch auch wer sich hier eine möglichst objektive, vor allem am Künstlerischen orientierte

Filmkritik erwartet, wird enttäuscht werden. Die katholische Zeitung ist vielleicht in ihrer Rolle, wenn sie vor allem ethisch und moralisierend wertet, doch fallen dabei allzuoft andere Kriterien unter den Tisch. Der mündige Kinogänger, der sich etwa für eines der ältesten Filmgenres, den Horrorfilm, interessiert – und es gibt darin eine Reihe anerkannter Meisterwerke – wird nur das Gruseln gelehrt vor solchen wertlosen und amoralischen Filmchen. Auch der Western ist verpönt und für den Kritiker wertlos als Filmgenre, mit Ausnahme der sogenannten ‚Edelwestern‘, die den Rahmen des Westerns nur als Parabel benutzen, um anderes auszusagen.

Am schlechtesten kommen wohl paradoxerweise Ciné-Club und Cinemathek weg. Wir haben wohl die einzige Cinemathek der Welt, deren Filme so kritisiert werden, als seien sie gestern gedreht worden. Man hat oft den Eindruck, als würden uralte Kritikermeinungen und Wertungen aus Filmdiensten einfach neu gedruckt. Das ist etwa so, als drucke man als einzigen Kommentar einer Kandinsky-Ausstellung eine Kritik aus dem Jahre 1906 ab. Genau so aber ergeht es z.B. Visconti, dessen heute allgemein anerkanntes Meisterwerk ‚Senso‘ (1954) noch heute so abgehandelt wird wie damals: als wertloser Schinken, den man noch zeige, weil Visconti sich durch andere Filme einen Namen gemacht habe. Das ist nur ein Beispiel unter vielen. Doch sogar, wenn etwa die künstlerischen Qualitäten oder die Aussage eines in Ciné-Club oder Cinemathek gezeigten Films durchaus diskutabel sein können, so hat er doch wahrscheinlich als Dokument der Film- oder Zeitgeschichte seinen Wert. Aber die Verfasser der Filmrubriken schauen sich die Filme auch in der Cinemathek, wo sie die Möglichkeit dazu hätten, nicht vorher an – mit der löblichen Ausnahme von RTL (UKW).

Das ist vielleicht angesichts der oben beschriebenen Situation durchaus verständlich, für das interessierte Filmpublikum jedoch wenig tröstlich. Die schlechte Information fügt dem Film, dem es ja sowieso nicht gut geht, jedenfalls beträchtlichen Schaden zu.

Es gibt Kontakte und Kontrakte verschiedener Luxemburger Zeitungen mit ausländischen Blättern. Weshalb nicht auch eine Zusammenarbeit in punkto Filmkritik anstreben? Die Wiedergabe fundierter Meinungen verschiedener Fachkritiker wäre ein äusserst wertvoller Dienst am Kunden. Auch umfassendere Artikel über Filmzyklen (z.B. über Samuel Fuller in dieser Saison) müssten möglich sein.

Die Kinobesitzer ihrerseits könnten die Information dadurch verbessern, dass sie z.B. der Presse wenigstens die Liste der wichtigeren programmierten Filme mehrere Monate im voraus mitteilen würden, so dass auch die kleineren Zeitungen sich ausreichend dokumentieren können. ‚forum‘ z.B. möchte gern eine Filmrubrik einführen, Spezialisten stehen auch zur Verfügung… aber mindestens 4 Wochen im voraus müssten wir einen ungefähren Programmüberblick erhalten!

Die Filminformation in Luxemburg kann nur besser werden.

csst.

Als partizipative Debattenzeitschrift und Diskussionsplattform, treten wir für den freien Zugang zu unseren Veröffentlichungen ein, sind jedoch als Verein ohne Gewinnzweck (ASBL) auf Unterstützung angewiesen.

Sie können uns auf direktem Wege eine kleine Spende über folgenden Code zukommen lassen, für größere Unterstützung, schauen Sie doch gerne in der passenden Rubrik vorbei. Wir freuen uns über Ihre Spende!

Spenden QR Code