Gehälterstruktur in Luxemburg
Frauen und Arbeiter verdienen weniger
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Frauen und Arbeiter verdienen weniger
Statistische Daten über die luxemburgische Gesellschaft im Allgemeinen und über die Einkommensverhältnisse im Besonderen sind selten. Das STATEC veröffentlicht zwar regelmässig einen Lohnindex, Daten über die Gesamtlohnmasse und die Entwicklung der Arbeitszeit. Über die Struktur der Löhne gibt es jedoch keine Informationen. Deshalb soll hier über eine Untersuchung der Einkommensstruktur berichtet werden, auch wenn die erhobenen Daten aus dem Jahre 1978 stammen. Soeben veröffentlicht das Europäische Statistische Amt (Eurostat, Bulletin statistique 4-84) eine Repräsentativumfrage, welche im Oktober 1978 bei 80 % der Luxemburger Betriebe mit insgesamt 35.000 Beschäftigten durchgeführt wurde. Die Stichprobe ist zwar genügend gross, um zu einem repräsentativem Ergebnis zu kommen, aber es stellt sich die Frage, weshalb es überhaupt einer Umfrage bedarf, wo die exakten und umfassenden Zahlen, auch aus den Angaben von Sozialversicherung oder Finanzamt, die in den Staatscomputern gespeichert sind, zu errechnen sind. Dieser Weg würde eine genauere und schnellere Analyse ermöglichen.
Die Untersuchung gibt einen Einblick in die Qualifikations- und die Gehaltsunterschiede zwischen den Geschlechtern. So zeigt sich,
dass die Frauen sowohl bei den Arbeitern als auch bei den Angestellten die weniger qualifizierten Stellen einnehmen. Von den qualifizierten Industriearbeitern sind 0,3% Frauen, von den nicht-qualifizierten sind es 25%. Bei den Angestellten in der Industrie sieht es ähnlich aus: Von den "mittleren Führungskräften" sind 4,6% Frauen, von den "Assistenten" sind es 16%, bei den "ausführenden Angestellten" sind es 32%. Doch diese Einteilung gibt noch nicht die wirkliche Hierarchie am Arbeitsplatz wieder, da sich hinter derselben statistischen Kategorie verschiedene Arbeitssituationen verstecken. Das krasseste Beispiel tritt zu Tage, wenn man den Verdienst der "ausführenden Angestellten" nach Geschlechtern aufschlüsselt: Der durchschnittliche Monatsverdienst der Männer lag hier bei 45.000 Fr, der der Frauen bei 28.000 Fr.
Die erste Abbildung zeigt einen Vergleich zwischen den Löhnen der Arbeiter und der Angestellten in der Industrie. Es zeigt sich, dass die Gehaltsunterschiede bei Angestellten grösser sind als bei den Arbeitern oder anders gesagt, dass man als Arbeiter keinen Zugang zu den wirklich hohen Verdienstgruppen hat. Nur 5% der Arbeiter verdiente über 50000 Fr. Nach Männern und Frauen aufgeschlüsselt zeigt sich noch
Abb.1: Monatsverdienst von Arbeitern und Angestellten in der Industrie (in 1000 Fr)
Abb.2: Stundenlohn der weiblichen und männlichen Arbeiter in der Industrie (in R)
Abb.3: Monatliches Einkommen der weiblichen und männlichen Angestellten im Banksektor (in 1000 R)
Abb.4: Monatliches Einkommen der Angestellten in verschiedenen Dienstleistungsbranchen (in 1000 R)
einmal, dass auch bei den gering verdienenden Arbeitern die weiblichen Arbeiter noch einmal weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen (Abb.2)
Abbildung 3 zeigt denselben Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen auch bei Bankangestellten.
Abbildung 4 vergleicht die Gehälter der Angestellten in den verschiedenen Wirtschaftszweigen. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob die Angestellten in der Industrie am meisten verdienten. Dieser Eindruck entsteht, weil hier die unterste hierarchische Ebene der rein Ausführenden, nämlich die Arbeiter, in dieser Angestelltenstatistik nicht auftauchen. Für den Handel erkennt man diese Gruppe der Ausführenden in der statistischen Verteilung als Spitze sehr gut. So gibt
diese Abbildung eher einen Aufschluss über die Qualifikationsstruktur als über die Einkommensverhältnisse und wir erkennen, dass es im Handel wenig qualifiziertes Personal und hohes Management gibt.
Interessant auch der Überblick über die Qualifikationsstruktur in den Banken.
| | Gesamtzahl | Anteil |
| — | — | — |
| Topmanagement | 129 | 2% |
| höhere | 359 | 5% |
| Führungskräfte | | |
| Untere | 1078 | 16% |
| Führungskräfte hochqualifiziees | 1006 | 15% |
| Ausführungspersonal qualifiziertes | 2263 | 34% |
| Ausführungspersonal sonstige Angestellte | 1743 | 26% |
Im Vergleich zum Handel, besonders zum Einzelhandel, zeigt sich hier ein Arbeitsmarkt für höher qualifiziertes Personal.
Voll aussagekräftig werden diese Statistiken erst, wenn man sie mit denen anderer europäischer Länder vergleichen könnte,
doch das würde den Rahmen dieser kurzen Notiz sprengen. Vielleicht wird man diese Untersuchung in einer Publikation des STATEC über die Löhne und Gehälter in Luxemburg nachlesen können, die für nächstes Jahr angekündigt ist.
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