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Ofters wird "forum" vorgeworfen, die Redaktion veröffentlichte zwar sehr pertinente Analysen und übe eine berechtigte Kritik an vielen Misständen in unserer Gesellschaft, aber es fehle an aufbauenden Vorschlägen. So trage "forum" gar zu einer politischen Mutlosigkeit, zu einem gewissen Defaitismus bei, der sicher nicht der christlichen Hoffnung entspricht, der sich die Zeitschrift verpflichtet weiss.
Diese Gefahr war beim vorliegenden Dossier ganz besonders gross. Welcher Leser steht nicht auf dem Punkt oder hat nicht gar schon resigniert angesichts des Rüstungswahnsinns, der Osten und Westen seit Jahren gepackt hat? Wer kann noch mit vernünftigen Argumenten unterscheiden, welche Grossmacht die militärisch überlegene ist, welche also das Recht hat "nach"-zurüsten? Wer hat bis vor kurzem noch ernsthaft an Möglichkeiten geglaubt, diesem Wettrüsten, das immer deutlicher auf einen realen Einsatz seiner Zerstörungskraft hinauslief, ein Ende zu setzen?
Kaum ein "forum"-Mitarbeiter hätte jedenfalls vor wenigen Monaten diese Fragen ehrlich bejahen können. Aber inzwischen ist ein "wunder"barer Wandel in der öffentlichen Meinung eingetreten. Zehn-, ja hunderttausende gingen in Hamburg, Bonn, London, Rom, Brüssel auf die Strasse, Millionen unterschrieben Appelle, um die Verantwortlichen aufzurufen, mit dem Todesgeschäft aufzuhören, die Rüstungsausgaben für lebensspendende Aufgaben auszugeben. An dieser Bewegung sind in aller Welt Christen massgeblich beteiligt. Auch die "forum"-Redaktion möchte ihren Beitrag leisten, um diese Hoffnung auch in Luxemburg wachsen und Wirklichkeit werden zu lassen.
Der Hauptakzent dieser Nummer liegt daher für uns auf
dem letzten Teil des Dossiers (SS. 42-48) in dem Alternativen -realistische, nicht nur Utopien- zum aktuellen Massenvernichtungswettlauf vorgestellt werden. Im militärischen Bereich wird dort ein gradualistisches Abrüstungskonzept vorgestellt. Gleichzeitig soll eine auf gewaltfreiem Widerstand beruhende soziale Verteidigung eingeübt werden. Vor allem aber ist es vorrangig, den rein militärisch verstandenen Sicherheitsbegriff, mit dem alle Abschreckungstheorien und Verteidigungs- lies Nachrüstungspläne begründet werden, in Frage zu stellen. Es gibt andere, wichtigere Gebiete, auf denen unsere Sicherheit bedroht ist …
Zuvor wird aber im 1. Teil (SS. 2-26) dargestellt, dass das aktuelle Wettrüsten unsere Sicherheit wohl stärker bedroht, als ein eventuell einseitiger Abrüstungsschritt. CSU-Mitglied Mechtersheimer weist auf die Gefahren hin, die dem jüngsten Nachrüstungsbeschluss der NATO innewohnen. (S. 16) Wer der Stärkere ist, wer vor- oder nachrüstet, wer die Schuld trägt – zu diesem Thema gibt es -natürlich- höchst kontroversierte Angaben. Einige widersprüchliche Aussagen haben wir hier dokumentiert. Wir sind aber der Meinung, dass diese Fragen letzten Endes irrelevant sind und höchstens als Vorwand dienen, die Abrüstung hinauszuschieben. (SS. 3-7). Schuld trifft unseres Erachtens den Warschauer Pakt sogut wie die NATO (vgl. Aufruf der "Russell Peace Foundation" S. 37).
Die Gefahren, die uns bedrohen, sind hingegen höchst real, denn sie wirken auch in Friedenszeiten (SS. 8-13). Selbst das ruhige Luxemburg ist keineswegs eine risikolose Insel (SS. 18-21). Schlimmer aber noch sind die Folgen für die Menschen in der Dritten Welt, denen die ach so nötigen fin anziellen Mittel zur nackten Überlebenssicherung für militärische Sicherheitszwecke vorenthalten werden, von den eigenen Regierungen wie von den unsrigen (SS. 22-26).
Mit dieser Situation können wir als Christen nicht einverstanden sein. Die Bibel verpflichtet uns zur Friedensarbeit (SS. 27-31). Es gibt auch kaum ein Thema, zu dem sich Amtsträger der katholischen Kirche häufiger und präziser geäussert haben. Wer ihre Stellungnahmen beieinander liest – in den über die ganze Nummer verstreuten Kästen können leider nur einige Aussagen dokumentiert werden, die aber allein schon nichts an Deutlichkeit fehlen lassen – dürfte von ihrem Engagement durchaus beeindruckt sein; leider sorgte die Presse meistens nicht dafür, dass diese Stellungnahmen bekannt wurden. Umso enttäuschter ist man von der Haltung der Luxemburger "Pax Christi"-Sektion (SS. 31-35). Wie völlig anders stehen da Hallands Christen an der Spitze der Kriegsgegner (S. 35)!
Diese religiösen Gründe verpflichten uns -falls die aufgezeigten Gefahren nicht genügten- klar zum Engagement für eine sofortige umfassende Abrüstung. Konkrete Vorstellungen werden wie gesagt im letzten Teil aufgezeigt. Wir bedauern aber, dass die Friedensbewegung in Luxemburg wieder hinter verschiedenen Fahnen zu marschieren droht (vgl. Auflistung der bisherigen Appelle, S. 38), dass innenpolitische Rivalitäten stärker zu sein drohen, als das für unser Über-
leben dringend notwendige Engagement für Frieden und Abrüstung. Die ‚forum‘-Redaktion hofft aber, in naher Zukunft zusammen mit dem ‚Centre chrétien d’Education des Adultes‘ eine Initiative starten zu können, die wohl die jeweilige politische Analyse und Strategie der verschiedenen Friedenskomitees respektiert – dieser Pluralismus ist bei einem so hochpo-
hochpolitischen Thema wie dem Frieden eigentlich nur normal – und doch gleichzeitig eine Aktionseinheit auf die Beine bringen könnte. Wir wollen so den Forumcharakter unserer Zeitschrift in die Friedensbewegung einbringen und den christlichen Versöhnungsgedanken im Kampf selbst zum Ausdruck bringen.
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