Ich sag‘ nein

Präventionsarbeit mit Mädchen und Jungen

Dieser Inhalt wurde anhand eines gescannten Dokuments mithilfe von optischer Zeichenerkennung (OCR) und künstlicher Intelligenz (KI) digitalisiert. Er kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten.

Präventionsarbeit mit Mädchen und Jungen

Mädchen und Jungen werden weitaus häufiger Opfer sexueller Gewalt, als wir es uns bisher vorstellen konnten. Viele von uns werden sich angesichts dieser Tatsachen die Frage stellen, was können wir tun um Kinder vor sexuellem Mißbrauch zu schützen.

Ich sehe hier mehrere wichtige Ansatzpunkte:

  1. Sinnvolle Prävention muß die Reduzierung des Machtverhältnisses zwischen Erwachsenen-Kind und Mann-Frau zum Ziel haben.

Erwachsene müssen lernen, das Recht von Kindern auf körperliche und sexuelle Selbstbestimmung zu achten.

Männer müssen lernen, Frauen als gleichberechtigt zu akzeptieren. Eine intensive bewußtseinsbildende Öffentlichkeitsarbeit ist wichtig, damit die alltägliche Gewalt gegen Mädchen, Jungen und Frauen nicht mehr stillschweigend geduldet wird und die ursächlichen Bedingungen des Machtmißbrauchs reduziert und aufgehoben werden (vgl. E. Fey, Info des Vereins RotCAPPchen e.V.).

  1. Eine sinnvolle Aufklärung der Kinder und Jugendlichen setzt die Sensibilisierung aller voraus, die mit Kindern leben und arbeiten, wie Eltern, ErzieherInnen, LehrerInnen, PädagogInnen.

Erst wenn sexuelle Gewalt gegen Kinder kein Geheimnis mehr ist, wenn wir, die Erwachsenen, sensibel und wachsam auf die Signale sexuell mißbrauchter Kinder reagieren können, wird es für die Betroffenen möglich sein über ihre Erlebnisse zu sprechen, sich jemandem anzuvertrauen, Hilfe zu holen.

  1. Schaffung von Informations- und Beratungsangeboten sowohl für die Betroffenen als auch für Eltern und PädagogInnen.

  2. Diese Prozesse brauchen Zeit, Mädchen und Jungen können nicht warten, bis dieses gesellschaftliche Umdenken realisiert wird. Von daher ist es schon heute wichtig, hier mit der Arbeit zu beginnen.

Althergebrachte Prävention, in Form von Warnungen wie "Geh’mit keinem Fremden", "Sei vor dem Dunkelwerden zuhause", "Zieh’dich anständig an" u.a. machen Angst, und Angst lähmt.

Fehlinformation und Panikmache verunsichern die Mädchen und Jungen, schränken sie in ihrer Bewegungsfreiheit ein, schwächen ihr Selbstbewußtsein und Verstärken die Abhängigkeit von den Eltern. Mit anderen Worten: Sie bereiten geradezu den Boden für Mißbrauch, denn fehlinformierte, unsichere, angepaßte und abhängige Kinder sind ideale Opfer! (aus: G. Braun, Ich Sag Nein, S.18)

Sinnvolle Prävention bedeutet

  • eine Erziehung zur körperlichen und sexuellen Selbstbestimmung, zu Autonomie und Selbstbewußtsein;

  • eine Erziehung, die nicht Angst sondern ein Gefühl von Stärke erzeugt;

  • eine Erziehung, in der Kinder Rechte haben, ernst genommen und beachtet werden;

  • eine Erziehung, die in die Gesamterziehung von Elternhaus, Kindergarten und Schule integriert werden muß.

Schwerpunkte dieser Arbeit mit Mädchen und Jungen sind folgende sechs Themenbereiche:

1. Dein Körper gehört dir

Der eigene Körper ist wertvoll, jedes Kind hat das Recht ihn zu schützen. Jedes Kind hat das Recht zu bestimmen, wer es wann, wie und an welchen Stellen anfassen darf.

2. Vertraue deinem eigenen Gefühl

Mädchen und Jungen lernen, auf ihre Gefühle zu achten und diese als Maßstab für ihr Handeln anzusehen.

3. Es gibt verschiedene Berührungen

Kinder lernen zwischen "guten" und "schlechten", sowie merkwürdigen Berührungen zu unterscheiden und letztere selbstbewußt abzuweisen.

4. Nein sagen ist erlaubt

Kinder dürfen und müssen in bestimmten Situationen Grenzen ziehen und nein zu den Anforderungen Erwachsener sagen. Sie haben die Erlaubnis, nicht zu gehorchen und sich zu wehren, besonders wenn die Erwachsenen sie auf eine Art berühren, die ihnen nicht gefällt.

5. Gute und schlechte Geheimnisse

Kinder lernen adäquate Geheimnisse wie zum Beispiel Überraschungen von schlechten zu unterscheiden. Wenn Heimlichkeiten unheimlich werden, ist es besser, sich Freunden und/oder Erwachsenen mitzuteilen.

6. Erzähle, teile dich mit und suche Hilfe

Kinder sollen lernen, wenn sie ein "schlechtes" Geheimnis drückt, wenn sie ein Problem haben, sich mitzuteilen und sich Hilfe zu holen.

Diese Erziehung zu Selbständigkeit und Selbstbewußtsein ist ganz gewiß auch eine Herausforderung für uns Erwachsene, die doch selbst nicht immer gerade stolz sind auf ihren Körper, ihre eigenen Gefühle nicht immer ernst nehmen, andere nicht respektieren, Angst haben, nein zu sagen und vieles mehr. Präventive Erziehung bedeutet von daher stets auch Selbsterziehung von uns Erwachsenen.

Für alle, die diese Ziele in ihrem Alltag umsetzen wollen, gibt es eine umfassende Materialsammlung

Eine sinnvolle Aufklärung der Kinder und Jugendlichen setzt die Sensibilisierung aller voraus, die mit Kindern leben und arbeiten, wie Eltern, ErzieherInnen, LehrerInnen, PädagogInnen.

zur Präventionsarbeit:

Gisela Braun: Ich sag nein, Verlag Die Schulpraxis,
1989.

Weiter möchte ich als Grundlagenbuch empfehlen:
Ursula Enders: Zart war ich, Bitter war’s. Sexueller
Mißbrauch an Mädchen und Jungen. Erkennen,
Schützen, Beraten. Volksblatt Verlag, 1990.

"Wenn Du sagst, ich soll nicht fragen,
soll mich nichts zu sagen wagen,
sagt mir mein Gefühl im Magen,
ich werd’s trotzdem weitersagen."

Andrea Lehnart, Planning Familial

Als partizipative Debattenzeitschrift und Diskussionsplattform, treten wir für den freien Zugang zu unseren Veröffentlichungen ein, sind jedoch als Verein ohne Gewinnzweck (ASBL) auf Unterstützung angewiesen.

Sie können uns auf direktem Wege eine kleine Spende über folgenden Code zukommen lassen, für größere Unterstützung, schauen Sie doch gerne in der passenden Rubrik vorbei. Wir freuen uns über Ihre Spende!

Spenden QR Code