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REVOLUTIONÄR
JESUS
ZUM
GEBURTSTAG

Zweitausend Jahre sind es fast,
seit du die Welt verlassen hast,
du Opferlamm des Lebens!

Du gabst den Armen ihren Gott.
Du littest durch der Reichen Spott.
Du tatest es vergebens!

Du sahst Gewalt und Polizei.
Du wolltest alle Menschen frei
und Frieden auf der Erde.

Du wußtest, wie das Elend tut
und wolltest allen Menschen gut,
damit es schöner werde!

Du warst ein Revolutionär
und machtest dir das Leben schwer
mit Schiebern und Gelehrten.

Du hast die Freiheit stets beschützt
und doch den Menschen nichts genützt.
Du kamst an die Verkehrten!

Du kämpftest tapfer gegen sie
und gegen Staat und Industrie
und die gesamte Meute.

Bis man an dir, weil nichts verfang,
Justizmord, kurzerhand, beging.
Es war genau wie heute.

Die Menschen wurden nicht gescheit.
Am wenigsten die Christenheit,
trotz allem Händefalten.

Du hattest sie vergeblich lieb.
Du starbst umsonst und alles blieb
beim Alten.

Erich Kästner

Kennen Sie Max und Moritz?

Und erinnern Sie sich noch an "Die fromme Helene", den "Maler Klecksel" oder an "Hans Huckebein, der Unglücksrabe"? Diese, mit nur wenigen Strichen gezeichneten, guten oder bösen Gestalten, begleiteten vielleicht auch Ihre Kindheit. Und die traurigen und heiteren Begebenheiten und Erlebnisse dieser Figuren prägten das Leben in vielen Kinderzimmern.

Wilhelm Busch war ursprünglich Maler, ehe er begann, diese Bildergeschichten zu zeichnen und zu veröffentlichen. Am bekanntesten wurde er durch seine witzig-lustigen "Max und Moritz"-Menschen. Allein schon mit dieser Bildergeschichte hätte sich Wilhelm Busch als bedeutender Karikaturist einen Namen gemacht.

Mit seiner Art von Zeichnungen ging er ganz neue Wege. Die Übertreibungen hatten Sinn, sie halfen, das, was er mitteilen wollte, leichter verständlich zu machen. Er brachte es fertig, seine Ideen mit Knappheit aufs Papier zu bringen. Sogar Kinder erfaßten seine Aussagen und wußten, was gemeint war.

Die Komiks von heute haben teilweise diese erzählenden Karikaturen von einst abgelöst. Auch sie übermitteln Geschichten mit vereinfachten und überzeichneten Bildern. Und "Asterix und Obelix" gehören heute ins Haus wie seinerzeit "Max und Moritz".

Schmunzeln, über etwas lachen, etwas humorvoll nehmen können, Schlimmes, Tragisches oder Trauriges mit einem lachenden Auge sehen können, dazu kann uns eine Karikatur helfen. Aber nie werden treffende Karikaturen so geschätzt und nie werden so viele produziert, wie in schlechten Zeiten. Man macht Witze über Schreckliches, um es besser ertragen zu können. Waren es nicht die Juden, die in der Hitler-Zeit, als sie verfolgt wurden und in tiefer Angst lebten, die humorvollsten Karikaturen und Witze machten? Die Juden bringen besonders oft die Kunst fertig, über sich selbst zu lachen, Witze über sich zu machen, sich und die eigene Situation auf die Schippe zu nehmen. Von dieser Lebenskunst, dieser Leichtigkeit in schwerer Zeit, von diesem Humor könnten wir noch etwas lernen.

Karikaturen oder Spottbilder können aber auch in der Politik zu ernsthaftem Kampf benutzt werden. Wenn der Karikaturist den dargestellten Gegenstand oder Vorgang, die Person oder Einrichtung ins Lächerliche zieht, dann ist das kein einfacher Ulk mehr, dann wird auf vielleicht noch witzige Weise Kritik geübt, oder eine beißende Fratze gezeigt. Zerr- und Spottbilder sind dann Kampfmittel, und satirische Darstellungen sollen helfen, etwas klarzumachen, etwas aufzudecken oder verständlich zu machen, und sie animieren zur Stellungnahme.

Egal wo wir einer Karikatur begegnen, das Auge fällt direkt darauf. Und noch ehe wir die dazugehörigen Zeilen lesen, oder uns die Zeit für einen langen Artikel nehmen, die Karikatur, sie hat schon etwas mit uns gemacht.

karin jahr

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