Kontakte — Kontexte — Kontraste

"Kontakte — Kontexte. Deutsch-luxemburgische Literaturbegegnungen" von Germaine Goetzinger, Gast Mannes, Frank Wilhelm

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Deutsch-luxemburgische

Literaturbegegnungen

Gleichzeitig zur Ausstellung Kontakte / Kontexte im Centre National de Littérature in Mersch (18. November 1999 – 17. März 2000) erscheint eine Publikation, die inhaltlich wie formal die Dimensionen des herkömmlichen Ausstellungskatalogs sprengt.

Die von Germaine Goetzinger, Gast Mannes und Frank Wilhelm angebotenen Einführungen, Kurzbiographien und Dokumente (Texte und Fotos) zu dem jeweiligen literarischen Zweigespann stellen von der Information und der Aufmachung her einen originellen Beitrag zur Kulturgeschichte Luxemburgs dar: Einflüsse, Wechselwirkungen, Anregungen, Gespanntheiten, Sympathien – alles Elemente, die durch die jeweilige Konstellation das Verhältnis zwischen Deutschland und Luxemburg über das Medium Literatur punktuell und doch repräsentativ fixieren.

Hier zunächst einmal die zehn Gegenüberstellungen: Johann Kaspar Müller und Joseph Görres, Marie Speyer und Wilhelm Raabe, Frantz Clément und Richard Dehmel, Pol Michels und Ivan Goll, Alexander Weicker und Marieluise Fleißer, Aline Mayrisch und Ernst Robert Curtius, Evy Friedrich und Walter Jacob, Joseph Noerden und Bertolt Brecht, Tony Jungblut und Norbert Jacques, Anise Koltz und Horst Bingel. Die zwei Letzgenannten müssten um einen Namen erweitert werden, besonders wenn es um die Gründung der Mondorfer Dichtertage geht: Nic Weber. Aber dann wäre die schöne Symmetrie gestört.

Manches in diesem Band wird vielen kulturell Interessierten bekannt sein, die Konstellationen Mayrisch/Curtius, Weicker/Fleißer oder Noerden/Brecht etwa. Aber auch Vertrautes darf getrost in Erinnerung gerufen werden, beispielsweise Evy Friedrichs Rolle bei der Gestaltung der ersten Echternacher Festspiele. Für jüngere Leser werden die Duette Speyer/Raabe, Michels/

Goll unerwartete Einblicke in frühe literarische Kontaktversuche bieten. Immer heikel, immer knisternd bleibt die Behandlung der Beziehung des germanophilen (luxemburgophoben?) Norbert Jacques zu seiner Heimat – und umgekehrt.

Eine Frage aber darf wohl gestellt werden: Sind alle grenzüberschreitenden Kontakte zwischen „Literaten“ automatisch schon kulturell bedeutsam? Davon abgesehen muss der Begriff „Literaturbegegnungen“ im weitesten Sinn verstanden werden: Literaturwissenschaftler, Studenten, Autoren, Journalisten, aufgeklärte Liebhaber gehören insgesamt zur Firma, doch nicht jeder Briefzettel ist von literatur-historischer Relevanz.

Aber gerade im Dokumentarteil findet der aufmerksame Leser aufschlussreiche, oft kritische Texte; ich denke beispielsweise an die Wiedergabe der nicht gerade freundlichen (aber meiner Meinung nach nicht unbegründeten) Rezension von Fernand Hoffmann über den leicht andachtsverdächtigen Brecht-Abend, den Joseph Noerden im Theater inszeniert hatte. Die Auswahl verschiedener Zitate von Norbert Jacques ist auch kaustischer als die etwas besänftigende Vorstellung der Figur. Für diese Publikation gilt demnach ein weiteres Mal der Hinweis: Bitte das Kleingedruckte lesen!

Paul Maas

Kontakte Kontexte. Deutsch-luxemburgische Literaturbegegnungen. Ausstellung und Katalog: Germaine Goetzinger, Gast Mannes, Frank Wilhelm. Centre National de Littérature Mersch 1999, 187 Seiten. ISBN 2-91 99 03 01-2

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