Mietwohnung gesucht
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Am Mittwoch, 25.11.1981 wurden in den Kleinanzeigen des L.W. 79 Wohnungen zur Vermietung angeboten
40 lagen auf dem Gebiet der Hauptstadt,
11 in deren näherem Umkreis,
11 im Minettegebiet,
17 im Rest des Landes.
Es handelte sich um 31 Stockwerkwohnungen (Appar-
temente)
15 Studios
28 Häuser
5 Einzelzimmer.
21 Wohnungen wurden mit Möbel angeboten.
Dieses Angebot scheint auf den ersten Augenblick
recht breit. Ein Blick auf Grösse und Preis der
Wohnungen vermittelt einen andern Eindruck :
1 Schlafzimmer boten 10 Appartelemente, 15 Studios,
5 Einzelzimmerwohnungen.
2 Schlafzimmer boten 11 Appartelemente, 1 Haus.
3 Schlafzimmer boten 8 Appartelemente, 7 Häuser.
4 und mehr Schlafzimmer boten 12 Häuser.
Bei 2 Wohnungen lag die Miete unter 6000 F; beides waren 1-Schlafzimmerwohnungen und jeweils einem alleinstehenden Herrn oder Dame vorbehalten!
Bei 15 Wohnungen lag die Miete zwischen 6000 und 9999 F. Abgesehen von einer Ausnahme (2 Schlafzimmer) handelte es sich um Wohnungen mit nur einem Schlafzimmer (Appartement, Studio, Einzimmerwohnung). 4 waren zudem einer alleinstehenden Dame bzw. einem jungen (wohl kinderlos gedachten) Paar vorbehalten.
Bei 11 Wohnungen lag die Miete zwischen 10 000 und 13 999 F. 5 davon hatten immer noch nur ein Zimmer, von denen wieder 4 meubliert waren. 3 Wohnungen hatten 2 Schlafzimmer, eins davon war auch nur mit Möbel zu vermieten. 4 Wohnungen lagen weder in der Stadt noch in deren Umgebung. Bei 2 Häusern war die Zimmerzahl nicht angegeben.
Bei 8 Wohnungen lag die Miete zwischen 14 000 und 17 999 F. 5 Appartements hatten 2 Schlafzimmer, 2 hatten deren 3. Ein Haus zählte deren gar 4, lag in Moutfort und hatte gar einen Bering von 17 Ar.
Bei 10 Wohnungen lag die Miete zwischen 18 000 und 21 999 F. Eine (allerdings meublierte) Wohnung hatte noch nur 2 Schlafzimmer, 7 hatten 3 Schlafzimmer, die andern Häuser 4 bzw. 6. 6 Wohnungen lagen allerdings ausserhalb des Stadtgebietes.
Bei 7 Wohnungen lag die Miete zwischen 22 000 und 25 999 F. Alle hatten 3-4 Schlafzimmer, ausser einem (möblierten) Haus im Minettegebiet mit nur 2. Nur 2 Wohnungen lagen auf dem Territorium der Hauptstadt, eine weitere in deren Umgebung.
Bei 10 weiteren Wohnungen lag die Miete über 30 000 F im Monat. (Bei 13 andern wurde kein Preis genannt.) Über die Grösse gab es hier entweder keine Angaben, oder die Zahl der Schlafzimmer lag zwischen 3 und 7.
Für die Durchschnittsfamilie mit 2-3 Kindern kommen von den 79 angebotenen Wohnungen also nur sehr wenige in Frage. Aber dann beginnt eine neue Serie von Schwierigkeiten. Da die Nachfrage in diesem Falle sehr hoch ist, dürfte die Wohnung knapp eine Stunde nach Erscheinen der Zeitung vergeben sein. Viele Anrufer werden ausgeschieden, weil sie Kinder haben, Ausländer sind, … selbst Grosseltern, die Enkelkinder zu Besuch haben können, sind ungern gesehen.
Und wenn Mann und Frau arbeiten, hat keiner Zeit, möglichst früh am Tag die angebotene Wohnung in Augenschein zu nehmen. Zu diesem Zweck gibt’s keinen (bezahlten) Urlaub. Dann müssten sie schon auf die teuren Angeboten der Immobilienagenturen zurückgreifen. Aber auch sie selektionieren die möglichen Mieter, selbst ohne entsprechenden Auftrag der Eigentümer, wie ein rezentes Beispiel zeigte.
Mit Genugtuung muss man allerdings festhalten, dass keine Anzeige von vornherein Ausländer als Mieter ausschloss. Im Vergleich zu 1974, als in ‚Luxemburger Wort- Elemente einer Analyse‘ solche rassistischen Kleinanzeigen noch hart kritisiert werden mussten (S.147f.), scheint die Presse doch stärker ein Filter vorzuschieben. Dies kann selbstverständlich nicht verhindern, dass viele Hauseigentümer trotzdem wegen des Wohnungsmangels Ausländer recht leicht als Mieter ausschliessen können. Zumindest ist die Presse nicht mehr Komplize dabei.
Sicher kann man die statistische Zuverlässigkeit des zufällig gewählten Beispiels anfechten. Jeder darf es an einem andern Tag des Jahres nachprüfen. Weit daneben liegen die Resultate sicher nicht.
Aber ein statistisches Mittel errechnen ist nicht möglich, da viele Wohnungen immer wieder in Zeitungsinseraten angeboten werden, manche gar zweimal in derselben Ausgabe, es aber nicht möglich ist alle Überschneidungen auszuscheiden. Mehr Beispiele bringen also wahrscheinlich nicht mehr statistische Sicherheit. Was aber zählt ist das Exemplum; jeder, der schon einmal für sich oder einen Bekannten eine Mietwohnung suchte, wird die hier belegten Zahlen aus Erfahrung bestätigen.
Wohnungssuchender,
bekommt Antragsformular,
wird auf Warteliste geschrieben,
vertröstet bei jeder Nachfrage,
aufgefordert in der Zeitung zu suchen,
sich an Immobilienagenturen zu wenden,
gesagt für den gesuchten Mieterpreis gäbe
es keine Wohnungen,
ans Armenbüro verwiesen, zweck Beihilfe,
abgeschoben, weil Oma mit Rente bei ihm wohnt,
immer wieder verstossen, getreten, verpöhnt:
‚Arbeitsloser Ausländer‘
‚Andersgesichtsfarbiger‘
‚Kinder, Mutter, ohne Vater‘
‚Trauscheinloses Paar‘
Tür nicht geöffnet, in der Tür vertröstet,
Tür zugeschlagen,
nicht verzweifeln, weiter suchen,
morgen, morgen,
gibts wieder andere Wohnungen,
hohe Telephonrechnung,
abgelaufene Schuhe,
viele Wohnungen gesehen,
von vielen Wohnungen geträumt,
schönen, grossen, preiswerten …
Die Liste der Wohnungssuchenden wird immer länger.
R.C.
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