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Ein RTL-Mitarbeiter, meinte nach der Lektüre des "forum"-Dossiers über "UKW-Lëtzebuerg": "Das sind ja wirklich schlimme Sachen, die ihr da geschrieben habt. Aber das Schlimmste ist, sie sind alle wahr."
Nun, alles war nicht wahr, was im Dossier stand. Trotz sorgfältiger Recherchen – alle Nachrichten, die Personalfragen und Arbeitsbedingungen betreffen, mussten z.B. im Prinzip jeweils durch mindestens zwei Quellen belegt sein, bevor wir sie veröffentlichten – sind uns Fehler unterlaufen.
Es ist nicht wahr, dass Roby Rauchs den Artikel über unser Gespräch mit ihm vor der Veröffentli-
chung gelesen hat. Das war wohl vorgesehen, daher stand der Satz auch im Manuskript. Doch im Stress, der durch die neue Aufmachung noch etwas grösser war als üblich, kam es leider nicht mehr dazu, wofür der RTL-Chefredakteur auch im voraus schon Verständnis gezeigt hatte. Dass der betreffende Satz (S.23) dann doch im Artikel stehen blieb, tut uns furchtbar leid, und wir müssen uns dafür bei unsern Lesern entschuldigen. Bei Herrn R.Rauchs haben wir das selbstverständlich sofort getan, nachdem wir den peinlichen Fehler aufgedeckt hatten.
Es ist nicht wahr, dass Marc Thoma pro Minute Sendezeit bezahlt wird (S.37). Nach welchen Prinzi-
pien sein Lohn festgelegt wird, teilte er uns allerdings nicht mit. Wir finden das auch nicht so wichtig. Tatsache ist, dass die Gehälterpolitik der CLT schwer durchschaubar und undurchsichtig ist.
Es ist nicht wahr, dass Bistumsekretär G. Vuillermoz Präsident der kirchlichen Medienkommission ist (S.38). Vielmehr nimmt Mgr. Jean Bernard diese Stellung ein, wie uns Herr Vuillermoz mitteilen liess. Wir finden, dass im betreffenden Beitrag wichtigere Aussagen stehen als diese falsche Namensangabe und hätten viel lieber eine argumentative Auseinandersetzung über unsere inhaltliche Kritik veröffentlicht.
Soweit die präzisen Dementis, die uns (mündlich) zugetragen wurden. Ansonsten erfuhren wir, dass unser Dossier in RTL-Kreisen auf höchstes Interesse stiess und dass viele froh und erleichtert waren, weil wir anscheinend endlich mal geschrieben haben, was manche schon lange dachten und nicht zu sagen wagten. Andere mögen erleichtert gewesen sein, dass wir nicht alles gesagt haben, was wir über Personalfragen in der UKW-Redaktion wissen, und uns viel gemässigter ausdrückten, als ihr schlechtes Gewissen befürchtete. Doch es sei hier
noch einmal wiederholt, dass wir keiner Person irgendwie zu nahe treten wollten und überzeugt sind, dass letzten Endes die CLT-Struktur und das rechtliche Statut des Senders als wahre Schuldige an den aufgedeckten Mißständen anzusehen sind.
Möglicherweise gab es noch weitere Fehler im RTL-Dossier, vielleicht sind wir hier oder dort von völlig falschen Ansätzen ausgegangen. Doch da die RTL-Redaktion offenbar den vor 10 Jahren von der LW-Direktion vorexerzierten Weg des Totschweigens der argumentativen Auseinandersetzung vorzuziehen scheint, müssen wir – und unsere Leser – davon ausgehen, dass sie keine Argumente hat, dass abgesehen von Schönheitsfehlern, unser Dossier durchaus die Wahrheit entlarvt hat.
Indirekt bestätigt wurden wir aber von einer RTL-Filiale selbst: IPL, die für Werbung auf RTL-Sendern zuständige Agentur, wird nämlich mit dem "forum"-Dossier in der Hand bei Luxemburger Geschäftsleuten vorstellig, um neue Kunden zu werben. Bedurfte es eines klareren Beweises, dass unsere Recherchen seriös waren und dass bei aufmerksamem Lesen die RTL-Redaktion nicht einmal so schlecht abschneidet wie sie offenbar selbst annimmt?
Lesenswert
Lëtzeburger Almanach ’85
Ein Kulturnagazin war geplant. Ein Jahrbuch ist daraus geworden. Es ist nicht das erste, das in Luxemburg erscheint. Eins ist mittlerweile weit über 100 Jahre alt. Aber das jüngste scheint mir, sowohl was die Aufmachung anbelangt (trotz eines groben Schönheitsfehlers S.130) als auch was den Inhalt anbelangt, das beste. Dem chicen, bilderreichen, farbenfrohen Layout könnten höchstens ältere Leser den Vorwurf machen, dass die Schrift etwas klein ist. Die literarische Qualität sowohl der Fiktionsprosa und der Lyrik als aber auch der Sachbeiträge verdient unbedingt hervorgehoben zu werden. Wenn auch der eine oder andere Artikel längerer Ausführungen bedurft hätte als es in diesem Rahmen wohl möglich war, so ist der analytische Tiefgang der Beiträge, die gesellschaftliche Ereignisse von heute kommentieren dergestalt, dass der Leser durchaus Orientierungen erhält, die ihm über den Tag und das Jahr hinaus helfen, sich kritisch mit unserer Welt auseinanderzusetzen. Kein anderer Almanach hat das in den letzten Jahren zu leisten vermocht.
Unter den vielen angeschnittenen Themen (Stahlindustrie, saurer Regen, Sexualerziehung, Folklorismus, Drogenszene, Computer in der Schule, Dorftheater, Architektur um 1900 und beim Wiederaufbau, …) sei nur jener von Jupp Wagner hervorgehoben, der, sozusagen im "forum"-Auftrag, die sich leerende aber immer noch lehrende Kirche Luxemburgs am Vorabend des Papstbesuches beschreibt.
Die jahrelange Planung des Binsfeld-Verlags hat sich sicher gelohnt und der nicht sehr niedrige Preis für das 320 Seiten starke Kunstwerk ist unbedingt gerechtfertigt. Man darf mit Spannung auf den Almanach 86 warten. m.p.
Zu beziehen in allen Buchhandlungen oder durch Überweisen von 495 F auf das CCP 1100-33 des Verlags Guy Binsfeld, Luxemburg.
BRENNPUNKT DRITTE WELT Nr. 59-60-61 / Jan. 1985
Le NICARAGUA ou la volonté d’être libre, so lautet der Titel der vierten Spezialnummer "brennpunkt – dokument", die alljährlich von der AFC – Solidarité Tiers Monde herausgegeben wird.
Die meisten Informationen die hierzulande über Nicaragua verbreitet werden sind unvollständig und dienen leider oft dem einzigen Zweck, den einzigartigen geschichtlichen Prozess, der z.Z. in diesem Lande stattfindet, zu diffamieren. Die eben erschienene Sondernummer von "Brennpunkt Dritte Welt", stellt den Versuch dar, die vielfältigen Probleme die dieses mittelamerikanische Land betreffen, in einen Gesamtkontext zu setzen. Nicaragua ist kein Paradies, es ist aber auch nicht die stalinistische Hölle, wie sie so oft herbeigeredet wird. Dieses Nicaragua-Dossier stellt aber nicht den Anspruch, auf alle Fragen eine befriedigende Antwort zu liefern. Dem Prinzip der "kritischen Solidarität" folgend, geht es darum die Sandinisten an ihren eigenen Versprechen zu messen, die bereits verwirklichten Errungenschaften, wie auch die – von den Sandinisten oft selbst eingestandenen – Fehler aufzuzeichnen.
Die Zukunft Nicaraguas ist alles andere als gesichert. Die militärischen Operationen der von der CIA finanzierten Contras und der von den USA betriebene Wirtschaftsbovkott sind kaum geeignete Voraussetzungen für einen gesunden Wiederaufbau des Landes. Deshalb ist es um so wichtiger Nicaragua seine Solidarität zu bekunden und die bespielhaften Verwirklichungen dieser Revolution vermehrt zu unterstützen.
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