„Stellen Sie sich vor, Sie wären ein Buch.“
Unter Büchern. Enthüllungen eines Insiders von Sabrina Notka
Ein Buch über das Thema „Bücher“ könnte zäh sein, belehrend oder kulturpessimistisch. Sabrina Notka aber gelingt eine unterhaltsame Lektüre: Hier spricht ein Buch selbst über Bücher. Ein manchmal vorlautes, besserwisserisches Exemplar mit frechem Mundwerk, wahrlich lebendig und nicht langweilig.
Gegliedert als ABC wird das Verhalten von Autoren, Lesern (und Büchern) betrachtet, Leseorte, Bibliotheken, Öbersetzer und Verleger, nicht zuletzt das Marktgeschehen und moderne Buchformen wie E-Books. Neugierig verfolgt man die Fragen der Autorin: Wie wird ein „Buch“ definiert? Welches Buch wird am häufigsten in Bibliotheken geklaut? Welche Vor- und Nachteile haben E-Books? Der schmale Band will nicht tiefschürfend sein, wirft aber dennoch manchen anregenden Blick auf seinen Gegenstand.
Betont lax behandelt Notka historisches Wissen: „Die erste öffentliche Bibliothek entstand im Jahr 39 v. Chr. in Rom. Da konnte zwar noch kaum einer lesen, aber ohne Bibliothek wird das ja auch nicht besser.“ (S. 64) Das ist witzig, aber hier wünschte man sich bisweilen mehr Auskunft, denn diese Forschungsfragen verdienten sie.
Der zwanglose Ton ist der Unterhaltsamkeit des Buches geschuldet, die Notka elegant durchhält. Die Arbeit der Autorin in einem Verlag scheint ihren Stil zu prägen. Sie versteht es, die Leser als Gegenüber ungewöhnlich direkt zu fixieren. Nicht zuletzt durch Aufgaben, die sie lösen sollen, zum Beispiel: „Stellen Sie sich vor, Sie wären ein Buch. Verfassen Sie bitte kurz Ihren Klappentext: …“ (S. 104). Und Notkas Blick ist nicht nur für die Autorenseite offen. Etwa bemerkt sie: „Jenes bösartige Geschreibsel, das Ihnen Lebenszeit raubt? Nun, damit Sie bösartiges Geschreibsel nicht unnötig aufhält, gibt es Buch- kritiken, auch Rezensionen genannt.“ (S. 73) Und Wilhelm Busch wird zitiert: „Gedanken sind nicht stets parat, man schreibt auch, wenn man keine hat.“ (S. 19) Auf derartig ironische Selbstbetrachtung versteht sich auch Notka, das macht ihr Buch erfrischend unbekümmert.
Merkenswert sind die im Buch versammelten Bonmots anderer Autoren, teilweise schon zu Recht populär wie Dieter Hildebrandts Beobachtung: „Bildung kommt von Bildschirm und nicht von Buch, sonst hieße es ja Buchung.“ (S. 66)
Notkas leichte Lektüre über Bücher und ihre Wahrnehmung ist heiter und kurzweilig. Der manchmal verrückte Perspektivwechsel wird treffend begleitet durch surreal feine Illustrationen von Michel Geimer.
Anne Uhrmacher
Sabrina Notka: Unter Büchern. Enthüllungen eines Insiders. Luxemburg, Editions Guy Binsfeld, 2014.
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