Tourismus, ein Konsumgut der Europäer

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eine Frage

der Respekt

Tourismus, ein Konsumgut der Europäer

Die Tourismus-Lawine

Reisen gehört heute für viele zum unverzichtbaren
Bestandteil der Lebensqualität. Urlaubsreisen,
aber auch Naherholung nehmen seit Jahren immer
mehr zu. Gründe für diese Tourismuslawine gibt es
genug:

  • wachsender Lebensstandard und Einkommenssteigerung für alle sozialen Schichten,
  • Abnahme der Arbeitszeit, Zunahme der Freizeit,
  • erhöhte geistige Mobilität, allgemein höheres Bildungsniveau,
  • steigende räumliche Mobilität,
  • zunehmende Motorisierung, Optimierung der Verkehrsmittel, Ausbau der Verkehrswege,
  • Kontrastbedürfnisse zu den urbanen Lebensformen der Verdichtungsräume,
  • Kontrastbedürfnisse zur gleichförmigen, weitgehend mechanisierten und automatisierten Arbeitswelt,
  • Prestigebedürfnis,
  • verstärkter Ausbau der freizeitorientierten Infrastruktur in den entsprechenden Freizeit- und Erholungsräumen,
  • Erschliessung von Räumen für den Tourismus.

Tourismus ist bei uns zum Allgemeingut, zum Konsum-
gut geworden. Seit 1950 verdoppelte sich die Zahl
der internationalen Touristen alle 7 Jahre!

88 % aller internationalen Reisen führen in euro-
päische und nordamerikanische Zielgebiete, 75 %

entfallen allein auf Europa. Es sind also vor al-
lem die Europäer, die touristische Bedürfnisse
haben.

Die vier Zonen des Tourismus

Zunächst war es die britische Aristokratie, die
seit 1750 den Küstentourismus von Brighton aus an
der Nord- und Ostsee verbreitete (Zone 1). Mit der
Industrialisierung im 19. Jahrhundert folgte das
Grossbürgertum: grosse Palasthotels entstanden.
Durch die Eisenbahn wurde dann die 2. Zone er-
schlossen: die Riviera und die Côte d’Azur.
Um die Jahrhundertwende erfolgte ein Aufschwung
des Fremdenverkehrs. Für Beamte und Angestellte
wurde mit höherem Einkommen und geregelten Urlaubs-
ansprüchen das Reisen ermöglicht. Doch reichte
deren Geld bloss für Pensionen oder Privatzimmer.
Dadurch wurde aber in Touristengebieten der Mittel-
stand gefördert.

Um den 1. Weltkrieg kamen neue Formen des Reisens
auf: Jugendliche reisten mit Zelten oder übernach-
teten in Jugendherbergen. Im Dritten Reich und in
der UdSSR wurde der straff organisierte Sozialtou-
rismus zum Vorläufer des späteren Massentourismus,
während das Auto begann, individuelle Urlaubsrei-
sen zu ermöglichen. Nach 1950 gab es einen ungeahn-
ten Boom des Tourismus, v.a. im Mittelmeerraum.
Bis in die 60erJahre wurde die europäische Küste
weitgehend verbaut. Das Flugzeug begann dann neue

DOSSIER

Möglichkeiten zu eröffnen: die mediterrane Gegenküste wurde zur 3. Zone. Doch hier wird die individuelle Urlaubsgestaltung eingeschränkt, da das eigene Auto fehlt, und da Kultur- und Sprachbarrieren in Nordafrika höher sind als in europäischen Mittelmeerländern. Die europäischen Touristen leisten sich hier einen höheren Hotelstandard, so dass die einheimische Bevölkerung viel weniger am Tourismus mitverdienen kann.

Durch Langstreckenflugzeuge wurde schliesslich die 4. Zone erschlossen: die Dritte Welt. Die "unverfälschte Kultur" der einheimischen Bevölkerung, die tropische Vegetation, die exotische Tierwelt, die ständig warme Palmenküste, machen den Reiz die

ser Zone aus. Doch gerade diese Reisen in die Dritte Welt sind sehr umstritten.

Das «forum»-Dossier

Im vorliegenden "forum"-Dossier können selbstverständlich weder alle 4 Zonen, noch alle Erscheinungsformen des Tourismus berücksichtigt werden. Die einzelnen Beiträge behandeln so unterschiedliche Themen wie Tourismus in Luxemburg, in Portugal und in Thailand, Erfahrungen eines Globetrotters und die luxemburgischer Reiseverkäufer, Bio-Urlaub und Jugendherbergstourismus. In dieser Jahreszeit, wo die Sommerreisekataloge erscheinen und viele Leute ihren Urlaub planen, sollen die einzelnen Artikel dieses Dossiers nicht nur zum Ueberdenken der eigenen Urlaubsgewohnheiten anregen, sondern auch noch einige erprobte Reisetips geben.

Denjenigen jedoch, die jetzt keine Reise planen und sich mit der Lektüre des "forum"-Dossiers begnügen müssen, sei als Trost Eichendorffs Taugenichts in Erinnerung gerufen, der am Ende seiner Reiselust singt:

Beatus ille homo
qui sedet in sua domo
et sedet post fornacem
et habet bonam pacem.*

g.h.

*frei übersetzt: Glücklich wer hinterm heimischen Ofen seine Ruhe hat!

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