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Celui qui croyait au ciel
Celui qui n’y croyait pas
Quand les blés sont sous la grêle
Fou qui fait le délicat
Fou qui songe à ses querelles
Au coeur du commun combat

ARAGON

  1. Die Eidesformel in Luxemburg ist vor kurzem verweltlicht worden. Ein Erfolg der "Linken"? Ein Fortschritt? Sicherlich trägt auch in Luxemburg der Staat deutliche Spuren eines Konfessionalismus, der dem in der Verfassung festgehaltenen Pluralismus und der Gedankenfreiheit widerspricht. Zu einer Reform der öffentlichen Institutionen gehört also ohne Zweifel

Was trennen wovon?

auch eine Laizisierung des Staates, die Abschaffung aller Überreste von konfessioneller Intoleranz, von Dogmatismus, von inquisitorischer Mentalität, wie sie sich noch vor kurzem gegenüber einer Aufklärungsbroschüre geäussert hat (oder in einer skandalösen Leitartikel-Folge im "Luxemburger Wort").

  1. Seit 1968 gibt es in den Sekundarschulen mindestens eine Alternative zum christlichen Religionsunterricht. Ein Fortschritt? Sicherlich trägt auch die Ideologie, die in die Köpfe der Menschen eingehämmert wird, um das bestehende Gesellschaftssystem zu erhalten, noch vielfach den Charakter einer religiös verbrämten Manipulation. Zu einer Reform der Schule gehört also auch ohne Zweifel die Zurückdrängung einer

Indoktrination, die unter dem Mantel der religiösen Erziehung in Wirklichkeit die Apologie der bürgerlichen Gesellschaft betreibt, die Resignation fördert, mit der Vertröstung auf das denseits die Veränderung zu verhindern trachtet. (Sehr konkret gehört hierher auch die notwendige Verteidigung der "3e option" in allen Schulen.)

  1. Aber: hat die neue Eidesformel etwas an der Klassenjustiz geändert? Hat die "Morale laïque" den Bildungsnotstand gemildert? Es gibt eine Art, das Problem von Kirche und Staat so in den Vordergrund zu rücken, dass dadurch die wirklichen Hauptprobleme unserer Zeit verschleiert werden; oder dass sogar dadurch die grundlegenden Ungerechtigkeiten und Unzulänglichkeiten unserer Gesellschaft letzten Endes gerechtfertigt und gefestigt werden. Es gibt einen Antiklerikalismus, der seinem Gegner nacheifert im ideologischen Scheingefecht; es gibt einen konservativen (bis reaktionären) Atheismus und Antiklerikalismus.

  2. Die tragende Kraft der gesellschaftlichen Veränderung ist nicht der Atheismus, sondern die Arbeiterklasse und ihre Bündnispartner. Und der Arbeiter ist an erster Stelle Arbeiter, nicht Atheist oder Christ. Und sein natürlicher Verbündeter ist nicht der gleichgläubige Bourgeois, sondern der (eventuell) andersgläubige Arbeiter. Das Klassenbewusstsein des Arbeiters ist nicht an erster Stelle sein Glauben oder Nichtglauben, sondern das Bewusstsein seiner Ausbeutung und das Wissen um die Möglichkeiten und Notwendigkeiten der sozialen Befreiung.

  3. Heuchelei wäre es allerdings, als Marxist zu verheimlichen, dass man die materialistische Weltanschauung und das rational-wissenschaftliche Denken für die bessere geistige Waffe hält, für die bessere theoretische Grundlage des fortschrittlichen gesellschaftlichen Handelns. Als Marxist vergisst man aber auch nie:
    a) dass das Bewusstsein vom Sein bestimmt wird, dass die materiellen gesellschaftlichen Verhältnisse in letzter Instanz ausschlaggebend sind und nicht die geistige "Befreiung";
    b) dass die Religion nicht nur der Ausdruck materiellen Elends ist, sondern auch schon ein erster Protest gegen dieses Elend, dass also die Religion durchaus die Motivation für den gesellschaftlichen Befreiungskampf liefern kann (siehe Thomas Münzer, Pastor Niemöller, Ernesto Cardenal u.v.a.).

  4. "DIE Kirche" ist ein abstrakter Begriff, der nur höchst ungenau die konkrete Wirklichkeit fasst und der sogar sehr verschiedene Realitäten bezeichnen kann: einen Apparat, eine Hierarchie, eine Ideologie, eine Gemeinschaft. Konkret sind jedenfalls die Menschen, aus denen diese Gemeinschaft besteht. Konkret sind die Auseinandersetzungen zwischen ihnen (innerhalb des Apparates, innerhalb der "Basis", zwischen Basis und Apparat…), die grösstenteils eine Wiederspiegelung von nicht minder konkreten sozialen Gegensätzen und Konflikten sind (wenn auch oft verzerte Wiederspiegelungen). "Trennung von Kirche und Staat" – die Formel bedarf jedenfalls einer präzisen Definition, was als "Kirche" vom Staat getrennt werden soll. Dies sollte ja wohl nicht bedeuten, die "Gemeinschaft" der christlichen Arbeiter vom Staat trennen.

  5. Die Trennung von Kirche und Staat hat einen progressiven Sinn, insofern als:

a) der Einfluss des konservativen Machtapparates "Kirche" auf die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse zurückgedrängt wird;
b) die religiösen Vorstellungen eines Teiles der Bevölkerung nicht mehr zur allgemeingültigen Norm erhoben werden;
c) jedoch auch nicht die religiöse Motivation als solche mittels staatlicher Dekrete bekämpft wird;
d) diese Laizisierung des Staates sich einordnet in den allgemeineren Zusammenhang einer demokratischen Transformation des Staates.

  1. In der Tat: die vorrangige Trennung ist die des Staates von seiner Funktion als Instrument der Ausbeutung. Vorrangig ist die Loslösung des Staates von den Interessen des multinationalen Monopolkapitals. Diesen Kampf um die Demokratie im wahrsten Sinne des Wortes, das heisst um die Überführung des Staates in die Hände der arbeitenden Menschen und seine Transformation in ein Instrument der Selbstverwaltung, diesen Kampf können und müssen christliche und nichtchristliche, kommunistische, sozialistische, katholische Demokraten gemeinsam führen.

  2. Demokratisierung und Laizisierung sind weniger eine Frage von Dekreten und Programmen, als von sozialen Bewegungen und politischen Kräfteverhältnissen. Auch die unheilvolle Verquickung von konservativer Politik und christlicher Weltanschauung in Luxemburg ist abzubauen durch ein wachsendes Bewusstsein in der Bevölkerung, einschliesslich der christlichen. Aufzudecken, welcher Zynismus in dem Anspruch von CSV und "Luxemburger Wort" steckt, im Namen der christlichen Ideale aufzutreten: das ist eine bewusstseinsbildende Aufgabe aller Demokraten, ob christlich oder nicht.

  3. Die Ablehnung des Maulkorbgesetzes und damit des luxemburgischen Faschismus-Modells, die Resistenz, die Koalition von Kommunisten und Christlich-Sozialen in Esch von 1946 bis 1949, die vielfachen gemeinsamen Aktionen internationaler Solidarität (Vietnam, Nicaragua, usw.) sind überzeugende Beispiele aus der Geschichte unseres Landes für das, was sich erneuern, verbreitern und festigen muss: die konkrete Zusammenarbeit aller Demokraten für den gesellschaftlichen Fortschritt, für die soziale Befreiung – im gegenseitigen Respekt vor ihren unterschiedlichen Weltanschauungen.

andré hoffmann

Wenn einer allein träumt, ist es nur ein Traum.
Wenn viele gemeinsam träumen,
ist das der Anfang einer neuen Wirklichkeit.
Brasilianisches Sprachwort

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