z.B. TOM
Report über den Drogenplatz Luxemburg — ein paar Gedanken zu diesem Report
Dieser Inhalt wurde anhand eines gescannten Dokuments mithilfe von optischer Zeichenerkennung (OCR) und künstlicher Intelligenz (KI) digitalisiert. Er kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten.
Veröffentlichungen über das Drogenproblem sind mit Vorsicht zu geniessen. Viele Vorurteile, Halbwahrheiten und Klischees werden immer wieder über dieses Problem verbreitet. Das Drogenproblem wird gemeinhin immer noch als Minderheitenproblem dargestellt. Die meisten Veröffentlichungen provozieren allgemein eine weitere Gettoisierung der Abhängigen und stellen das Problem der Abhängigkeit der heutigen Jugend dar.
Das Problem ist jedoch viel eher ein Problem der heutigen, westlichen Abhängigkeits- und Konsumgesellschaft als das ihrer Jugend. Nicht umsonst sprechen viele vom "Valiumzeitalter".
In Luxemburg gab es seit 1979 vier grössere Veröffentlichungen von unterschiedlicher Qualität und Anspruch. Das "forum"-Dossier über Drogen (Nr. 34), dann "z.B. Tom", die Broschüre des Gesundheitsministers und das nunmehr veröffentlichte Therapieprogramm des Kollektivs Spackelter.
Allesamt haben sie wenig zur Veränderung der Situation der Abhängigen beigetragen. Noch immer werden Abhängige nach Ettelbrück deportiert, noch immer besteht ein veraltetes Drogengesetz, noch immer haben wir keine Klinik, die einen seriösen klinischen Entzug durchführt usw. usw.
Lediglich stehen 28 Therapieplätze (13 Spackelter, 15 Manternach) einem Heer von 1000 Opiatsüchtigen gegenüber; von 3 Beratungsstellen (Kollektiv Spackelter, Info-Drogues, Porte Ouverte) bestehen nur noch zwei, eine ist kläglich eingegangen (Porte Ouverte).
Bezeichnenderweise lautet der Beginn der Broschüre des Gesundheitsministers: "Auch mein Kind könnte Drogen nehmen", bezeichnenderweise beginnt "z.B. Tom" mit "Ich glaube, mein Sohn nimmt Drogen".
Das Drogenproblem scheint das Problem der Kinder zu sein und nicht so sehr oder nur sekundär das der El-
z.B. TOM
Report über den Drogenplatz Luxemburg
- ein paar Gedanken zu diesem Report
tern. Vergessen oder verschwiegen wird, daß das Drogenproblem das Problem der Gesellschaft der Eltern ist. Nicht die Kinder haben diese Gesellschaft fabriziert, sondern die Eltern haben sie so (mit)gewollt. Die Kinder allerdings können die Suppe auslöffeln.
Die Kritik an die Adresse der Autoren des "z.B. Tom" geht auch in diese Richtung. Die Frage nach der eigenen Unzulänglichkeit, der eigenen Verschuldung (nicht der persönlichen, das ist nicht gemeint) wird nicht gestellt.
Alle sind hilflos, so scheint es, die Eltern und die Kinder, aber es sind die Kinder, die krepieren. Tom ist tot, er schaffte 26 Jahre. Eigentlich erstaunlich in unserem "Wohlfahrtsstaat". Die Autoren des "z.B. Tom" haben sich ihre Arbeit gewiß nicht leicht gemacht. Ihr persönlicher Einsatz ist bekannt. Daß sie das Drogenproblem ernst nehmen, ist klar, dennoch spürt man bei diesem Report ihre innere nicht notwendige Distanz, ihr Versuch, trotz gelegentlicher Kritik, es allen gerecht zu machen, ihr Bemühen in einer subjektiven Situation objektiv sein zu wollen.
Letzlich ist "z.B. Tom" eine Anreihung wichtiger Fakten und Informationen. "z.B. Tom" ist ein Beitrag, um die Drogenszene Luxemburg transparenter zu machen. "z.B. Tom" ist und kann jedoch nur ein Anfang sein. Eine Frage bleibt noch zu beantworten, die wesentlichste aller Fragen im Zusammenhang mit dem Drogenproblem: Es ist nicht die auf Seite 6 gestellte Frage: "Drogen, aber um des Himmels Willen warum bloß?" Es ist vielmehr die Frage: "Drogen, welche Ursache gibt es eigentlich, keine Drogen zu nehmen?".
Wer darauf eine Antwort erahnt, spürt auch, wie das Problem tiefgreifend angefaßt werden muß. Diese Frage wirft das Problem auf die Ebene zurück, wo es hingehört, auf die Ebene des "Wie wir in dieser Gesellschaft miteinander leben".
Deshalb: das Drogenproblem ist unser aller Problem. Wir ändern es nicht, indem wir darüber schreiben, sondern indem wir "Anders Leben".
Nick Folschette
Als partizipative Debattenzeitschrift und Diskussionsplattform, treten wir für den freien Zugang zu unseren Veröffentlichungen ein, sind jedoch als Verein ohne Gewinnzweck (ASBL) auf Unterstützung angewiesen.
Sie können uns auf direktem Wege eine kleine Spende über folgenden Code zukommen lassen, für größere Unterstützung, schauen Sie doch gerne in der passenden Rubrik vorbei. Wir freuen uns über Ihre Spende!