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In der in ‚forum‘ Nr.11 begonnenen Serie war für diese Nummer obiger Beitrag von H. Küng geplant, bevor er durch ein vatikanisches Dokument zum Priestertum der Frau unerwartete Aktualität erlangte. Wir drucken nebenstehend die dpa-Zusammenfassung aus dem LW vom 28.1.1977 ab (vgl.: offizielle Zusammenfassung: ‚La Croix‘ vom 29.1.1977; vollständigen Text: ‚La Documentation catholique‘ von Ende Februar 1977), wir können aber nicht umhin, ihm ein paar kritische Bemerkungen anzufügen.

Kein Frauenpriestertum

Vatikanstadt (dpa). — Der Vatikan bekräftigte am Donnerstag, daß die katholische Kirche daran festhält, Frauen nicht zum Priesteramt zuzulassen. In einem Dokument von 17 Druckseiten, für das die Glaubenskongregation unter Berufung auf einen Auftrag des Papstes verantwortlich zeichnet, wird die Stellungnahme vor allem mit dem Verhalten Christi und der ununterbrochenen Tradition der katholischen Kirche begründet.

Obgleich es sich um ein ökumenisches Problem handle, könne die katholische Kirche von ihrer Haltung nicht abgehen. Einzelne protestantische und anglikanische Kirchen haben in jüngster Zeit dem Priestertum der Frau zugestimmt.

Der Kernsatz des vom 15. Oktober 1976 datierten Dokuments mit dem Titel „Erklärung zur Frage der Zulassung der Frauen zum Priesteramt“ lautet: „Die Kirche hält sich aus Treue zum Vorbild des Herrn nicht für berechtigt, die Frauen zur Priesterweihe zuzulassen“ — auch wenn sie am Apostolat der Kirche mit großem Nutzen wachsenden Anteil nehmen.

Christus habe zu den Frauen, im Gegensatz zu seiner Umwelt, eine sehr offene Haltung eingenommen. Um so bemerkenswerter sei es, daß Er das Apostolamt nur Männern anvertraut hat. Diesem Verhalten Christi sei die Kirche zu allen Zeiten gefolgt.

Es heißt dann wörtlich: „Wenn die Stellung und Funktion Christi in der Eucharistie sakramental dargestellt werden soll, so liegt diese natürliche Ähnlichkeit, die zwischen Christus und seinem Diener bestehen muß, nicht vor, wenn die Stelle Christi dabei nicht von einem Mann vertreten wird.“

Auf den möglichen Einwand, Christus lebe jetzt in einer himmlischen Seinsweise, so daß es gleichgültig sei, ob er von einem Mann oder einer Frau repräsentiert wird, entgegnet das Dokument, der Unterschied von Mann und Frau sei in der ewigen Herrlichkeit nicht aufgehoben. „Das gilt für Christus ebenso wie für uns. Es ist offensichtlich, daß der Geschlechtsunterschied in der menschlichen Natur einen bedeutenden Einfluß ausübt.“ Die Gleichheit der Rechte der Frau in der Kirche werde dadurch nicht beeinträchtigt. „Gleichheit ist nicht gleich Identität.“

Männlichkeit Christi repräsentiere, sondern seine Gottheit und Menschheit. Wenn er dabei zwar auch „Bräutigam der Kirche“ ist, nach theologischem Jargon, so hat auch dies nichts mit seinem Geschlecht zu tun, denn der Priester handelt auch, „in persona Ecclesiae“, d.h. dass die Kirche (Männer und Frauen) durch ihn betet und ihr Opfer darbringt.

Wenn es schliesslich heisst, auch in der Ewigkeit sei der Unterschied von Mann und Frau nicht aufgehoben, so kann man sich zuerst die Frage nicht verkneifen, ob denn schon mal ein römischer Würdenträger da war. Paulus jedenfalls meint im Galaterbrief (3,28) für Kinder Gottes hätten solche Unterschiede keine Geltung mehr: „Da gibt es nicht mehr Juden und Griechen, Sklaven und Freie, Mann und Frau. Denn ihr seid alle einer in Christus Jesus“ (vgl. 1 Kor.11, 11-12!)

Dass viele Theologen (vgl. Küng) die Abwesenheit von Frauen im Apostelkollegium mit dem soziokulturellen Kontext erklären wollen — eine Frau konnte in der jüdischen Welt unmöglich als Lehrer und (Glaubens)-zeugin auftreten —, möchte Rom mit dem Argument entkräften, dass es unmöglich sei zu beweisen, nur soziokulturelle Argumente hätten bei dieser Entscheidung mitgespielt. Da stellt sich zuerst die Frage, warum denn den Verfechtern dieser Erklärung die Beweislast zukommen soll. Wie möchte Rom denn das Gegenteil beweisen? Trotzdem weist sogar das römische Dokument daraufhin, dass Jesu Umgang mit Frauen durchaus für die jüdischen Gepflogenheiten unkonventionell war: „Eine Gruppe Frauen begleitete ihn auf seiner Mission; Frauen hatten als erste das Privileg dem Auferstandenen zu begegnen.“ (eigene Übersetzung). Rom leitet daraus ab, umso bemerkenswerter sei, dass keine Frau Apostel wurde. Das Argument scheint mir völlig die realistischen Möglichkeiten Jesu zu verkennen: Er ist sehr weit gegangen mit dem Abbau des mosaischen Gesetzes gegenüber der Frau, seine Mission dürfte er aber durch einen noch weiteren Abbau der Gepflogenheiten nicht gefährden. Uns deutete er aber mit seinem Verhalten an, so bald wie die gesellschaftlichen Umstände es erlaubten, die Frau auch in der Kirche als dem Mann völlig ebenbürtig anzuerkennen. Es stellt sich sogar die Frage, ob nicht in verschiedenen paulinischen Gemeinden, die Frau tatsächlich priesterliche Funktionen ausübte (vgl. Röm.16,1 ff, 1 Kor.11,5), auch wenn keineswegs geleugnet werden kann, dass die frühchristlichen Gemeinden in ihrer Praxis noch manche Reserven gegenüber der Frau erkennen lassen (vgl. 1 Kor. 11,2-10).

Zum Argument, der Priester müsse beim Vollzug des Sakraments der Eucharistie und der Versöhnung eine „natürliche Ähnlichkeit“ mit Christus aufweisen, was nicht der Fall sei, „wenn die Stelle Christi dabei nicht von einem Mann vertreten wird“, muss man einmal fragen, worin denn der Wesenszusammenhang zwischen männlichem Geschlecht (Christi, bzw. des Priesters) und sakramenteller Handlung besteht. Zum andern darf man sich fragen, ob die Verfasser nicht Christi Menschsein als Mannsein, auf Kosten seines Gottsein überbetonen. Dass der Priester „in persona Christi“ handelt, hiess doch noch nie, dass er die

Eine Hoffnung lässt der Text trotzdem noch. In der Tat heisst es: ‚Es ist die Kirche, die, durch die Stimme des Lehramts, unterscheidet, was ändern kann und was unveränderlich bleiben muss.‘ Und mit der Kirche dürfte ja wohl nicht nur der Vatikan gemeint sein, ruft das Dokument doch selbst dazu auf, das ‚Geheimnis der Kirche‘ vertieft zu meditieren.

Und in der Kirche gibt es seit einiger Zeit doch eine ganze Reihe von Theologen und Bischöfen, die kein theologisches Hindernis für eine Weihe der Frau erkennen können. Die ehrwürdige Päpstl. Bibelkommission liess gar bei der Erarbeitung des genannten Papiers der Glaubenskongregation folgenden Vorschlag zukommen: ‚Comme il n’y a pas dans l’Ecriture d’indices suffisants pour trancher la question, l’Eglise pourrait modifier sa pratique séculaire et admettre des femmes à l’ordination sacerdotale.‘ (zitiert nach T.C. 3/2/1977).

Dass man das nicht von heute auf morgen wird tun können, leuchtet jedem ein. Viele psychologische Gründe spielen da mit (vgl. ‚forum‘, Nr.12) und es steht nicht fest, ob das Kirchenvolk reif für eine solche Änderung ist. Aber das sind andere Argumente als jene der Kurie. Deren theologische Vorwände sollen wohl eher dazu dienen, die Frau vom kirchlichen Machtzentrum fernzuhalten. Erste Schritte zu einem Abbau dieser echten psychologischen und soziologischen Gründe der Frauenfeindlichkeit der Kirche könnten aber z.B. in einer Zulassung verheirateter Männer zum Priesterdienst (womit z.B. 70% der frz. Katholiken einverstanden wären!) und von Frauen zum Diakonat bestehen. Die Zulassung der Frau zum Priesteramt würde danach wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen.

m.p.

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