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Schüler mögen Sport, die meisten jedenfalls. Die Sport-stunden sind die beliebtesten in jedem Stundenplan. Das kann kaum ein anderes Fach von sich behaupten. Daher fordern auch die Schüler seit Jahren die Einführung von
MINDESTENS 3 SPORTSTUNDEN PRO WOCHE.
Kommt diese Beliebtheit den Verantwortlichen verdächtig vor? (Kein Wunder, wenn man weiss, wie unbeliebt die Schule ja im allgemeinen ist.) Tatsache ist, dass trotz häufiger Versprechen die Realität anders aussieht, z.B. so:
Sportstunden pro Woche
Enseignement secondaire: VII : 3h.
VI-IV: 2h.
III-I: 1h.
Enseignement moyen: 7-8: 2h.
10-11: 1h.
In einigen Schulgebäuden kann nicht einmal dieser Stundenplan eingehalten werden, weil es an den nötigen Ausrüstungen (Turnhallen, Schwimmbad) fehlt. Der 1968 geschaffenen Limpersberger Mittelschule z.B. wird erst 1981 ein eigener Sportkomplex zur Verfügung stehen; die Schüler mussten sich jahrelang mit einer Wochenstunde Sport begnügen.
Diese Wirklichkeit steht im krassen Widerspruch zu den Versprechungen der Regierungen. Bei Gelegenheit der Diskussionen um ein neues Sportskadergesetz im Frühjahr 1976 versprach die Regierung: ‚La commission de travail qui a élaboré le projet a estimé que, dans l’état actuel, un minimum de trois leçons hebdomadaires dans toutes les classes serait souhaitable (…). Le Gouvernement a d’ailleurs la volonté de réaliser ce minimum dans les meilleurs délais.‘ (1) Dass die Stundenzahl nicht im Gesetz festgelegt wurde, erklärte der Minister sogar u.a. damit, dass ‚pour autant que ce minimum devrait s’avérer insuffisant (…), rien n’empêchera de l’augmenter dans la mesure où les possibilités sont données.‘ (2)
Und jüngst bestätigte die neue Regierung diese Zielsetzung in ihrer Antwort auf eine Frage des Abgeordneten J. Gremling:
(…) Notre situation linguistique, notre choix d’enseigner deux, voire trois ou quatre langues étrangères à côté de la formation scientifique, technique ou professionnelle rendent particulièrement difficile d’accorder à l’éducation physique la même importance dans l’horaire que dans certains pays voisins, si l’on veut en même temps éviter des horaires surchargés. Par ailleurs, il s’ajoute le problème de l’infrastructure sportive disponible dans les écoles ainsi que celui du personnel qualifié, problèmes évoqués aux articles 11 et 30 de la loi du 26 mars 1976. Jusqu’à présent, le personnel qualifié selon les dispositions législatives ou réglementaires n’a pas suffi pour assurer toutes les leçons d’éducation physique prévues par les horaires. Chaque année, il a fallu confier une partie des leçons à des chargés de cours qui, tout en étant sans doute compétents et dévoués, ne remplissent pas les conditions d’admission au stage et de nomination des catégories d’enseignants
S. Schiller
concernées. Une augmentation du nombre des leçons d’éducation physique selon les vues du Gouvernement en 1976 présuppose la réalisation d’une infrastructure déposant de loin celle actuellement disponible malgré les efforts consentis durant les dernières années. L’importance des crédits qu’on devrait consacrer à cette réalisation n’est pas sans relation avec la lenteur des progrès soulignés ci-dessus.
Malgré les difficultés esquissées, le département de l’Éducation Nationale ne perd pas de vue les objectifs généraux de la loi du 26 mars 1976. Il entend favoriser l’éducation physique et sportive périscolaire, domaine dans lequel la LASEL et la LASEP complètent, depuis des années, de façon exemplaire l’activité de l’école proprement dite. Par ailleurs, il souhaite assurer à l’éducation physique et sportive la place qui lui convient dans une proportion harmonieuse des matières intellectuelles et des activités physiques et aménager progressivement les horaires correspondants dans la mesure où le personnel qualifié, les terrains, les installations et les équipements seront disponibles en nombre suffisant. (3)
An politischen Willenserklärungen fehlt es also nicht. Die Bereitschaft, entsprechende budgetäre Konsequenzen zu ziehen, scheint aber weniger gross. Und selbst im neuen Stundenplan, wie er für die unteren Klassen des ‚Enseignement technique‘ in Ausarbeitung ist, sind wieder nur 2 statt der versprochenen 3 Sportstunden pro Woche vorgesehen.
Nombre de leçons hebdomadaires d’éducation
sportive pour les jeunes de 12 à 15 ans
(d’après les textes officiels)
| BELGIQUE | 2-3 |
| — | — |
| CHYPRE | 3 |
| DANMARK | 2-3 |
| FINLANDE | 2 |
| FRANCE | 5 |
| GRECE | 5 |
| ROYAUME UNI | suivant les écoles |
| MALTE | 2 |
| PAYS BAS | 12 ans:3 13-14 ans:2 |
| NORVEGE | 12-13 ans:3 14-15 ans:2 |
| PORTUGAL | 2 |
| RFA | 3 |
| TURQUIE | 2 |
| SUEDE | 3 |
| SUISSE | 3 |
Gegen die überzeugenden, wissenschaftlich begründeten Rechtfertigungen von 3 Wochenstunden für Bewegung und Sport sind aber kaum ernsthafte Gegenargumente vorzubringen.
Als erstes ist natürlich auf die schon in der Einleitung erwähnten Zivilisationskrankheiten hinzuweisen, die alle auf Mangel an Bewegung zurückzuführen sind. "Da einmal eingetretene Schäden kaum ausgleichbar sind, ist Prävention entscheidend. Sie muss im Kindes- oder Jugendalter erfolgen, da sie später nicht annähernd nachzuholen ist. Es handelt sich primär nicht um eine medizinische, sondern um eine pädagogische Aufgabe, deren Erfüllung neben den Eltern insbesondere dem Schulsport und den Sportorganisationen obliegt. (…) Die Bedeutung regelmässiger Bewegung für eine gesunde körperlich-seelische Entwicklung ist vielfältig: -sie dient der natürlichen Bewegungsfreude des Kindes
- sie begünstigt zahlreiche Organfunktionen
- sie mindert die Entwicklung der Haltungsschäden
- sie mehrt die soziale Kontaktfindung
- sie fördert die Kreativität
- sie steigert die Bedingungen für intellektuelle Leistungen
- sie gibt Gelegenheit zur Stärkung des Selbstwertgefühls." (4)
Die letztgenannten Gesichtspunkte deuten schon an, dass auch aus pädagogischen Gründen ein Ausbau der Sportzerziehung gefordert ist. Ueber diesen Weg könnten manche Schüler die Lust an der Leistungssteigerung, am Willensstraining, auch im intellektuellen Bereich, wiederfinden, Lust die sie wegen der von ihrer Umwelt (und Schule!) anerzogenen Konsumhaltung weitgehend verloren haben. Dass Werte wie Ausdauer, Geduld, Durchhaltevermögen, Belastbarkeit von grosser Bedeutung für die Ich-Stärke sind, ist kaum zu bezweifeln genausowenig wie ihre tägliche Beanspruchung im Leben. Mittels Sport kann der Jugendliche diese Eigenschaften auf spielerische Weise üben. (5)
Auch die soziale Erziehung, die mit Sport vermittelt wird, ist vor allem bei Mannschaftssportarten eindeutig. Gleichzeitig können Aggressionen abregiert bzw. zum Nutzen der Mannschaft sozial integriert werden. Dadurch wird nicht nur der soziale Sinn der Jugendlichen gefördert. Auch seine emotionale Entwicklung, durch Hemmungen, innere Konflikte, unsinnige Aggressionen gekennzeichnet, wird durch den körperlichen Ausdruck dieser Affekte im Sport günstig beeinflusst. Gar seine intellektuellen Fähigkeiten leiden unter
den Störungen des vegetativen Gleichgewichts durch alle möglichen Stauungen und Konfliktspannungen. Die antike Formel vom "gesunden Geist im gesunden Körper" gilt es, im ökologischen Zeitalter neuzuentdecken und dem Geist-Leib-Dualismus den Garaus zu machen. (6)
Diese Ziele sind aber sportmedizinischen Untersuchungen zufolge nur zu erreichen, wenn Sport nicht eine sporadische Betätigung bleibt, sondern systematisch trainiert wird. Drei Stunden in der Woche scheinen einen verantwortbaren Zeitaufwand in diesem Sinne darzustellen, sofern sie einigermassen über die ganze Woche verteilt sind. Die Erfahrungen auf VII in den Lyzeen bestätigen, dass die Resultate (physischer und psychischer Natur) weit grösser und sichtbarer sind als in allen Klassen mit nur 1-2 Sportstunden in der Woche.
Wenn Sportsunterricht an erster Stelle Bewegungserziehung sein soll (siehe oben) so sicher zuerst für die Kinder selbst, deren Bewegungsfreiheit in der technischen Welt heute ja zusehends abnimmt: mangelnde Spielplätze, todbringende Strassen, schlecht isolierte Wohnungen, kinderfeindliche Vermieter und Nachbarn sind nur einige Gründe, warum der passive Fernsehkonsum die freie aktive Entfaltung des Kindes im Spiel ersetzt hat. Eine entsprechende Erziehung soll, wie angedeutet, den Jugendlichen aber auch eine Lust an der Bewegung vermitteln, die nach der Schulzeit andauert. Einerseits, um den genannten Zivilisationskrankheiten vorzubeugen, andererseits aber auch, um die späteren Erwachsenen auf eine sinnvolle, hygienische Gestaltung der sicher zunehmenden Freizeit vorzubereiten. Eine kritische Haltung gegenüber den einzelnen Erscheinungsformen des Sports sollte dabei durchaus auch anvisiert werden. Aus diesem Grund ist es aber sicher notwendig, den
FAECHER DER SCHULSPORTARTEN ZU VERGROESSERN.
Abgesehen von technischen Leibesübungen, sollte die Schule den Jugendlichen nicht nur mit den bekannten populären Sportarten vertraut machen, sondern auch weniger verbreitete Disziplinen den Schülern nahebringen. Ganz besonders gilt dies auch für die sogenannten teuren Sportarten. Auch auf diesem Gebiet müsste die Schule für Chancengleichheit und Demokratisierung des Zugangs zum Sport (wie zur Kultur) beitragen. Warum müssen Tanzen, Reiten, Skifahren, Alpinismus, Windsurfing, Tauchen, Kayakfahren, Fechten u.a. in teuren privaten Sportschulen gelernt werden? In den USA gehört selbst das Autofahren zum Lernprogramm der "Junior High School". Mit einer Ausrüstung, die je nach Sportart von der Schule oder von einem nationalen Schulsportzentrum zur Verfügung gestellt wird, könnten auch Schüler aus schlechter gestellten sozialen Schichten an diesen aufwendigenen Sportsaktivitäten teilnehmen. Das Beispiel einiger Gemeinden, die Skischulen für Primärschüler in der Schweiz organisieren, zeigt wie man es machen kann. Augenblicklich gibt es zwar auch in Schulferien mal "stages", die von den "associations sportives" der einzelnen Schulen organisiert werden, (z.B. Skischule, Segel-"stage" des Lycée Michel Rodange), doch die finanzielle Hürde hindert noch viele am Mitmachen.
Damit ist aber auch allgemeiner die Frage der inhaltlichen Diversifizierung des Sportsunterrichtes gestellt. Hat man je versucht die Sportlehrernennungen nach diesem Kriterium auf die einzelnen Schulgebäude zu verteilen? Denn nicht jeder Lehrer kann alle
Sportarten gleich gut beherrschen.
Bei einer grösseren Vielfalt der im Unterricht praktizierten bzw. neu gelernten Sportarten fiele wohl auch ein anderes Problem weg: Oft ist noch der Sportunterricht zu einseitig auf Leistungssport ausgerichtet. Und dann können einige Schüler, die diese Sportart auch in der Freizeit eifrig pflegen, ihre Kameraden so übertreffen, dass denen die Lust am sportlichen Spiel ganz vergeht. Vorwiegend solche Schüler die a priori nicht zu sportlichen Höchstleistungen fähig sind, oft aus rein physiologischen Gründen, deren physische Betätigung aber umso notwendiger wäre, werden so oft in die Rolle von Versagern gedrängt und verlieren jede Motivation für sportliche Aktivität. Ihr Absenteismus in den Sportstunden ist ein beredtes Zeugnis dafür.
Natürlich führt eine Diversifizierung des sportlichen Unterrichtes auch zur Frage der zur Verfügung stehenden
INFRASTRUKTUR
Schon die 3. Sportstunde scheitert nach Minister Boden (siehe oben) an diesem Problem: Normalerweise sind die Sportsinstallationen jeder postprimären Schule 30 Stunden von 30 belegt, bei 1-2 Sportsstunden in der Woche. Eine 3. Stunde für alle Klassen scheint also unmöglich. (7)
Es sei denn, man rüttelt am gewohnten Stundenplan. Müssen alle Klassen am selben Nachmittag frei haben? Aber diese Probleme führen weit über ein Dossier zur Schulpolitik hinaus. "forum" wird sicher auch noch die Schulpolitik ausgiebiger behandeln.
Mathematik- oder Sprachenlehrern, auf deren Kosten nur wohl eine Ausweitung des Sportunterrichtes erfolgen kann -wenn man beim Wochenmaximum von 30 Schulstunden bleibt- die gegen diesen Verlust Sturm laufen wollen, sei Affemanns Antwort zum Nachdenken
gereicht: "Es ist ungleich bedeutsamer, dem Herz- und Kreislauftod vorzubeugen, sowie bei der Sicherung des Friedens mitzuwirken, als Kenntnisse zu vermitteln, die ohnedies rasch wieder vergessen werden." (8) m.p.
(1) Projet de loi concernant l’education physique et le sport, Commentaire des articles, p.11
(2) Service Information et Presse, Brochure sur la loi précitée, pp.38-39
(3) Chambre des Députés, Compte rendu du 22 avril 1980 p.1382/80 :M.Boden, Ministre de l’Education nationale
(4) Kulturministerium Rheinland-Pfalz, Kommission "Anwalt des Kindes", Empfehlung 3: "Bewegungsforderung-eine pädagogische Grundaufgabe".
(5) Andererseits ist klar, dass gerade bei diesen Lernziel der Lehrer mit grosser Vorsicht vorgehen muss, Denn die faschistische Vereinnahmung des Sports in dieser Beziehung hat es in der Geschichte schon mehr als einmal gegeben.
(6) Zu der vorstehenden Ausführung: vgl. Affemann, Der Mensch als Mass der Schule, Herderbucherei Bd. 702, pp. 147-157
(7) Zu den infrastrukturellen Voraussetzungen seien unbedingt auch die personalen hinzugezählt. Neben Sportslehrern werden auch mehr Instruktoren (Bademeister z.B.) Reinemachefrauen, u.a. gebraucht. Die manchmal klar unhygienischen Zustände in der Schwimm halle des Athenäums die drei Schulen zur Verfugung steht, sind ein Beispiel für diese Notwendigkeit. (vgl. De FTTSchen, Bulletin du LMRL, Nr.4-März 1980)
(8) a.a.0. (Ann.6), S.149
" Ce que, finalement, je sais de plus sûr sur la morale et les obligations des hommes, c’est au football que je le dois."
Albert Camus
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