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1968 gab es in der Hauptstadt noch 8 Kinos, heute sind es nur noch 5; im Rest des Landes gab es damals 39 Säle, heute 7. Das Thema ist zwar weniger aktuell als vor 2-3 Jahren, als die damalige Regierung in grosser Inszenierung dem Kinosterben Einhalt gebieten wollte. Aber die ‚commission d’aide au cinéma‘ scheint einen Streifen gedreht zu haben, der dem Produzenten nicht so recht gefiel. Eine grosse Premiere für die angekündigte staatliche Kinohilfe gab es nie.
Am Kinosterben selbst sind die Saalbesitzer zwar zum guten Teil selbst schuld. Das Publikum, das sie hatten, liessen sie ohne Gegenwehr vor den Fernseher abwandern, und ein neues Publikum anzulocken, kostet offenbar zuviel Mühe. Noch heute gibt es höchstens dann besondere Animationsleistungen in den Kinosälen, wenn andere (lies: Ciné-Club) die Arbeit tun. Ihre einzige Rettung wäre, die Riesenkinos in mehrere kleine Säle umzubauen. Entsprechende Pläne liegen auch auf dem Tisch, aber 15 Jahre zu spät, denn heute fehlt das Geld dazu. Und die Zeit ist vielleicht nicht mehr fern, wo eine französische Verleihfirma ihren Plan, ein neues Kino in Luxemburg aufzubauen, in die Tat umsetzt: diese Konkurrenz wird aber für die heutigen Kinobesitzer den definitiven Tod bringen.
Manchmal wird den Kinobesitzer vorgeworfen, ihre Programme seien schuld am magelnden Publikumserfolg. Das stimmt nur zum Teil. Die Programme sind nach rein kommerziellen Gesichtspunkten zusammengestellt, aber offenbar von Leuten, die die Käufer- (lies:Publikums-)
Wünsche nicht kennen. Der einzige mildernde Umstand liegt in der Abhängigkeit vom belgischen Verleihmarkt; aber auch in dieser Beziehung sind nicht
alle Möglichkeiten ausgeschöpft.
Moralische Appelle, ‚bessere‘ Filme zu zeigen, helfen jedenfalls nichts. Falls der Film als kulturelle Leistung in Luxemburg eine Chance behalten soll, so gibt es nur zwei Wege: die Privatinitiative von Filmfreunden und der Staat. Erstere, in Form von Ciné-Clubs, ist ja sehr aktiv, auch wenn sie noch ausbaufähig ist, doch allein wird sie das Kino nicht retten. Der Staat hat sich aber bislang meistens an seiner Verantwortung vorbeigemogelt, obschon eine Reihe von Vorschlägen zur Unterstützung des Kinos ihn nicht einmal soviel Geld kosten würden. Die Stadtverwaltung Luxemburg hat mit der Schaffung einer Cinémathèque einen mutigen Schritt nach vorn gemacht, auch wenn sie damit das kommerzielle Kino noch keineswegs gerettet hat.
Am wichtigsten scheint uns eine Erziehung zum Umgang mit der Filmkunst. Ciné-Club 80, bald auch die Cinémathèque municipale, liefern hierzu positive Ansätze … und der Staat?
Die vorliegende ‚forum‘-Nummer bringt neben analytischen Beiträgen auch konkrete Vorschläge zur Erhaltung und Verbreitung der Filmkunst. Wir hoffen, sie bleiben nicht, einmal mehr, toter Buchstabe.- Es sei noch vorab klargestellt, dass wir das (verwandte) Thema ‚Fernsehen‘ hier bewusst ausgeklammert haben. Es erfordert ein eigenes Dossier.
Zum Schluss möchten wir uns bei den Herren F.Reckinger und I.Thill (Kinobesitzer), F.Junck (Cinémathèque), F.Courtois, J.Hoffmann und N.Simon (Ciné-Club 80) herzlichst für ihre bereitwillige Mitarbeit bedanken.
csst/m.p.
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