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Nie ist es umsonst, Glauben ausstucken. Irgendwann knüpft Gott daran wieder an. Deshalb ist es so wertvoll, auch einen einzigen Leser für die „neue bildpost“ zu gewinnen, die Woche für Woche den Glauben mitten ins Leben ausakt und selbst den aufsonst, der meist, mit dem Herrgott schon am Ende zu sein.
Jüngst wurde ich von einem Escher Leser darauf angesprochen, ob "forum" nicht Stellung nehmen könnte gegen den Verkauf der "Neuen Bildpost", die in den Schriftenständen mancher Kirchen aufliegt. Diesem – wie zu zeigen sein wird – berechtigten Anliegen will ich hiermit umso schneller nachkommen, als uns eine Brochüre vorliegt, in welcher österreichische Freunde die dortige Ausgabe dieser Wochenzeitung 1979 ausgiebig analysiert haben, um zu ihrem Boykott aufzurufen (1).
Daß "forum" nicht schon früher diese Brochüre hier vorgestellt hat, liegt einfach daran, daß wir in unserem unverbesserlichen Optimismus annahmen, es gebe kaum noch Pfarrer, die dieses nach reißerischer "Bild"-Manier aufgemachte Blatt als "gute" Schrift in ihrer Kirche zum Kauf anbieten. In einigen deutschen Diözesen, in Trier u.a., haben die Bischöfe schon 1974 die "Neue Bildpost" von den Schriftständen verbannt.
Die Vorwürfe, die man der "Neuen Bildpost" machen muß, sind in der Tat vielfältig:
- Die journalistischen Methoden in der Berichterstattung sind unseriös. Widersprüche in ein und demselben Beitrag sind dabei noch der harmloseste Fehler. Falsche Namensangaben sind offenbar die Regel. Quellenangaben fehlen fast immer. Doch um der Effekthascherei und Sensationslust willen schreckt die Redaktion nicht einmal vor Lügen zurück: Im April 1978 berief sie sich auf die Nr. 19/1973 (!) der "Wirtschaftswoche", um zu behaupten E. Loderer, Vorsitzender der IG-Metall, verdiene monatlich 90 000 DM. Im Original ging aber vom Jahresgehalt die Rede und es betonte die Verpflichtung der DGB-Funktionäre, grössere Teile ihrer Bezüge an die Gewerkschaftskasse und gemeinnützige Stiftungen abzuführen (vgl. Publik-Forum Nr. 10/1978).
sere Teile ihrer Bezüge an die Gewerkschaftskasse und gemeinnützige Stiftungen abzuführen (vgl. Publik-Forum Nr. 10/1978).
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Die "Neue Bildpost" nennt sich zwar "größte christliche Wochenzeitung Europas", doch von einer ausführlichen und informativen kirchlichen Berichterstattung kann keine Rede sein. Wohl gibt es öfters kurze Beiträge zu Festtagen des Kirchenjahres, doch als theologisch oder spirituell qualifizierte Verkündigung können sie nicht gelten. Im Gegenteil, Beiträge, die eher dem Bereich des Aberglaubens zuzurechnen sind, scheinen beliebter zu sein. So werden Bilder der Bibelsprache häufig naturwissenschaftlich genau interpretiert. Als der "Skylab" abstürzen sollte, brachte ein Artikel die bevorstehende Katastrophe explizit in Zusammenhang mit den von Jesus angekündigten Vorzeichen des Weltuntergangs. Ein Berliner Denker bringt es fertig, das Wesen der Seele und der Auferstehung zu "erklären".
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Die parteipolitische Einseitigkeit, die Identifizierung von allem Linken (Gewerkschaften, Sozialdemokratie, Eurokommunismus,…) mit dem Antichrist sind nicht nur der "Neuen Bildpost" eigen. Dazu gehört auch der undifferenzierte Gebrauch des Sozialismus-Begriffes: Sozialdemokratie und Kommunismus sind "Zwillinge im Geiste, die dasselbe erreichen wollen", nämlich die "Abkehr dieses Kontinents vom Christentum" Diese Mißachtung des legitimen politischen Pluralis-
(1) Neue Österreich Bildpost: im pastoralen Interesse der Kirche?, hrsg. von Gerhard Steger, Plenergasse 15/11, A-1180-Wien
Die katholische „neue bildpost“, die sich selbst als „Großte christliche Wochenzeitung Europas“ bezeichnet, wirft an den vier Sonntagen vor der Wahl Sonderausgaben mit jeweils 1,25 Millionen Auflage kostenlos auf ihren Markt — vor katholischen Gotteshäusern und an Schriftenständen in den Kathedralen. Werbespruch: „Helfen Sie mit, den 5. Oktober zu gewinnen.“
Textprobe: „Helmut Schmidt dürfte als ‚Abtreibungskanzler‘ in die Geschichte Deutschlands eingehen. In zwanzig, dreißig Jahren wird er sich einer Abstimmung stellen müssen, bei der eine einzige Stimme den Ausschlag gibt: die Stimme Gottes, des Richters.“
in: DER SPIEGEL, Nr. 39/1980
mus der Christen sind gerade Luxemburger zwar gewohnt, insbesondere auch ihre religiöse Überhöhung, doch theologisch gerechtfertigt, ‚christlich‘ ist ein solches parteipolitisches Engagement immer noch nicht. Eine Verbreitung dieser Feindbilder widerspricht sogar den Beschlüssen der Luxemburger wie der österreichischen Synode.
Was die Einstellung zur faschistischen Vergangenheit anbelangt, so verurteilt die ‚Neue Bildpost‘ zwar sowohl Hitlers als Mussolinis Diktatur. Doch eine Verschleierung der wahren Ursachen der nazistischen Machtergreifung, der vehemente Einsatz zugunsten von Nazi-Kriegsverbrechern, u.a.m. führen zu einer Verharmlosung des Faschismus. Gewisse deutschnationale Tendenzen sind zumindest in der österreichischen Ausgabe nicht zu verkennen.
- Auf der ‚Ehe, Familie, Jugend, Lebenshilfen‘ betitelten Seite wimmelt es von Klischees und Vorurteilen. Eindeutig propagiert die ‚Neue Bildpost‘ die 3-Kinder-Familie: Frauen mit 3 Schwangerschaften sollen z.B. nach Forschungen amerikanischer Ärzte eine längeres Leben erwarten dürfen! Dem ‚Wesen der Frau‘ entspricht es, Hausfrau und Mutter zu sein, emanzipierte Frauen verfehlen ihr Glück. Die berufstätige Frau wird abgewertet: ihre Probleme werden zwar hervorgehoben, doch eine Erörterung, wie sie durch Veränderung der tradi-
traditionellen Arbeitsteilung zwischen Frau und Mann beseitigt werden könnten, unterbleibt.
- Die Dritte-Welt-Problematik wird rein paternalistisch gesehen. Die Verletzung der Menschenrechte in vielen armen Ländern wird erwähnt, aber der Mangel an Informationen über Ursachen und Strukturen der Diktaturen verhindert jede politische Aufarbeitung des Themas. Während Befreiungsbewegungen generell negativ beurteilt werden, sind Hilfsaktionen der europäischen Kirchen offenbar das einzige Mittel, um die Misere der Dritten Welt zu überwinden.
Als Fazit muß der unvoreingenommene, halbwegs intelligente Leser zum Schluß kommen, daß die ‚Neue Bildpost‘ weder zu einem besseren Verständnis des christlichen Glaubens noch zu einer besseren Information der Leser über Fragen der Landes- und Weltpolitik beiträgt. Eine Verbreitung der Zeitung durch Schriftstände in den Kirchen ist also nicht berechtigt.
Nun wird man wohl davon ausgehen müssen, daß Pfarrer, die in ihren Kirchen die ‚Neue Bildpost‘ anbieten, kaum ‚forum‘ mit diesem Beitrag lesen. Vielleicht können aber ‚forum‘-lesende Pfarrer ihre Kollegen auf den änglichen Mißstand aufmerksam machen. Und ist es illusorisch zu hoffen, daß das bischöfliche Ordinariat, nach dem Beispiel verschiedener deutscher Diözesen, eine entsprechende Notiz im ‚Kirchlichen Anzeiger‘ verbreiten läßt?
m.p.
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