Wartet nicht bis ein Bischof spricht!
Eindrücke vom 87. Deutschen Katholikentag in Düsseldorf
Dieser Inhalt wurde anhand eines gescannten Dokuments mithilfe von optischer Zeichenerkennung (OCR) und künstlicher Intelligenz (KI) digitalisiert. Er kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten.
15 cm hoch ist etwa der Stapel Papier, den ich von den Pressekonferenzen des 87. Deutschen Katholikentages (Dt.KT.) in Düsseldorf mitgebracht habe. "forum" war dort erstmals offiziell als internationales Presseorgan zugelassen. Der Leser möge verstehen, dass ich nicht alle (hunderte!) Veranstaltungen, die in den 13 Hallen des Messegeländes (etwa 3-4 so gross wie das Kirchberger Areal) parallel abliefen, besuchen konnte, geschweige denn kommentieren kann. Dies ist umso schwieriger, als es daneben noch den "Katholikentag von unten" (Kvu) gab, der gleichzeitig eigene Veranstaltungen in zwei Düsseldorfer Gemeinden organisierte, meistens mit viel brisanteren Themen, zumindest für meine Interessen. Während der offizielle Dt.KT. vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) präsidiert vom CSU-Kultusminister Hans Maier, in Zusammenarbeit mit den katholischen Verbänden und den Bischöfen, organisiert wird, ist der Kvu getragen von der "Initiative Kirche von unten" (IKvu), einem Zusammenschluss von 45 Vereinigungen kritischer Christen wie der "Publik-Forum"-Redaktion, der Arbeitsgemeinschaft der Priester- und Solidaritätsgruppen, dem Komitee "Christenrechte in der Kirche", den "Christen für den Sozialismus" der Arbeitsgemeinschaft kath. Studenten- u. Hochschulgemeinden, dem "Bensberger Kreis", einzelnen Pax-Christi-Gruppen und selbst Pfarrgemeinden, u.v.a.m.
Die IKvu hatte 1980 in Berlin erstmals einen Parallelkatholikentag veranstaltet- und sofort ein grosses Echo gehabt-, weil die vom ZdK vorgeschlagenen Veranstaltungen ihres Erachtens an den Fragestellungen heutiger Christen vorbeigingen. Für Düsseldorf war eine zumindest teilweise Integration in den offiziellen Dt.KT geplant; sie scheiterte aber daran, dass das CDU-hörige ZdK nicht bereit war, das aktuelle Friedensthema zu einem Hauptakzent des KT zu machen und auch Zensurrechte in Bezug auf die Rednerliste (zumindest indirekt) ausüben wollte. Trotzdem war das ZdK behilflich bei der Suche nach Hallen für Kvu-Veranstaltungen (eine Friedensveranstaltung fand sogar im
Messegelände statt) und IKvu-Vertreter waren auch als Mitwirkende zu mehreren Podiumsgesprächen des Dt.KT. eingeladen. Ja, Generalsekretär F.Kronenberg, erschien sogar bei der Grossdemonstration "für Frieden, Abrüstung und Gerechtigkeit" am Samstagnachmittag und den Pressesprecher Joh. Schidelko sah ich am Abend zuvor bei der Kvu-Friedensveranstaltung mit Phil Berrigan, Eugen Kogon, Alfred Mechtersheimer und Ernesto Cardenal in Halle 13. Wohl könnte man ihre Präsenz als ein Ausspionieren interpretieren, aber dazu hätten sie doch eher andere Personen schicken können. Sicher wollten sie den Puls der Teilnehmer am Kvu fühlen,
DEMONSTRATION
ANLÄSSLICH DES KATHOLIKENTAGES
DÜSSELDORF 4.9.1982
aber gleichzeitig anerkannten sie mit ihrer Geste,
dass "die andern" für sie immer noch "auf dem Boden der christlichen Grundüberzeugung" stehen.
Nach manchem hartem Wortwechsel nicht unbedingt
eine Selbstverständlichkeit! (Das L.W. hat sich
in Luxemburg noch nie zu einer ähnlichen Geste hinreissen lassen …)
Abgesehn davon musste auch das ZdK schliesslich
doch das Friedensthema, insbesondere auf Druck
des "Bundes der Deutschen Katholischen Jugend"
(BDKJ), nachträglich in sein Programm aufnehmen,
allerdings mit völlig andern Perspektiven. So war
seine Grossveranstaltung am Freitagabend, die
Bundeskanzler Schmidt und Oppositionsführer Kohl
um Erzbischof Höffner und ZdK-Präsident Maier versammelte, eher eine Lobeshymne auf die bundesdeutsche Verteidigungspolitik. Über die bei den
drei grossen Parteien in der BRD Konsens herrscht.
Die – zu 70% jugendliche – Basis, verstand es allerdings anders und Pressekollegen berichteten,
dass sie sich bei allen Veranstaltungen erstaunlich kritisch zeigte und hohle Phrasen so mancher
publikumsgewanderer Redner schnellstens durch ihre
präzisen Sachfragen wie Seifenblasen platzen liessen. Bei der schon erwähnten Friedenskundgebung
im Rheinstadion (zu der Übrigens nur 30 000 kamen)
störten sie keinen der illustren Redner mit Sprechchören o.ä., sondern hatten "rote Karten" mitgebracht, die sie wenn nötig, wie der Schiedsrichter beim Fussballspiel, hochhielten. Auch Grossbuchstaben für kurze Sätze wie "Mut zum ersten Schritt!" hatten einige (vor allem aus dem Friedenscamp des BDKJ) dabei. Das Beispiel zeigt Übrigens, dass diese kritische Basis keineswegs von der IKvu unterwandert war, denn die hielt zur gleichen Zeit ihren Friedensabend vor über 10 000 Leuten in der Halle 13 ab.
Eines der prominentesten Opfer dieses Tauziehens
zwischen ZdK und IKvu war wohl US-Bischof Leroy
MATTHIESEN aus Amarillo, der bekanntlich die Arbeiter der Atomwaffenfabrik Pantex aufgefordert hat,
ihre Arbeitsstelle aus Gewissensgründen zu kündigen. Er war von der IKvu eingeladen, bei der Friedensdemonstration am Samstag eine Rede zu halten.
Da er aber nur auf Einladung des Ortsbischofs,
Kardinal Höffner aus Köln, öffentlich auftreten
wollte, dieser sich dazu aber nicht durchringen
konnte (!) kam Matthiesen schliesslich auf Einladung von Pax-Christi-Bischof W. Kampe und hielt
eine texanisch gefärbte Ansprache beim Friedensmarsch des BDKJ. Auf Anraten der Pax-Christi-Ver-
antwortlichen ergriff er aber nicht wie vorgesehen
das Wort bei der grossen Friedensdemonstration
der IKvu. Er versprach aber der IKvu, 1983 zum
Evangelischen Kirchentag nach Hannover zu kommen;
dort braucht er die Zustimmung von Erzbischof J.
Höffner nicht.
Aber bei der Kvu-Friedenskundgebung am Freitagabend meinte Phil BERRIGAN, der durch seine gewaltlosen Protestaktionen gegen den Vietnamkrieg bekannt gewordene Jesuit: "Wartet nicht bis ein Bischof spricht!" Auch in den USA sei die Friedensbewegung von der Basis ausgegangen und habe erst später das Episkopat ergriffen. Heute halten zwei Bischöfe 50% ihrer Steuern zurück, um gegen das Wehretat der Reagan-Regierung zu protestieren (Bischof Hunthausen aus Seattle, Washington und Bischof Sullivan aus Virginia; cf. "forum" Nr. 51-52 81, S. 40). Der erste wird Übrigens in diesen Wochen deswegen vor Gericht erscheinen müssen. 6 US-Bischöfe sind nach Matthiesen als Radikalpazifisten anzusehen, rund 70 haben sich in den letzten Monaten der in den USA weit aktiveren Friedensbewegung Pax-Christi angeschlossen. Auch Bischof Matthiesen betonte bei einem Pressegespräch, dass sie erst durch Anstösse von Seiten der Kirchenjugend zum Nachdenken gebracht wurden. "Die Schafe haben die Hirte geleitet!" (Berrigan). Sicher hat die moralische Verarbeitung des Vietnamkrieges auch eine Rolle gespielt. Aber vor allem die durch Atomwaffen mögliche Massenvernichtung liess sie bewusst werden, dass solche Bomben nicht mit den herkömmlichen Waffen vergleichbar sind, also auch die üblichen moraltheologischen Kategorien (Stichwort: "gerechter Krieg") überholt sind: "Ein bisschen Atomkrieg ist nicht möglich" (Matthiesen).
In Lateinamerika hat der solidarische Kampf der
Armisten des Volkes gegen wirtschaftliche Ausbeutung und politische Unterdrückung dazu geführt,
dass bei der theologischen Reflexion dieses Kampfes eine neue Theologie entstanden ist, die sog.
"Theologie der Befreiung". Ich bin überzeugt, dass
der gemeinsame Kampf der westeuropäischen und
nordamerikanischen Friedensbewegung gegen Aufrüstung und Massenvernichtungsgefahr ebenfalls seine
Auswirkungen auf theologischer Ebene finden wird.
Erste Anzeichen lassen sich jedenfalls schon in
der kurzen Ansprache von Prof. Dr. Joh.-B. METZ
lesen (siehe Kasten), die m.E. die beeindruckenste
aller Stellungnahmen war bei der grossen Friedensdemonstration des Kvu am Samstagnachmittag. Vielleicht wird man bald von einer europäischen "Theologie des Friedens" sprechen wie man derzeit schon
von der lateinamerikanischen "Theologie der Befreiung" spricht. Sicher ist, dass eine solche Theologie nur aus einer Praxis heraus erwachsen kann.
Wegen mangelnder Praxis war der Dialog von Christen und Marxisten, zumindest im nördlichen Europa, m.E. zum Scheitern verurteilt. Was die Friedensbewegung anbelangt und ihre theologische Rückwirkung, so scheinen mir die Chancen viel grösser.
Im Westen wie im Osten (DDR!) sind Christen wesentliche Bestandteile der Friedensbewegung und haben
ihr entscheidende Impulse gegeben (z.B. ihre parteipolitische Unabhängigkeit und gegen beide Militärblöcke gerichtete Zielstrebigkeit bewahren
geholfen). Ganz sicher wird diese Praxis auch von
Theologen wie Metz, Rahner, Greinacher, Blanck,
um nur deutsche zu nennen, noch weiter reflektiert
werden und uns Christen helfen, die Seligpreisung
der Friedensstifter in der Bergpredigt und die
Friedensbotschaft des Weihnachtsengels besser zu
verstehen.
Selbst der neue Bischof von Limburg, F. KAMPHAUS
hat in einem Vortrag zum Thema "Selig die Friedenstifter" die absolute Friedensliebe Jesu betont,
Dies ist nicht die Zeit der grossen Propheten des Friedens, sondern die Zeit der kleinen Propheten des Friedens. Es ist unsere Zeit. In sie gehört auch – wie ich hoffe – der Theologe. Denn dies ist auch eine Zeit, von seiner Sache – von der Sünde, von der Gnade, von Gott – als einer Sache des Friedens zu reden.
Es ist die Zeit, von einer Sünde zu reden. Rüsten und Weltrüsten hat seinen Preis. Wer zahlt ihn? Gewiss, auch wir zahlen in dieser Republik: mit höheren Steuern, wirtschaftlichen Krisen u.a. Aber den eigentlichen Preis zahlen nicht wir, sondern die unsichtbaren Anderen: die Menschen der armen Länder dieser Erde. Zu viele von ihnen zahlen mit dem Preis ihres Lebens. Hier wird der Rüstungspreis zum Todespreis, zum Tod, den wir diesen Menschen abverlangen. Und das ist die TOD-SÜNDE, die wir an ihnen begehen. Ich sage das vor allem auch zu uns, den Christen und gerade auch den Katholiken. Die Achse zwischen uns und den armen Ländern, die diesen Todespreis zahlen, läuft mitten durch das Herz unserer Kirche. Denen die doch mit uns an dem einen Tisch der kirchlichen Mahlgemeinschaft sitzen, bringen wir mit unserem rücksichtslosen Sicherheitsdenken den Tod, tagtäglich. Das ist unsere Tod-Sünde, von der wir uns zu bekehren haben.
Es ist die Zeit, von einer Gnade zu reden. Denn Gnade kann es sein, nein zu sagen, rechtzeitig nein zu sagen und vor allem lange genug nein zu sagen. Wir brauchen – das zeigt auch die Geschichte aller Freiheitsbewegungen – die Gnade des langen Atems, die Gnade der Beharrlichkeit. Dazu brauchen wir nicht nur Friedensworte, sondern vor allem Friedensorte. Sie müssen von unten in die Gesellschaft hineingebaut werden. Werden wir die Zeit haben?
Es ist darum auch die Zeit, von Gott zu reden. Wenn die Bombe der Herr unserer Zeit ist, werden wir keine Zeit haben. Wenn Gott der Herr unserer Zeit bleibt, können und müssen wir die Wege des Friedens wagen. Und weil nicht die Bombe, sondern Gott uns rettet, können wir auch für andere und für uns mehr wagen im Angesicht höchster Gefahr. Weil wir nicht an die Bombe glauben, sondern an Gott glauben, können wir Wege zum Frieden durch Schritte in die Abrüstung gehen. Also, gehen wir!
Johann Baptist METZ
der das Gesetz der Vergeltung durchbrochen habe. Bischof Kamphaus verwies auf Franz von Assisi und dessen Gewaltlosigkeit und stellte dabei den Zusammenhang zwischen Besitz und Verteidigung her: Wer nichts besitzt, braucht keine Waffen. (In der Tat, Waffen, die gegen Menschen eingesetzt wurden, sind historisch erst aus der Bronzezeit bekannt.) Ob der Bischof diese Überlegungen auch auf politischer Ebene wird vermitteln können, bleibt abzuwarten. In der deutschen Bischofskonferenz gilt er bislang als Aussenseiter, der als einziger mit US-Bischof Matthiesen ins Gespräch kommen wollte, und der als erster einen verheirateten Theologen zum persönlichen Referenten ernannte.
Der 80jährige Eugen KOGON hat wahre Ovationsstürme ausglöst, als er die 10 000 Teilnehmer der Kvu-
Foto: K. K. K.
Friedenskundgebung daran erinnerte, dass die Zeit eilt. (Wir werden in einer nächsten Nummer sein Referat veröffentlichen.) In der Tat, in Sizilien und in Grossbritannien haben die Bauarbeiten für die "Cruise-Missile" – Bunker begonnen, wurde beim Kvu berichtet. Und in Bitburg, 20 km von der luxemburgischen Grenze entfernt, soll es auch soweit sein …
Was uns die lateinamerikanische Kirche zu sagen hat, wurde nicht nur bei einigen spezifischen Veranstaltungen des Kvu deutlich, sondern auch beim offiziellen Dt.KT. Bei einer Forumveranstaltung zum Thema "Hunger und Durst nach Gerechtigkeit" stellte Kardinal ARNS aus Sao Paulo (Brasilien) die Verbindung her zwischen der Dritte-Welt-Diskussion und der Friedensdiskussion. Gerade die Hochrüstung in der 1. und 2. Welt sei in seinen Augen mitverantwortlich für die Leiden der 3. Welt (vgl. "forum" Nr.51-52/81, SS.22-26). Er verurteilte in erster Linie alle Rüstungsexporte in die 3. Welt, wandte sich aber auch mit unmissverständlichen Worten gegen die sog. Abschreckungstheorie als solche, weil sie von wahrhaft zynischen Voraussetzungen ausgehe, und schliesslich meinte er, wenn er Bischof in der BRD wäre, würde er auf jeden Fall den NATO-Nachrüstungsbeschuss öffentlich ablehnen. Das Publikum war daraufhin natürlich gespannt auf die Reaktion von Weihbischof L. Schwarz (Trier), der das Forumgespräch leitete: "Bei aller Friedensliebe will ich meine Freiheit nicht missen", murmelte er. Ich finde diese Haltung einen Hohn auf die brasilianische Kirche: Wer hat das Recht von Kampf für die Freiheit zu reden wenn nicht gerade sie? War es nicht Bischof Arns, der an der Spitze der streikenden Metallarbeiter für die gewerkschaftliche Freiheit demonstrierte und auf die schiessbereiten Polizisten zuging?
Aber grundsätzlich kann Schwarz sich der Übereinstimmung mit der Deutschen Bischofskonferenz und mit dem ZdK gewiss sein. Ihre Kundgebung zum Thema Frieden im Rheinstadion gipfelte in Platitüden wie: "Es reicht nicht aus, das Wort Friede im Mund zu führen. Es kommt vielmehr darauf an, ob sich dieses Friedensbekenntnis auch mit dem Bekenntnis zur aktiven Verwirklichung von Freiheit verbindet. …Freiheit, Gerechtigkeit, Liebe: drei Wegweiser zum Frieden" (Hans Maier). Eine Konkretisierung für die aktuelle Abrüstungsdebatte blieb aus. Die Russen waren das einzige Feindbild. Gesammelt wurde "für weitere Lebensmittelsendungen nach Polen". Man darf sich schon nicht mehr wun-
dern, wenn beim Kvu Kard. HOFFNERS Rede im Rheinstadion als positiv gewertet wurde weil er zugab, dass es ‚In Fragen, auf welche Weise die Abrüstung am besten durchgeführt werden soll, … einen berechtigten Spielraum der Meinungen gibt. Innerhalb dieses Spielraumes kann die Kirche nicht eine bestimmte Meinung als die einzig christliche hinstellen.‘ Er kam auch nicht an Johannes-Pauls II. Worten vorbei, dass ‚angesichts der Schrecken eines Atomkrieges das im Prinzip sehr reale Recht der Selbstverteidigung es dringlich für die gesamte Menschheit erforderlich macht, wirksame Verhandlungsmöglichkeiten zu schaffen.‘ Aber es blieb bei der ohnmächtigen ‚Beschwörung‘ der Regierungen, ‚den Willen zum Frieden durch eine allseitige und gleichzeitige Abrüstung zu bekunden und durch völkerrechtliche Verträge die Rüstung schrittweise allseitig und gleichzeitig zu beschränken und die Waffenvorräte abzubauen – hoffentlich bis zum Nullpunkt.‘
‚Hoffentlich‘! US-Bischof L.Matthiesen hatte in einem Pressegespräch gesagt: ‚Bisher hat es 6000 Gespräche gegeben und ich habe noch nicht gesehen dass deswegen eine Atomrakete abgeschafft worden wäre.‘ Er rief daher zum sofortigen Produktionsstopp aller A-Waffen auf. Der Militärbischof liess in einem Lied von Josef Reding zwei Zeilen zensurieren, weil das Wort ‚Mordstahl‘ darin vorkam. Im Soldatengottesdienst beim Dt.KT. dürfe man höchstens von ‚Tötungsstahl‘ sprechen.
In seiner Begrüssung im Rheinstadion meinte ZdK-Generalsekretär F.Kronenberg: ‚Friede ist uns für die Ewigkeit verheissen, nicht für jetzt.‘ Aber, fügte er hinzu, ‚uns Christen ist es nicht erlaubt, die Vollendung unserer Welt einfach abzuwarten … Den Frieden Stück um Stück zu verwirklichen, dazu sind wir aufgerufen.‘ CDU-Generalsekretär H. KOHL interpretierte konkreter: ‚Als Christen wissen wir, dass die Friedenshoffnungen sich erst mit der Wiederkunft des Erlösers erfüllen werden. Bis dahin können wir uns nicht auf die Friedensabsichten aller verlassen, sondern wir müssen ständig mit der Übertretung des Gewalt- und Kriegsverbotes rechnen.‘ Also muss ‚der verantwortliche Politiker‘ dem Druck der sowjetischen Macht (eine
andere Gefahr scheint es nicht zu geben) ‚ein Überzeugendes Verteidigungspotential‘ entgegensetzen. ‚Wir haben keine Alternative zum westlichen Verteidigungsbündnis‘. Wer diese Auffassung ‚als Ausdruck von Kriegsvorbereitung diffamiert‘, der ‚zerstört auch die Wertordnung, die in unserer Verfassung grundgelegt ist.‘ (Die Rede des Bundeskanzlers wurde den Journalisten leider nicht ausgehändigt.)
Das einzige Mal, wo ich bei den deutschen Jugendlichen einen Hauch von Spontaneität spürte, wie man sie im romanischen Raum gewohnt ist, war, als sie nach Matthiesens Ansprache beim Friedensmarsch des BDKJ das alte US-Menschenrechtskämpferlied anstimmten: ‚We shall overcome … We shall live in peace …‘ We shall.
Es gibt Hoffnung, Hoffnung, dass auch die deutsche Kirche ihr KT-Motto ernstnimmt, ‚umkehrt und glaubt – und die Welt erneuert‘. Zur Zeit geht die Jugend der Hierarchie voran. Zum Thema Hoffnung hielt Prof. Dr. Joh.-B.Metz einen der meist kommentierten Vorträge beim Dt.KT. Wir wollen in der nächsten Nummer darauf zurückkommen. Bis dahin seien auch einige Statements zum Thema Kirche und Frieden, ein eigenes Interview mit Ernesto Cardenal, Kulturminister aus Nicaragua, Dichter und Priester und Thesen von Prof.Dr.Peter Eicher zum Recht der Gemeinde auf Eucharistie zurückgestellt.
Als partizipative Debattenzeitschrift und Diskussionsplattform, treten wir für den freien Zugang zu unseren Veröffentlichungen ein, sind jedoch als Verein ohne Gewinnzweck (ASBL) auf Unterstützung angewiesen.
Sie können uns auf direktem Wege eine kleine Spende über folgenden Code zukommen lassen, für größere Unterstützung, schauen Sie doch gerne in der passenden Rubrik vorbei. Wir freuen uns über Ihre Spende!