Dieser Inhalt wurde anhand eines gescannten Dokuments mithilfe von optischer Zeichenerkennung (OCR) und künstlicher Intelligenz (KI) digitalisiert. Er kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten.
Einen Kommentar zu diesem "forum"-Thema zu schreiben
erweist sich als schwierig, nicht zuletzt, weil es
eine delikate Angelegenheit ist, sich als rela-
tiv (!) junge Redaktionsmannschaft über einen
menschlichen Zustand zu äussern, den man höchstens
nur vom Hören-Sagen-Sehen kennt. Diese Überlegung
hat uns dann auch bewogen, erstmal solche Leute zu
Wort kommen zu lassen, die "en pleine connaissance
de cause" sind, Menschen also, die ein gewisses Al-
ter erreicht haben und somit im geläufigen Sinne
der älteren – oder alten Generation angehören.
Wir haben den Versuch unternommen mittels geziel-
ter Fragen in die Welt des sogenannten dritten Al-
ters einzusteigen, und uns auf grund von Aussagen
betroffener Menschen ein einigermassen objektives
Bild zu machen über Not und Charme dieses Lebens-
abschnittes.
Dazu wurden Leute angesprochen, die möglichst aus
allen Schichten unserer Bevölkerung kamen (Land-
und Stadtmenschen, Arbeiter und Funktionäre, arm
und reich, verheiratete, Zusammenlebende, Allein-
stehende, sowie Leute aus Altersheimen).
Unsere Fragen berührten, ausser einer allgemeinen
Charakterisierung der befragten Personen, Themen
wie finanzielle Lage, Gesundheitszustand, Wohnungs-
probleme, Vereinsamung und Alleinsein, Einstellung
zur Religion, Beziehung zur Gesellschaft generell
und zu Jugendlichen speziell, Sexualität im Alter
und Tod. Letztere beiden Themen allerdings -ob-
schon äusserst interessant- erwiesen sich aus
leicht ersichtlichem Grund als ziemlich heikel
und wurden von Fall zu Fall, je nach Stimmung, mit
Samthandschuhen angefasst.
Auf einen netten Empfang stiessen wir im Escher
Altersheim, wo sich 15 Leute, meist Damen, spon-
tan bereit erklärten, zu unsern Fragen Stellung
zu beziehen. Ihr Alter lag zwischen 70 und 90
Jahren, doch konnte man manchmal nur erstaunt
aufhorchen, wenn man sah, mit welchem, fast ju-
gendlichem Schwung, Vitalität und überzeugender
Ehrlichkeit die einzelnen Personen in die Dis-
kussion eingriffen.
Abschliessend sei hervorgehoben, dass überhaupt
alle, im Rahmen dieser Umfrage angesprochenen
Menschen eine bemerkenswert positive Einstellung
zum Leben und ihrer eigenen Situation hatten,
dies trotz vieler und schwerwiegender Rückschlä-
ge. Von Resignation war wenig zu merken. Dies ist
umso erstaunlicher, wenn man in Betracht zieht,
OPGEPICKTES
Damm, säit 11 Joer Wittfra, 69 Joer, op d’Fro hin, ob si Angscht virum Dout hätt: "… keng Angscht virum Dout, ech gleewen esougur, dass den Dout schäi ka sin, meng eenzeg Angscht as, geeschteg ze verkommen".
Am Altersheim, op d’Fro no der Angscht virum Aalgin a virum Dout:
"Neen, esou laang d’Däppercher nach op der richtteger Plaz stin."
"Ech war derbäi, wäi mäi Mann gestuerwen as an hu geduecht, elo fäerts de ni mäi. Mä wann ech dann awer emol drun denken, tjefft, da geet engem de Wappes awer…"
"…Wann et bis iwerstan as, as et gutt, mä dee Moment …"
"Ech hun Eis doheem och allegur gesi stierwen, doduerch verläert den Dout säi Schrecken."
Här, 67 Joer, bestuet, op d’Fro: "Wat bedeit d’Sexualitéit an Ärem Liewen?"
"Ech wëllt se nët mëssen, si gehëert onbedëngt zu mëngem Liewen."
Damm, 69 Joer, zur Fro iwer d’Sexualitéit: "Fir mech war et batter wäi dat eriver war (duerch den Dout vun hirem Mann). Ech hat jo erëscht 58 Joer, gellt, mäi Mann der 60 … Dat muss ee verston, dass engem do eppes feelt. Et gi Leit däi menge, matt 50 Joer misst dat eriver sin, … et as importent fir mech, firwat soll ech et nët son."
Damm, 61 Joer, an Här, 67 Joer, hun ugefang Italienesch resp. Esperanto ze lëieren.
Damm, Wittfra, 98 Joer, mëcht hire Stot nach selwer, as ëmmer nach staark interesséiert un deem, wat an der Welt viirgeet, lauschtert regelmässeg Noriichten.
dass die Auswahl unserer Gesprächspartner eine absolut willkürliche war und darüber hinaus die Gespräche unvorbereitet stattfanden.
Die Auswertung unserer Umfrage ist in zusammengefasster Form unten abgedruckt.
Befragt wurden:
Eine 98jährige Witwe – ein 67jähriger pensionierter Staatsbeamter – ein Winzerehepaar – eine 64jährige Witwe – Geschäftsfrau – ein 80jähriger pensionierter Professor und dessen 61jährige (Haus)-Frau! Alle, ausser dem Winzerehepaar wohnten in ihrer eigenen Wohnung, in der Stadt Luxemburg oder in der Umgebung der Stadt.
Es fehlen also Dörfler, Arbeiter… Alle waren zufrieden mit ihren Wohnverhältnissen. Niemand jauchzte bei dem Gedanken, eines Tages vielleicht doch in ein Altersheim gehen zu müssen und wenn schon- dann keinesfalls im Grünen. Da alle finanziell der Mittelschicht angehörten, ist es verständlich, dass keiner von ihnen direkt klagte, zumal keiner Miete zahlen musste. – Das verhinderte allerdings nicht, dass das Winzerehepaar und die frühere Geschäftsfrau an die kleinen Renten erinnerten!
Ausser der 98jährigen waren sich alle einig, dass die Amiperas ja nichts für Leute wie sie wäre – erstens seien sie zu jung – und hauptsächlich wäre die Amiperas hauptsächlich abgestimmt auf Leute, die nichts mit sich anzufangen wüssten!
Abgesehen von Weh-Wehchen, die in diesem Alter fast als normal zu bezeichnen sind, klagt keiner direkt über defiziente Gesundheit- obwohl 2 ihr Augenleiden erwähnten!
Ausser der Frau des Professors bekanntes sich alle mehr oder weniger zum aktiven, katholischen Glauben.
Keiner litt unter Vereinsamung. Der Alltag ist abwechslungsreich für alle Befragten. Hobbies, Clubs und Freunde bilden ihren Aktivitätenkreis, eine Tatsache, die vielleicht vom durchwegs mittleren bis höheren Bildungsniveau abzuleiten wäre
Die Antworten zur Frage nach ihrem Verhältnis zur Jugend variierten im Meinungsspektrum- gut bis schlecht.
Ueberwiegend war man sich auch der harten Zeit, der Jugendarbeitslosigkeit bewusst.
Als Forderungen an die Gesellschaft hebt sich eindeutig der Wunsch nach "Stützen" – Heimhilfe wie z.B. repas zur roues ab, um die Einweisung ins Altenheim zu verzögern oder zu verhindern. Niemand bemerkte bisher ausser dem Gerede in Radio, TV u. Presse, irgendwelche Veränderungen zu ihren Gunsten – in dem sogenannten Jahr des 3. Alters.
Die 2 Ehepaare bekannten sich auch nach so langer Ehe zu ihrem Partner; bei der Sexualitätsfrage jedoch verschlossen sich die Gemüter. Die Witwe bekannte sich einseitig zu ihren diesbezüglichen Frustrationen: es stimme für viele nicht, dass ab 50, wie angenommen, Sex ohne Bedeutung sei. So führten sie z.B. lebhafte Debatten über dieses Thema im "Altenkreis".
Relevant war unsere Frage nach der Be-Handlung der Alten in unserer Gesellschaft, denn der Gebrauch des "Be-" setzt ja schon die Passivität, das Objektsein der Alten voraus!
Wir würden uns freuen, wenn die Zusammenfassung und Verschmelzung dieser Gespräche, Illustration und Ausgangsbasis gewissermassen zu einem richtigen "Altenforum" anregen könnte, wo jung und alt, Gesellschaft und Staat ihre Meinung äussern würden.
Als partizipative Debattenzeitschrift und Diskussionsplattform, treten wir für den freien Zugang zu unseren Veröffentlichungen ein, sind jedoch als Verein ohne Gewinnzweck (ASBL) auf Unterstützung angewiesen.
Sie können uns auf direktem Wege eine kleine Spende über folgenden Code zukommen lassen, für größere Unterstützung, schauen Sie doch gerne in der passenden Rubrik vorbei. Wir freuen uns über Ihre Spende!