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Am 12.3.1984 wurde offiziell ein neuer "freier" Radiosender in Luxemburg gegründet: "Radio Uka-Weechelchen". Die Initiative geht aus vom "Radio Gränge Fluessfénkelchen", das bekanntlich seit Juli 1981 von Arlon aus jeden Mittwochabend im UKW-Kanal 50 bei 102 Mhz in luxemburgischer Sprache sendet. (Siehe die Story von Radio Gränge Fluessfénkelchen in "forum" Nr. 50/26.9.81). Da dies nur ein Provisorium sein könnte, war von vorneherein klar. Der Sendebereich von Arlon aus ist zu ungünstig. Auch in Luxemburg muß das Recht auf freie Radios durchgesetzt werden, wie es ja ein freies Recht auf Zeitungsgründungen gibt. Beim Radio ist dieses Verfassungsrecht aber dadurch eingeschränkt, daß eine Konvention der Regierung mit der "Compagnie Luxembourgeoise de Télédiffusion" (CLT, lies: RTL) dieser Privatfirma das Monopol für Radio – später auch Fernsehsendungen zusprach.

Seit einigen Monaten macht nun auch in politischen Kreisen der Wille sich bemerkbar, eine gewisse Liberalisierung der Senderechte zu ermöglichen. Woran das genau hängt, bleibt noch genauer zu untersuchen. Jedenfalls scheinen Staatsminister P. Werner und Postminister J. Barthel eine entsprechende Initiative zu befürworten. Der Postdirektor J. Heinen hat auch schon einen Vorschlag auf den Tisch gelegt, Sender mit einer Reichweite von 5 km zuzulassen. Trotz dieser lächerlichen, ja die ganze Liberalisierung sinnlos machenden Einschränkung haben die Zeitungsverleger (A. Heiderscheid, A. Sold,…) und die Journalistenvereinigungen (F. Weides, R. Franck,…) schärfsten Protest eingelegt. Ihre Motive sind aber offiziell noch nicht bekannt, so daß wir vorerst auf eine Analyse verzichten wollen. Ein Machtkampf in der CSV

scheint sich jedenfalls anzubahnen. Sicher scheint andererseits, daß die luxemburgische RTL-Redaktion einen Konkurrenzsender nicht ablehnend gegenübersteht, da die Redakteure dadurch stärker motiviert würden und bei der CLT-Direktion wohl leichter Kredit locker zu machen wären.

Da sich, so oder so, eine neue Entwicklung in Luxemburg anbahnt, haben die Animateure von Radio Gränge Fluessfénkelchen die Initiative ergriffen, die Voraussetzungen zu schaffen, auch in Luxemburg, einen freien Sender zu starten. Rund 20 Organisationen haben sich dieser Initiative spontan angeschlossen: AFC-Solidarité Tiers Monde, Amnesty International, ASTI, ATD Quart-Monde, Biokreess, Centre de Pastorale en Milieu Ouvrier, Ciné Club 80, Folk Clupp, Friddensbuch, Iwerliwen, Jazz Club, JOC, Jugendzentrum Lëtzebuerg, Kulturfabrik Esch, Ligue des Droits de l’Homme,

PETITION

In Luxemburg hat ein einziger Sender das Monopol für Rundfunksendungen. Nun spricht die Regierung viel von Liberalisierung der Wellen und Sendeerlaubnis für lokale Sender. In Wirklichkeit will man jedoch nur eine Vielzahl von Sendern mit einer lächerlichen Reichweite von 5 km zulassen.

Nun haben sich etwa 20 Organisationen zusammengetan, um einen unabhängigen, nicht kommerziellen, kulturellen und regionalen Sender auf die Beine zu bringen.

Das Projekt ist jetzt konkret geworden; es heißt "ATELIER RADIO Ukaweechelchen" und wird von folgenden Organisationen getragen: Radio Gränge Fluessfénkelchen, AFC-Solidarité Tiers Monde, Amnesty International Luxembourg,

ASTI, ATD Quart-Monde, Biokreess, Centre Pastorale en Monde Ouvrier, Ciné Club 80, Folk Clupp, forum, Friddensbuch, Iwerliwen, Jazz Club, JOC, Jugendzentrum Lëtzebuerg, Kulturfabrik Esch, Ligue des Droits de l’Homme, Mouvement Ecologique, MLF, Musica Nova.

Da alle diese Organisationen überregionalen Charakter und einen anerkannten gesellschaftlichen und kulturellen Wert haben, ist der "ATELIER RADIO Ukaweechelchen" nur sinnvoll, wenn seine Sendungen im gesamten Luxemburger Raum zu hören sind.

Die Unterzeichneten fordern deshalb die verantwortlichen Autoritäten in Regierung und Parlament auf, das Konzept der lokalen Radios zu überdenken und dem "ATELIER RADIO Ukaweechelchen" die Sendeerlaubnis für das gesamte Luxemburger Territorium zu gestatten.

Mouvement Ecologique, MLF, Musica Nova. Diese Namen zeigen die eindeutig soziokulturelle Ausrichtung, die der Sender haben soll. Ein kommerzielles Ziel wurde denn auch in den Satzungen ausdrücklich ausgeschlossen. Konkurrenz auf dem Werbemarkt brauchen weder RTL noch die Zeitungsverleger zu fürchten.

Auch "forum" unterstützt die Initiative. Einerseits tritt die Redaktion prinzipiell für jeden Versuch ein, Freiheitsräume in unserer Gesellschaft zu öffnen, bzw. zu erweitern. Andererseits wollen wir keine eigene Sendungen produzieren. Die Arbeit an der Zeitschrift kostet Kraft genug. Aber wir können uns vorstellen, daß hier Themen schriftlich vertieft werden, die auf Radio UkaWeechelchen nur mündlich angeschnitten werden konnten. Oder umgekehrt, daß "forum"-Dossier im Radio ein akustisches Nachspiel haben.

Bislang hat Radio UkaWeechelchen keine Sendung ausgestrahlt, sich an die bestehende Gesetzgebung gehalten. (Radio Flusfénkelchen sendet bekanntlich vom belgischen Territorium aus, wo freie Radios nicht nur erlaubt, sondern vom Kulturministerium finanziell unterstützt werden). "forum" hat nun einen dringenden Brief an Staatsminister P. Werner gerichtet, die entsprechenden Hindernisse möglichst umgehend zu beseitigen. (Eine Gesetzesänderung ist nicht notwendig.) Denn die Geduld, mit der seit drei Jahren an diesem Projekt gearbeitet wird, d.h. mit der für die praktische Verwirklichung einer durch die Verfassung garantierten Freiheit gekämpft wird, geht bei manchen so langsam zu Ende.

Hier unser Brief an Staatsminister P. Werner. Untenstehend eine Petition, die unsere Leser bitte unterschreiben (lassen) und an Knuewelék a.s. b.l., B.P. 1745, Luxemburg einsenden wollen.

m.p.

forum
4, rue du Parc
Bertrange

Bertrange, le 22 février 84

Monsieur Pierre WERNER
Président du Gouvernement
Ministre d’Etat, Ministre de la Culture
LUXEMBOURG

Monsieur le Président,

Un droit garanti par la Constitution n’est réel que pour ceux qui ont le moyen de l’exercer. L’Etat, garantissant le libre exercice des droits constitutionnels, est donc aussi appelé à permettre un libre accès aux moyens permettant l’exercice de ces droits. C’est ainsi qu’une loi récente est venue légaliser l’octroi de crédits à l’enseignement privé afin de garantir la liberté d’enseignement dans notre pays. Inversément, la Pologne accorde certes par sa constitution la liberté de presse, mais l’Etat restreint l’exercice de cette liberté par le contingentement du papier de journal.

C’est dans la même perspective que nous voyons le problème des radios libres à Luxembourg. Jusqu’ici l’Etat lui-même annule la liberté de la radiodiffusion en accordant le monopole à une société privée. D’après vos déclarations, Monsieur le Président, le gouvernement serait enfin prêt à réaliser cette liberté en accordant le droit d’émission à d’autres stations. Or, d’après des renseignements fournis par Monsieur le directeur des Postes, la licence ne serait accordée qu’à des émetteurs ayant un rayon d’émission de 5 km au plus, ce qui, en pratique, annule le principe de liberté généreusement approuvé, puisqu’un tel émetteur n’est d’aucun intérêt public.

Par la présente nous vous prions, Monsieur le Président, de répondre favorablement à la demande d’autorisation introduite par l’"Atelier Radio UkaWeechelchen", constitué par une vingtaine d’associations socio-culturelles d’importance nationale. Comme ce projet se donne une vocation strictement non-commerciale, indépendante de tout parti politique et de qualité culturelle soignée, nous pensons que notre pays ne pourrait que se réjouir d’un tel enrichissement qui ne manquerait certainement pas d’entraîner dans une saine concurren-

| NAME | VORNAME | ADRESSE | BERUF | UNTERSCHRIFT |
| — | — | — | — | — |
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ce au plan culturel la station de radio qui détient actuellement le monopole, sans lui enlever rien que ce soit de ses recettes. Pour avoir une chance de vivre et de travailler sérieusement, l’Atelier Radio UkaWeechelchen a besoin d’un rayon d’émission de 50 km et d’une puissance de 500 – 1000 W.

Comme nous savons par l’expérience de notre propre rédaction que vous avez toujours eu à coeur de soutenir, même par des subsides, des initiatives visant à enrichir le pluralisme culturel, nous osons espérer, Monsieur le Président, que vous soutiendrez également cette initiative que ne coûtera rien à l’Etat. Veuillez donc, Monsieur le Président, accepter avec nos remerciements anticipés, l’expression de notre plus profond respect.

Pour la rédaction de "forum"
Michel Pauly

Copie de la présente est adressée

  • à Monsieur le Ministre des Télécommunications
  • à la Commission parlementaire "Concession CLT"

Einer unserer Leser, Herr G. Bollendorff, schickte uns folgende Karte, die er an Herrn P. Werner geschrieben hat. Vielleicht fühlt der eine oder andere Leser sich aufgefordert das Gleiche zu tun!

Här Regierungspräsident,

Ir Dir aus der Regierungsverantwortung eraustriet, könnt Dir do net nach eppes fir e bessert politescht Bewostsein vun eisem Vollek män?

Lösst bei RTL eng Antenne arichten fir dee Forum wou dagdeeglech d’politesch Meenungen obenee stousen: eng Dauerantenne an eng ege Frequenz fir d’Chamber. Technesch kee Problem, rechtlech wuel och net, wir dat finanziell eng Minimalbelaschtung fir dee kommerzielle Betrieb, deen dem Land sou vill Onkultur bréngt.

Mat beschte Gréiss

G. Bollendorff

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