„Vorbereitung und Nachverarbeitung sind so wichtig wie der Besuch selbst“
Kritische Fragen an Generalvikar Mathias Schiltz und Mill Majerus, Koordinator des Papstbesuches
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Selbstverständlich soll im "forum"-Dossier auch die Stimme der kirchlichen Hierarchie zu Wort kommen. "forum" stellte dem Generalvikar Mathias Schiltz und dem Koordinator des Papstbesuches Mil Majerus kritische Fragen über Sinn und Zweck der Visite sowie über konkrete Aspekte der Organisation in Luxemburg. Die Antworten waren sehr offenherzig.
Eine Glaubensstärkung, die Angst macht?
forum: Über Sinn und Zweck des Papstbesuches haben Sie, Herr Generalvikar, ebenso wie der Herr Bischof sich schon an verschiedenen Stellen geäussert. Wir wollen diese Aussagen hier nicht nochmals wiederholen, sondern eher einige kritische weiterführende Fragen dazu stellen: Immer wieder wird betont, Sinn und Zweck des Papstbesuches sei, der Kirche Luxemburgs neue Anstösse zu vermitteln, ihren Glauben zu erneuern. Als einstiges Mitglied der Synode weiss ich, dass genau dies auch zu den Erwartungen der Synode gehörte. Man kann sich fragen, ob diese Erwartungen sich erfüllt haben, oder ob nun der Papstbesuch nicht eher ein Vorwand ist für pastorale Immobilität?
M. Schiltz: Die Erneuerung des Glaubens muss selbstverständlich durch uns selbst geschehen. Sie muss in den kirchlichen Gemeinden vor Ort geschehen. Doch sicher können wir auch vom Papstbesuch etwas für die Glaubenseuerung erwarten. Ich sehe drei Richtungen solcher Erwartungen.
Erstens ist Papst Johannes Paul II. selbst eine ohne Zweifel starke Glaubenspersönlichkeit, was auch seine hohe Ausstrahlungskraft auf die Massen zum Teil erklärt. Zweitens – und die vielen Kontakte zur Vorbereitung bestätigen uns diesen Eindruck – das gesamte Ereignis, nicht nur der Papst als Person, ist eine Gelegenheit, ein Anstoss für viele Menschen, sich neu gegenüber Kirche und Glaube zu situieren. Ich kann mir vorstellen, dass manche, die bislang im Glaubensleben eher indifferent waren, in den Tag hineinlebten, durch die Konfrontation mit diesem Ereignis herausgefordert werden, ihre Glaubenssituation neu zu definieren: gehöre ich noch zur Luxemburger Kirche, die den Papst empfängt, und somit zur katholischen Weltkirche, die er vertritt, oder nicht? Drittens brauchen wir heute als Kirche nicht nur kleine Gemeinschaften – so wichtig sie auch sind und so sehr wir sie auch eventuell vernachlässigen –, sondern auch den weiteren Horizont, die Verbindung der Gemeinschaften untereinander und mit der Weltkirche. Dieser Gedanke wird auch im Anschluss an die Synode im Text des Pastoralrates "Bausteine einer lebendigen Gemeinde", schon vor der Ankündigung des Papstbesuches, aufgegriffen: die kleinen Gruppen, die in einer legitimen Pluralität in ihrer jeweiligen Eigenart ihren Glauben leben (und auch die Territorialpfarreien schrumpfen ja immer mehr zu kleinen Gemeinschaften), brauchen daneben von Zeit zu Zeit die Begegnung mit den andern und zwar in der ge-
gemeinsamen Eucharistiefeier als dem Fundament unseres Glaubens.
Was der Papst uns ausser diesen drei Schwerpunkten noch sagen wird, wozu er uns noch aufstacheln wird, lässt sich ja zur Zeit noch nicht sagen.
forum: Ich habe eine gewisse Angst vor der Glaubenspersönlichkeit dieses Papstes. Seit Beginn seines Pontifikates gibt es doch in der Kirche eine eindeutige Restaurationstendenz. Am klarsten kommt dies wohl im jüngsten Dokument über Busse und Beichte zum Ausdruck. Jede Restauration scheint mir aber eine Angstreaktion. Und angesichts der Aufgaben, die uns erwarten, z.B. auch im Dialog mit den Weltreligionen, scheint das mir die schlechteste Reaktion zu sein. Der Papst strahlt eine gewisse Sicherheit aus, aber ob dies wirklich Sicherheit im Glauben ist, weiss ich nicht. Der Glaube macht uns ja, weil wir auf Gott bauen, offen für die Fragen, die sich stellen, und nimmt uns die Angst vor diesen Fragen. Ich kann dies nicht recht auf einen Nenner bringen mit der "Restauration" (der Ausdruck stammt von Kard. Ratzinger), die in der Kirche allenthalben am Werk ist. Das lässt bei mir viele Fragen offen.
M. Schiltz: Der persönliche Kontakt, der mich jetzt Johannes Paul II. näher kennenlernen liess, hat mir die Gewissheit verschafft, dass seine Persönlichkeit geprägt ist von der täglichen Auseinandersetzung mit einer andern Ideologie, aber auch mit den Mächten, die sich darauf berufen. Sicher hat er dadurch eine andere Art, Probleme anzugehen, als wir sie hier in Westeuropa ge-
in: Le Monde 28-29/10/1984
wohnt sind. Ob man ihm das aber zum Vorwurf machen kann, sei dahingestellt. Vor fünf Jahren hatte ich auch ähnliche Bedenken. Im Gespräch mit Leuten, die ihn näher kannten, wurde mir gesagt, er sei ein Mensch, der bereit sei, hinzuzulernen, ja sich zu ändern. Das scheint mir tatsächlich der Fall zu sein. Im Ökumenismus hat er sich doch sehr weit engagiert und geht sicher ein Stück über die Position Pauls VI. hinaus. Bei seinen Reisen in andere Kontinente hat er immer grossen Respekt vor den anderen Religionen gezeigt.
Stichwort: Restauration: Vielleicht müssen wir die ausserordentliche Bischofssynode im Herbst abwarten, um zu erfahren, wo Johannes Paul II. die Hauptstossrichtung, die "ligne de force", des 2. Vatikanischen Konzils sieht. Sicher ist er wohl der Meinung, dass das Konzil zum Teil falsch interpretiert wurde, dass der Konzilsgeist missverstanden wurde. Kardinal Ratzinger (Präfekt der Glaubenskongregation) prädte das harte Wort vom Konzilsungeist. Nun, wir müssen mal wieder auf die Konzilstexte selbst und ihre Entstehungsgeschichte zurückgreifen. Ich glaube dem Papst geht es darum, den Glauben in seiner überlieferten Authentizität zu stärken. Es geht ihm auch darum, "in neccessarös" eine gewisse Einheit in der Kirche wiederherzustellen. Das mag nach Uniformität aussehen, z.B. in der liturgischen Praxis. Es widerspricht auch z.T. der Rede von einer notwendigen Inkulturation des Glaubens in die Kultur der verschiedenen (nicht-europäischen) Völker. Doch der Kontakt, den der Papst immer wieder gerade mit den jungen Kirchen der Dritten Welt sucht, wird sicher seine Folgen haben. Er kann nicht drei-, viermal nach Afrika fahren und die dortigen Gebets- und Liturgiefeiern sehen und bei seiner Rückkehr in Rom eine Einheitsliturgie für die ganze Welt verordnen. Es geht dem Papst um Wesentliche: in diesen Fragen will er die Einheit der Kirche stärken. Ich würde das aber nicht so schnell Restauration oder Rückkehr zu einer vorkonziliaren Haltung nennen. Johannes Paul II. hat öfters betont, dass er sich als Erbe des Konzils sieht, und dass es eine schwere Erbschaft ist, das Konzil zu verwirklichen. Wir sollten ihm diese Chance lassen. Es ist natürlich nicht von der Hand zu weisen, dass sich in Rom in letzter Zeit auch restaurative Kräfte breitmachen. Doch ist das die Schuld Johannes Paul II. oder einfach das Ergebnis einer normalen Pendelbewegung? Mir scheint, dass das Konzil als eine Realität gilt, hinter die wir nicht mehr zurückkommen.
Monolog oder Dialog?
forum: Sie sprachen eben die Reisen in die Dritte Welt und den Willen des Papstes an, zu erfahren, was die dortigen Kirchen ihm zu sagen haben. Wie steht es in dieser Hinsicht mit seinem Besuch in Luxemburg. Im Hirtenbrief unseres Bischofes geht immer wieder die Rede davon, der Papst komme, um uns zu sagen …, um uns die Weltkirche näherzubringen … Auch Sie sprachen unsere Erwartungen gegenüber dem Papst an. Aber: dürfen auch wir dem Papst etwas sagen? Muss man sich auf einen päpstlichen Monolog gefasst halten oder darf man auf einen Dialog hoffen, zumindest auf einen institutionalisierten Dialog?
M. Schiltz: Vorab eine Richtigstellung zum Hirtenbrief: Im Anschluss an ein Pauluszitat sagt auch dort schon der Herr Bischof, aus der Begegnung mit dem Papst erwachse ein Miteinander, aus dem unser Glaube gemeinsam gestärkt werde.
VERGIB UNS UNSERE SCHULD
Ich spreche nicht nur in meinem Namen. Ich bitte nicht nur um Vergebung meiner privaten Sünden.
Wir stehen vor Dir als Gemeinschaft die schuldig ist.
Was sind wir Dir denn schuldig geblieben Vater?
Was hätten wir Dir geben können was Du nicht hast?
Du wirst nicht bekannt als der der Du bist
wenn wir uns nicht zusammentun Dich bekannt zu machen.
Einer allein kann Deinen Namen nicht heiligen.
Wer das im Alleingang versuchte wurde ans Kreuz geschlagen schuldig sind wir schweigende Gaffer.
Dein Reich kann nicht kommen wenn wir nicht solidarisch daran bauen. Im Alleingang wollte es einer versuchen als Spinner wurde er abgetan schuldig sind wir lachende Spötter.
Dein Wille kann nicht geschehen wenn wir uns nicht zusammenschließen ihn zu tun.
Im Alleingang versuchte es einer wurde als Gotteslästerer verurteilt schuldig sind wir alle weil wir uns weigern die deutlichen Zeichen der Zeit zu lesen.
Vergib die Schuld von uns schweigenden Gaffern von uns lachenden Spöttern von uns allen die wir uns weigern die Zeichen der Zeit zu lesen.
Auch er sieht das als ein Entgegenkommen zweier Seiten, und nicht als ein Diskurs in eine Richtung.
Andererseits ist hier sicher eine Schwachstelle des Besuches in Luxemburg angesprochen! Bei den Vorbereitungen haben wir zu Anfang nicht genügend darauf aufgepasst, dass das, was wir dem Papst zu sagen haben, auch zum Ausdruck kommt. Anfangs war eine Begegnung mit dem Papst im kleineren Kreis geplant, etwa mit Priestern, mit Ordensleuten, mit Laienvertretern. Von Rom aus kam dann der Wunsch des Papstes – wohl nach den Erfahrungen in der Schweiz (das ist meine Interpretation) -, nicht mehr mit ausgewählten Priestern zusammenzukommen, sondern eine solche Begegnung für alle Geistlichen zu öffnen. Daher bekam diese Begegnung (im Stadttheater) einen völlig neuen Charakter. Wir müssen nun inklusiv Laienvertreter mit 900 Personen rechnen, so dass dann doch der Papst, nach einer Grussadresse eines Priesters – oder Laienvertreters, eher eine Ansprache hält,
als dass er sich ins Gespräch mit uns einlässt. Es gibt auch bei uns z.B. keine Universität, wie in Belgien, wo er mit deren Vertretern einen institutionalisierten Dialog führen kann; in den Niederlanden führt er solche ökumenische Gespräche. Dies scheint mir allerdings der einzige wirklich erwähnenswerte wunde Punkt in unserer Organisation zu sein, doch als das uns bewusst wurde, war leider der Zeitplan völlig ausgebucht, so dass daran nicht mehr zu rütteln war.
Hinzufügen muss man, dass der Papst selbstverständlich nicht völlig uninformiert nach Luxemburg kommt. Der Herr Bischof und ich waren schon zweimal nach Rom, um ihn über die hiesige Situation ins Bild zu setzen. Vielleicht muss einer von uns nochmals hinfahren. Wir haben auch eine Reihe schriftlicher Berichte hingeschickt. Noch heute morgen habe ich einen Bericht über die Lage der Immigranten nach Rom gesandt, im Hinblick auf die Eucharistiefeier in Esch. Insofern kommt auch ein innerkirchlicher Dialog schon im Vorfeld des Besuches zustande, der ohne diesen Besuch sicher nicht in dieser Intensität geführt worden wäre und durch den Rom doch die Lage und die Probleme der Lokalkirchen besser kennenlernt. Diese Informationen kommen beim Besuch selbst höchstens in Form von Echos in seinen Reden zum Ausdruck, aber ein intensiver Austausch hat doch stattgefunden. Natürlich mag man den als gefiltert darstellen, weil nur einige Leute daran beteiligt waren, doch wir geben uns Mühe, den Papst so objektiv wie möglich zu informieren.
M. Majerus: Ich möchte in diesem Zusammenhang auch darauf hinweisen, dass mir der innerkirchliche Dialog wie er in der jetzigen Vorbereitungsphase läuft, ganz besonders gut gefällt. Der Dialog soll nicht nur mit dem Papst stattfinden. Ich weiss nicht, ob die katholischen Jugendverbände je so intensiv zusammengearbeitet und miteinander diskutiert haben wie jetzt zur Vorbereitung der Echternacher Begegnung. Auch erwägt man, die für Echternach vorbereiteten Aussagen nun mit Basisgruppen, z.B. Schulklassen, oder JOC-Gruppen durchzudiskutieren, um zu überprüfen, ob diese Jugendlichen sich darin wiedererkennen. Eine Schülergruppe aus dem Athenäum hat z.B. die Arbeiten der Vorbereitungsgruppe für Echternach regelmässig kritisch begleitet. Natürlich hängt das z.T. auch am Engagement einzelner Personen.
forum: In Echternach ist also geplant, dass zumindest die Jugendlichen dem Papst ihre Schwierigkeiten mit der Kirche mitteilen sollen?
M. Majerus: Der Plan sieht vor, dass in Echternach die Jugend eine halbe Stunde lang ihre täglichen Probleme, auch ihre Auseinandersetzung mit der Kirche darstellen soll. Die Stichworte sind dabei Solidarität, Vertrauen, Freiheit. Anschließend erst wird der Papst das Wort ergreifen.
forum: Bei solchen Auftritten ist ja nicht unwichtig, wer sprechen darf. Wie geschieht die Auswahl dieser Redner? Redet der Vatikan auch ein Wort mit bei der inhaltlichen Gestaltung?
M. Majerus: Die Verantwortung für das, was in Echternach gesagt werden wird, liegt bei der spezifischen Vorbereitungsgruppe. Eingeladen waren von Anfang an alle Religionslehrer, die Leiter der katholischen Jugendverbände, offizielle wie die JOC oder die Pfadfinder und informelle wie "Jeunes en marche" aus dem Dekanat Bettemburg. Je ne, die seit Oktober an den Vorbereitungen mitge-
arbeitet haben, können jetzt mitreden, wenn es um die Formulierung der Inhalte geht. Natürlich werden die Texte in voraus vorbereitet und nicht der Spontaneität überlassen, schon allein um Zeit zu sparen. Übrigens beginnt die Veranstaltung schon lange bevor der Papst in Echternach angekommen ist. Und es sollen nicht nur Texte gesprochen werden, es wird auch gesungen, es gibt szenische Darstellungen, usw.
Der Papst bei den Arbeitern – nur Theater?
M. Schiltz: Im Prinzip gilt Ähnliches für Esch. Auch hier wird zur Zeit von den Pfarrern, den Vertretern der Ausländermissionen und von Laien ein 3/4stündiges Programm für die Wartezeit vorbereitet. Ich weiss, dass hier JOC, CPNO, KMA, LCGB um einen Tisch sitzen – was auch nicht alltäglich ist –, um die Aussagen der Kirche zum Thema Arbeit in einer den einfachen Menschen verständlichen Form aufzuarbeiten, bzw. um die Probleme der Menschen im Arbeitsprozess auszudrücken.
forum: Sie haben ein paarmal öffentlich betont, dass bei Gelegenheit des Papstbesuches die Kirche ihre Sorge um die Arbeiter und ihre Betroffenheit gegenüber den Arbeitslosen schwerpunktmässig ausdrücken will. Das klingt sehr schön, doch ist das nicht zum Teil Theater? Wie real ist das Engagement der Kirche Luxemburgs auf der Seite der Arbeiter? Vor Monaten hat der (fast) vollständige Klerus aus der Miedtsegegend einen Solidaritätsbrief in Sachen Schliessung des "Steckel" in Dädelingen verfasst, aber die katholische Tageszeitung hat ihn nicht veröffentlicht. Die Enzyklika "Laborem exercens", sicher eine der besten und radikalsten dieses Papstes, wurde in Luxemburg meines Erachtens kaum rezipiert.
M. Schiltz: Wir erwarten eben, dass Johannes Paul II. uns in Richtung "Laborem exercens" aufrüttelt. Aus diesem Grund haben wir bewusst die Begegnung mit Arbeitern und Immigranten in Esch ins Programm aufgenommen. Gerade zu diesem Thema scheint uns seine Botschaft besonders eindringlich. Der Papst wird in Esch wohl eine Feier erleben, an der Luxemburger und Gastarbeiter gemeinsam teil-
nehmen. Ich habe ihm aber mitgeteilt, dass das sicher eine Ausnahme ist: vor allem in den Pfarrgemeinden geschehe sehr wenig für den interkulturellen Dialog. Ich glaube nicht, dass wir dem Papst etwas vormachen wollen. Das Vorprogramm ist auf jeden Fall eher in Richtung Sensibilisierung der Luxemburger konzipiert.
Welches Papstbild wird vermittelt?
forum: Die Menschen, denen der Papst bei öffentlichen Veranstaltungen begegnen wird, sind einfache Leute aus dem Volk. Die Frage, die sich stellt, ist diese: Werden sich diese Leute nach
dem Besuch ein richtigeres oder ein falscheres Bild von der Rolle des Papstes in der Kirche machen können? Das von den zwei vatikanischen Konzielen gezeichnete Papstbild ist ja anders als jenes, das die öffentliche Meinung sich von ihm macht.
H. Schiltz: Sicher tritt der Papst im Kontext von Massenveranstaltungen als grosse Persönlichkeit auf. Zweitens wird das Papstbild auch von den Massenmedien mitgeprägt, über die wir als Kirche nicht allein bestimmen, auch wenn wir im Gespräch sind mit den Luxemburger Journalisten. Drittens tritt der Papst im Rahmen eines bestimmten Sicherheitsaufwandes auf, auf den leider nicht
«Aktioun A-B-C»
für Kenia
Anlässlich des Papstbesuches 1980 in der BRD wurden 31,2 Millionen DM gesammelt, die an den Päpstlichen Rat "Cor Unum" zwecks Vergabe an Entwicklungsprojekte weitergeleitet wurden. 1984 war erst ein Drittel des Geldes in der Sahel-Region angelangt. Die restlichen 20 Millionen warteten noch auf deutschen Bankkonten (vgl. "imprimatur", Nr.1/1984).
Ein solcher Skandal soll in Luxemburg unbedingt verhindert werden. Daher ist es zu begrüssen, dass Abbé Jean HIERZIG (dem wir auch die obige Reiseliste verdanken, die er für eine entsprechende Ausstellung im Mansfeld-Saal in der Nationalbibliothek während der Oktave zusammengestellt hat) seine "Aktioun A-B-C", die er jedes Jahr mit Schülern aus dem Lycée technique Michel-Lucius durchzieht, diesmal landesweit geplant hat. Auf Grund seiner Erfahrung kann er nämlich dafür bürgen, dass das gesammelte Geld wirklich ankommt.
Dieses Jahr sollen bis Ende April 50000 Aufkleber à 30 F verkauft werden. Der Erlös soll dem Papst (symbolisch) überreicht werden, der ihn dann bei seiner nächsten Reise, im August nach Kenia, an Kardinal Otunga weiterleitet, damit Wohnungen für 30 000 Slumbewohner im Mathare-Tal bei Nairobi gebaut werden können. Zu begrüssen ist, dass diese Wohnungen von den Betroffenen selbst im afrikanischen Stil gebaut werden sollen, und dass das gespendete Geld eigentlich nur ein Startkapital sein soll, das nach Möglichkeit zurückzuzahlen ist, damit die Kirche es erneut anderswo einsetzen kann. Das Projekt entspricht durchaus dem wichtigen Kriterium jeder ernsthaften Entwicklungshilfe, nämlich die Armen selbst an der Lösung ihrer Probleme zu beteiligen.
Wem kein Aufkleber von Jugendlichen angeboten wird, der kann seine Spende auch so auf das CCP 81315-29 der "Aktioun A-B-C" überweisen.
Vergib uns unsere Schuld
WIE AUCH WIR
VERGEBEN
UNSERN SCHULDIGERN
Wohl die schwierigste Bitte
weil der Vater
uns unsere Schuld
nur dann abnehmen kann
wenn wir unsere eigenen Schuldner
entlastet haben.
"Geh
und versöhne dich mit deinem Bruder
dann komm und leg deine Gabe auf den Altar"
sagt der Bergprediger seinen Schülern.
Haben wir unsere Schuldner entlastet?
Jeder von uns
seine ganz persönlichen Schuldner?
Was ist denn mit dem
der mir schuldet Bruder zu sein
der jedoch beansprucht
mein Herr zu sein
der mich in die Ecke stellt
der mir das Wort abschneidet
der den Stab über mich bricht
hab ich ihn entlastet?
Haben wir unsere Schuldner entlastet?
Wir
als Familie
als erste die Nachbarn wieder gegrüßt
die unsern guten Namen befleckten?
Wir
als Nation
bereit zu vergeben
die schrecklichen Jahre
bereit zusammenzugehen
mit dem früheren Feind?
Vater
kannst Du
uns unsere Schuld vergeben
wenn wir Dich darum bitten
es mit uns genau so zu tun
wie wir es
mit unsern Schuldnern tun?
verzichtet werden kann. Diese drei Umstände führen möglicherweise zu einem falschen Papstbild. Es kommt daher viel darauf an, wie der Papst selbst sich benimmt. Und er versucht ja gerade immer wieder, diese Zwänge zu durchbrechen. Er will ja nicht ewig auf einem Podium stehen. Auch seine Aussagen können dazu beitragen, seine Rolle richtiger zu erfassen. Drittens ist es wohl auch notwendig, in der pastoralen Arbeit auf die Fragen um Kirche und Petrusamt in der Kirche zurückzukommen. Das war für die Zeit zwischen Advent und Fastenzeit geplant, scheint aber nicht so recht gelaufen zu sein. In "Aspekte" wird Herr Michel Schmitt nochmals, in Anlehnung an das Buch von Tillard (vgl. unten S.11), auf das Petrusamt eingehen und zwar zwecks Formation des Klerus. Wir sollten also noch darauf zurückkommen, um gegen ein zu hierarchisches Bild des Papstes anzukämpfen.
M. Majerus: Bei der Organisation haben wir uns jedenfalls immer wieder bemüht, bis in die Konstruktionspläne hinein, darauf hinzuweisen, dass die Zentralfigur Jesus Christus und nicht der Papst ist. Aber die Gefahr eines falschen Papstbildes bleibt sicher bestehen.
forum: Für die Jugendlichen ist eine der ärgsten Schwierigkeiten mit diesem Papst seine Haltung zu Fragen des Sexualbereichs. Auf diesem Gebiet sitzt das Misstrauen sehr tief.
M. Majerus: Das ist schade. Ich weiss, dass die Botschaft des Papstes auf drei Punkte reduziert wird: 1. Er ist gegen die Wiederheirat Geschiedener 2. er ist gegen Verhütungsmittel, 3. er ist gegen die Priesterweihe von Frauen.
M. Schiltz: Während seiner letzten Lateinamerikareise hörte ich auf RTL den einen Satz: "Johannes Paul II. hat in Venezuela gegen die Pille und die Befreiungstheologie gewettert."
M. Majerus: Die gesamte Botschaft, etwa von "Familiaris consortio" wird dadurch aber verschleiert. Die Sexualtheologie dieses Textes ist viel reicher, als diese Reduktion vermuten lässt. Sicher werden auch diese drei Sätze gesagt, die auch mir Schwierigkeiten bereiten, aber die flotten Ansätze zu einer positiven Haltung in Sexualfragen fallen unter den Tisch.
M. Schiltz: Auch diese Aussagen des Papstes gehen von einem ganz positiven Grundansatz aus, nämlich von einem sehr hohen Bild des Menschen, von der Sorge, dass der Mensch nicht das Opfer von Manipulation oder Selbstmanipulation werde.
Ein Hauptproblem ist allerdings die selektive Berichterstattung über seine Botschaft. Das wird auch unsere Sorge sein in Luxemburg, aber wir können der Presse keine Vorschriften machen. Nur ein Beispiel: Vor kurzem sagte mir ein Medienverantwortlicher, er lasse alles aufzeichnen, was der Papst in Luxemburg tut und sagt. Ich wies darauf hin, dass die Ansprache im Theater z.B. uninteressant sei für das grosse Publikum. Er antwortete mir: "Ich zeichne alles auf, um sicher zu sein, auch jenen kleinen Satz aufzufangen, mit dem der Papst euch Luxemburger Pfarrern die Leviten liest, und diesen Satz werde ich in die Nachrichtensendung reinspeisen." Das Beispiel zeigt sehr gut, wie Medien eine Botschaft verfälschen können, in dem negative Sätze aus dem Kontext gerissen werden. Im viel kritisierten Dokument über die Befreiungstheologie steht z.B. viel mehr Positives, als ich je in einer Zeitung über diese Theologie gelesen habe, aber das wird unterschlagen.
forum: Wie will die Kirche denn darauf reagieren?
M. Schiltz: Mir ist in unserm Gespräch klar geworden, dass wir im nachhinein auf jeden Fall die gesamte Berichterstattung aufarbeiten müssen, um dann auf jene Punkte zurückzukommen, wo möglicherweise falsche Vorstellungen (von Kirchenbild, vom Papstbild, usw.) vermittelt werden.
M. Majerus: Wahrscheinlich kommt es darauf an, während des Besuches die Journalisten möglichst gut zu begleiten. Aus der Schweiz wurde uns z.B. empfohlen, Theologen mit den Journalisten im Bus mitreisen zu lassen, die sofort für Informationen, Erklärungen, Gespräche zur Verfügung stehen. Selbst Journalisten, die zur Zeit für Interviews zu uns kommen, sind offensichtlich nicht genügend für diese Themen vorbereitet, verstehen nicht alle Subtilitäten der kirchlichen Sprache.
Papstkontakt nur gegen Eintrittskarte?
forum: Kommen wir also zu den Organisationsfragen. Anscheinend muss man sich anmelden, um an den Papstfeiern teilnehmen zu dürfen: also der Papst ist nur gegen Eintrittskarte zu sehen?
M. Majerus: Das gilt nur in Echternach, weil dort nur knapp 8000 Plätze vorhanden sind und der Andrang aus Deutschland gross zu sein droht, sowie in der Kathedrale, wo wir maximal 800 Kranke plus ihr Betreuungspersonal unterbringen können. Ansonsten besteht überall freier Zutritt.
M. Schiltz: Wir haben allerdings vor, bessere Plätze zu reservieren, in Esch und in Luxemburg, für alle, die bereit sind, mit öffentlichen Transportmitteln anzureisen.
forum: Diese Massnahmen deuten darauf hin, dass sie Angst haben vor zuviel Andrang? Haben sie nie Angst gehabt, es könnten nur wenig Leute den Weg zu den Veranstaltungen finden?
M. Schiltz: Wir schwanken .. von Tag zu Tag …
Herr Majerus war noch heute morgen in
Metz beim Präfekten: dort empfahl man ihm, in Esch
mit 50 – 100 000 Leuten zu rechnen. Alle weltli-
chen Instanzen rechnen mit höheren Schätzungen, als
wir selbst erwarten.
forum: Und die Konkurrenz von RTL-Direktübertra-
gungen fürchten sie nicht?
M. Schiltz: Doch. Als wir mit den belgischen und
niederländischen Bischöfen im Novem-
ber beim Papst weilten, fragte er uns, ob es auch
Konkurrenzunternehmen oder Anti-Veranstaltungen
geben werde. Ich habe ihm geantwortet, dass es in
Luxemburg nur eine grosse Konkurrenz geben werde:
das Fernsehen. In Luxemburg hat jeder 2. Einwoh-
ner einen Fernsehen, und die Gefahr, dass manche
UND FÜHRE UNS NICHT IN VERSUCHUNG
Da scheint doch irgendeinem
ein Übersetzungsfehler unterlaufen zu sein.
Vater
Du führst uns nicht in Versuchung
Du doch nicht.
Es müßte wohl heißen
laß uns nicht umkommen in der Versuchung
denn allgegenwärtig ist die Versuchung
genau das zu unterlassen
genau das zu boykottieren
um was wir Dich zu Anfang baten.
Nicht Deinen
sondern unsern Namen
hätten wir gerne ganz großgeschrieben
alle sollen uns kennen.
Unser Name werde geheiligt
das ist der Versuchungen eine.
Jesus hat sich nicht
von der Tempelzinne heruntergestürzt
Sensationsmache war nicht seine Sache
er widerstand dem Versucher.
Nicht Dein
sondern unser Wille
soll durchgesetzt werden
und wenn alles in Scherben fällt.
Da sind wir nicht
wie unser Herr Jesus
der keine Engellegionen herbeibefahl
um seine Feinde abzuschrecken
der keinen Krieg wollte
weil Du keinen willst.
Nicht Dein
sondern unser Reich komme
das Reich der Diplomaten
das Reich der Großkonzerne
das Reich der Rücksichtslosen
die Almosen spenden
und die Ungerechtigkeit festzementieren.
Groß ist die Versuchung
unbedenklich
bei diesem makabren Spiel mitzumischen.
Vater
LASS UNS NICHT
UNTERLIEGEN
IN UNSERN
VERSUCHUNGEN
lieber zuhause bleiben, als sich zum Papst zu be-
wegen, ist durchaus gegeben, aber kaum abzuschät-
zen.
M. Majerus: Ich befürchte, dass mehr Ausländer an
den hiesigen Veranstaltungen teilneh-
men werden als Luxemburger. Ein Beispiel: aus
Arlon hat der Dechant mit Zustimmung des Bischofs
von Namur, mehrere Tausend Pilger angekündigt. Ein
Sonderzug ist gewiss, daneben noch Busse. Heute
schon sind aus der BRD zwei Sonderzüge angemeldet,
und es wird noch mit 1-2 weiteren aus Koblenz ge-
rechnet. Die Franzosen meinten heute morgen, der
Escher Bahnhof werde wohl nicht alle Sonderzüge
aus Lothringen fassen. Damit hatten wir nicht ge-
rechnet. Nur in Echternach hatten wir eine inter-
nationale Begegnung geplant.
M. Schiltz: Interessanterweise scheint sich das
ganze frühere Herzogtum Luxemburg
hierhin bewegen zu wollen, und nicht etwa in Bel-
gien nach Namur oder Beauraing oder Banneux!
forum: Warum eigentlich hat es dieses Hin und Her
mit dem Datum des Papstbesuches gegeben?
M. Schiltz: Ganz einfach: die belgischen Bischöfe
hätten Schwierigkeiten mit dem Spra-
chenproblem. Sie müssen aufpassen, dass der Papst
ja nur nicht einen Schritt mehr in Wallonien als
in Flandern tut, abgesehen von Brüssel. Daher lan-
det er zwar jetzt mit Luxair in Zaventem, fliegt
aber sofort per Helikopter nach Brüssel, wo er
erst den Boden küßt und offiziell empfangen wird.
Aus diesen Gründen hatten die Belgier Zeitproble-
me. Anfangs hatten sie uns angeboten, den Papst-
besuch am Montag und Dienstag zu organisieren
(statt Sonntag und Montag wie ursprünglich ge-
plant). Sie meinten, wortwörtlich, Luxemburg sei
ja ein katholisches Land und die Regierung könne
folglich diesen Tag zum Staatsfeiertag erklären.
Ich habe darauf geantwortet, das komme unter kei-
nen Umständen in Frage und ich wolle keine Regie-
rung in die Lage versetzen, diese Frage auch nur
erörtern zu müssen, von den Folgen für die Wirt-
schaft wegen Arbeitsausfall gar nicht zu sprechen.
Der 5. Tag, den die Belgier brauchten, war darauf-
hin nur dadurch herauszuschlagen, dass der Papst
nach den Niederlanden zuerst nach Luxemburg kommt
und in Belgien seine Reise abschliesst.
M. Majerus: Trotzdem wird am Mittwoch, dem 15. Mai
1985, schulfrei sein, und zwar nicht
auf unsere Bitte hin, sondern weil CFL und die
städtischen Busse nicht genügend ausgerüstet sind,
um die Schülertransporte gleichzeitig mit den
Pilgertransporten durchzuführen, da diese ja schon
vom frühen Nachmittag an laufen müssen. Daraufhin
hat der Regierungsrat beschlossen, schulfrei zu
geben.
Was kostet der Besuch den Staat?
forum: Damit ist aber auch die Frage aufgeworfen,
was der Papstbesuch den Staat kosten wird,
abgesehen von den Kosten, die die Kirche selbst
zu tragen hat. Und das hängt ja wieder mit der
Frage zusammen, ob es wirklich glücklich ist, dass
der Papst auch Staatschef ist.
M. Schiltz: Der Staat ist vor allem für die Si-
cherheit des Papstes zuständig. Doch
das ist nur ein kleiner Teil des notwendigen Si-
cherheitsaufwandes bei Grosskundgebungen. Bei
Massenveranstaltungen ist aber auf Grund der ver-
fassungsmässigen Versammlungsfreiheit der Staat zu besonderen Sicherheitsmassnahmen verpflichtet. Das gilt ganz besonders, wenn es sich, wie auf dem Glacisfeld, um öffentliches Gelände handelt. Wir sind jetzt in Verhandlungen darüber, wie diese Sicherheitsmassnahmen mit den Erfordernissen einer liturgischen Feier in Einklang zu bringen sind. Im Prinzip gilt genau das gleiche bei Sportveranstaltungen.
Was nun die Qualität des Papstes als Staatschef anbelangt, so ist zwar richtig, dass er protokollarisch als solcher empfangen wird, aber er will nicht als solcher nach Luxemburg kommen. Ich vergleiche seine Stellung eher mit jener eines Präsidenten einer internationalen Organisation, die eine gewisse Exterritorialität geniesst. Der Sicherheitsaufwand beim Papst wird sicher kleiner sein als beim Besuch des US-Vizepräsidenten Bush: dieser hatte (offiziell) Zoo Sicherheitsbeamten mitgebracht, der Papst wird von 4 Mann begleitet.
M. Majerus: Hinzukommen allerdings die Transportkosten. Wir müssen aber darauf hinweisen, dass die CFL den Pilgern genau dieselben günstigen Bedingungen gewährt (70% Reduktion auf den Fahrpreisen) wie jeder zehn Mann starken Gruppe. Es handelt sich also nicht um eine Extra-Wurst für den Papstbesuch. Die Guiden reisten zum Thinking-Day am 3.2.1985 unter denselben Bedingungen.
Sind Frauen auch zum Altardienst zugelassen?
forum: In Kanada hatte es Probleme gegeben, weil der Papst keine weiblichen Messdiener an seinem Altar zulassen wollte. Bei andern Besuchen hat es Schwierigkeiten gegeben, weil er die Handkommunion verweigert hat. Gab es in dieser Hinsicht Anweisungen aus Rom?
M. Schiltz: Und wurde was die Handkommunion anbelangt geantwortet, der Papst halte sich an den im Lande üblichen Gebrauch. Was die Messdienerinnen in Kanada anbelangt, so habe ich gehört, er habe sie ignoriert, aber keine zurückgewiesen.
M. Majerus: Auf jeden Fall haben wir alle Messdiener, Jungen und Mädchen, zum Glacisfeld eingeladen. Bei der Kommunionausteilung werden auch Laien helfen, darunter auch Frauen. Und wurden in dieser Hinsicht keine Auflagen gemacht.
forum: Im "tageblatt" stand zu lesen, das Bistum sei bei den Kinobesitzern interveniert, um für "saubere" Programme während des Papstbesuches zu sorgen. Mich hat das überrascht …
M. Schiltz: Das ist das erste Mal, dass ich davon höre. Im Bistum weiss jedenfalls niemand von einer derartigen Intervention. Wir haben andere Sorgen.
forum: Bei den 50 oder 100 000 Besuchern auf dem Glacisfeld oder wo auch immer, wird ganz sicher ein grosser Teil nicht aus christlicher Überzeugung kommen, sondern aus Neugierde oder Schaulust. Das ist normal. Besteht dann aber nicht
Vater
LASS UNS NICHT
UNTERLIEGEN
IN UNSERN
VERSUCHUNGEN
Haus auf Häuser
Feld auf Felder
zu häufen
wie der Profet sagt
oder moderner
Tausender zu Tausendern
Aktien zu Aktien
Goldbarren zu Goldbarren
in unsern Tresors zu speichern
das ist einer unserer Träume.
Vater
laß es beim Traum bewenden
laß ihn nicht zur Versuchung werden.
Orden und Ehrenzeichen sammeln
auf Staatsempfängen glänzen
auf Titelseiten erscheinen
auf dem Ehrenpodest Platz nehmen
zu den Mächtigen gehören
das ist einer unserer Träume
ein Traum der kleinen Leute.
Laß es beim Traum bewenden
laß ihn nicht zur Versuchung werden.
Wenn Holocausts brennen
ist die Versuchung groß
zu sagen: "Davon wußten wir nichts!"
Wenn bei Massenkundgebungen
das Volk um den Verstand gebracht wird
dann ist die Versuchung groß
mit den vielen mitzuschreien.
Wer gegen kollektiven Wahnsinn aufsteht
wer zum Boykott von Waffenproduktion
und Waffenhandel aufruft
wer gegen Konsumzwang protestiert
wird gleich doppelt versucht
entweder aus Ohnmacht zu resignieren
oder aus Zorn zur Gewalt zu greifen.
Vater
in dieser Versuchung
mußt Du dem Versuchten schon beistehen.
das Risiko, dass manche, und vor allem auch die katholische Presse, die Schlussfolgerung ziehen, "Seht, der Papst überzeugt! Alle sind gekommen! Die Welt oder die Kirche ist wieder heil!" Sind das die richtigen pastoralen Schlüsse? Muss man sich nicht eher unwohl fühlen, wenn 100 000 dem Papst Beisall klatschen, aber keine 1000 seine Botschaft ernst nehmen und danach handeln?
M. Schiltz: Wieviel kommen, wieviele glauben, wissen wir nicht. Wir sollten aber klaren Kopf behalten und nicht in einen billigen Triumphalismus fallen und nachher behaupten, wenn 100 oder 200 000 insgesamt den Papst gesehen haben, ganz Luxemburg sei wieder katholisch. Wichtig ist zu sehen, was im Anschluss an den Besuch entsteht. In Wien hat man die Folgen des Besuches eine Weile beobachtet und festgestellt, dass noch 6 Monate danach der Kirchenbesuch signifikativ höher lag als vorher. Insofern kann es schon sein, dass eine Reihe von Leuten, wie ich zu Anfang gesagt habe, sich mal wieder die Glaubensfrage stellen und sich neu definieren.
forum: Vielen Dank für dieses aufschlussreiche Gespräch.
(Für "forum" sprachen am 25.2.1985 mit dem Generalvikar und dem Koordinator des Papstbesuches Franz Koedinger und Michel Pauly.)
■ Surprise : Le Vatican exporte!
A en croire les très officielles statistiques italiennes, le plus petit État du monde – la cité du Vatican (500 résidents, 3500 employés) – a exporté en 1982 vers l’Italie un tracteur, 4000 litres de parfum et des « produits des industries métallurgiques. » En contrepartie il a acquis 800 tonnes de pâtes, 570 tonnes de sucre, 110 de fromages, 7234 paires de chaussures de cuir, 7000 tonnes de carburant, 2000 hectolitres de liqueur, presque autant de bière, mais seulement 200 hectolitres de vin… Gare au déficit commercial.
in: La Croix 17.-18.4.1983
KEIN WITZ
Bei einer offiziellen Versammlung des Stadtklerus schilderte ein Offizier des Sicherheitsdienstes ("Sûreté") die Vorkehrungen an folgendem Beispiel, das er sehr ernst nahm und offenbar selbst glaubte:
Seine Frau habe ihm erzählt, sie habe in der Niederanvener Sonntagsmesse Pfarrer Jupp Wagner predigen hören, er werde höchstens mit einer Bombe zum Glacissfeld pilgern (nach einer anderen Version: mit einer Pistole).
Der Offizier wies die erschreckten Priester des Dekanats darauf hin, dass nur die Tatsache, dass Jupp Wagner Priester ist, ihn davon abhalte, den Mann vom 14.-16. Mai in Vorbeugehaft zu nehmen.
Humor muss man haben!
ERLOSE UNS VON DEM BÖSEN
Viele Gruben
in die wir hineinstürzen
haben wir uns selber gegraben.
Nicht nur jeder seine Privatgrube.
Im Gemeinschaftsgrab liegen Millionen und die aus den Völkerschlachten davonkamen
wußten am Ende nicht weshalb
sie begeistert in den Kampf gezogen wieso
sie jahrelang durchgehalten wozu
das Ganze gut gewesen.
Da steckt doch Böses dahinter
wenn Massen fanatisiert
kollektiv den Verstand verlieren.
Beileibe nicht erst
neunzehnhundertdreiunddreißig.
Schon vor zweitausend Jahren
wurde der Pöbel besänftigt
mit Brot und mit Spielen.
Ist es heute anders?
Da steckt doch Böses dahinter.
Das Böse steckt wirklich
dahinter
es maskiert sich
es lauert
dann ist es auf einmal da
zeigt eins seiner Gesichter
von denen es viele hat
hier nur einige
von A bis Z:
Abschreckung, Apartheid,
Arbeitslosigkeit, Ausbeutung,
Desinformation, Gulag, Hungerkatastrofe,
Kapitalismus, Kommunismus, Konsumismus,
Opportunismus, Permissivität,
Polizeifolter, Terrorismus,
Ungerechtigkeit, Zensur, Zwangsarbeit.
Da steckt doch Böses dahinter
mal zeigt es ein Gesicht
mal ein anderes
der brave Bürger ist verwirrt
setzt auf den Krieg der Sterne
und auf Abschreckung
ohne zu merken wie hinter allem
das gleiche Böse steckt.
Vater
ohne dich sind wir verloren
errette uns vom Bösen.
D’"forum"-Redaktion sect de Mataarbechter un dësem Dossier villmools merci: Et worens dës Kéier Jean HIERZIG, Karin JAHR, François KOEDINGER, MIE MAJERUS a Mathias SCHILTZ.
D’Karikature von de Säite 27, 31 an 42 sin aus dem Buch "Hauptsache der Papst ist katholisch" – Karikaturen aus der Weltpresse über Papst, Christliches und Unchristliches, herausgegeben von Bruno Nies, Otto Müller Verlag, Salzburg, 1982
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