Der 2. Weltkrieg in Luxemburg
Zwei Neuerscheinungen mit wissenschaftlichem Anspruch
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Jahrestage verlangen nach Festbroschüren: 75. Wiegenfest der Feuerwehrmannschaft, 50.Stiftungsfest des Cäcilienvereins, 20.Gründungsjahr des Fussballclubs…: ein paar Vereinsbilder, ein bisschen Lokalgeschichte, viele Reklamen … und der Vereinskassierer darf lachen. Der Dorflehrer durfte zwar sein historisches Interesse unter Beweis stellen, aber die Berufshistoriker werden trotzdem meistens die Nase rümpfen.
Vor kurzem war nun der 40.Jahrestag des Kriegsendes fällig. Wer sollte denn da die Gedenkbrochüre schreiben? Das ganze Volk? Unmöglich! (1) Kulturminister Robert KRIEPS hat deshalb eine Reihe von Fachhistorikern beauftragt, in geraffter Form aber wissenschaftlich vertretbar die Bedeutung des 2.Weltkriegs für unser Land darzustellen. Diese "Festbroschüre" ist abseits von aller Propaganda und äusseren Festlichkeiten in den Sommermonaten erschienen. In erster Linie für die Nachgeborenen, die heutigen Schüler gedacht, stellt sie die erste Gesamtdarstellung der Kriegsperiode ausserhalb eines Schulbuches dar:
Lëtzebuerg 40 Joer fräi, hrg. vom Ministère des Affaires Culturelles, Luxembourg, s.d.(1985) 92 pp.
Da insgesamt nur Fachleute am Schreiben beteiligt waren und umstrittene Einzelheiten kaum berührt wurden, ist am Inhalt der Broschüre nicht viel auszusetzen. Ein Fragezeichen würde ich nur setzen, wo André Hohengarten den Verzicht des "Chefs der Zivilverwaltung" (CdZ)
auf die Einberufung weiterer Jahrgänge zur Wehrmacht allein als Folge des Streikes von Anfang September 1942 darstellt ( S.30), während Paul Dostert in seiner jüngst erschienenen Dissertation dazu Zweifel anmeldet (vgl. unten), und wo in der Chronologie behauptet wird am 30.08.1942 habe der Gauleiter die "Annexion" Luxemburgs verkündet ( S.68), was rechtlich sicher nicht der Fall war, wenn auch praktisch die Einführung der Wehrdienstpflicht darauf hinauslief.
Da aber Minister R.Krieps in seinem Vorwort den "jeune citoyen" als Hauptadressaten bezeichnet und von "expliquer les dictatures" spricht, müssen einige kritische Anmerkungen betreffend die pädagogische Seite der Darstellung gemacht werden. So muss an erster Stelle hervorgehoben werden, dass von "expliquer" keine Rede sein kann, wenn man darunter die zentrale Frage versteht: wie war sowas möglich? Die Antwort auf diese Frage ist in der Tat in der deutschen ( und internationalen) Geschichte zu suchen. Der Geschichtslehrer, der Geschichte nicht nur (wie die Nazis!) als Element des Nationalbewusstseins versteht und sich auf Faktenbeschreibung beschränkt, muss also unbedingt über diese Broschüre hinaus die Entstehungsgeschichte des Nationalsozialismus behandeln, wenn er Geschichte als kritische Wissenschaft ernst nimmt.
Dass die einzelnen Autoren Emile Haag ( "Die Luxemburger Regierung während des Zweiten Weltkriegs"), Paul Dostert (" Von reichsdeutscher Verwaltung zur Befreiung"), André Hohengarten
(" Der Griff nach der Jugend", "Repression"), Emile Krier (" Widerstand und Kollaboration"), Aloyse Raths und Paul Dostert (" Chronologie 1939-1945") sich nicht auf alle Einzelheiten einlassen durften und die Vermittlung eines Gesamtüberblicks als erstes Ziel hatten, dürfte von vornherein klar sein. Es ist ihnen auch zum grossen Teil gelungen. Zu Recht ist daher die abschliessende Zeittafel ausführlicher gestaltet und nennt auch Einzelereignisse um die übrigen Beiträge anschaulich zu ergänzen. Der zeitliche Parallelismus zwischen NS-Vorgehen, Widerstandsaktionen und Repressionsmassnahmen wird recht deutlich. Die durch Fettdruck hervorgehobenen Daten scheinen mir allerdings etwas willkürlich gewählt. Es fehlt der Hinweis ( auch in den übrigen Beiträgen), wann die Presseorgane gleichgeschaltet wurden.
Trotz des Übersichtscharakters bleiben einige Frage offen, die ein Schüler wohl sofort stellen wird: Welche Beweggründe motivierten z.B. Regierung und Grossherzogin zum Exil? Warum waren viele, inklusiv Abgeordnetenkammer mit dieser Entscheidung nicht einverstanden? Waren Kanada und die USA ein und dasselbe, dass Haag sie in einem Abschnitt mischt? Unstimmigkeiten bei Kriegsende werden bei Haag angedeutet, ohne dass der Leser genaueres erfährt; nur Hohengarten nennt ein Beispiel betreffend luxbg. Überläufer in Russland (S.29): Er ist der einzige, der sich selbst mit solchen Kritiken an der damaligen Regierung identifiziert, während die andern in sachlich-nüchternem Ton berichten. Was waren "NSDAP/AO" und Stossstrupp "Lützelburg" (S.11)? Kann man voraussetzen, dass jeder junger Leser weiss, was Judentransporte "in Richtung Osten" für die Betroffenen bedeuteten (S.21)? Selbst die "VdB" wird m.E. unzureichend erklärt, der Begriff des "Ortsgruppenleiters" gar nicht. Am 28.2.1941 wurde ein Brandanschlag auf die Synagoge versucht (S.63), doch es wäre sicher auch wichtig gewesen ihre Zerstörung durch die Nazis in der Zeittafel aufzuführen. Wann Walter Runge Leiter der Gestapo in Luxemburg wurde, darüber sind die Autoren sich auch nicht einig: S. 52 ist er es ab Herbst 1940, S.64 wird er es am 8.3.1941 und S.71 erst am 9.4.1943. Der Name des Landesorganisationsleiters der VdB Kreins ist im übrigen falsch geschrieben (S.58).
Während Haag, Dostert und Krier sich pädagogisch richtig auf das Wesentliche zu beschränken wissen, wimmelt es leider in Hohengartens Beiträgen von Einzelheiten, Zahlen, Daten, Namen, Ortschaften,.. ist es wichtig zu wissen, welche Nummer die RAD-
Arbeitslager in Luxemburg hatten (S.25)? oder in welchen Haftanstalten luxemburgische Deserteure sassen (S.31), oder in welche Abteilungen ( mit Nummer!) sich die SD-Aussenstelle Luxemburg oder die Gestapo gliederte (S.59)? usw. Nachdem er recht übersichtlich die politische Justiz dargestellt hat, verliert Hohengarten sich in dem Versuch, die Organisation der Sicherheitspolizei zu erklären statt deren Funktion, Arbeitsweise, Massnahmen darzustellen. So stellt er z.B. den rechtlichen und finanziellen Unterschied zwischen einem "V-Mann" des SD und einem "Zubringer" dar (S.52), deren Arbeit und Zweck erklärt er nicht. Sind sie dieselben wie bei der Gestapo (S.53)? Die wichtigen Unterschiede zwischen ordentlicher Haftstrafe, Polizeiahaft und "Schutzhaft", zwischen Gefängnis und KZ bleiben völlig im Dunkeln. Es wäre m.E. prinzipiell besser gewesen den Beitrag über Reichsarbeitsdienst, Wehrpflicht und deren Folgen in den Artikel von Dostert über die reichsdeutsche Verwaltung einzuarbeiten, der sich jetzt etwas willkürlich auf Kultur-, Kirchen-, Schul-, Volkstums- und Judenpolitik beschränken muss.
Bei aller Kritik soll eins aber klar sein: diese Gedenkbroschüre ist wichtig und der Kulturminister ist für seine Initiative, die er auch noch auf etwas unorthodoxe Weise von der Staatssparkasse finanzieren liess, zu loben. Da ja nicht nur 1985 Jugendliche zur Schule gehen, die den Krieg nicht mehr miterlebt haben, steht zu hoffen, dass bei einer 2.Auflage die Texte stilistisch überarbeitet werden und die zahlreichen Satzbau-, Grammatik- und Druckfehler ausgemerzt werden. Eine kurze Bibliographie mit weiterführender Literatur ( für Erzieher und Schüler) könnte auch nicht schaden. Wie bei den anfangs genannten Vereinsfestbroschüren scheint auch hier der Zeitdruck leider etwas zu gross gewesen zu sein.
Keineswegs als Gelegenheitswerk zum 40.Jahrestag des Kriegsendes war ein anderes Buch gedacht, das die St.Paulus-Druckerei kommerziell rechtzeitig Anfang Mai 1985 herausgebracht hat:
Paul DOSTERT, Luxemburg zwischen Selbstbehauptung und nationaler Selbstaufgabe. Die deutsche Besatzungspolitik und die Volksdeutsche Bewegung 1940-1945, 267 + 309S., Luxemburg 1985.
Paul Dostert, der den "forum"-Lesern ob seiner zeitgeschichtlichen Beiträge und Rezensionen ja kein Unbekannter sein dürfte, beschäftigt sich nämlich schon seit seinen Studienjahren in Mar-
burg und Freiburg (1970-75) mit der Geschichte Luxemburgs zur Zeit des Nationalsozialismus und das vorliegende Buch ist das (eher zufällig 1984 fertiggestellte) Ergebnis einer 1979 begonnenen Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der Universität Freiburg.
Das Thema allein, dessen Popularität im Gedenkjahr 1985 ja erneut offenkundig wurde, wird diesem Buch den Absatz sichern. Erste Pressekommentare, die es zu Recht als erste wissenschaftliche Abhandlung über die Kriegsperiode gefeiert haben (2), trugen das ihre dazu bei, ihm einen grossen Leserkreis zu garantieren. Ich wage allerdings zu befürchten, und erste Reaktionen in Resistenzlerkreisen bestätigen mich darin, dass manche Leser aus der überlebenden Generation enttäuscht, wenn nicht verärgert sein werden. Paul Dostert hat nämlich nicht versucht, wie manche erwartet hatten, das Gesamt der Probleme, die sich 1940-45 stellten, zu erfassen, die Lage aus allen Perspektiven darzustellen. Der Untertitel lässt eigentlich an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: es geht um die deutsche Politik gegenüber Luxemburg und erst als Antwort darauf beschreibt der Autor, in viel geraffterer Form, sozusagen "pour mémoire", die Reaktionen der Luxemburger: Kollaboration, Passivität, Widerstand.
Vor allem letzteren – für viele Luxemburger ja die einzige Haltung, an die sie sich noch erinnern (wollen) – wird im Buch nur kurz behandelt (SS. 251-255). Doch schon in der Einleitung heisst es: "Eine Frage bleibt jedoch ohne befriedigende Antwort: War der Widerstand der Luxemburger das Resultat der organisierten Resistenz, oder handelten die Luxemburger spontan?" (S.14) und weiter in Anmerkung 34, S.249*: "Es ist nicht der Anspruch dieses Kapitels eine Geschichte des Widerstands zu schreiben. (…) Nicht beachtet werden können die unterschiedlichen ideologischen Grundlagen der einzelnen Gruppen. Dazu wäre eine eigene dokumentarische Forschung unerlässlich.(…)" Lucien Blau hat bekanntlich inzwischen mit dieser Arbeit begonnen (vgl. "forum", Nr.77/ Jan.1985, SS. 45 ff.).
Paul Dostert hat auch keinen chronologischen Abriss der Ereignisse geschrieben. (Den liefert er zusammen mit Aloyse RATHS in der erstgenannten Broschüre). Seine Dissertation ist strukturgeschichtlich angelegt und setzt die Kenntnis der Ereignisse voraus. (Über deren Schilderung ist die luxbg. Geschichtsschreibung ja bislang kaum hinausgekommen.) P.Dostert geht die Politik der Militärverwaltung, dann des CdZ nach Themenbereichen durch: Besatzungsstatut und völkerrechtliche Lage, Aufbau neuer Verwaltungen in Staat, Landkreisen und Gemeinden, Gleichschaltung des Vereinslebens, Wirtschaftspolitik, Kulturpolitik und Propaganda, Religions- und Schulpolitik, Volkstum- und Rassenpolitik, Einführung der Wehrpflicht und Verleihung der deutschen Staatsangehörigkeit, Justiz, Deportation. Im 3.Teil des Buches kommt er dann eingehend auf die "Volksdeutsche Bewegung" (VdB), die einzige vom CdZ zugelassene (und bevormundete!) Partei, zu sprechen, die einen heute vielfach verschwiegenen quantitativen Erfolg bei den Luxemburgern gekannt hatte: 1942 zählte sie 63.429 Mitglieder, über ein Viertel der Bevölkerung (S.235).
Das Beispiel VdB zeigt übrigens die Nachteile der strukturellen Gliederung des Buches: während SS. 230-245 ausführlich von der VdB, ihren führenden Köpfen, ihrem Programm, ihrem inneren Aufbau, den Mitgliederzahlen und Werbemethoden, ihrem Verhältnis zum Gauleiter und zur NSDAP die Rede geht,
wurde ihre Gründung schon SS. 58 ff. im Kapitel über die Militärverwaltung beschrieben. Und doch ist Dosterts methodologischer Ansatz als einzig richtigen zu bezeichnen; ein Sach- und Personenindex hätte allerdings sehr geholfen, um solche unvermeidliche Nachteile zu überbrücken.
In den Abschnitten über die Personenstandsaufnahme vom 10.10.1941 oder über die Einführung der Wehrpflicht am 30.8.1942 zeigen sich sehr deutlich die Vorteile einer nur knappen Schilderung der allseits bekannten Ereignisse: endlich wird der Blick frei für die Folgen dieser Widerstandsaktionen auf die Politik des CdZ, bzw. für die Genese von dessen Massnahmen. Durch die Einbettung der Ereignisse um die Zwangsrekrutierung in einen grösseren Kontext wird z.B. eine nüanciertere Bewertung des Streikerfolgs möglich: dass die Wehrpflicht bei uns, im Gegensatz zu Elsass und Lothringen, nicht über die Jahrgänge 1920-27 hinaus ausgedehnt wurde, ist nicht unbedingt allein auf die Streiks von September 1942 zurückzuführen, sondern könnte sehr wohl wirtschaftliche Gründe haben (Arbeitskräftemangel!), strebt doch G. Simon sich von Anfang an gegen die Wehrdienstpflicht (S.177). Wie kaum ein Autor zuvor hat P.Dostert herausgearbeitet, wie der eigensüchtige Versuch des CdZ, aus dem Gau Moselland nach dem Anschluss Luxemburgs einen privaten Machtbereich zu schaffen, Luxemburg durchaus (wirtschaftliche) Vorteile brachte, bzw. mögliche Nachteile der Besetzung abmilderte (vgl.SS.91ff). Solche Überlegungen zeigen, dass auch bei Dosterts strukturgeschichtlichem Ansatz der personenbedingte Einfluss auf den Lauf der Geschichte nicht unberücksichtigt bleibt.
Im Mittelpunkt des Interesses des Autors steht also die deutsche Politik gegenüber Luxemburg. Das macht dieses Buch, das schliesslich als Dissertation an einer deutschen Universität "magna cum laude" angenommen wurde, für die deutsche und internationale Forschung über den Nationalsozialismus vielleicht wichtiger als für die luxbg. Geschichtsschreibung. Insbesondere so umstrittene Fragen wie das Verhältnis von Partei und Staat (SS.69,80, u.a.), die NS-Kirchenpolitik (SS. 135 ff), die Schulpolitik (SS.142,157), die Judenverfolgungen (SS.163 ff) werden durch Dosterts Forschungen am Luxemburger Beispiel um neue Gesichtspunkte bereichert. An mehreren Stellen kann der Autor nachweisen, wie der Luxemburger Raum
als Experimentierfeld für spätere Lösungen im "Altreich" benutzt wurde (S.135,142,u.a.). Aus diesem Grund beschäftigt sich P.Dostertauch des längeren mit den völkerrechtlichen Absichten der Nazis (und nicht nur mit den getroffenen Massnahmen) oder etwa mit den Auseinandersetzungen zwischen CdZ und Reichsbehörden, "interne Schwierigkeiten", wie er schreibt, "für die Betroffenen (d.h. Luxemburger) vorerst nicht von Bedeutung waren" (S.70). In diesen ersten Abschnitten des Buches, die den neuen völker- und staatsrechtlichen Verhältnissen gewidmet sind, wimmelt es denn auch von Gesetzeszitaten im juristischen Fachjargon, deren Tragweite für den Laien nicht unbedingt so ipso zu erkennen ist. Die erklärenden Zusammenfassungen durch den Autor am Schluss eines Abschnitts hätten ruhig noch deutlicher ausfallen dürfen.
Diese Vorliebe für normative Quellen (Verordnungen des CdZ, Reichsgesetze,…) oder auch verwaltungsinterne Aktenvermerke sind natürlich auch durch die Quellenlage bedingt. Da die deutschen Absichten und Massnahmen im Mittelpunkt stehen, ist diese Quellenwahl (insofern eine "Wahl" überhaupt möglich war) auch absolut gerechtfertigt und der Vorwurf einer einseitigen Perspektive (vgl.H. Koch-Kent im "tageblatt",8.6.1985) geht einfach daneben.
Paul Dostert hat aufgezeigt, wie ein kleines Volk vor der (anfangs vielen wohl unbewussten) Alternative stand, sich selbst aufzugeben, d.h. mit den sich im wesentlichen korrekt benehmenden Militärs von Mai-Juni 1940 ein modus vivendi zu finden wie 1914-18, sich sogar in die VdB einzuschreiben, sei es aus Angst, sei es um die berufliche Zukunft nicht aufs Spiel zu setzen, und abzuwarten, wer denn wohl den Krieg gewinnen würde, nachdem auch Frankreich unerwartet schnell kapitulieren musste, oder sich zu behaupten, d.h. die nationale Eigenart (Sprache, Religion,…) zu betonen, Widerstand gegen die "Verdeutschung" zu leisten, auf die Gefahr hin, die Freiheit wenn nicht den Kopf zu riskieren. Wegen seines Mangels an Einfühlungsvermögen, wegen seines Ehrgeizes, die Erwartungen des Führers womöglich besser zu erfüllen als die CdZ in Lothringen und Elsass hat Gauleiter Gustav Simon es mit Hilfe einer reichsdeutschen Bürokratie und weniger überzeugter Luxemburger in der VdB sowie durch den frühzeitigen Rückgriff auf die billigen Mittel eines blanken Terrors den meisten Luxemburgern ziemlich leicht gemacht, ihre Entscheidung schon bald zu treffen. Simons Misserfolg konnte nicht ausbleiben. Trotz des statistischen Erfolgs der VdB ging der Gedanke der nationalen Eigenständigkeit aus dieser Prüfung stärker als je zuvor in der luxbg. Geschichte hervor.
Paul Dostert hat Archive und Bibliotheken in Berlin, Bonn, Düsseldorf, Freiburg i.Br., Koblenz, Wiesbaden, Potsdam, London und Luxemburg besucht. Auch wenn noch Fragen offen bleiben (Resistenz, Exilregierung, Sozialstruktur der Kollaboration, …), so ist das nur selbstverständlich. Sowohl die von der Nationalbibliothek zusammengestellte Bibliographie (3) als auch Dosterts nur viereinhalb Seiten lange Darstellung des Forschungsstandes geben ein beredtes Zeugnis davon, wie es bisher mit der wissenschaftlichen Erforschung der jüngsten Vergangenheit bestellt war. Der Autor ist uneingeschränkt für seine Doktorarbeit zu beglückwünschen. Die St.Paulus-Druckerei ebenfalls: sie hat nicht nur für einmal ihr Prinzip, "forum"-Mitarbeiter als "personae non gratae" zu behandeln, durchbrochen, sondern vor allem den Mut aufgebracht, ein wissenschaftliches Werk, inklusiv 259 Seiten Anmerkungen und 47 Seiten Quellen- und
Literaturverzeichnis, einem grossen Publikum preiswert zugänglich zu machen. Beides verdient Nachahmung.
michel pauly
(1) Warum eigentlich? Gerade die Alltagsgeschichte könnte nur vom Volk selbst, von den einzelnen Bürgern geschrieben werden. In der BRD findet in diesem Sinne jedes Jahr ein Schülerwettbewerb statt: Schüler sammeln bei Verwandten und Bekannten Zeugnisse und rekonstruieren ein Stück gelebter Vergangenheit. In Luxemburg wurde die Idee auch schon verantwortlichen Politikern vorgetragen, aber über ein interessiertes Zuhören kamen sie nie hinaus.
(2) Es gibt weitere, die aber nicht als Buch gedruckt wurden!
(3) Selektiv Bibliographie von der Lëtzebuerger Literatur über den Zweete Weltkrich, zesummegestallt von der Nationalbibliothek, Juni 1985 (214 Titel).
Lebens- Ehe- und Familienberatung
Seminarangebote für die Saison 85/86
Sonntag 27. Oktober 1985; 9.00 – 18.00 Uhr
ANGST VOR DEM TOD
Ein Selbsterfahrungstraining: Hält mich die Angst gefangen? Der Tod mein Retter oder mein Feind? Lohnt es sich zu leben?
Teilnehmer: 8-12
Leitung: Karin Jahr, Dipl. Ehe-Familien-Lebensberaterin, Mitglied der GWG
Kosten: (einschliesslich Mittagessen) 1000-1500 F nach Selbsteinschätzung
Anmeldung: Tel 443882 bis zum 20. Oktober 1985 oder schriftlich beim CPMO (110, av.G.Diderich, Luxbg.). Wir bitten um gleichzeitige Überweisung von 300F auf CCP 37294-46 der CPMO asbl, Vermerk: Training "Angst vor dem Tod".
Sonntag 1. Dezember 1985
ALTERWERDEN
Ein Selbsterfahrungstraining – Meditation
Wie erlebe ich mein Alterwerden?
Wie lebendig bin ich noch?
Samstag-Sonntag 1. und 2. Februar 1986
MEIN LEBENSWEG
Wie wurde ich, was ich heute bin?
Was hat mich geprägt?
Meditation – Training
Sonntag 20.4.1986
TRADITIONELLE EHE ODER PARTNERSCHAFTLICHE EHE
Jeder hat seine eigenen Fähigkeiten, Bedürfnisse, Ziele. Welche will ich alleine leben, welche mit meinem Partner?
Für Paare
Leitung der Kurse: Karin Jahr.
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