Die Nationalbibliothek und die anderen

Zur ersten "Journée des bibliothèques luxembourgeoises"

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Am vergangenen 15. November 1990 fand auf Initiative des Direktors der Nationalbibliothek in Luxemburg (NBL) in der staatseigenen Burg Burglinster die erste luxemburgische "Journée des bibliothèques" statt. Ziel dieser Zusammenkunft war in erster Linie das gegenseitige Kennenlernen, der Austausch über gemeinsame Fragen, aber auch die Weichenstellung zur Lösung anstehender Probleme. Da außer dem "tageblatt" (16. und 17.11.1990) die Tageszeitungen nur minimal über dieses kulturpolitische Ereignis berichteten, informierte sich "forum" bei mehreren Teilnehmern, um zu erfahren, wo die Schwerpunkte der zukünftigen Bibliothekspolitik liegen sollen.

Rund hundert Personen, in der Hauptsache Mitarbeiter von rund vierzig öffentlich zugänglichen Bibliotheken, waren der Einladung gefolgt. Während die gut ausgestatteten, aber in Luxemburg wenig bekannten Bibliotheken der hier ansässigen EG-Institutionen, die zum größten Teil allen Interessenten offenstehen, vollzählig vertreten waren und von ihren zahlreichen Anschlüssen an internationale, bibliographische Datenbanken erzählten, fehlten die Bibliotheken, die privaten Betrieben zugehören, wie jene der ARBED, des Luxemburger Worts, der Kreditbank u.a., die z.T. ansehnliche Bücherreserven,

Zeitungssammlungen und Unternehmensarchive verwalten. Sie waren leider nicht eingeladen worden genausowenig wie die zahlreichen Pfarrbibliotheken, die sich z.T. eines recht regen Publikumserfolgs erfreuen dürfen, sowie einige Bibliotheken von Forschungsinstituten, die zwar nicht unbedingt sehr umfangreich sein mögen, die aber z.T. Sammlungen zur Verfügung stellen, die in Luxemburg sonst nirgends aufzufinden sind: etwa das Centre Alexandre Wiltheim, das Centre Luxembourgeois d’Etudes et de Recherche médiévales, das Institut d’Echternach, … Einige dieser Bibliotheken hatten sich selbst einge-

Fir de
Manderscheids
Rosch, dee nët
nëmmen als
Schrëftsteller,
mee och als
Kulturbeamten an
LSV-President de
Batty-Weber-Präis
1990 méi wi
verdéngt huet.

PIGE

  1. Lëtzebuerger
    Cartoon-Concours

laden, andere waren höflicherweise weggeblieben,
andere hofften vergebens über einen Vorgesetzten
mitvertreten zu werden.

Auch wenn er immer wieder betonte, die NBL wolle
niemanden und keine Bibliothek bevormunden, so
beherrschte doch der dynamische Leiter der NBL, Jul
Christophory, die gesamte Tagung. Aufgrund eines
Fragebogens und der Abschlußarbeit einer jungen
Luxemburger Bibliothekarin (1) präsentierte er am
Vormittag die anwesenden Bibliotheken; seinen
Ausführungen konnten die Verantwortlichen dann
einige Hinweise auf die Schwerpunkte ihrer Biblio-
thek hinzufügen.

Eine bessere Ausbildung und

intensivere Zusammenarbeit

Am Nachmittag war es das Ziel des NBL-Direktors,
eine ganze Reihe von Arbeitsgruppen auf die Beine
zu bringen, die in Zukunft jeweils mit einem Vertre-
ter der NBL die Probleme der luxemburgischen Bi-
bliotheken besprechen und Lösungen vorschlagen
sollen. Dabei geht es z.B. um die Informatisierung

der Kataloge – ein Bereich in dem die Luxemburger
Bibliotheken dank des Engagements von Jul Christo-
phory ohne Zweifel europaweit eine Spitzenposition
innehaben: Außer der NBL sind mittlerweile das
Centre Universitaire, das Geschichts- und Kunstmu-
seum, das Priesterseminar, die Musikkonservatorien
von Luxemburg und Esch/Alz. sowie das Athenäum
an das SIBIL-Netz angeschlossen oder bereiten sich
auf den Anschluß vor. Wer ein bestimmtes Buch
sucht, kann also von einem Terminal aus mit einem
einzigen Suchbefehl erfahren, ob es in einer dieser
Bibliotheken vorhanden ist. Weitere, auch kleinere
Bibliotheken werden sich in den kommenden Jahren
ohne großen Kosten- und Zeitaufwand anschließen
können, da gerade bei ihnen nicht unbedingt viele
Bücher erfaßt, sondern nur zusätzliche Bibliotheks-
standorte eingetragen werden müssen. Allerdings
gibt es noch Unterschiede in der bibliographischen
Bucherfassung durch die verschiedenen Bearbeiter,
die unbedingt aus dem Weg geräumt werden müssen.

Bis der gesamte, 700 000 Bände umfassende Bestand
der NBL im neuen SIBIL-Katalog erfaßt sein wird,
wird es aber wohl noch eine Weile dauern. Seit den
Vorarbeiten, die 1984 angelaufen sind, und seit am
25. Juli 1985 die ersten Titel katalogiert wurden, sind
bis heute rund 92 000 Titel erfaßt, rund 20 000 pro
Jahr. Da die NBL nur etwa 10 000 Neuanschaffungen
jährlich tätigen kann, heißt das, daß auch rund 10 000
Titel vom alten Bestand jährlich in den SIBIL-
Katalog eingespeist werden. Vielleicht werden die
kleineren Bibliotheken bald die NBL überrunden.
Schade ist nur, daß nicht mehr Verwaltungen – z.B.
Schulen – sich einen Terminal zur Konsultierung des
Katalogs anschaffen, die Software ist nämlich gratis.
Richtig interessant wird das allerdings erst werden,
wenn auch per Telefax Bücher aus den angeschlos-
senen Bibliotheken an dezentralen Schaltern ausge-
liehen werden können.

Was vorhin von bibliographischen Ungereimtheiten
im SIBIL-Katalog gesagt wurde, gilt auch für die Er-
fassung der in Luxemburg erscheinenden Zeitschrif-
tenaufsätze. Jeder Benutzer kennt die Mängel der von
der BNL erstellten "Bibliographie Nationale", deren
historiographisches Kapitel alljährlich in der Zeit-
schrift "Hémecht" erscheint. Wenn auch – z.B. –
"forum" seit wenigen Jahren (nach etlichen Rekla-
mationen; vgl. "forum" Nr. 82/1985, S. 32f.) berück-
sichtigt wird, so ist doch völlig undurchsichtig, nach
welchen Kriterien "forum"-Beiträge aufgenommen
werden und welche nicht. Luxemburgische Bücher
und Zeitschriften werden aber nur in Luxemburg für
Bibliographien aufbereitet; es ist dies der einzige
Beitrag, den wir für die internationale Forscherge-
meinschaft aller Disziplinen zu leisten haben.
Bislang stellt Luxemburg aber ausländischen For-
schern noch keine Datenbank mit Luxemburger Bi-
bliographie zur Verfügung, zumindest keine die
mittels EDV vom Ausland aus angezapft werden
könnte.

Die erwähnten bibliographischen Fehler rühren ohne
Zweifel auch von der mangelhaften Ausbildung von
Teilen des in den luxemburgischen Bibliotheken an-
gestellten Personals. Das hängt einerseits damit zu-

sammen, daß das Gesetz nicht für alle Bibliothekare eine fachspezifische Hochschulausbildung vorschreibt, andererseits daß die Regierungsverantwortlichen bzw. die "Commission de rationalisation du personnel de l’Etat", welche neue Posten den einzelnen Verwaltungen zuteilt, der Meinung ist, bestimmte Arbeiten, etwa das Katalogieren, könne genau-sogut von billigeren Arbeitskräften, z.B. Arbeitslosen, ausgeführt werden. Die NBL muß z.B. trotz des riesigen Aufwands der Umstellung auf EDV, trotz Anschluß an mehrere ausländische Datenbanken, trotz der baldigen Eröffnung einer Mediathek usw. immer noch mit 30 Posten auskommen, die von 36 Personen (ein Dutzend arbeitet nur halbtags) besetzt sind, die recht unterschiedliche Qualifikationen mitbringen. Die infrastrukturellen Möglichkeiten der NBL können daher gar nicht ausgeschöpft werden; um von den viel zu kurzen Öffnungszeiten gar nicht zu reden. Die Folgen sind auch Streß, Nervosität, gelegentlich unfreundlicher Umgang mit Kunden oder ungenaues Arbeiten beim Katalogieren usw., oder die Fachkräfte müssen periodisch durch unqualifizierte Mitarbeiter ersetzt werden, mit ähnlichen Folgen für die Qualität der geleisteten Arbeit. An kleineren Bibliotheken fehlt es manchmal ganz an Fachkräften; der gute Wille kann aber nicht immer eine gute Ausbildung ersetzen. Der Austausch unter Kollegen über diese endlich als gemeinsam erkannten Probleme war nach übereinstimmenden Aussagen aller unserer Gesprächspartner das positivste Erlebnis in Burglinster. Ein dort geschaffener Arbeitskreis soll sich zumindest mit der Aus- bzw. Fortbildung des Bibliothekenpersonals beschäftigen, wenn schon kein Einfluß auf die Einstellungspolitik genommen werden kann.

Unter diesen Umständen kann der Benutzer sich vorstellen, wie lange es noch dauern wird, bis die informatisierte Ausleihe in der NBL voll funktionsfähig sein wird (alle Bücher müssen mit "bar code" und Sicherheitsmagnetstreifen versehen werden!). Sie wird aber dringend gewünscht, um die Fristüberschreitungen einzuschränken, die zur Zeit mangels automatischer Mahnung recht zahlreich sind. Vor der Umstellung wurden vor kurzem rund 1 000 Benutzer der NBL angeschrieben, damit sie Bücher zurückbringen, die sie z.T. seit Jahren zu Hause horten! Ist die Umstellung aber einmal erfolgt, sollte die NBL auch längere Ausleihfristen ermöglichen und mehr Bücher auf einmal auszuleihen erlauben, nach dem hervorragenden Beispiel der Universitätsbibliothek in Trier. Da die informatisierte Ausleihe jederzeit jedes Buch zu lokalisieren vermag, dürfte solchen benutzerfreundlichen Maßnahmen eigentlich nichts mehr im Wege stehen.

Noch in den Kinderschuhen stecken Schulbibliotheken, die ihrem Namen gerecht werden können; auch sie werden daher Thema eines zukünftigen Arbeitskreises sein. Die sehr positiven Erfahrungen, die zur Zeit im hauptstädtischen Athenäum in dieser Hinsicht gesammelt werden, dürften Vorbildcharakter erhalten. Die Einstellung einer eigenen, vollamtlichen (allerdings nicht als solche ausgebildeten) Bibliothekarin, die den Schülern bei ihren Dokumentationswünschen zur Seite steht, der direkte Zugang zu

den Bücherregalen für die Schüler, der geplante Anschluß an das SIBIL-Netz haben jetzt schon erwiesen, daß sie dringenden Benutzerwünschen entsprechen: Das Interesse der Schüler ist überwältigend, in den Mittagspausen sollen die Räume schon zu klein sein!

Ein anderer Arbeitskreis sollte sich unbedingt mit den Volksbüchereien, den Bibliotheken mit volkstümlicher Literatur, beschäftigen. Daß ein solcher z.Z. nicht geplant ist, liegt wohl daran, daß die NBL keine derartige Literatur führt, sie die Probleme solcher Bibliotheken daher nicht kennt. Auf Gemeindeebene gibt es deren fünf im Land: in Esch-an-der-Alzette, in Luxemburg, in Differdingen, in Düdelingen und seit wenigen Wochen in Grevenmacher. Die Escher Bibliothek zählt immerhin 550 000 Bände, die Luxemburger 40 000. Zahlreicher sind die Pfarrbibliotheken. Alle müssen mit mehr als bescheidenen Budgetmitteln auskommen – rund 100 000 Franken das Jahr in den größeren Städten. Von Fachpersonal ist keine Rede. Der Staat fühlt sich aber bislang nicht berufen, über diesen Weg die öffentliche Lektüre zu fördern. Sein einziger, sicher schätzenswerter Beitrag in diese Richtung ist der vor fünf Jahren im Norden eingeführte "Bicherbus", der seit 1990 auch im Osten und im Süden zirkuliert.

Ein anderer Arbeitskreis wird die Gründung einer Vereinigung der Bibliotheken und Bibliothekare (eine neue ABBL?) und die Herausgabe eines Verbindungsblattes vorbereiten. Als erstes soll der Bibliothektstag als solcher institutionalisiert werden. Zusammenarbeit soll überhaupt in Zukunft großgeschrieben werden, wenn es nach dem Willen des NBL-Direktors geht. Sicher wäre auf diesem Wege auch Geld zu sparen: teure, aber nur für wenige Interessenten wichtige Neuanschaffungen insbesondere im Bereich der Fachzeitschriftenabonnements könnten abgesprochen werden. Doch auch der Benutzer wartet auf Verbesserungen: Wann kommt der "prêt inter-bibliothèques", d.h. wann kann man am Centre Universitaire oder im Priesterseminar, wo die Parkplätze billiger und leichter zu finden sind, Bücher aus der NBL bestellen (2)? Sogar wenn man einen Tag Wartezeit in Kauf nehmen muß, während man in der NBL in der Regel nur 20 Minuten auf ein Buch wartet, wäre das eine Zeit, Nerven und Benzin sparende und die Umwelt schonende Neuerung, zumindest bis die Politiker eingesehen haben, daß ein NBL-Neubau keineswegs mitten im Stadtzentrum stehen muß, sondern daß hier höchstens ein Ausleihschalter aufrechterhalten werden sollte.

Ein Hilfeschrei: Bücherwurm und Schimmelpilz fressen Bände!

Zur Zeit gehen die Pläne zum Ausbau der NBL nämlich eher in Richtung Unterkellerung des Vorplatzes zur Seite des Boulevard Roosevelt, während der schöne Binnenhof zur Seite der "Enneschlgaass" überdeckt und als erweiterter Lesesaal genutzt werden soll. Solche Initiativen sind sicher zu begrüßen, und den verantwortlichen Architekten sei ein

Vor kurzem wurden rund 1 000 Benutzer der NBL angeschrieben, damit sie Bücher zurückbringen, die sie z.T. seit Jahren zu Hause horten!

Besuch in der niederländischen Nationalbibliothek in Den Haag oder im nordbrabantischen Landesarchiv in ’s-Hertogenbosch empfohlen; letzteres z.B. ist in einem Fort der ehemaligen Stadtfestung untergebracht, wo ebenfalls der Binnenhof als Leseraum umgestaltet wurde: die getroffene architektonische Lösung sieht überzeugend aus. An der Notwendigkeit einer Erweiterung der NBL kann jedenfalls kein Zweifel bestehen, wenn man sich erinnert, daß der "fond ancien" unterm Dachgestühl untergebracht ist, wo er nicht nur dem Brand der Kathedrale vor ein paar Jahren fast zum Opfer gefallen wäre, sondern auch ohne Katastrophe regelmäßig den immensen Temperaturschwankungen eines Speichers ausgesetzt ist: für Bücher ist das tödlich, wie jeder nachvollziehen kann, der schon mal ein Buch auf dem Heizkörper oder im Sommer auf dem Fensterbrett vergessen hat. Seit dieser Fond 1972 – u.a. vom Unterzeichneten – eingeräumt worden ist, soll er ein einziges Mal mit fuseligen Lappen (!) abgestaubt worden sein: der Bücherwurm – keineswegs eine Märchengestalt! – wird sich freuen.

Noch schlimmer ist es aber um die Bibliothek der historischen Sektion des "Institut Grand-Ducal" bestellt, die – abgesehen von der Professorenbibliothek des Diekircher Lyzeums (1841) – die älteste des Landes (1845) ist. Ihr Vertreter, Herr Paul Margue, kündigte in Burglinster nur noch resigniert ihren baldigen Tod an. Seit Jahrzehnten bettelt er bei den sich folgenden Kulturministern um Hilfe, vergeblich. Die für historische Forschungszwecke wahre Schätze bergende Bibliothek, die dank Austausch mit führenden Forschungsinstituten Europas seit der Mitte des 19. Jahrhunderts von keiner anderen Bibliothek in Luxemburg übertroffen wird und deren Nutzung viele, teure Fernleihen überflüssig machen könnte, ist seit Jahrzehnten nicht mehr zugänglich. Die Bücher lagern in feuchten Kellerräumen des Athenäums, wo sie nicht nur Temperaturschwankungen ausgesetzt sind, sondern auch dem Bücherwurm und der langsamen Zersetzung des bis heute noch vielfach üblichen säurehaltigen Papiers. Die meisten müßten also zumindest auf Microfilm aufgenommen werden (der allerdings seinerseits regelmäßig erneuert werden muß, da seine Haltbarkeit auch nicht ewig ist). Doch es besteht nicht einmal ein Katalog der solcherart vermodernden Schätze!

Zwei Neuerungen konnte der NBL-Direktor in Burglinster ankündigen: 1) Ab Januar 1991 funktioniert in der NBL eine luxemburgische ISBN-Agentur. ISBN bedeutet "International Standard Book Number" und erleichtert vor allem dem Handel die zweifelsfreie Identifizierung von Büchern. Luxemburg soll weiterhin die Nummer 2 (französischer Sprachraum) als Erstzahl behalten, aber eine eigene

Zweinnummer vor der Verlagsnummer soll die nationale Eigenständigkeit dokumentieren. 2) Im Frühjahr 1991 wird in der NBL eine Mediathek eröffnet: wissenschaftliche Fernsehsendungen, Sprachlehrprogramme, audiovisuelles Begleitmaterial zu den gängigen Schulprogrammen der Lyzeen sowie das 1989 gegründete Musikarchiv stehen dann dem Interessenten zur Verfügung. Auch die vom "Centre National Audiovisuel" (CNA) in Düdelingen konservierten Filme sollen hier gesichtet werden können. Von einer Zusammenarbeit mit RTL erwartet sich Jul Christophory, daß auch die bei dieser Privatfirma lagernden Musikaufnahmen von Luxemburger Komponisten eines Tages in der NBL dem Melomanen zugänglich gemacht werden können.

Schlimmer ist es um die Bibliothek der historischen Sektion des "Institut Grand-Ducal" bestellt. Die Bücher lagern in feuchten Kellerräumen des Athenäums, wo sie nicht nur Temperaturschwankungen ausgesetzt sind, sondern auch dem Bücherwurm und der langsamen Zersetzung des bis heute noch vielfach üblichen säurehaltigen Papiers.

Das waren aber auch schon die wenigen konkreten Ankündigungen der "Journée des Bibliothèques". Damit kommen wir zur "crux" des gesamten Bibliothekstags in Burglinster: Der NBL-Direktor lancierte, wie das seine Art ist, ungemein viele Ideen, machte Vorschläge, gab Impulse. Es wurden mindestens neun Arbeitskreise geschaffen. Doch weder der Kulturminister noch sein Vertreter engagierten sich, auch nur einen Vorschlag in die Tat umzusetzen. Die Ausnahme bestätigt nur die Regel: Auf den Hilfeschrei von Herrn Paul Margue betreffend die Bibliothek der historischen Sektion des "Institut Grand-Ducal" (siehe oben) versprach der Direktionsbeauftragte des Kulturministeriums, in spätestens drei Jahren erhielten alle Sektionen des "Institut Grand-Ducal" eine gemeinsame Bleibe mit Sekretariat und Bibliothek in der Neumünsterabtei (Männergefängnis) in Stadtgrund. Doch dieses Versprechen machte schon Kulturminister Robert Krieps. Das betreffende Gesetzesprojekt war schon unter seiner Amtsführung fertiggestellt. Es ist bis heute nicht in der Abgeordnetenkammer deponiert worden.

m.p.

(1) Françoise ZIMMER, Répertoire de bibliothèques et centres de documentation spécialisés au Grand-Duché de Luxemburg. Contribution à l’étude du tissu documentaire luxembourgeois, Mémoire pour l’obtention du titre de Bibliothécaire-documentaliste gradué, Bruxelles (IESSE), 1986/87. – Da der NBL-Direktor ankündigte, er werde demnächst einen Bibliotheksführer für Luxemburg herausgeben, sei ihm jetzt schon geraten, das Problem der Autorenrechte nicht zu übersehen.

(2) Dieselbe Frage bezieht sich übrigens auf den "Bicherheits": Warum führt er den Microfiches-Katalog der NBL nicht mit sich, so daß Landbewohner Bücher aus der NBL auch auf diesem Weg bestellen könnten?

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